Jean-Christophe Cambadélis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jean-Christophe Cambadélis

Jean-Christophe Cambadélis (* 14. August 1951 in Neuilly-sur-Seine) ist ein französischer Politiker der Parti socialiste und ihr kommissarischer Parteivorsitzender (Premier secrétaire)

Cambadélis, der griechischer Abstammung ist, engagierte sich in der französischen Studierendenbewegung, war in den Studentenstreiks 1976 Sprachführer und ab 1980 Vorsitzender der UNEF-ID. Zu jener Zeit galt er als Trotzkist.[1]

1986 trat Cambadélis in den Parti socialiste ein. Bereits zwei Jahre später wurde er zum Abgeordneten für Paris gewählt, verlor dieses Mandat aber bei der Wahlniederlage des PS 1993 wieder. Ab 1994 gehörte er dem Parteivorstand des PS (Bureau national) an.[1] Er gilt als einer der Architekten der gauche plurielle, des Bündnisses verschiedener linker Parteien unter Führung des PS, das bei den Parlamentswahlen 1997 überraschend die Regierungsmehrheit erringen konnte.[2] Danach galt er als Kandidat für den Parteivorsitz, Lionel Jospin schlug statt ihm aber François Hollande als seinen Nachfolger in dieser Funktion vor.[1] 1997 wurde Cambadélis auch wieder in die Assemblée nationale gewählt, der er seitdem ununterbrochen angehört.

2000 und 2006 wurde Cambadélis jeweils zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt, in beiden Fällen wegen Scheinbeschäftigungen.[3]

Ab 2008 galt Cambadélis als führender Unterstützer von Dominique Strauss-Kahn bei dessen Weg zur Präsidentschaftskandidatur für den PS, die mit der Verhaftung Strauss-Kahns in New York unmöglich wurde. Cambadélis unterstützte anschließend die Bewerbung von Martine Aubry, die aber in der Vorwahl François Hollande unterlag.[1]

2012 galt Cambadélis als Wunschkandidat von Martine Aubry für ihre Nachfolge im Parteivorsitz.[2] Aubry schlug aber schließlich in Abstimmung mit dem Staatspräsidenten François Hollande nicht ihn, sondern Harlem Désir für dieses Amt vor. Cambadélis wurde als Vizepräsident der Sozialdemokratischen Partei Europas vorgeschlagen[4], in dieses Amt wurde er am 29. September 2012 offiziell berufen.[5]

Nach dem Rücktritt Harlem Désirs wurde Cambadélis am 15. April 2014 vom Conseil national des PS zum kommissarischen Parteivorsitzenden gewählt.[2] Seine Bestätigung durch eine Urwahl soll erst nach den Europawahlen erfolgen.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Marion Joseph: Jean-Christophe Cambadélis, la revanche d'un fin manœuvrier. Le Figaro, 15. April 2014, abgerufen am 15. April 2014 (französisch).
  2. a b c Bastien Bonnefous: Jean-Christophe Cambadélis élu à la tête du PS. Le Monde, 15. April 2014, abgerufen am 15. April 2014 (französisch).
  3. Bastien Bonnefous: Les passés judiciaires de MM.Cambadélis et Désir suscitent une gêne au PS. Le Monde, 8. September 2012, abgerufen am 15. April 2014 (französisch).
  4. Désir et Bachelay, un tandem de compromis pour la tête du PS. Libération, 12. November 2012, abgerufen am 12. September 2012 (französisch).
  5. Newly elected PES President introduces his new team. PES, 29. September 2012, abgerufen am 10. Oktober 2012 (englisch).
  6. Intervention d’Harlem Désir devant le Bureau national du Parti socialiste, le 9 avril 2014. Parti Socialiste, 9. April 2014, abgerufen am 15. September 2014 (französisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-Christophe Cambadélis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien