Japanische Enzephalitis

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Klassifikation nach ICD-10
A83.0 Japanische Enzephalitis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
Verbreitung der Japanischen Enzephalitis in Asien basierend auf Daten von 1970 bis 1998

Die Japanische Enzephalitis (Abkürzung: JE) ist eine durch Viren ausgelöste Tropenerkrankung, die vor allem in Ost- und Südostasien vorkommt. In den Endemiegebieten erkranken jährlich 30.000–50.000 Personen, vor allem Kinder. Erwachsene sind meist immun.

Erreger[Bearbeiten]

Die Japanische Enzephalitis, auch Japanische B Enzephalitis oder Russian autumn(al) encephalitis, wird durch das Japanische Enzephalitis-Virus (JEV) ausgelöst, ein Arbovirus (arthropod-borne virus), das wie der Erreger des Gelbfiebers und des Denguefiebers zu den Flaviviridae gehört. Bis jetzt wurden 5 Genotypen des Virus identifiziert.

Infektion[Bearbeiten]

Die Japanische Enzephalitis ist eine Zoonose – das Erregerreservoir (Hauptwirte, Reservoirwirte) bilden Schweine und wildlebende Vögel (vor allem Reiher und andere Watvögel), seltener auch Pferde, Reptilien und Fledermäuse. Die Überträger (Vektor) sind Mücken der Gattung Culex und eventuell andere. Zu den wichtigsten zählen Culex tritaeniorhynchus (Reisfeldmücke) und C. vishnui.

Das Infektionsrisiko für Touristen ist sehr gering (< 1/Million). Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht bei Langzeitaufenthalten in den Endemiegebieten vor allem auf dem Land, besonders am Ende der Regenzeit in den gemäßigten Gebieten und ganzjährig in den Tropen. Beim Infektionsrisiko besteht ein deutlicher Zusammenhang von Reisanbau und Schweinezucht.

Epidemiologie[Bearbeiten]

Die Japanische Enzephalitis ist in Asien weit verbreitet; hier leben etwa drei Milliarden in JEV-Endemiegebieten. In Japan selbst kommen, bedingt durch die systematische Durchimpfung der Haustiere, nur noch wenige Fälle vor. Hauptsächlich betroffen sind China, Indien, Sri Lanka, Nepal, Vietnam, die Philippinen und das nördliche Thailand. Jährlich werden in den Endemiegebieten 35.000 bis 50.000 Fälle mit mehr als 10.000 Toten bekannt, wobei die tatsächliche Anzahl der Erkrankungen deutlich höher liegen dürfte.

Symptomatik[Bearbeiten]

In den meisten Fällen verläuft die Infektion mild oder sogar asymptomatisch. Bei 1 von 250 Erkrankten kommt es zu einem schweren Verlauf mit einer Hirnentzündung (Enzephalitis). Nach einer Inkubationszeit von 5 bis 15 Tagen kommt es zu plötzlichem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Muskelschmerzen (Myalgien). Bei Kindern kommt es oft zu Erbrechen und/oder Durchfall. Innerhalb kurzer Zeit treten Bewusstseinsstörungen auf. Verschiedene neurologische Symptome können auftreten. Die Letalität ist bei Krankheitsausbruch hoch (5–30 %) und die Krankheit hinterlässt oft bleibende Schäden. [1]

Diagnostik[Bearbeiten]

Bei entsprechender Exposition kann die Verdachtsdiagnose aus dem klinischen Bild gestellt werden. Die weiterführende Diagnostik umfasst:

Differentialdiagnosen stellen die zerebrale Malaria, eine bakterielle Meningitis, andere Virusinfektionen wie Enterovirus 71 oder andere dar.

Therapie[Bearbeiten]

Da zurzeit keine spezifischen wirksamen Medikamente gegen JE verfügbar sind, ist die Therapie symptomatisch und beschränkt sich auf die Symptomlinderung. Sie umfasst die Unterstützung von lebenswichtigen Funktionen (Kreislauf, Atmung) und die Verhinderung von Sekundärinfektionen.

Vorbeugung[Bearbeiten]

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die Vermeidung von Mückenstichen in der Dämmerung und nachts. Touristen sollten sich mit Repellentien, Mückennetzen und bedeckender Kleidung schützen. Bei längerem Aufenthalt in Endemiegebieten empfiehlt sich eine Schutzimpfung gegen JE, die nach zweimaliger Injektion (Tag 0 und Tag 28) einen sehr guten Schutz bietet. Die Dauer der Schutzwirkung ist bisher nicht bekannt, von der WHO werden derzeit Auffrischimpfungen nach 3 Jahren empfohlen.

