Jasienica (Woiwodschaft Westpommern)

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Jasienica (deutsch Jasenitz) ist ein Ort in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Er bildet einen Stadtteil der Stadt Police (Pölitz).

Ortsdurchfahrt
Jasenitz südlich des Großen Haffs am Westufer des Papenwassers und nördlich von Pölitz auf einer Landkarte von 1905

Geographische Lage[Bearbeiten]

Der Ort liegt im östlichen Vorpommern, etwa 15 km nördlich von Stettin, und westlich der Oder in dem sogenannten Stettiner Zipfel, also in dem Teil Vorpommerns, der 1945 unter polnische Verwaltung gestellt wurde.

Durch den Ort, der am Westufer des Papenwasser des Stettiner Haffs liegt, fließt von West nach Ost die Gunica (Aalbach), die östlich des Ortes in die Oder mündet.

Westlich des Ortskerns verläuft die Bahnstrecke Szczecin–Trzebież Szczeciński (Bahnstrecke Stettin–Ziegenort).

Geschichte[Bearbeiten]

Marienkirche (Aufnahme von 2009)
Mauerrest des ehemaligen Augustinerchorherren-Stifts Jasenitz (14./16. Jahrhundert).
Ruine des Augustinerchorherren-Stifts Jasenitz (Aufnahme von 2009)
Gunica (Aalbach)

Das Dorf Jasenitz wurde erstmals 1260 erwähnt. 1299 errichteten die Besitzer des Ortes eine erste Kirche, die eine Filialkirche von Pölitz wurde. Der Ortsname ist von dem slawischen Wort Jassen für Esche hergeleitet, was darauf hindeutet, dass hier zur Gründungszeit der Ortschaft Eschenwälder vorherrschend waren.

1305 erwarb das in 1260 in Ueckermünde gegründete Augustinerchorherren-Stift das Dorf Jasenitz von Herzog Otto I. von Pommern. Um 1329 verlegte das Stift dann seinen Sitz nach Jasenitz. Nachdem das Kloster zweihundert Jahre lang bestanden hatte, geriet es in Verruf, weil sich die Klosterbrüder nicht an die Ordensregeln hielten. Nicht lange nach 1486 griff Herzog Bogislaw X. durch, entließ die vorhandenen Klosterbrüder und ersetzte sie durch Regularkanoniker mit einem Abbas an der Spitze aus dem Kloster Mühlenbeck in Westfalen.[1] Das Kloster blieb bestehen, bis es im Rahmen der Reformation nach 1535 aufgelöst wurde.[2][1]

Im Zuge der Reformation gelangten die Klostergebäude in den Besitz der pommerschen Herzöge Barnim IX. und Philipp I. In Gegenwart einer großen Zahl von Hauptleuten und Räten verhandelten die Herzöge am 25. Oktober 1543 in Jasenitz über die Stiftung einer höheren Schule und unterzeichneten hier die Gründungsurkunde für das fürstliche Pädagogium in Stettin, das spätere Marienstiftsgymnasium.[3][4][5]

Die ehemalige Klosteranlage auf dem Marienberg wurde nun Sitz eines fürstlichen Domänenamts. Das Hauptgebäude wurde schlossartig ausgebaut und von den Herzögen als Jagdschloss genutzt. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Klosteranlage stark beschädigt, doch während der Schwedenzeit wurde sie wieder hergerichtet.[1] Ab 1774 hatte Prinzessin Elisabeth, die nach Stettin verbannte geschiedene Gemahlin Friedrich Wilhelms II., hier ihren Sommersitz. Ein Teil der früheren Klosterkirche wurde nach der Reformation als Kirche des Ortes genutzt. Die spätgotische Marienkirche erhielt 1858 einen neu errichteten Chorschluss.

Um 1775 gab es in dem Dorf Jasenitz einen Prediger, 13 Bauern, 38 Büdner, bei denen es sich größtenteils um Schiffer, Matrosen, Fischer sowie einige Handwerker handelte, ein Küsterhaus, einen Mahlmüller, einen Schneidemüller, einen Schäfer und einen Brauer.[6] Auf der Gemarkung des Dorfs befanden sich ein Vorwerk mit einer Brauerei und Brennerei[7], ein Teerofen[8] und eine Wassermühle[9].

