Janne Teller

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Janne Teller im Juni 2004
Janne Teller im April 2012

Janne Teller (* 8. April 1964 in Kopenhagen) ist eine in New York und Berlin lebende Schriftstellerin. 2013 erschien Janne Tellers neues Buch Alles - Worum es geht als Originalausgabe in deutscher Sprache, eine Sammlung von Kurzgeschichten. Ebenfalls 2013 erschien in Dänemark Janne Tellers neue Erzählung Afrikanske veje (Afrikanische Wege).

Leben und Werk[Bearbeiten]

Teller stammt aus einer österreichisch-deutschen Familie. Als Makroökonomin arbeitete sie von 1988 bis 1995 als Beraterin für die EU und für die UNO in Dar-es-Salaam, Brüssel, New York und in Mosambik. Seit 1995 widmet sie sich ganz ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin.

Mit Odins ø (1999; dt. Odins Insel, 2002), Intet (2000; dt. Nichts – Was im Leben wichtig ist, 2010), Hvis der var krig i Norden (2004; dt. Krieg – Stell dir vor, er wäre hier, 2011), Kattens tramp (2004; dt. Die sieben Leben der Katze, 2008; Neuausgabe 2011 unter dem Titel Europa - Alles, was dir fehlt) und Kom (2008; dt. Komm, 2012) sind fünf ihrer sechs in dänischer Sprache verfassten Bücher auch in deutscher Übersetzung erschienen. Tellers Bücher wurden aus dem Dänischen in rund 20 Sprachen übersetzt (darunter Afar, Baskisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Katalanisch, Koreanisch, Niederländisch, Schwedisch, Slowenisch, Spanisch). Neben ihrer Tätigkeit als Buchautorin veröffentlicht Teller regelmäßig Essays und andere Texte.

Mit ihrem Roman Nichts – Was im Leben wichtig ist (2010) erregte Teller in der internationalen Literaturszene Debatten darüber, was jungen Lesern literarisch zugemutet werden kann. Im deutschsprachigen Feuilleton wurde Nichts – Was im Leben wichtig ist als "erschütternde Parabel über die Suche nach dem Sinn des Lebens" (Deutschlandradio)[1] und "Tabubruch mit Tiefgang" (ZEIT)[2] bezeichnet. Nichts wird seit dem Erscheinen der dänischen Ausgabe im Jahr 2000 in Skandinavien kontrovers diskutiert.[3] Ein Junge namens Pierre Anthon verkündet seinen Klassenkameraden von einem Pflaumenbaum aus die Sinnlosigkeit des Lebens. Diese fühlen sich dadurch provoziert, ihm zu beweisen, dass es doch Dinge von Bedeutung gebe, was letztlich zu gewalttätigen Handlungen unter den Kindern führt.[3][4] Die deutsche Ausgabe von Nichts – Was im Leben wichtig ist verkaufte sich bis heute mehr als 200.000 mal in Deutschland.

Für ihre Bücher wurde Teller mehrfach ausgezeichnet, unter anderem für den Jugendbuchpreis des dänischen Kulturministeriums (2001), dem Le Prix Libbylit (2008) und dem Michael L. Printz Honor Book (2011).

Im Januar 2014 wurde Teller in den Stiftungsrat des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels berufen.[5]

Janne Teller lebt abwechselnd in New York und Berlin.

Janne Teller im Zitat[Bearbeiten]

Über Nichts – Was im Leben wichtig ist

„Es ist schon erstaunlich, dass ein Buch heutzutage in Westeuropa derart bekämpft werden kann. Nicht wegen brutaler oder sexistischer oder verhetzender Inhalte, sondern nur wegen der Fragen, die es aufwirft. Es gab in verschiedenen Ländern Schwierigkeiten, nicht nur in Dänemark, sondern in Frankreich und Norwegen, wo es in manchen Schulen noch immer nicht gelesen werden darf. Die Hauptdebatte fand zwischen Lehrern, Bibliothekarinnen und Pädagogen statt, von denen viele meinten, das Buch mute jungen Lesern zu viel zu.“

Janne Teller: Lehrer sagten, dieses Buch ist schädlich - Interview mit Janne Teller, in: ZEIT vom 05.08.2010[2]

