Jan Tomaszewski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jan Tomaszewski
Spielerinformationen
Geburtstag 9. Januar 1948
Geburtsort BreslauPolen
Position Torwart
Vereine in der Jugend
1960–1962
1963–1967
Śląsk Wrocław
Gwardia Wrocław
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1967–1970
1970–1972
1972–1978
1978–1981
1981–1982
1982–1984
Śląsk Wrocław
Legia Warschau
ŁKS Łódź
Germinal Beerschot
Hércules Alicante
ŁKS Łódź

19 (0)
155 (1)
85 (0)
12 (0)
4 (0)
Nationalmannschaft
1971–1981 Polen 63 (0)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Jan Tomaszewski (* 9. Januar 1948 in Breslau, Polen) ist ein ehemaliger polnischer Fußballspieler. Er war Torwart der Fußball-Nationalmannschaft Polens, die bei der Weltmeisterschaft 1974 in der Bundesrepublik Deutschland den 3. Platz erreichte.

Leben[Bearbeiten]

Tomaszewski, der die ungewöhnliche Rückennummer „2“ trug, gehörte zusammen mit Kazimierz Deyna, Grzegorz Lato und Andrzej Szarmach zur Stammelf eines der wohl besten Nationalteams in der polnischen Fußballgeschichte.

Tomaszewski erlangte unter den Fußballfans weltweite Bekanntheit durch seine großartige Leistung im entscheidenden Qualifikationsspiel zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 am 17. Oktober 1973 im Wembley-Stadion, als er beim 1:1 seiner Mannschaft gegen England nur durch einen Foulelfmeter bezwungen werden konnte und so maßgeblich zur ersten Qualifikation einer polnischen Mannschaft für eine WM-Endrunde seit 1938 beitrug.

In der denkwürdigen „Wasserschlacht von Frankfurt“ vom 3. Juli 1974 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Polen im Frankfurter Waldstadion hielt er einen von Uli Hoeneß getretenen Strafstoß, konnte aber die 0:1-Niederlage seiner Mannschaft durch ein Tor von Gerd Müller nicht verhindern.

Bereits zuvor hatte er im Spiel gegen Schweden einen Elfmeter von Staffan Tapper pariert, so dass er der erste Torhüter in der WM-Geschichte war, der während eines Turniers zwei Elfmeter halten konnte.

Tomaszewski absolvierte insgesamt 11 WM-Spiele (7 in Deutschland 1974, 4 in Argentinien 1978) und insgesamt 63 Länderspiele für Polen. Er beendete seine aktive Karriere 1984 und darf wohl zusammen mit Spielern wie Zbigniew Boniek, Jerzy Gorgoń, Grzegorz Lato, Włodzimierz Lubański, Ernst Willimowski sowie dem offiziellen Jahrhundertfußballer Kazimierz Deyna zu den besten Spielern des polnischen Fußballs gezählt werden.

Nach der Beendigung seiner Karriere als Fußballspieler war er noch als Torwarttrainer, Vereinsfunktionär und (beliebter) Fernsehkommentator aktiv, bevor es ihn 2011 in die Politik zog. In Jarosław Kaczyńskis Partei Recht und Gerechtigkeit wurde Tomaszewski ein sicherer Listenplatz angeboten, den er nach den Parlamentswahlen als Abgeordneter im Sejm dazu nutzte, in Polen Stimmung gegen die Fußball-Europameisterschaft 2012 zu machen, indem er die Verschwendung von Steuergeldern beim Bau der Stadien kritisierte, was ihm Zustimmung beim Volk einbrachte, und der polnischen Nationalmannschaft seine Unterstützung versagte, was ihn sofort wieder unbeliebt machte.[1]

Aufmerksamkeit erregte in letzterem Zusammenhang auch seine Aussage über polnische Nationalspieler, die vorher in anderen Jugend-Nationalmannschaften gespielt hatten. „Das ist keine typische polnische Mannschaft mehr, sondern der Mülleimer Europas“, sagte er mit Hinblick auf die Spieler Polanski, Boenisch, Obraniak und Perquis.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jan Tomaszewski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Der Farbfuchsjäger“ über Jan Tomaszewski, Paul Linke in der Frankfurter Rundschau vom 8. Juni 2012, Beilage zur EM 2012, Seite S9
  2. „‚Gefärbte Füchse‘, Polen als Mülleimer Europas verspottet“, Patrick Krull in Die Welt vom 8. Juni 2012, zuletzt abgerufen am 17. Juni 2012