1811 verkaufte der preußische Staat das Schlossgut Jasenitz an Hans Georg Alexander Friedrich von Köller, den Generallandschaftsdirektor der Pommerschen Landschaft. Die bisherige landesherrliche Domäne erhielt nun die Rechte eines Rittergutes. Matthias von Köller übernahm das Gut Jasenitz nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1820, verkaufte es aber im Jahre 1837.[1]

Am 1. Januar 1862 hatte das Dorf Jasenitz, ohne das Schlossgut, 1.267 Einwohner, die in 258 Familien lebten.[10]

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung der Gemeinde Jasenitz, auf der Jasenitz der einzige Wohnort war, eine Flächengröße von 5,1 km²; im Jahr 1925 wurden 1.779 Einwohner gezählt, die auf 504 Haushaltungen verteilt waren.[11]

Die Landgemeinde Jasenitz gehörte bis 1939 zum Kreis Randow in der Provinz Pommern. Mit der Auflösung des Kreises Randow kam Jasenitz 1939 zum Landkreis Ueckermünde.

Seit 1945 steht Jasenitz unter polnischer Administration und gehört heute zu Polen. Der polnische Staat gab dem Ort den Namen Jasienica. Anstelle der deutschen Bevölkerung wurde polnische Umsiedler angesiedelt. Jasienica wurde nach 1946 in die Stadt Police (Pölitz) eingemeindet.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1862: 1.267 (ohne das Schlossgut), davon vier Katholiken und acht Juden[10]
  • 1925: 1.779, davon 17 Katholiken und ein Jude[11]
  • 1933: 3.257[12]
  • 1939: 3.488[12]

Religion[Bearbeiten]

Die vor 1945 in Jasenitz anwesende Bevölkerung gehörte mit großer Mehrheit dem evangelischen Glaubensbekenntnis an; im Jahr 1925 wurden außer den Protestanten 17 Katholiken und ein Jude gezählt.[11]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Ruine des Klosters Jasenitz
  • Marienkirche

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Georg von Köller (1823–1916), deutscher Politiker (Konservative Partei), Präsident des Preußischen Abgeordnetenhauses
  • Hans Modrow (* 1928), deutscher Politiker (SED/PDS/Linke), Vorsitzender des Ministerrates der DDR
  • Andreas Bogdain (* 1956), deutscher Künstler

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Bahr, Klaus Conrad: Jasenitz. In: Helge Bei der Wieden, Roderich Schmidt (Hrsg.): Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands. Band 12. Mecklenburg Pommern. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1996, S. 209–210.
  • Johannes Hinz: Pommern. Wegweiser durch ein unvergessenes Land. Flechsig-Buchvertrieb, Würzburg 2002, ISBN 3-88189-439-X, S. 163.
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 2, Anklam 1865, S. 1856–1857 (Online) und S. 1602–1607 (Online)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtuns Vor- und Hinterpommern. Teil I: Allgemeine Einleitung und die Beschreibung des Preußischen Vorpommern, Stettin 1779, S. 206-207, Nr. 7 (Online)

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c d Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 2, Anklam 1865, S. 1602-1607.
  2. Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 1, Anklam 1865, S. 920.
  3. Martin Wehrmann: Festschrift zum dreihundertfünfzigjährigen Jubiläum des Königlichen Marienstifts-Gymnasiums zu Stettin am 24. und 25. September 1894. Herrcke & Lebeling, Stettin 1894, S. 12f.
  4. Hermann Hoogeweg: Die Stifter und Klöster der Provinz Pommern. Bd. 2, Stettin 1925, S. 94.
  5. Berghaus Angabe im Landbuch II, S. 1604, wonach 1543 in Jasenitz ein Pädagogium eröffnet wurde, das 40 Jahre bestanden habe und dann nach Stettin verlegt worden sei, beruht auf einem Irrtum. Wehrmann: Festschrift S. 12, Hoogeweg: Klöster 2, S. 94.
  6. Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtuns Vor- und Hinterpommern. Teil I: Allgemeine Einleitung und die Beschreibung des Preußischen Vorpommern, Stettin 1779, S. 206-207, Nr. 7.
  7. Brüggemann (1779), S. 210, Nr. 3.
  8. Brüggemnann (1779), S. 212, Nr. 4(4).
  9. Brüggemann (1779), S. 212, Nr. 5(5).
  10. a b Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern und des Fürstenthums Rügen. Teil II, Band 2, Anklam 1865, S. 1856-1857.
  11. a b c Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Gemeinde Jasenitz im ehemaligen Kreis Randow in Pommern (2011).
  12. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/randow.html

53.59327314.541493Koordinaten: 53° 35′ 36″ N, 14° 32′ 29″ O