Jascha Heifetz

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Heifetz beim Lesen der Kritik im „Musical America“ nach seinem Debüt am 27. Oktober 1917

Jascha Heifetz (ursprünglich russisch Иосиф Рувимович Хейфец, Jossif Ruwimowitsch Heifetz; * 20. Januarjul./ 2. Februar 1901greg. in Vilnius, Russisches Kaiserreich (heute Litauen); † 10. Dezember 1987 in Los Angeles, Kalifornien, USA), war einer der bekanntesten Violinisten des 20. Jahrhunderts.

Jascha Heifetz (um 1920)

Leben[Bearbeiten]

Heifetz wurde als Sohn einer jüdischen Familie in Vilnius geboren, das damals zum russischen Reich gehörte. Als Wunderkind spielte er im Alter von sechs Jahren das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy. 1910 nahm ihn der bedeutende Geigenpädagoge Leopold Auer in seine Meisterklasse am Konservatorium in Sankt Petersburg auf. Erste Auslandserfahrung sammelte Heifetz in Deutschland, wo er 1912 in Berlin und 1913 in Leipzig Konzerte gab. 1914 trat er als Solist mit den Berliner Philharmonikern unter Arthur Nikisch auf. Im Jahre 1917 wanderte der junge Geiger in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo er noch im gleichen Jahr in der Carnegie Hall, New York City, sein Konzertdebüt gab. In den darauf folgenden Jahren festigte sich sein Ruf als weltbester Geiger. Es folgten Konzertreisen nach Australien (1921) und Asien (1923). Bis zu 200 Konzerte gab er jährlich. Im Jahre 1925 wurde er in den USA eingebürgert. Nach 1933 trat Heifetz niemals mehr in Deutschland auf. Die Propaganda der Nationalsozialisten verbreitete, dass sein Spiel gefühlskalt sei, und stilisierte ihn zum typischen Beispiel eines seelenlosen jüdischen Geigers. Trotz der offenkundigen Substanzlosigkeit der Vorwürfe wurden sie immer wieder wiederholt. Heifetz interpretierte als Spätromantiker mit großem Gefühl auf höchst individuelle Weise im Geist seiner Zeit. Seine Beherrschung des Instrumentes galt als unübertroffen, die Präzision seines Spieles setzte Maßstäbe. Auffälligste Eigenart seines Spieles war seine intensive Tongebung. Dabei verzichtete er darauf, sein Spiel durch Bewegungen seines Körpers zu unterstreichen, sowohl bei technisch-virtuosen als auch bei lyrischen Passagen.

Jascha Heifetz bei einem Konzert in der Carnegie Hall 1947
Rudolf Koelman (links) und Jascha Heifetz (1979)

Von 1961 bis 1983 unterrichtete er an der Universität von Südkalifornien. Seine bekanntesten Schüler waren: Pierre Amoyal, Erick Friedmann, Eugene Fodor und Rudolf Koelman. Nach ihm wurde die Stiftungsprofessur „Jascha Heifetz Chair of Music“ eingerichtet, die an herausragende Violinist(inn)en zeitbegrenzt vergeben wird. Seine charakteristischen Eigenschaften als Violinpädagoge - genaues Zuhören und sparsames exemplarisches Eingreifen - hat er schon früh in zahlreichen Tonfilmdokumenten belegt. Diese können auf YouTube abgerufen werden. Auch seine Tätigkeit als Teilnehmer eines prominenten Klaviertrios (mit Arthur Rubinstein, Piano, und Gregor Piatigorsky, Violincello) ist dort durch ein in ein längeres Video umgewandeltes exemplarisches Tonfilmfragment belegt.

Heifetz hat mit Ausnahme der Konzerte von Bartók, Schönberg und Dvořák alle großen Violinkonzerte der Klassik und Romantik eingespielt; darüber hinaus sind die Aufnahmen der Konzerte von Erich Wolfgang Korngold, Miklós Rózsa, Sergej Prokofjew, William Walton und anderen seiner Zeitgenossen wegweisend.

Heifetz hat auch viele Werke der Kammermusik aufgenommen. Legendär sind die schon angesprochenen Klaviertrio-Einspielungen gemeinsam mit Arthur Rubinstein (p) und Emanuel Feuermann (vc) (bzw. später mit Gregor Piatigorsky), eine Besetzung, die unter dem Spitznamen „Million Dollar Trio“ in die Musikgeschichte einging.

Insgesamt ist seine musikalische Laufbahn nahezu lückenlos auf Bild- und Tonträgern dokumentiert, wobei vor allem die Tonträger durchweg durch besondere Qualität überzeugen. Das Œuvre wurde unter den Titeln The Heifetz Collection bei BMG und The Complete Album Collection bei Sony veröffentlicht.

Heifetz war zweimal verheiratet: mit Florence Vidor von 1928 bis 1946. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Josefa und Robert. Mit Frances Spiegelberg war er von 1947 bis 1963 vermählt. Aus dieser Ehe ging der Sohn Joseph ("Jay") hervor. Beide Ehen endeten mit einer Scheidung.

Über das korrekte Geburtsjahr Heifetz’ besteht Uneinigkeit. Das Geburtsjahr der „offiziellen“ Biographie lautet 1901, gelegentlich werden aber auch 1899 oder 1900 angegeben. Jaschas Mutter soll ihn heimlich zwei Jahre jünger gemacht haben. Ein Grund dafür ist aber nicht bekannt.[1][2]

Heifetz besaß drei Violinen: Eine Carlo Tononi, eine Antonio Stradivari und eine Guarneri del Gesù. Letztere war sein bevorzugtes Konzertinstrument.

Sein Enkel Danny Heifetz ist ebenfalls als Musiker aktiv, etwa als Schlagzeuger bei Mr. Bungle.

Filmographie[Bearbeiten]

  • Peter Rosen: God's Fiddler: Jascha Heifetz (2011).
  • Nathan Kroll: The Heifetz Master Class Vol. 1–3 (1962).
  • Meister der Musik, Originaltitel Of Men and Music (1951)[3]
  • Carnegie Hall (1947)[4]
  • Musik fürs Leben, Originaltitel They Shall Have Music (1939)[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jascha Heifetz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Booklet zur CD The Heifetz-Collection Volume 36
  2. Alain Pâris: Klassische Musik im 20. Jahrhundert. 2. Auflage. dtv, München 1997, ISBN 3-423-32501-1, S. 343 f.
  3. [1], Filminformationen auf IMDB.com
  4. [2], Filminformationen auf IMDB.com
  5. [3], Filminformationen auf IMDB.de