Jan Švankmajer

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Jan Švankmajer (2009)

Jan Švankmajer (* 4. September 1934 in Prag) ist ein tschechischer surrealistischer Filmemacher, Poet, Zeichner und Objektkünstler. Außerhalb der Tschechischen Republik ist er durch seine surrealistischen Animationen und Filme bekannt geworden. Künstler wie Tim Burton, Terry Gilliam und andere sind von Švankmajers Arbeiten stark beeinflusst.

Biografie[Bearbeiten]

Švankmajer studierte zuerst am Institut für angewandte Kunst und von 1950 bis 1954 an der Prager Akademie der bildenden Künste – Fachrichtung Marionettentheater. 1970 lernte er seine Frau, die surrealistische Malerin Eva Švankmajerova und den Organisator und Theoretiker der tschechischen Surrealisten-Gruppe, Vratislav Effenberg, kennen. Dieser Gruppe ist er auch beigetreten. Durch Alfred Radok und die Laterna Magika kam er zum Film. Sein erster Film war 1964 Poslední trik pana Schwarcewalldea a pana Edgara (deutsch Der letzte Trick des Herrn Schwarzewald und des Herrn Edgar).[1] Von 1973 bis 1980 war er mit Berufsverbot belegt, weil er angeblich politische Botschaften in seinen Kurzfilm Leonarduv denik (deutsch Leonardos Tagebuch) geschnitten hatte. Dennoch produzierte er in diesem Zeitraum Filme, die jedoch nur im Ausland zu sehen waren. Aber er befasste sich in dieser Periode auch vermehrt zusammen mit seiner Frau mit der bildenden Kunst und der Poesie[2].[3] 1981 kaufte Švankmajer das Schloss Horní Staňkov und richtete darin ein Atelier ein.[4] Seit 1992 lebt er in Knovíz im Okres Kladno. In seinem Wohnhaus befindet sich auch seine Filmproduktionsgesellschaft Athanor.

Werk[Bearbeiten]

Švankmajer verdankt sein Ansehen der von ihm über Jahrzehnte hinweg entwickelten Stop-Motion-Technik sowie seinem Talent für surreale, albtraumhafte, aber dennoch witzige Filme. Er produziert gegenwärtig in Prag. Zwischen 1964 und 2005 hat er insgesamt rund 30 Filme in einer Länge von 20 Sekunden bis 95 Minuten produziert, wovon der größte Teil animiert ist. 2005 erschien sein letzter Film Šílení, ein Gruselfilm nach Edgar Allan Poe und dem Marquis De Sade – zwei Autoren, deren Einfluss sich bereits in früheren Arbeiten Švankmajers niedergeschlagen hatte.

Zu Švankmajers Markenzeichen zählt der Einsatz schnell aufbereiteter Bilder und stark übertriebener Klänge, die in allen Szenen, in denen gegessen wird, einen sehr eigentümlichen Effekt hervorrufen. Das Gehen von Personen und ihr Interagieren wird häufig durch Zeitraffer verfremdet. Mit Hilfe seiner Stop-Motion-Technik werden unbelebte Dinge oft lebendig; diese Technik nutzt Švankmajer in allen seinen Filmen. In einigen seiner Werke, unter anderem dem Film Alice von 1988 und dem Kurzfilm Leonardos Tagebuch, kombiniert er die Stop-Motion-Technik mit echten Filmaufnahmen. Weitere Merkmale sind das Mischen von toten und lebendigen Materialien sowie von Real- und Animationsequenzen, aber auch der Einsatz maßstabsgetreuer Puppen, von Tieren, Collagen, gemalten Animationen und der Materialien Ton, Wasser und Stein. Das Thema seiner Arbeit ist das Abstreifen von Ängsten, die Hauptquellen seines Schaffens sind Kindheitserlebnisse, der Traum, die Erotik und die mythische Vergangenheit Prags.

Viele seiner Filme wie beispielsweise Down to the Cellar nutzen die Perspektive eines Kindes, während sie oftmals gleichzeitig von beunruhigender und sogar aggressiver Natur sind.

Švankmajer erhielt 30 Preise und Auszeichnungen[5]. Seine bekanntesten Filme sind Alice (1988), Faust (1994), Conspirators of Pleasure (1996) und Otesánek (2000). Letztgenannter Film erhielt 2002 den Böhmischen Löwen, den nationalen Filmpreis Tschechiens.

Filmographie[Bearbeiten]

Langfilme[Bearbeiten]

  • Přežít svůj život (2010)
    • Surviving life (Internationaler/Englischer Filmtitel)
  • Šílení (2005)
    • Lunacy (Internationaler/Englischer Filmtitel)
  • Otesánek (2000)
    • Greedy Guts (Internationaler/Englischer Filmtitel)
    • Little Otik (USA: unter diesen Namen an Festivals eingereicht)
  • Spiklenci slasti (1996)
    • Conspirators of Pleasure (Internationaler/Englischer Filmtitel)
  • Faust (1994)
  • Něco z Alenky (1988, Produktion: Condor Films AG)
    • Alice (Deutscher Filmtitel)

Kurzfilme[Bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten]

  • 2009–2010 Ludwigshafen, Wilhelm-Hack-Museum, Beteiligung an der Sammelausstellung Gegen jede Vernunft – Surrealismus Paris – Prag

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jodoin-Keaton, Charles: Jan Švankmajer. Un surréalisme animé (in frz.), Rouge Profond, 2011
  • Hames, Peter (Hrsg.): The Films of Jan Švankmajer. Dark Alchemy. London: Wallflower Press. 2008.
  • Švankmajer, Jan: Das Lexikon der Träume. Wien: Filmcasino. 1993.
  • Švankmajer, Jan: Dekalog und Švankmajer über Švankmajer. In: Subversionen des Surrealen im mittel- und osteuropäischen Film, zusammengestellt und konzipiert von Hans-Joachim Schlegel, hrsg. vom Deutschen Filminstitut, Frankfurt a. M. 2002 ISBN 3-9805865-4-5
  • Schlegel, Hans-Joachim: Jan Švankmajer: Die subversive Macht der Imagination.(dt. und engl.) In: Katalog der 11. Festivals des mittel- und osteuropäischen Films. Wiesbaden 2011
  • Ursula Blickle, Gerald A. Matt (Hrsg.): Das Kabinett des Jan Švankmajer: das Pendel, die Grube und andere Absonderlichkeiten (dt. und engl.). Wien: Verlag für moderne Kunst 2011 ISBN 978-3-86984-256-1
  1. http://www.czech.cz/de/allgemeine-infos/geschichte/beruhmte-tschechen-des-vergangenen-jahrhunderts/jan-svankmajer/
  2. http://www.awn.com/mag/issue2.3/issue2.3pages/2.3jacksonsvankmajer.html
  3. http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-subversiven-traume-des-jan-svankmajer
  4. http://www.sumava.cz/objekt_az/2323-zamek-horni-stankov/
  5. Jan Švankmajer: The Prodigious Animator from Prague