Jason Lutes

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Jason Lutes (* 7. Dezember 1967 in New Jersey) ist ein amerikanischer Comiczeichner, der vor allem durch seine historische Graphic Novel-Trilogie "Berlin" bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Lutes begann mit dem Zeichnen bereits während seiner Kindheit. Mit 8 Jahren war er zum ersten Mal mit seinen Eltern in Europa und war begeistert von europäischen Comics wie Tim und Struppi oder Asterix. Nach seinem Studienabschluss an der Rhode Island School of Design erhielt er 1991 die Möglichkeit, bei dem Comicverlag Fantagraphics zu arbeiten. Dort war er als Assistent des Art Directors beschäftigt, er gab diese Tätigkeit jedoch nach einem Jahr wieder auf. Sein erster Comicstrip erschien 1993 in The Stranger, einem Stadtmagazin in Seattle. Bei The Stranger erhielt er eine feste Anstellung und wurde Art Director des Magazins. 1995 gab er diese Arbeit auf, um sich ganz seinen eigenen Werken widmen zu können.

Werke[Bearbeiten]

Narren[Bearbeiten]

Die Strips, die in The Stranger erschienen, wurden später in seiner ersten Graphic Novel The Jar of Fools (deutscher Titel: Narren) aufgenommen. Er schildert darin ein paar Tage aus dem Leben eines arbeitslosen Magiers und legt dabei besonderen Wert auf die Darstellung der Empfindungen der Protagonisten, in Traumsequenzen und Rückblenden werden die Handlungsmotive der Figuren verdeutlicht. Für Narren erhielt Lutes den Xeric Grant Award. Jar of Fools erschien 1994 zunächst im Eigenverlag und wurde 1997 beim kanadischen Verlag Drawn & Quarterly herausgegeben. Die deutsche Ausgabe erschien 1999 beim Carlsen Verlag.

Herbstfall[Bearbeiten]

Für die psychologische Kriminalgeschichte The Fall (deutscher Titel: Herbstfall), arbeitete er mit dem Comicautor Ed Brubaker zusammen, der auch in seinen früheren Arbeiten Kriminal- und Actionthemen aufgriff. Ein junger Mann wird in einen 9 Jahre zurückliegenden Mordfall verwickelt und dadurch aus seinem unspektakulären Leben gerissen. The Fall wurde in einer Anthologie bei Dark Horse und 2001 als Album bei Drawn & Quarterly veröffentlicht. Die deutsche Ausgabe erschien 2004 bei Reprodukt.

Berlin[Bearbeiten]

1996 begann Lutes mit den Vorbereitungen für seinen historischen Comicroman Berlin, der im Berlin der späten Weimarer Republik spielt. Er beginnt im September 1928 und endet im Januar 1933 und schildert verschiedene Schicksale in dieser Zeit. Der Comic beeindruckt durch die Darstellung der historischen Stadtansichten und die je nach Figur unterschiedliche Sicht auf die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen dieser Zeit. Dazu gehören die Liebesgeschichte einer jungen Kunststudentin mit einem älteren Journalisten ebenso wie die Probleme einer allein erziehenden Mutter.

Berlin ist von Lutes in 24 Kapiteln konzipiert worden, von denen das erste 1998 erschienen ist, die Reihe ist noch nicht abgeschlossen. 2001 wurden die ersten acht Kapitel zu dem Band Berlin – City of Stones zusammengefasst. In Deutschland brachte Carlsen Comics 2003 diesen ersten Band der geplanten Trilogie unter dem Titel Berlin -Steinerne Stadt heraus. Der zweite Band auf Deutsch erschien 2008 ebenfalls bei Carlsen unter dem Titel Berlin - Bleierne Stadt.

Stil[Bearbeiten]

Lutes las in seiner Jugend auch viele Superheldencomics, die er fallen ließ, als er das Comicmagazin Heavy Metal entdeckte, in dem neben amerikanischen auch europäische Comics für ein erwachsenes Publikum veröffentlicht wurden. Er war durch mehrere Reisen nach Europa vor allem beeindruckt von europäischen Comics, zu seinen Vorbildern gehören Hergé und Vittorio Giardino.

Lutes ist ein Vertreter des realistischen Zeichenstils, in dem viele Elemente des Ligne claire wiederzufinden sind. Häufig werden Ausschnitte einer Szene vergrößert, ein Fuß auf dem Straßenpflaster, eine Hand, die zum Abschied winkt. Er verzichtet auf Grautöne und spielt mit dem Kontrast von schwarz und weiß. Die Figuren bewegen sich vor detailliert ausgearbeiteten Hintergründen.

Eines seiner Vorbilder ist Scott McCloud, und gerade dies führt auch zu Kritik an seinem Werk: Durch den kompromisslos nach den Theorien McClouds gestalteten Aufbau der Comics fehle es zuweilen an Spannung und Überraschungen. McCloud selbst fand die Arbeiten so überzeugend, dass er einige Panels aus Jar of Fools zur Dokumentation in seinem Buch Comics neu erfinden verwendete.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • 1994 The Jar of Fools, deutsche Ausgabe Narren. Carlsen Verlag, Hamburg 1999, ISBN 3-551-73782-7.
  • 2001 The Fall, deutsche Ausgabe Herbstfall. Reprodukt, Berlin 2004, ISBN 3-931377-88-1.
  • 2001 Berlin – City of Stones, deutsche Ausgabe Berlin – steinerne Stadt. Carlsen Verlag, Hamburg 2003 ISBN 3-551-76674-6.
  • 2007 Houdini: The Handcuff King, deutsche Ausgabe Houdini - König der Handschellen. Carlsen Verlag, Hamburg 2008 ISBN 978-3-551-77963-2.
  • 2008 Berlin – Bleierne Stadt. Carlsen Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-551-76676-2.

Weblinks[Bearbeiten]