James Leonard Corning

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James Leonard Corning

James Leonard Corning (* 1855 in Stamford (Connecticut); † 1923) war ein amerikanischer Neurologe.

Nach dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges (1861) übersiedelte Cornings Familie nach Deutschland, wo er Chemie am Stuttgarter polytechnischen Institut, Physiologie in Heidelberg sowie Pathologie in Würzburg studierte. Nach der Approbation als Arzt 1878 folgten Aufenthalte in Wien, Paris und London. Nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten spezialisierte sich Corning auf Nervenkrankheiten, wozu er zahlreiche Artikel und mehrere Bücher veröffentlichte.[1]

Corning ist hauptsächlich durch seine Versuche zur Spinalanästhesie bekannt, die er 1885 in New York durchführte.[2] Seine Versuche, bei denen er rückenmarksnah Kokain injizierte, gelten als die erste Publikation zum Prinzip der Spinalanästhesie. Ob diese jedoch tatsächlich gelang, ist umstritten. Im Anschluss an die Veröffentlichung von August Bier, der 1898 eine Spinalanästhesie in Kiel durchführte, entwickelte sich eine Kontroverse um das erste erfolgreich durchgeführte Anästhesieverfahren dieser Art, was sowohl Bier als auch Corning für sich beanspruchten. Heute wird Corning die Schaffung der experimentellen und theoretischen Voraussetzungen für die Spinalanästhesie zugeschrieben, Bier die erfolgreiche Anwendung und anschließende Etablierung des Verfahrens in der Klinik.[3]

Einer damaligen Strömung folgend, die eine vermehrte Durchblutung des Gehirns als Ursache von Anfallsleiden ansah, entwickelte Corning in den 1880er Jahren auch mehrere Instrumente zur Kompression der Halsschlagader. Zu diesen Apparaten gehörte unter anderem ein gabelartiges Kompressionsinstrument zur akuten Anfallsbehandlung sowie ein einstellbares gürtelartiges Instrument, das den Hals umfassend zur dauerhaften Kompression zur prophylaktischen Behandlung dienen sollte. Corning meinte hierdurch eine Reduktion von Anfallsdauer bzw. Anfallsfrequenz erreichen zu können. Er entwickelte diesen Ansatz später in Kombination mit anderen Methoden zur Reduktion der Hirndurchblutung (wie zum Beispiel eine transkutane elektrische Stimulation des Vagusnervs) weiter. Nebeneffekte dieser bereits Ende des 19. Jahrhunderts wieder verlassenen Behandlungsmethoden waren Bradykardie, Schwindel und Synkopen.[4]

Bibliografie[Bearbeiten]

  • Brain-rest. New York: G. P. Putnam's Sons, 1883
  • Brain Exhaustion, with some preliminary considerations on cerebral dynamics. New York: D. Appleton, 1884
  • Local anaesthesia in general medicine and surgery, being the practical application of the author's recent discoveries. New York: D. Appleton, 1885
  • A treatise on headache and neuralgia, including spinal irritation and a disquisition on normal and morbid sleep. New York: EB Treat, 1888
  • A treatise on hysteria and epilepsy, with some concluding observations on epileptic insomnia. Detroit: GS Davis, 1888
  • Pain in its neuro-pathological, diagnostic, medico- legal and neuro-therapeutic relations. Philadelphia: JB Lippincott, 1894 [5]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Gorelick PB, Zych D: James Leonard Corning and the early history of spinal puncture. Neurology. 1987 Apr;37(4):672-4. PMID 3550521 (PDF, 421 KB)
  2. Corning JL: Spinal anaesthesia and local medication of the cord. New York State Med J 42:483 (1885)
  3. Oehme P: Rückenmarksanästhesie mit Kokain: Die Prioritätskontroverse zur Lumbalanästhesie. Dtsch Arztebl 1998;95(41):A-2556-8
  4. Lanska: J. L. Corning and vagal nerve stimulation for seizures in the 1880s. Neurology. 2002;58(3):452-9. PMID 11839848
  5. Ira M. Rutkow: The History of Surgery in the United States, 1775-1900. Norman Publishing, 1992. ISBN 0930405021