James Jesus Angleton

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James Jesus Angleton

James Jesus Angleton (* 9. Dezember 1917 in Boise, Idaho; † 12. Mai 1987) war ein US-amerikanischer Agent und langjähriger Chef der Spionageabwehrabteilung der CIA.

Der ehemalige Direktor der Central Intelligence Agency Richard Helms äußerte sich zu Angleton wie folgt: „Seinerzeit wurde Jim als die dominierende Gegenspionage-Figur in der nichtkommunistischen Welt angesehen.“[1] Der Journalist Edward Jay Epstein meint, Angleton habe das Vertrauen von sechs CIA-Direktoren, darunter Walter Bedell Smith, Allen W. Dulles und Richard Helms gewonnen, die Schlüsselpositionen mit ihm besetzt und seine Arbeit geschätzt hätten.[2]

Leben[Bearbeiten]

Angleton wurde als Sohn des Kavallerieoffiziers James Hugh Angleton und dessen mexikanischer Frau Carmen Mercedes Moreno geboren. In den 1930er Jahren übersiedelte die Familie nach Mailand, wo Angletons Vater die italienische Filiale von NCR Corporation leitete. Nach Studien am britischen Malvern College, an der Yale University und in Harvard wurde Angleton vom Office of Strategic Services (OSS) angeworben, dem auch sein Vater angehörte, und diente 1941–42 im X2-Büro in London. 1943 wurde er nach Italien versetzt und wurde zu Kriegsende Chef der Gegenspionageeinheit in Rom. Nach einem Aufenthalt in Washington D. C. wurde Angleton Ende der 1940er Jahre Chef OSS und X2 für Italien. Zurück in Washington war er in verschiedenen Nachfolge-Organisationen der OSS beschäftigt und einer der Gründungsoffiziere der Central Intelligence Agency. 1949 wurde Angleton Chef Staff A des Office of Special Operations, einer Abteilung, die für den Nachrichtengewinn aus dem Ausland verantwortlich war und in Verbindung mit den Gegenspionage-Abteilungen stand. Angleton pflegte gute Beziehungen zu Israels Mossad und dem Schin Bet, die er bis zum Ende seiner Karriere pflegte.

Er entwickelte in seiner Position aufgrund der Erfahrungen mit Donald Maclean, Kim Philby (den Angleton persönlich kannte, aber nicht zu enttarnen vermochte) und Jack Dunlap eine fast obsessive Tendenz, nach Verrätern in den eigenen Reihen zu suchen. Der Absprung der KGB-Offiziere Anatoli Michailowitsch Golizyn und Juri Iwanowitsch Nosenko und ihre – zum Teil fragwürdigen – Informationen bestärkten Angleton in seiner Sorge vor Maulwürfen in der eigenen Organisation.
1963 leitete Angleton die „Operation CHAOS“, bei der verfassungswidrig (und am eigentlich zuständigen FBI vorbei) Bürgerrechtler und Kriegsgegner überwacht wurden.

Rücktritt[Bearbeiten]

Angletons Rücktritt wurde Weihnachten 1974 angekündigt. Drei von Angletons höheren Angestellten in der Spionageabwehr, sein Stellvertreter Raymond Rocca, William J. Hood und Angletons Chief of Operations, Newton S. Miller, wurden in den Ruhestand gedrängt. Die Spionageabwehr wurde von 300 Mitarbeitern auf 80 reduziert.

Angleton liebte Poesie, vor allem Ezra Pound, mit dem er korrespondierte, sowie Thomas Stearns Eliot. Er befasste sich mit Gemmen und mit Orchideenzucht.

Einschätzung und künstlerische Rezeption[Bearbeiten]

Seine mythenumrankte Persönlichkeit diente als Vorbild für zahlreiche Werke der Literatur.
John le Carré geht in seinem 1991 neu geschriebenen Vorwort für Dame, König, As, Spion (der von der Jagd nach einem Maulwurf im britischen Geheimdienst handelt) auf ihn ein, und meint über Angletons Paranoia, die Sowjetunion habe einen hochrangigen Agenten im CIA plaziert gehabt, der ihr ermöglicht hätte, diesen tatsächlich zu führen, dass diese Annahme zwar falsch gewesen sei, die Auswirkungen dieser Paranoia seien aber nicht weniger katastrophal gewesen, als hätte er recht gehabt. Le Carrés Einschätzung nach hat diese Paranoia den CIA ebenso paralysiert wie Philbys Verrat den britischen Geheimdienst.[3]
Norman Mailer ließ sich für seine Gestalt Hugh Montague in Harlot’s Ghost von Angleton inspirieren. Auch der Superspion Eliot in David Morrells Roman The Brotherhood of the Rose basiert auf Angleton, desgleichen die Figur „Mother“ in Orchids for Mother von Aaron Latham. Der Film The Good Shepherd von 2006 (dt. Der gute Hirte) ist eine freie Variation von Angletons Lebensgeschichte. Angleton ist auch eine zentrale Figur in dem Halbroman und Halbsachbuch Die Company von Robert Littell, das 2007 unter dem Namen The Company – Im Auftrag der CIA verfilmt wurde. In Vergebung (schwed. Luftslottet som sprängdes, 2007) von Stieg Larsson wird Angleton ebenfalls prominent erwähnt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tom Mangold: Cold Warrior: James Jesus Angleton. The CIA’s Master Spy Hunter. New York: Simon & Schuster 1991
  • David C. Martin: Wilderness of Mirrors: Intrigue, Deception, and the Secrets that Destroyed Two of the Cold War’s Most Important Agents. Guilford: The Lyons Press 2003
  • David Wise: Molehunt: The Secret Search for Traitors that Shattered the CIA. New York: Random House 1992
  • Richard Helms: A Look Over my Shoulder: A Life in the Central Intelligence Agency. New York: Random House 2003
  • Terence Hawkes: William Empson’s influence on the CIA. Times Literary Supplement, 12. Juni 2009, S. 3–5.
  • Michael Holzman: James Jesus Angleton, the CIA and the Craft of Counterintelligence. University of Massachusetts Press 2008

Film[Bearbeiten]

Dienstbereit - Nazis und Faschisten im Auftrag der CIA, Regie und Buch: Dirk Pohlman

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Richard Helms, A Look over My Shoulder: A Life in the Central Intelligence Agency (New York: Random House, 2003), S. 275. Im Original: „In his day, Jim was recognized as the dominant counterintelligence figure in the non-communist world.“
  2. Edward Jay Epstein: Opening Up the CIA. Espionage, covert action and the trouble with ‚dangles‘ (englisch). In: Wall Street Journal online, Wall Street Journal. Archiviert vom Original am 5. Oktober 2008. 
  3. Dame, König, As, Spion, S. 9, Berlin 2012, List, ISBN 978-3-548-61077-1,