Jean-Bertrand Pontalis

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Jean-Bertrand Pontalis (2011)

Jean-Bertrand Pontalis (* 15. Januar 1924 in Paris; † 15. Januar 2013 ebenda)[1] war ein französischer Philosoph, Psychoanalytiker und Schriftsteller.

Biographie[Bearbeiten]

Pontalis besuchte in Paris die Gymnasien Pasteur und Henri IV und absolvierte an der Sorbonne ein Philosophiestudium, das er 1945 mit einer Arbeit über Spinoza abschloss. In den Nachkriegsjahren schloss er sich der politischen Linken um Jean-Paul Sartre und Maurice Merleau-Ponty an und arbeitete an ihrer Zeitschrift Les Temps Modernes mit. Er unterrichtete Philosophie an Gymnasien in Alexandria (1948–49), Nizza (1949–51) und Orléans (1951–52), danach wurde er dank der Unterstützung Merleau-Pontys Mitarbeiter des Centre national de la recherche scientifique (CNRS). Zur selben Zeit begann er eine Lehranalyse bei Jacques Lacan, zu dessen Seminaren von 1956 bis 1959 (Séminaires IV-VI) er die ersten Zusammenfassungen veröffentlichte. Um 1960 begann er zusammen mit Jean Laplanche mit der Arbeit an dem Buch Vocabulaire de la psychanalyse, das 1967 erschien. Es wurde ein großer Erfolg und in zahlreiche Sprachen übersetzt.

1964 grenzte er sich von Lacan ab, indem er mit einigen anderen die Association Psychanalytique de France gründete. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Redaktionskomitees von Les Temps Modernes und begann an der École pratique des hautes études zu unterrichten.

1970 gründete er die Zeitschrift Nouvelle Revue de Psychanalyse, deren Herausgeber er bis 1994 blieb, als nach 50 Ausgaben ihr Erscheinen eingestellt wurde. Zum Redaktionskomitee gehörten Didier Anzieu, André Green, Guy Rosolato und Jean Starobinski, später auch Laurence Kahn.

1979 trat er dem Lektoratskomitee des Verlags Gallimard bei, im Jahr darauf begann er auch selbst literarische Werke zu veröffentlichen.

Werke auf Deutsch[Bearbeiten]

  • Nach Freud (1965), Frankfurt a.M. 1968
  • (als Herausgeber:) Objekte des Fetischismus, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1972 (Übersetzung von Objets du fétichisme, der Nr. 2 der Nouvelle Revue de Psychanalyse, Herbst 1970)
  • Das Vokabular der Psychoanalyse (1967, gemeinsam mit Jean Laplanche), Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1973
  • Ins Beginnen verliebt (1986), Tübingen: Edition diskord 1989
  • Urphantasie: Phantasien über den Ursprung, Ursprünge der Phantasie (1985, gemeinsam mit Jean Laplanche), Frankfurt a.M.: Fischer 1992
  • Die Macht der Anziehung: Psychoanalyse des Traums, der Übertragung und der Wörter (1990), Frankfurt: Fischer 1992
  • Zwischen Traum und Schmerz (1977), Frankfurt a.M.: Fischer 1998 (in der dt. Fassung gekürzt)
  • Zusammenfassende Wiedergabe der Seminare IV-VI von Jacques Lacan, hg. von Hans-Dieter Gondek und Peter Widmer, aus dem Franz. von Johanna Drobnig, Wien: Turia + Kant 1999, 2. Aufl. 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • Theresia Erich: Artikel "Pontalis, Jean-Bertrand", in: Gerhard Stumm, Alfred Pritz u. a. (Hrsg.): Personenlexikon der Psychotherapie, Wien, New York: Springer 2005, S. 379 f.
  • Claude Janin: J.-B. Pontalis, Psychanalystes d'aujourd'hui, Paris: P.U.F. 1997
  • François Duparc (Hrsg.): Fenêtres sur l'inconscient: l'œuvre de J.-B. Pontalis, Paris: Delachaux & Niestlé 2002
  • Jean-Michel Delacomptée, François Gantheret (Hrsg.): Le Royaume intermédiaire - autour des écrits psychanalytiques et littéraires de Jean-Bertrand Pontalis (Colloque de Cerisy-la-Salle, 10-17 septembre 2006), Paris: Gallimard 2007

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Elisabeth Roudinesco: Le psychanalyste Jean-Bertrand Pontalis est mort. In: Le Monde. 16. Januar 2013, abgerufen am 16. Januar 2013 (französisch).

Weblinks[Bearbeiten]