Presseschau[Bearbeiten]

Nichts - Was im Leben wichtig ist (2010)[Bearbeiten]

„Ein packende Story, eine erschütternde Parabel über die Suche nach dem Sinn des Lebens.“

Ute Wegmann: Die besten 7 Bücher für junge Leser - Die Deutschlandfunk-Bestenliste im September, auf: Deutschlandradio vom 4. September 2010[6]

„Janne Tellers preisgekrönte Parabel, die bereits vor zehn Jahren in Dänemark erschienen ist, beeindruckt mit ihrem geistreichen Szenario, das die Autorin stilistisch wirkungsvoll unterstreicht durch wiederholte Dreierformeln aus Positiv, Komparativ und Superlativ. Sie zeigt, wie die Suche nach Sinn von einem Extrem ins nächste fallen und dabei völlig entgleisen kann, weil sie, nach der radikalen Entzauberung der Welt, weiter auf das Absolute zielend keine Zwischentöne zulässt und jede Neugier und Lust auf Entdeckung auszulöschen droht.“

Heidi Strobel: Der Nihilist im Pflaumenbaum, in: FAZ vom 2. Oktober 2010[7]

„Tellers Buch hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die in Dänemark von schroffer Ablehnung auf der einen, Begeisterung auf der anderen Seite gezeichnet ist. Nichts wurde mit dem höchsten Kinderbuchpreis des Landes ausgezeichnet und zwischenzeitlich aus den Klassenzimmern verbannt. In Deutschland trifft es nun auf ein Lesepublikum, das Buchreihen wie „Philosophieren mit neugierigen Kindern“ oder die „Kinder-Uni“ gewohnt ist. Derlei gut zu finden fällt Erwachsenen nicht schwer. An der Rezeption von Nichts wird sich zeigen, ob wir es ertragen, wenn neugierige Jugendliche mit dem Philosophieren Ernst machen. Und welchen Beitrag wir dazu leisten können, dass die Sache ein anderes Ende nimmt als im Buch.“

Tilman Spreckelsen: Wie man zum Fanatiker wird, in FAZ vom 23. September 2010[8]

„Mit Unerbittlichkeit und Konsequenz zwingt die Autorin ihre Leser in die Auseinandersetzung mit Fragen wie: Was sind deine Werte? Welche dieser Werte besitzen eine so große Bedeutung, dass sie der Bedrohung durch Egoismus, Gewalt und Profitgier standhalten? Kann man am Sinn der Welt zweifeln und trotzdem den Prinzipien des anständigen Lebens folgen? Gehört es zum Erwachsenwerden, genau diese Fragen zu beantworten und danach zu leben? Tellers Geschichte bringt auch die Kinder- und Jugendliteratur einen Schritt weiter. Was lässt sich nicht alles in ihrem Text aufspüren: philosophische Diskussion, biblische Beispielgeschichte, Volksmärchen, psychologisches Lehrstück und nicht zuletzt ein Krimi, mit Tätern und ihren Motiven. Dieses mit erzählerischen Traditionen spielende Cross-over entwickelt einen Freiraum der Bilder, Handlungen und Gedanken, der realistische Schilderungen von Gewalt und Grausamkeit gleichzeitig zulässt und richtet – ein Tabubruch mit Tiefgang und Zukunft. Nichts deprimiert nicht, sondern ermutigt seine Leser, ihr Leben selbst zu bestimmen. Es beschreibt eine Suche, auf die sich jeder irgendwann begibt, die aber selten so packend erzählt worden ist.“

Birgit Dankert: Ist alles nichts?, in: Die Zeit vom 5. August 2010[2]

„All das ist widerlich und soll es sein; anders als in so manchem schwerterschmatzenden Fantasy-Epos jedoch hat die Gewalt bei Teller immerhin abschreckende Wirkung. Sie ist der Preis, den die Autorin bezahlt, um unmissverständlich deutlich zu machen, wie Fundamentalismus entsteht und funktioniert. Das ist kein geringes Verdienst. Wer sich Nichts zumuten will, dem wird erbarmungslos deutlich gemacht, dass ein Lebenssinn, der das Leben kostet, nicht sinnhaft sein kann.“

