Jean-Baptiste Jourdan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Jean-Baptiste de Jourdan)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jean-Baptiste Jourdan

Jean-Baptiste, Comte Jourdan (* 29. April 1762 in Limoges; † 23. November 1833 in Paris[1]) war Marschall von Frankreich.

Biografie[Bearbeiten]

Jourdan war der Sohn eines Wundarztes. Er trat im Alter von 16 Jahren in die Armee ein und nahm am Unabhängigkeitskrieg in Nordamerika teil. Nach seiner Rückkehr wurde er 1790 Hauptmann in der Garde nationale von Limoges und 1791 Bataillonschef in der Nordarmee und kämpfte unter General Charles-François Dumouriez im ersten Koalitionskrieg; u. a. 1792 und 1793 den Feldzug in den Niederlanden mit. Dabei tat er sich hier so hervor, dass er am 30. Juli 1793 zum Divisionsgeneral befördert wurde.

Nachdem er mit seiner Division bei Hondschoote (8. September 1793) mitgekämpft hatte, wurde er schon zwei Tage darauf der Nachfolger des abberufenen Obergenerals Jean-Nicolas Houchard und schlug die Österreicher bei Wattignies (15./16. Oktober 1793). Bald darauf jedoch wurde er wegen seiner Opposition gegen den Plan des Wohlfahrtsausschusses, einen Winterfeldzug zu unternehmen, entlassen.

Schon im Frühling 1794 wieder zum Oberbefehlshaber der Moselarmee, dann der Sambre- und Maas-Armee ernannt, erfocht er am 26. Juni den Sieg bei Fleurus (26. Juni 1794), trieb die Österreicher nach einigen glücklichen Treffen an der Roer über den Rhein zurück, nahm am 7. Juni 1795 die Festung Luxemburg, überschritt am 6. September den Rhein und belagerte darauf Kastel und Mainz, wurde aber vor Höchst (11. Oktober 1795) von Clerfait geschlagen und musste auf das linke Rheinufer zurückweichen. 1796 überschritt er zum zweiten Mal den Rhein und drang von der Lahn bis zur Oberpfalz vor, erlitt aber vor Amberg (24. August 1796) und in der Schlacht von Würzburg (1./3. September 1796) durch Erzherzog Karl Niederlagen und zog sich unter großen Verlusten nach Düsseldorf zurück, wo er sein Kommando niederlegte.

Jean-Baptiste Jourdan (Gemälde von Eugène Louis Charpentier)

Die Vorwürfe, welche ihm dieser Rückzug einbrachte, suchte er später in den Mémoires pour servir à l'histoire de la campagne de 1796 (Paris 1819) zu widerlegen.[2] Im März 1797 wurde er in den Rat der Fünfhundert gewählt.

1799 erhielt er den Oberbefehl über die Armée de Mayence und die Donauarmee und setzte am 1. März 1799 bei Basel über den Rhein. Er wurde indes wiederum vom Erzherzog Karl bei Ostrach (21. März 1799) und Stockach (25. März 1799) geschlagen und deshalb abgesetzt. Sein Vorgehen in diesem Feldzug suchte seine Schrift Précis des opérations de l'armée du Danube sous les ordres du général Jourdan (Paris 1799) zu rechtfertigen.

Als sich Napoleon am 9. November 1799 an die Macht putschte (→Staatsstreich des 18. Brumaire VIII) verhielt sich Jourdan, obwohl strenger Republikaner, neutral und wurde daher 1800 vom Ersten Konsul mit der Verwaltung Piemonts betraut, welche er vortrefflich leitete. 1803 berief man ihn in den Senat. Kaiser Napoleon I. erhob ihn 1804 in den Grafenstand, ernannte ihn zum Marschall und verlieh ihm Sitz und Stimme im Conseil d’État, aber nie ein selbständiges Kommando. Als Joseph Bonaparte 1806 König von Neapel wurde, ernannte er Jourdan zum Militärgouverneur der Stadt Neapel. Nach der Abdankung des spanischen Königs Karl IV. wurde Joseph Bonaparte am 6. August 1808 dessen Nachfolger und nahm Jourdan als Generalstabschef mit nach Spanien, welche Stelle er mit einer Unterbrechung (1809–1812) bis 1814 innehatte.

Jourdan kämpfte zusammen mit König Joseph u. a. in der Schlacht von Vitoria (21. Juni 1813) und wurden vernichtend geschlagen. Jourdan wurde durch General Nicolas Jean-de-Dieu Soult abgelöst, kehrte nach Frankreich zurück und ließ sich in Rouen nieder. Nach der Schlacht von Waterloo (18. Juni 1815) schloss sich Jourdan den Bourbonen an und unterstützte König Ludwig XVIII. und später auch seinen Nachfolger Karl X.

Nach der Zweiten Restauration 1815 wurde er Vorsitzender des Kriegsgerichts, welches Michel Ney verurteilen sollte, aber sich für inkompetent erklärte. 1816 erhielt er die 7. Militärdivision und 1819 von Ludwig XVIII. die Pairswürde. Nach der Julirevolution von 1830 ernannte ihn König Louis-Philippe I. zu seinem Außenminister. Dieses Amt gab er bereits nach wenigen Tagen auf und wurde mit Wirkung zum 11. August 1830 zum Gouverneur des Hôtel des Invalides berufen. Mit 71 Jahren starb Jean-Baptiste Jourdan am 23. November 1833 in Paris und fand seine letzte Ruhestätte in der Kathedrale Saint-Louis-des-Invalides.

Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 1, Seite 793
  2. Online bei Google books: Denkwürdigkeiten der Geschichte des Feldzugs 1796 in einer deutschen Übersetzung von 1823

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Bleibtreu: Marschälle, Generale, Soldaten Napoleons I. VRZ-Verlag, Hamburg 1999, ISBN 3-931482-63-4 (unveränderter Nachdr. d. Ausg. Berlin 1899).
  • Désiré Lacroix: Les marechaux de Napoléon. Garnier, Paris 1896.
    • deutsche Übersetzung: Die Marschälle Napoleons I. Verlag Schmidt & Günther, Leipzig 1898 (übersetzt von Oskar Marschall von Bieberstein).
  • Charles Mullié: Biographie des célébrités militaires des armées de terre et de mer de 1789 à 1850. Poignavant, Paris 1851 (2 Bde.)
  • Digby Smith: The Greenhill Napoleonic Wars Data Book. Greenhill, London 1998, ISBN 1-85367-276-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-Baptiste Jourdan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien