Jan Delay

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Jan Delay (2013)

Jan Delay (* 20. Februar 1976 in Hamburg-Eppendorf[1]; bürgerlich: Jan Phillip Eißfeldt) ist ein deutscher Hip-Hop-, Reggae-, Soul-, Rock- und Funk-Musiker. Er ist Mitglied der Gruppe Beginner und auch als Solokünstler aktiv.

Biografie[Bearbeiten]

Jan Delay besuchte von 1986 bis 1995 das Helene-Lange-Gymnasium in Hamburg und legte dort das Abitur ab.

Jan Delay ist ein Drittel der Beginner (ehemals Absolute Beginner) und bildet mit Tropf die Formation La Boom. Ein weiterer Name des Hamburgers, den er unter anderem auf diversen Untergrund-Veröffentlichungen benutzte (der Eimsbush-Style Liga), ist Boba Ffett[2] (angelehnt an Boba Fett, einen Charakter aus Krieg der Sterne). Als Eizi Eiz oder Eißfeldt tritt er als Teil der Beginner auf, während er das Pseudonym Jan Delay hauptsächlich als Solo-Künstler und in den Genres Reggae und Funk verwendet. Das Pseudonym Jan Delay ist zum Einen eine Anspielung auf die in den 90er Jahren kurzzeitig erfolgreiche Rapperin Young Deenay. Zum Anderen bedeutet Delay im Englischen Verzögerung und ist zudem der Name eines tragenden Effekts in der Reggae-/Dancehallmusik, (mit dem Nachhall ein wichtiges Stilelement im Reggae und vor allem im Dub).

Jan Delay (2013)


1997 gründete er zusammen mit einigen Musiker-Kollegen das Label Eimsbush, das 2003 Insolvenz anmelden musste.

Sein Soloalbum Searching for the Jan Soul Rebels, das er zusammen mit der Sam Ragga Band aufnahm, wurde von den Kritikern hoch gelobt, er mischte darin gekonnt und mitunter innovativ verschiedene Musikstile. Der Titel spielt auf das Debütalbum Searching for the Young Soul Rebels der Dexys Midnight Runners an. Produziert wurde dieses Album in enger Zusammenarbeit mit dem Produzenten Matthias Arfmann, der unter anderem auch das erste Album des Reggae-Künstlers Patrice sowie die ersten beiden Alben der Beginner mitproduzierte.

Im August 2006 erschien sein zweites Soloalbum mit dem Titel Mercedes-Dance, das in Zusammenarbeit mit seiner neuen Band Disko No. 1, und mit Matthias Arfmann & Tropf als Co-Produzenten entstand. Dieses steht im starken Kontrast zu seinem Debütalbum, im Intro sagt Jan Delay bereits: „Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran“. Die Platte wird von Jazztönen mit starken Funk-Elementen bestimmt. Sie erreichte in der ersten Woche Platz eins der deutschen Charts. Die Texte sind zum Teil nicht mehr so sozial-/politikkritisch wie seine früheren Werke, was er im Intro ebenfalls anspricht. Es wurde auch ein Livealbum und eine DVD von Mercedes-Dance veröffentlicht. Zuvor wurde die Single Klar veröffentlicht.

Bei Liveauftritten arbeitet er mit der Funkband Disko No. 1 zusammen. Mit dem Song Feuer nahm Jan Delay am 9. Februar 2007 für das Bundesland Hamburg am 3. Bundesvision Song Contest teil und erreichte den zweiten Platz. Am 7. Juli 2007 trat er in Hamburg bei Live Earth auf. Delay spricht die deutsche Synchronstimme von Japeth der Ziege in dem Film Die Rotkäppchen-Verschwörung und Vector im Film Ich – Einfach Unverbesserlich.

2009 arbeitete er mit dem Radiosender 1 Live zusammen und gab für den Gewinner des sendereigenen Schulduells[3] ein Konzert mit rund 1500 Schülern, Abiturienten und Lehrern. Nach einer Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg an dessen Comeback-Album Stark wie zwei veröffentlichte Jan Delay August 2009 mit Wir Kinder vom Bahnhof Soul sein drittes Soloalbum, das sich musikalisch wie der Vorgänger ebenfalls stark an Funk und Soul anlehnt,[4] laut eigener Aussage der Versuch, das vorherige Album „nochmal in richtig und richtig gut“ zu machen.[5] Wie der Vorgänger Mercedes Dance erreichte auch Wir Kinder vom Bahnhof Soul den ersten Platz der deutschen Album-Charts.[6]

Der Hamburg-Film Soul Kitchen (2009) von Fatih Akın wurde vom Regisseur aufwändig verändert, nachdem Delay nach einer Vorschau Akın gegenüber geäußert habe, der Film habe „noch nicht den richtigen Groove“. Die Vorschau sollte klären, ob Delay die Genehmigung erteilen würde, einen seiner Songs zu verwenden.[7][8] Nach eigener Aussage meinte er damit das „dramaturgische Loch“, das seiner Meinung nach in der ersten Fassung des Films existierte.[9]

Im Juni 2010 erschien das zweite Live-Album von Jan Delay mit dem Titel Wir Kinder vom Bahnhof Soul Live, das analog zu Mercedes-Dance Live Live-Aufnahmen von der Tour zu seinem Album aus dem Vorjahr enthält. Am 14. Mai 2011 trat Delay beim Finale des Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf gemeinsam mit Disko No. 1 auf.[10]

Für den 11. April 2014 hat Jan Delay das Album Hammer & Michel im Rock-Stil angekündigt[11]. Während der Echoverleihung 2014 trat Jan Delay mit seinem Song St. Pauli aus seinem neuen Album auf. Am Tag nach dem Auftritt erreichte St. Pauli Platz 10 der Media-Control-Charts. Liebe, eine weitere Singleauskopplung seines Albums, stieg in derselben Woche auf Platz 59 in die Charts ein.