Wieland Freund: Auf dem Berg der Bedeutung, in: Die Welt vom 7. August 2010[9]

Krieg - Stell dir vor, er wäre hier (2011)[Bearbeiten]

„Tellers Gedankenspiel hat auch eine ästhetische Prämisse: Der Text ist in der zweiten Person Singular geschrieben, der Leser wird also fortwährend angesprochen und schlüpft so völlig in die Haut jenes deutschen Jugendlichen, der den Krieg mit allen zerstörerischen Begleiterscheinungen erlebt und dem dann mit der Familie die teure und illegale Flucht nach Ägypten gelingt. Es geht Teller also um die Empathie ihrer Leser mit Kriegsflüchtlingen, und die Vorstellungen, die sie wachrufen möchte, vollziehen das Wechselbad mit, dem diese Migranten ausgesetzt sind.“

Tilman Spreckelsen: Gestohlene Jahre, in: FAZ vom 8. März 2012[10]

Komm (2012)[Bearbeiten]

„Wie sehr darf ein Schriftsteller die reale Welt abbilden? Darf er die Erlebnisse und Schicksale seiner Freunde und Mitmenschen für die Kunst nutzen? Und gibt es überhaupt eine Grenze zwischen Kunst und Moral? In dieser philosophischen Meditation einer kalten Winternacht, die Peter Urban-Halle geschmeidig ins Deutsche übersetzt hat, kreist Janne Teller wieder und wieder um solche Fragen. Die dänische Schriftstellerin, deren Bücher Krieg, Nichts oder jetzt Komm heißen und die regelmäßig Debatten unter den Lesern hervorrufen, hat keine Scheu vor großen Fragen.“

Sandra Kegel: Was tut die Kunst? Mit uns und für uns? Und was darf sie?, in: FAZ vom 26. Mai 2012[11]

„In diesem Herbst erregt ein Buch Aufsehen, das es schnell auf die Bestsellerlisten schaffte und in allen Feuilleton diskutiert wird, Janne Tellers Nichts was im Leben wichtig ist. Es wird inzwischen in einem Atemzug genannt mit Morton Rhues Die Welle oder William Goldings Herr der Fliegen, als eine besondere Form des Diskurses um den Sinn des Lebens.“

Roswitha Budeus-Budde: Der literarische Marktplatz, in: Süddeutsche Zeitung vom 1. Oktober 2010[12]

„Eben diese Frage stellt sich die dänische Autorin Janne Teller in ihrem Roman Komm: Darf die Kunst alles? Oder gibt es eine moralische Grenze, an der das menschliche Gewissen die künstlerische Freiheit an ein Ende bringt? Große Fragen, die dann natürlich nicht beantwortet werden, nur immer wieder gedanklich umkreist und aus allen Winkeln betrachtet. Janne Tellers Buch ist Novelle und philosophischer Essay zugleich.“

Schuld, Kunst, Geschäft, in: Süddeutsche Zeitung vom 2. April 2012[13]

Alles - Worum es geht (2013)[Bearbeiten]

„Es gibt keine verordnete Moral und keine Belehrung bei Janne Teller, kein einfaches Gut und kein Böse. Teller versucht ihren Helden einfach in die Seele zu schauen, auch dann noch, wenn es weh tut. Und genau das macht diese Helden, dieses Buch so menschlich.“

Daniel Sander: Gegen das Verstehen, in: Kulturspiegel, Oktober 2013, Heft 10, S. 26

„Janne Teller erzählt spannend, manchmal kryptisch, aber sprachlich anspruchsvoll. Und wie schon in ihrem Roman Nichts, der erst verboten und dann international ausgezeichnet wurde, lässt sie ihre Figuren auch diesmal bis zum Äußersten gehen - was sie dem Leser gleichermaßen abverlangt.“

Jedes Opfer ein Täter, in: Die Zeit vom 14. November 2013, Nr. 47, S. 51

Bibliografie[Bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten]

