Japanische Gebärdensprache (JSL)

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Japanische Gebärdensprache JSL Nihonshuwa-JSL.JPG

Gesprochen in

Japan
Sprecher 320.000
Linguistische
Klassifikation
Sprachcodes
ISO 639-1:

ISO 639-2:

sgn

ISO 639-3:

jsl

Die japanische Gebärdensprache (engl. Japanese Sign Language, kurz: JSL, jap. 日本手話, Nihon shuwa) ist die offizielle Gebärdensprache in Japan. Neben ihr existieren noch zwei weitere, zum einen das Pidgin Signed Japanese, das die japanische Version der internationalen Gebärdensprache darstellt, und zum anderen das Manually Signed Japanese, welches mit den lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) vergleichbar ist.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Es ist nur sehr wenig bekannt über die Gehörlosenkultur Japans vor der Edo-Zeit (1603–1868). Überliefert ist, dass unter dem vorletzten Shogun, Iemochi Tokugawa, 1862 Boten nach Europa entsandt wurden, die Schulen für Gehörlose besichtigten. Dennoch entstand erst 1878, in der Meiji-Zeit, in Kyōto eine Schule für Gehörlose.

Bis 1948 war es den japanischen Gehörlosen verwehrt geblieben, eine Regelschule zu besuchen, um grundlegende Bildung zu bekommen oder gar die japanische Gebärdensprache zu erlernen.[1]

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand in Japan ein Umdenken statt. Man wich von dem Standpunkt ab, dass Gehörlose nur Menschen seien, die nicht hören können und nahm den Standpunkt ein, Gehörlose seien Menschen, die die japanische Gebärdensprache beherrschen. Doch wurde den japanischen Gehörlosen nicht zugestanden, dass JSL eine eigene Sprache ist.[2]

Der japanische Gehörlosenverband erzielte zwar unter anderem durch Ausdauer und Geduld immer mehr Akzeptanz und Verbreitung der japanischen Gebärdensprache in der Bevölkerung Japans, aber die Gebärdensprache ist nach wie vor nicht gänzlich akzeptiert und stellt, anders als in Deutschland, keine eigene Sprache dar.[3]

Übersicht über japanische Gebärdensprach-Institute[Bearbeiten]

Die langsame Akzeptanz der Gebärdensprache in der japanischen Kultur führt dazu, dass immer mehr Institute entstehen, die Dolmetscher ausbilden und Nicht-Gehörlosen die Möglichkeit geben, die Gebärdensprache zu erlernen.

  • 1991: Gründung des „Verbands der japanischen Gebärdensprachen-Dolmetscher“ (engl. Japanese Association of Sign Language Interpreters, JASLI).[4]
  • 1997: Einführung einer einheitlichen Gebärdensprache für Gebärdendolmetscher durch die JASLI.[5]
  • 2002: Der „Japanische Gehörlosenverband“ und der „Nationale Verband zur Erhaltung der Gebärdensprache“ gründen das „Nationale Lehrinstitut für Gebärdensprache“.[6]

Im Jahre 2006 wurde durch das Kabinett Abe ein neues Gesetz erlassen, das die Regierungen der einzelnen Präfekturen anspornte, die Zahl der Gebärdendolmetscher zu erhöhen.[7]

Der Aufbau der japanischen Gebärdensprache[Bearbeiten]

Fingeralphabet[Bearbeiten]

Siehe auch: Hiragana-Alphabet

Die japanische Gebärdensprache, im Alltagsgebrauch Shuwa (手話) genannt, beinhaltet ein eigenes Fingeralphabet (指文字, shimonji) und eines für internationale Wörter.

Die Fingeralphabete werden unter anderem für Nachnamen, ungewöhnliche oder ausländische Wörter verwendet.

Für gängigere Wörter gibt es verschiedene Gebärden.

Grammatik[Bearbeiten]

Der grammatikalische Aufbau der Gebärdensprache ist durch die japanischen Lautsprache sehr beeinflusst und ihr daher sehr ähnlich. Anders als bei der deutschen Gebärdensprache (DGS) gibt es bei der japanischen Gebärdensprache verschiedene Fälle, Artikel und Verben, die sich konjugieren lassen. Beide Gebärdensprachen, also die deutsche wie auch die japanische, sind keine rein manuellen Sprachen, das heißt nur mit den Händen gesprochene. Eine stimmlose oder stimmhafte Mitsprache der Wörter (口話) ist vonnöten, da gleiche Handbewegungen verschiedene Bedeutungen haben. Auch ist eine aktive Körpersprache (身振り) nötig, da man dadurch die Satzart bestimmt: Aussagesatz, Fragesatz oder die Befehlsform eines Satzes.

Der heutige Stellenwert der japanischen Gebärdensprache in Japan[Bearbeiten]

Die japanische Gebärdensprache ist nach wie vor in Japan nicht gänzlich akzeptiert, obwohl viele Nachrichten simultan in der japanischen Gebärden- und Lautsprache gehalten werden und Unterhaltungsmedien mit japanischer Gebärdensprache existieren (bspw. Babel, The Call 3 – Final).[8][9][10] Weil dadurch das öffentliche Interesse an der japanischen Gebärdensprache wuchs und zu einem Zuwachs an privaten Kursen über Gebärdensprache führte, wurde an den meisten japanischen Sonderschulen für Gehörlose im Jahre 2002 die japanische Gebärdensprache nicht unterrichtet. Der Unterricht wird dort mithilfe von Lippenablesen und der Lautsprache abgehalten, oder die internationale Gebärdensprache wird unterrichtet.

Auch nach der Aufhebung des staatlichen Unterrichtungsverbotes wird laut offiziellen Angaben die japanische Gebärdensprache nicht unterrichtet.

Quellenangaben[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Monaghan, Leila Frances. (2003) abgefragt am 28. November 2010
  2. Deaf in Japan: Signing and the Politics of Identity, S. 9, abgerufen am 28. November 2010.
  3. Resistance and Co‐optation: the Japanese Federation of the Deaf and its Relations with State Power abgerufen am 28. November 2010.
  4. Verband der japanischen Gebärdensprachen-Dolmetscher, abgerufen am 28. November 2010.
  5. Verband der japanischen Gebärdensprachen-Dolmetscher, abgerufen am 28. November 2010.
  6. Verband der japanischen Gebärdensprachen-Dolmetscher abgerufen am 28. November 2010
  7. Saruhashi, Junko and Yuko Takeshita Ten Linguistic Issues in Japan: The Impact of Globalization (PDF; 129 kB) abgerufen auf OECD am 28. November 2010.
  8. Hoshi no Kinka in der Internet Movie Database (englisch), abgerufen am 29. November 2010.
  9. Die offizielle Vertriebseite des Manga Calling You (Kimi Ni Shika Kikoenai), abgerufen am 29. November 2010.
  10. Orange Days in der Internet Movie Database (englisch), abgerufen am 29. November 2010.

Weblinks[Bearbeiten]