Jan Pieterszoon Coen

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Jan Pieterszoon Coen

Jan Pieterszoon Coen [kuːn] (* 8. Januar 1587 in Hoorn; † 20. September 1629 in Batavia (heute Jakarta)), in Indonesien Djangkung, war Generalgouverneur der niederländischen Ostindien-Kompanie (VOC) in Südostasien. Da er dort die Vormachtstellung der VOC begründete, gilt er als niederländischer empire builder, der die Grundlage für das spätere Niederländisch-Indien legte.[1]

Herkunft und Aufstieg[Bearbeiten]

Coen wurde am 8. Januar 1587 in der Grote Kerk von Hoorn, einer Seefahrerstadt an der Zuiderzee, getauft.[2] Der Vater war zwei Jahre zuvor aus dem südspanischen Ort Sanlúcar de Barrameda eingewandert. Er wurde als strenger Calvinist erzogen. Mit 13 Jahren wurde er von seinem Vater nach Rom geschickt, um dort die doppelte Buchführung zu erlernen, die einem Kaufmann auf einen Blick seine Forderungen und seine Schulden vor Augen führte. Nach sechs Jahren kehrte Coen zurück nach Hoorn, wo inzwischen eine Kammer der 1602 gegründeten VOC ihren Sitz hatte. 1607 fuhr Coen als Unterkaufmann mit einer VOC-Flotte unter dem Kommandanten Pieter Verhoeff zum ersten Mal nach Südostasien. Als er vier Jahre später zurückkehrte, legte er dem Direktorium einen ausführlichen Bericht mit Ratschlägen dazu vor, wie die Position der Kompanie gegen die portugiesische und englische Konkurrenz zu verbessern sei. 1612 reiste er erneut nach Südostasien ab, diesmal als Oberkaufmann. Weiterhin schrieb er regelmäßig Berichte an die Direktoren, in denen er diese auch scharf kritisierte. Die Direktoren – vergleichbar einem heutigen Konzernvorstand – verübelten ihm dies aber nicht, im Gegenteil: 1613 beförderten sie ihn zum Generaldirektor, der zweithöchsten Position in Südostasien. 1618 wurde er schließlich Generalgouverneur.

Erste Amtszeit als Generalgouverneur[Bearbeiten]

Um der VOC einen festen Stützpunkt zu verschaffen, brannte Coen 1619 die Stadt Jakarta an der Nordküste von Java nieder und baute auf ihren Trümmern Batavia, das zum Handelszentrum der Niederländer in Asien wurde. Es war jedoch keineswegs das Ziel Coens, ein Kolonialreich zu begründen. Er verfolgte vielmehr reine Profitinteressen – es ging um möglichst hohe Gewinne für die Kompanie, die dann in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet wurden.[3] Dabei plädierte Coen anders als zum Beispiel sein Vorgänger Laurens Reael nicht für friedlichen Wettbewerb, sondern für eine Monopolisierung des Handels und Ausschaltung der Konkurrenz. „Wir können den Handel nicht treiben, ohne Krieg zu führen, und wir können den Krieg nicht führen, ohne Handel zu treiben“, war seine Überzeugung.[4] Um der Kompanie das Monopol für den Gewürzhandel zu sichern, unternahm er 1621 eine Strafexpedition gegen die Banda-Inseln, eine Inselgruppe, auf der viele Nelken- und Muskatbäume wuchsen. Seine Maßnahmen kosteten etwa 15.000 Menschen das Leben.[5] Alle Angehörigen der örtlichen Kaufmannselite ließ Coen hinrichten. Einige Bandanesen flohen auf die Kei-Inseln, wo ihre Nachkommen in zwei Dörfern noch heute die alte Sprache Banda sprechen.[6]

1622 ließ Coen sogar eine Strafexpedition gegen das übermächtige China ausrüsten, um den Chinesen klarzumachen, dass sie sich die VOC zum Freund halten müssten.