Dänischsprachige Originalausgabe Deutschsprachige Übersetzung Anmerkungen
1999: Odins ø, Janne Teller (Text), Centrum (Viby), ISBN 87-583-1162-9 2002: Odins Insel, Hanne Hammer (Übersetzung aus dem Dänischen), Goldmann Verlag (München)
2000: Intet, Janne Teller (Text) 2010: Nichts – Was im Leben wichtig ist, Sigrid C. Engeler (Übersetzung aus dem Dänischen), Carl Hanser Verlag (München), ISBN 978-3-446-23596-0
2004: Hvis der var krig i Norden, Janne Teller (Text), Helle Vibeke Jensen (Illustration), Dansklærerforeningen (Kopenhagen), ISBN 87-7996-001-4 2011: Krieg – Stell dir vor, er wäre hier, Sigrid C. Engeler (Übersetzung aus dem Dänischen), Carl Hanser Verlag (München), ISBN 978-3-446-23689-9
2004: Kattens tramp, Janne Teller (Text), Gyldendal (Kopenhagen), ISBN 87-02-03095-0 2008: Die sieben Leben der Katze, Hanne Hammer (Übersetzung aus dem Dänischen), btb Verlag (München), ISBN 978-3-442-74027-7; Neuausgabe 2011 unter dem Titel Europa - Alles, was dir fehlt, Hanne Hammer (Übersetzung aus dem Dänischen), btb Verlag (München), ISBN 978-3-442-74271-4
2008: Kom, Janne Teller (Text), Gyldendal (Kopenhagen), ISBN 978-87-02-05821-5 2012: Komm, Peter Urban-Halle (Übersetzung aus dem Dänischen), Carl Hanser Verlag (München), ISBN 978-3-446-23756-8
2013: Alles - Worum es geht, Janne Teller (Text), Sigrid Engeler und Birgitt Kollmann (Übersetzer aus dem Dänischen), Carl Hanser Verlag, München, ISBN 978-3-446-24317-0 Sammlung mit den acht Kurzgeschichten Warum? (1), Sich so in den Hüften wiegend und die Augen zu Boden gerichtet (2), Der türkische Teppich (3), Gelbes Licht (4), Bis der Tod uns scheidet (5), Die Vögel, die Blumen, die Bäume (6), Lollipops (7) und Alles - Was ich erzählen kann (8), außerdem ein Nachwort

Deutschsprachige Ausgabe ist Originalausgabe der Kurzgeschichten als Sammelband

2013: Afrikanske veje, Janne Teller (Text), Verlag: Brøndums Übersetzung des Titels: Afrikanische Wege

nicht in deutschsprachiger Übersetzung erschienen

Essays und Texte[Bearbeiten]

Nominierungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Festivalteilnahmen[Bearbeiten]

Theaterstücke (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.dradio.de
  2. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBirgit Dankert: Luchs Nr. 283: Ist alles nichts? In: zeit.de. 5. August 2010, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  3. a b Christine Lötscher: Wer hat Angst vorm Nihilisten?. In: Tages-Anzeiger. 17. August 2010. Abgerufen am 20. August 2010.
  4. Claudia Voigt: Verführung zum Nihilismus. In: Spiegel Online. 26. Juli 2010. Abgerufen am 20. August 2010.
  5. www.boersenblatt.net
  6. www.dradio.de
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHeidi Strobel: Der Nihilist im Pflaumenbaum. In: faz.net. 2. Oktober 2010, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTilman Spreckelsen: Wie man zum Fanatiker wird. In: faz.net. 23. September 2010, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatWieland Freund: Auf dem Berg der Bedeutung. In: welt.de. 7. August 2010, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTilman Spreckelsen: Gestohlene Jahre. In: faz.net. 8. März 2011, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSandra Kegel: Was darf die Kunst? In: faz.net. 25. Mai 2012, abgerufen am 8. Dezember 2014.
  12. www.buecher.de
  13. www.buecher.de
  14. juvenil.twoday.net
  15. www.dradio.de
  16. www.dradio.de
  17. www.stiftung-buchkunst.de
  18. www.ala.org
  19. www.djlp.jugendliteratur.org
  20. mls.provinz.bz.it
  21. www.dradio.de
  22. www.rowohlt-theaterverlag.de
  23. www.rowohlt-theaterverlag.de
  24. Vorschau bei insidegreifswald.de abgerufen am 6. Januar 2013.
  25. www.staatsschauspiel-dresden.de