Jaroměr Hendrich Imiš

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Jaroměr Hendrich Imiš (1819–1897)
Imiš (sitzend mit Krone) als Bierkönig des Corps Lusatia Leipzig
Grab von Imiš auf dem Gödaer Friedhof

Jaroměr Hendrich Imiš, deutscher Name Friedrich Heinrich Immisch (* 16. Dezember 1819 in Buchwalde; † 12. Dezember 1897 in Göda) war ein sorbischer evangelischer Pfarrer und Kulturpolitiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

1832 bis 1840 besuchte er das Gymnasium in Bautzen und war im Jahr 1839 einer der Mitbegründer der sorbischen Gymnasiastenvereinigung „Societas Slavica Budissiniensis”. Ab 1840 studierte er Theologie an der Universität Leipzig, gehörte der Studentenverbindung Corps Lusatia an und war an den mitteldeutschen Universitäten unter dem Namen „der Wende“ als begabter Fechter bekannt. Von 1851 bis 1858 wirkte er als Pfarrer in Oßling und von 1858 bis 1897 in Göda.

Er war in den 1840er Jahren einer der Gründungsväter der Maćica Serbska – einer sorbischen Gelehrtenvereinigung, nahm jedoch in der Folge der gescheiterten bürgerlichen Revolution von 1848/49 eine politisch zunehmend konservative Haltung ein, die ihn bald zwischen die Fronten einer erstarkenden sorbischen Nationalbewegung in Sachsen und eines zunehmenden Germanisierungsdruckes von Seiten des sächsischen Staates bringen sollte. 1849 rief er mit anderen sorbischen Geistlichen die „Wendische Lutherische Buchgesellschaft” (Serbske lutherske knihowne towarstwo) ins Leben, die eine wesentliche Rolle bei der Herausgabe und Verbreitung des sorbischen evangelischen Schrifttums spielte. 1867 ernannte ihn die „Lausitzer Predigergesellschaft” zu Leipzig, die spätere Sorabia, wegen seiner Verdienste um die wendische Sprache und Literatur zu ihrem Ehrenmitglied. Mit Genehmigung des Sächsischen Kultusministeriums richtete er 1877 in Göda das Wendische Homiletische Seminar ein, in dem sich sorbische evangelische Pfarrer und Theologiestudenten in vierwöchigen Sommerkursen fortbilden konnten.

Das literarische Schaffen von Imiš war meist auf religiöses Schrifttum beschränkt (so redigierte er 1881 und 1893 die Bibelausgaben in obersorbischer Sprache und gab Gebetbücher sowie liturgische Bücher heraus), im Jahr 1883 sah er sich jedoch genötigt, auf die in den deutschen Medien zusehend stärker werdende Polemik gegen den vermeintlichen Panslawismus der Sorben, als dessen Exponenten besonders Jan Arnošt Smoler und Michał Hórnik angesehen wurden, mit einer Streitschrift zu antworten, wegen der er wegen Ehrverletzung angeklagt und verurteilt, später jedoch vom Landgericht Leipzig freigesprochen wurde.

Vom sächsischen König wurde Imiš mit dem Verdienstorden I. Klasse ausgezeichnet, die Universität Leipzig verlieh ihm die Ehrendoktorwürde. 1876 bis 1881 war Imiš Mitglied der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Königreich Sachsen, ab 1886 war er Ehrenvorsitzender der Maćica Serbska. Zur kollektiven Erinnerung an das Wirken des Gödaer Pfarrers benannte 2006 der Vorstand des Diakonischen Werkes im Kirchenbezirk Bautzen e.V. das dortige Alterspflegeheim mit dem Namen „Haus Immisch“.

Werke[Bearbeiten]

  • Der Panslawismus unter den sächsischen Wenden mit russischem Geld betrieben und zu den Wenden in Preußen hinübergetragen. Deutsche Antwort eines sächsischen Wenden. Leipzig 1884

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf Jenč: Stawizny serbskeho pismowstwa. Band 2, Bautzen 1960
  • Jan Šołta, Pětr Kunze und Franc Šěn (Hrsg.): Nowy biografiski słownik k stawiznam a kulturje Serbow. Bautzen 1984

Weblinks[Bearbeiten]