Rückkehr in die Niederlande[Bearbeiten]

1623 kehrte Coen in die Niederlande zurück, weil er die Direktoren – die Heren XVII – im persönlichen Gespräch von seiner langfristigen Strategie überzeugen wollte. Durch sein aggressives Auftreten hatte er sich inzwischen jedoch den Zorn der englischen Regierung zugezogen. Auf England waren die Niederlande in ihrem andauernden Kampf gegen das spanische Weltreich angewiesen. Deshalb verbot die niederländische Regierung Coen, ohne ihre ausdrückliche Zustimmung noch einmal nach Südostasien zurückzukehren. Doch nachdem Coen 1625 die 19-jährige Politikertochter Eva Ment geheiratet hatte, reiste er inkognito wieder nach Java. Die Direktoren hatten sich über die Regierung hinweggesetzt und ihn erneut zum Generalgouverneur ernannt – ein weiterer Beleg dafür, dass die VOC ein Staat im Staate war, der seine eigenen Entscheidungen traf.

Zweite Amtszeit als Generalgouverneur[Bearbeiten]

Coens zweite Amtszeit von 1627 bis 1629 war nicht mehr erfolgreich. Sie wurde dadurch überschattet, dass die VOC von dem mächtigen javanischen Sultanat Mataram angegriffen wurde. Dazu kam ein Vorfall, der später immer wieder als Beleg für Coens Grausamkeit herangezogen worden ist: Ein 16-jähriger Fähnrich, der 1629 beim Sex mit einem 12-jährigen Mädchen ertappt worden war, wurde von Coen zum Tode verurteilt, das Mädchen wurde ausgepeitscht. Während einer Belagerung Batavias durch den Sultan von Mataram erkrankte Coen plötzlich und starb wenige Stunden später am 20. September 1629.[7]

Coens Bild in der Geschichtsschreibung[Bearbeiten]

Coen ist eine der umstrittensten Gestalten der niederländischen Geschichte. Einerseits wurde er vor allem im 19. Jahrhundert als Begründer des niederländischen Kolonialreiches verehrt, andererseits wurde seine Grausamkeit immer wieder angeprangert. Der Historiker Christoph Driessen charakterisierte Coen 2009 als „streng calvinistisch, von brennendem Ehrgeiz erfüllt und ohne jeden Skrupel bei der Ausführung dessen, was er für richtig hielt“. Der Stadtrat von Coens Geburtsstadt Hoorn beschloss daher nach einer öffentlichen Diskussion im Juli 2011, eine Notiz am Standbild Coens anzubringen, die ihn als „Massenmörder“ ausweist[8].

Trivia[Bearbeiten]

Coen lebt als fester Charakter im javanischen Stockpuppenspiel weiter, als Wajang-golek unter der Verballhornung seines Namens zu Djangkung. In der Figur sind seine markanten Züge mit der hervortretenden Nase deutlich zu erkennen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jan Pieterszoon Coen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Driessen, Christoph: Geschichte der Niederlande, Von der Seemacht zum Trendland, Regensburg 2009, S. 69.
  2. Spruit, Ruud: J.P. Coen, Dagen en daden in dienst van de VOC, Houten 1987, S. 9 ff.
  3. Driessen, Christoph: Geschichte der Niederlande, Von der Seemacht zum Trendland, Regensburg 2009, S. 160.
  4. Driessen, Christoph: Kleine Geschichte Amsterdams, Regensburg 2010, S. 38
  5. Driessen, Christoph: Geschichte der Niederlande, Von der Seemacht zum Trendland, Regensburg 2009, S. 70.
  6. Musibah: Entitlements, Violence and Reinventing Tradition in the Kei Islands, Southeast Maluku, Paper submitted for the International Association for the Study of Common Property 9th Biennial Conference, Victoria Falls, Zimbabwe
  7. Driessen, Christoph: Die kritischen Beobachter der Ostindischen Compagnie, Das Unternehmen der "Pfeffersäcke" im Spiegel der niederländischen Presse und Reiseliteratur des 17. Jahrhunderts, Bochum 1996, S. 118
  8. Kritische noot bij beeld 'massamoordenaar' Coen, de Volkskrant, 12. Juli 2011