Jan Myrdal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jan Myrdal

Jan Myrdal (Aussprache: [ˌ ʝɑːn ˈmyːɖɑːl], * 19. Juli 1927 in Stockholm) ist ein schwedischer Schriftsteller..

Leben[Bearbeiten]

Myrdal ist der Sohn des Ökonomen Gunnar Myrdal und dessen Ehefrau, der Soziologin Alva Myrdal. Sissela Bok und Kaj Fölster sind seine beiden Schwestern.

1946 beschreibt Myrdal in seinem Roman Pubertet die Selbstfindung und Entwicklung eines Jugendlichen zum Erwachsenen. Einerseits wegen seines Stils, wohl aber auch um seinen Eltern nicht zu schaden, wurde dieses Manuskript damals nicht publiziert.

Im Frühjahr 1961 ging Myrdal für ein Jahr in die Volksrepublik China und bereiste das Land. In seinen Reportagen solidarisierte er sich bald mit Mao Zedong und seiner Politik.

Zwischen 1963 und 1966 war Myrdal mit seinen regelmäßigen Kolumnen maßgeblich am Feuilleton der Zeitung Stockholm Tidningen beteiligt. Mit seinen Büchern über Länder, die er bereiste, konnte sich Myrdal weltweit einen Namen machen; wiewohl er sich durch seine politischen Aussagen darin viele Feinde machte. Myrdal stellt sich in seinem Selbstverständnis immer auf die Seite der „kleinen Leute“ und kritisierte den Eurozentrismus.

Jan Myrdal war mit der 2007 verstorbenen Gun Kessle verheiratet und hatte mit ihr eine Tochter und einen Sohn.

1980 verlieh ihm das Upsala College, N.J. die Ehrendoktorwürde.

Kontroversen um Myrdals Verteidigung von Menschenrechtsverletzungen und Diktaturen[Bearbeiten]

1996 sorgte Myrdal weltweit für Aufsehen, als er die Fatwa (gegen Salman Rushdie) als formaljuristisch korrekt befand. Im März 1997 bezeichnete Myrdal in einem Interview das Tian’anmen-Massaker vom 4. Juni 1989 auf dem Tian’anmen-Platz als „… politisch das einzig Richtige“. Diese Äußerung führte zu einem (erfolglosen) Antrag, Myrdal aus dem schwedischen PEN auszuschließen.[1] Weiterhin sagte er an anderer Stelle, dass die Regierung der Taliban in Afghanistan die beste seit Jahrzehnten gewesen sei. Die Maßnahmen der Regierung Pol Pot in Kambodscha verteidigte er.[2][3][4]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Kreuzweg der Kulturen (1960, Kulturers korsväg)
  • Bericht aus einem chinesischen Dorf (1963, Rapport från kinesisk by)
  • Turkmenistan (1966)
  • Bekenntnisse eines unmutigen Europäers (1968, Confessions of a Disloyal European)
  • China. Die Revolution geht weiter (1970, Kina. Revolutionen går vidare)
  • Die albanische Herausforderung (1970, Albansk utmaning)
  • Die unnötige Gegenwart, Acht Unterhaltungen über die Zukunft der Geschichte (1974, Den Onödiga Samtiden, zusammen mit Lars Gustafsson)
  • Karriere, Roman (1975, Karriär)
  • China nach Mao Tsetung und Dritter Bericht aus einem chinesischen Dorf (1976: Kinesiska frågor från Liu Ling, 1977: Kina efter Mao Tsetung)
  • Indien bricht auf (1980, Indien väntar)
  • Balzac und der Realismus (1981, Strindberg och Balzac)
  • Kindheit in Schweden (1982, Barndom)
  • Das dreizehnte Jahr (1983, Den trettonde)
  • Eine andere Welt (1984, En annan värld)
  • Wort und Absicht (1986, Ord och avsikt)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lena Einhorn: Jan Myrdal - author and provocateur. Dokumentation, Sveriges Television, 2005, abgerufen am 7. September 2013.
  2. Svenska Dagbladet vom 19. Juli 2007 http://blog.svd.se/ledarbloggen/2007/07/19/80-ar-att-minnas/
  3. Peter Fröberg Idling: Pol Pots Lächeln. Eine schwedische Reise durch das Kambodscha der Roten Khmer. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt am Main 2013. ISBN 978-3-7632-6579-4.
  4. Joscha Schmierer: Unbeschreibliche Brutalität, verblüffende Inkompetenz. Pol Pot und die europäische Solidarität: Ein Überlebender und ein Zeitzeuge beschreiben das Terror-Regime der Roten Khmer. In: FAZ vom 1. Juli 2013, S. 28.

Weblinks[Bearbeiten]