Impfung[Bearbeiten]

Bisher wurden weltweit zwei Impfstoffe japanischer Herkunft (v. a. Je-Vax® Biken) verwendet, China benutzte chinesische Produkte. Seit 2009 ist in den USA und Europa ein neuer inaktivierter (nicht lebender) Impfstoff mit dem Stamm SA-14-14-2 IXIARO® von Intercell/Novartis erhältlich. Das Impfvirus wird auf Verozellen gezüchtet und nicht mehr in Mäusehirnen, wie bei den älteren Impfstoffen. Die neutralisierenden Antikörper, die gebildet werden, und ein Maßstab für den Schutz sind, sind mit den alten Impfstoffen vergleichbar gut. IXIARO wurde bei Personen ab 18 Jahren getestet, ist für diese Personengruppe zugelassen und wird intramuskulär im Deltamuskel des Oberarmes appliziert. Die Grundimmunisierung besteht aus zwei Impfdosen im Abstand von 28 Tagen; sie soll mindestens 1 Woche vor der Exposition abgeschlossen sein. Für Jugendliche und Kinder von 1 bis 16 Jahren kann der alte Impfstoff von Biken in einem 3 Dosenimpfschema (0, 14, 28 Tage) verwendet werden. Dieser wird aber seit 2006 nicht mehr hergestellt und ist nur noch an wenigen spezialisierten Orten vorhanden. Hier sollte die Grundimpfung 2 Wochen vor Exposition abgeschlossen sein. Die gemeldeten unerwünschten Wirkungen von IXIARO sind gering, am häufigsten lokale Schmerzen, Kopfweh, Muskelschmerzen, Müdigkeit. Die gefürchteten Reaktionen der alten Vakzinen (neurologische und allergische) wurden bisher nicht festgestellt. Weil die Anzahl der bisher geimpften Personen noch klein ist, können seltene unerwünschte Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden. Zusatzstoffe in IXIARO sind neben Wasser NaCl, Dinatriumhydrogenphosphat, Kaliumdihydrogenphosphat und möglicherweise Spuren von Potaminsulfat und Formaldehyd aus dem Herstellungsprozess. Er enthält kein Thiomersal, keine Gelatine oder andere Stabilisatoren und Konservierungsmittel. In China wird ein Lebendimpfstoff mit dem Stamm SA 14-14-2 verwendet und in großen Impfaktionen mit gutem Erfolg verwendet. In Australien und Thailand wird demnächst ein chimärer Impfstoff ChimeriVax-Je® zugelassen werden. DNA-Impfstoffe sind in Entwicklung, aber noch nicht marktreif.

Indikationen für eine Impfung[Bearbeiten]

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die Impfung nur Asienreisenden, die sich einen Monat oder länger während mückenreichen Jahreszeiten in ländlichen Gebieten aufhalten, wo die Japanische Enzephalitis gehäuft auftritt. Diese sind Bangladesch, China, Indien, Indonesien, Japan, Kambodscha, Nord- und Südkorea, Laos, Myanmar, Nepal, Teile Ozeaniens, die Philippinen, Indusdelta von Pakistan, Sri Lanka, Taiwan, Thailand und Vietnam.

Gegenanzeigen (Kontraindikation) zur Impfung[Bearbeiten]

Personen mit akuten, behandlungsbedürftigen Krankheiten mit hohem Fieber, sollen nicht geimpft werden. Nicht geimpft werden dürfen außerdem Personen mit bekannter oder vermuteter schwerer Überempfindlichkeit gegen Bestandteile des verwendeten Impfstoffs, etwa Personen, bei denen anamnestisch bei diesem Impfstoff eine allergische Reaktion, hohes Fieber oder eine andere unerwünschte Reaktion aufgetreten ist. Hierzu gehören ein juckender Ausschlag am gesamten Körper, ein stark geschwollenes Gesicht oder Schwellungen, Atemnot und Wassereinlagerungen auch an Armen, Beinen oder Hals.

Bei folgenden Personen müssen Nutzen und Risiken dieser Schutzimpfung sorgfältig abgewogen werden:

  • Schwangere und stillende Frauen
  • Personen, die schon einmal an einer Allergie oder Nesselfieber litten
  • Personen mit Immunstörungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Gould, EA, Solomon T. Pathogenic flaviviruses. Lancet 2008;371:500-9
  • Halstead SB, Jacobson J. Japanese encephalitis. Adv.Virus Res 2003.
  • Halstead SB, Jacobson J. Japanese encephalitis vaccines. in: Vaccines 5th ed. Plotkin et al, 2008.
  • Fisher M, Lindsey N, Staples E et al. Japanese Encephalitis Vaccines. MMWR March 2010, Vol 59, RR-1.
  • Hills S, Griggs A, et al. Japanese Encephalitis among travelers from non endemic countries, 1973-2008. Am J Trop Med Hyg 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DDr. Martin Haditsch – Neue Impfstoffe gegen Meningokokken-Meningitis und Japanische Encephalitis. Website des auswärtigen Amts. Abgerufen am 28. Januar 2014.
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