Politische Äußerungen[Bearbeiten]

In seinen Liedern „wettert Delay gegen die Macht großer Konzerne, [...] [und hackt] auf deutschen Verklemmtheiten herum“.[12] Außerdem engagiert er sich für eine Radioquote für deutschsprachige Popmusik.[12] Er bekundet seine Sympathie für Straftaten des Schwarzen Blocks bei Demonstrationen,[13] unterstützte die Proteste zum G8-Gipfel in Heiligendamm und sieht Gewalt in Form von Sachbeschädigung als zulässiges Mittel der Agitation, da sie sich seiner Meinung nach nicht gegen Personen richtet.[14][15] Obwohl sich Jan Delay als politisch links einordnet, bezeichnet er sich als nicht antikapitalistisch. Des Weiteren gibt Delay zu, Joints zu konsumieren.[16]

Jan Delay engagiert sich zudem für das Lesen- und Schreibenlernen im Rahmen der Kampagne iCHANCE, die vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung durchgeführt wird.[17][18] 2012 unterstützte er die Oxfam-Kampagne Mit Essen spielt man nicht! gegen Nahrungsmittelspekulation.[19] Des Weiteren ist er CSR-Botschafter der Aktion Lebenslang tolerant des Fußballvereins Werder Bremen, für den sein Herz schlägt.[20]

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jan Delay/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[21] Anmerkungen
DE AT CH
2001 Searching for the Jan Soul Rebels 12
(10 Wo.)
21
(10 Wo.)
69
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. März 2001
2006 Mercedes-Dance 1
(47 Wo.)
3
(16 Wo.)
2
(17 Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. August 2006
Verkäufe: + 225.000
2009 Wir Kinder vom Bahnhof Soul 1
(54 Wo.)
2
(19 Wo.)
1
(37 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. August 2009
Verkäufe: + 215.000
2014 Hammer & Michel Erstveröffentlichung: 11. April 2014

Nominierungen[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

ECHO

  • 2010: in der Kategorie „Bester HipHop Urban“
  • 2010: in der Kategorie „Kritikerpreis“

Comet

  • 2010: in der Kategorie „Star der Stars“

1LIVE Krone

  • 2007: in der Kategorie „Bester Künstler“
  • 2009: in der Kategorie „Bestes Album“

HANS - Der Hamburger Musikpreis

  • 2009: in der Kategorie „Herausragende Hamburger Künstlerentwicklung“
  • 2010: in der Kategorie „Beste Produktion des Jahres“

Sonstiges

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jan Delay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie von Jan Delay, abgerufen am 2. September 2012
  2. DW-World.de: Porträt der Woche: Jan Delay
  3. 1LIVE Schulduell 2011 (mit Verweis auf Schulduell 2009), abgerufen am 21. Dez. 2012
  4. Stern.de: Jan Delay und die «Kinder vom Bahnhof Soul»
  5. Galore-Interview mit Jan Delay
  6. zur Veröffentlichung von Wir Kinder vom Bahnhof Soul Live: Jan Delay-Artikel auf news.de
  7. Fatih Akin im Interview - Jetzt spricht der große Gewinner von Venedig - Kultur & Live - Hamburger Abendblatt
  8. Der in Venedig geehrte Regisseur im Interview: Fatih Akin verpasste Cannes wegen Jan Delay
  9. Interview mit news.de
  10. Eurovision 2011: Einzelheiten zur Bühne und den Gastacts - Häppchen vom Eurovision Song Contest
  11. Jan Delay: Rockalbum 'Hammer & Michel' kommt im April - Rolling Stone-
  12. a b Erik Pfeil: Es ist Funk – na und? In: FAZ, 14. Oktober 2009, abgerufen am 29. Dezember 2012.
  13. „Brennende Autos sind auch Agitation“. Interview erschienen am 11. Oktober 2011 in der Berliner Morgenpost, abgerufen am 21. Dezember 2012.
  14. Christian Bangel: „Brennende Autos helfen“. Interview mit Jan Delay auf zuender.zeit.de, 2007, abgerufen am 29. Dezember 2012.
  15. G-8-Protest als Pop-Event, Spon, 9. Mai 2007
  16. Interview mit Jan Delay - WAZ *. Abgerufen am 11. April 2014.
  17. iCHANCE Profi Portal: Promis. Abgerufen am 2. August 2011.
  18. YouTube: JAN DELAY gegen Analphabetismus. 5. September 2008, abgerufen am 2. August 2011.
  19. Youtube: Jan Delay gegen Nahrungsmittelspekulation. Abgerufen am 5. Juli 2012.
  20. Werder Bremen - Lebenslang Tolerant. Abgerufen am 28. August 2012.
  21. Chartquellen: DE AT CH