Jean-François Marmontel

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Jean-François Marmontel. Portrait von Alexandre Roslin. Paris, Musée du Louvre

Jean-François Marmontel (* 11. Juli 1723 in Bort-les-Orgues, Corrèze; † 31. Dezember 1799 in Abloville, Eure) war ein französischer Schriftsteller und Enzyklopädist.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er war der Sohn des Schneidermeisters, maître tailleur d'habits Martin Marmontel (* 1690) und seiner Ehefrau Marianne Gourdes (* 1700).[2] Er hatte zwei jüngere Brüder Jean (* 1731) und Antoine François Marmontel (* 1735) sowie vier Schwestern Anne (* 1727), Marie-Jeanne (* 1728), Antoinette (* 1730) und Jeanne (* 1739).[3][4]

Marmontel studierte zu Toulouse, bekam schon im 16. Lebensjahr die Tonsur und erhielt hierauf eine philosophische Lehrstelle am Seminar der Bernhardiner zu Toulouse.

Empfehlungen Voltaires führten ihn 1745 nach Paris und öffneten ihm dort die höheren literarischen Zirkel. Der große Erfolg seiner beiden Tragödien „Denys le Tyrau“ (1748) und „Aristomène“ (1749) machte ihn schnell berühmt; er führte nun ein äußerst flottes und an galanten Abenteuern reiches Leben.

Seine übrigen (vier) Tragödien fielen durch, ebenso seine ernsten Opern, während seine komischen viel Beifall fanden. Durch Vermittlung der Madame de Pompadour erhielt er 1753 das Sekretariat des Bauwesens und 1758 das Privilegien des „Mercure“, welches er aber infolge einer Satire gegen den Herzog von Aumont wieder verlor.

Seit Samstag den 11. Oktober 1777 heiratete er die Adélaïde de Montigny (1759-1812); sie hatten vier Kinder Albert Charles François (1780-1809), Charles Paul (1781-1784), Charles Joseph François (1785-1808) und Louis Joseph Marmontel (1789-1830).

Die teilweise Ablehnung erhöhte doch nur seinen Ruhm, ebenso wie die Verdammung seines philosophischen Romans „Bélisaire“ (1767, deutsch 1768) durch die Sorbonne wegen einiger Sätze über die Toleranz. Seit 1763 Mitglied der Académie française, deren Sekretär er 1783 wurde, und seit 1771 Historiograph von Frankreich, zog er sich beim Beginn der Revolution in die Nähe von Évreux zurück, wo er am 31. Dezember 1799 starb, nachdem ihn die Politik nur auf kurze Zeit seiner Einsamkeit entrissen hatte.

Jean-François Marmontel

Seine Hauptwerke sind die ziemlich unmoralischen „Contes moraux“, die er im „Mercure“ veröffentlichte, und welche einen großartigen Erfolg hatten, „Bélisaire“, der poetische Roman „Les Incas“ über die Zerstörung von Peru; die „Éléments de litterature“, eine Sammlung seiner für die Enzyklopädie gelieferten Aufsätze, und besonders seine „Mémoires d'un père pour servir à l'instruction de ses enfants“ (1800, 2 Bde.), welche eine interessante und ausführliche Geschichte der berühmten „Salons“ des 18. Jahrhunderts enthalten.

Ein Neuerer in der Theorie und nicht frei von romantischen Anwandlungen, übte er in der „Poétique française“ (1763, 3 Teile) eine strenge Kritik an Jean Racine und Nicolas Boileau und machte auf eine Laune der Pompadour hin den unglücklichen Versuch, Jean Rotrou u. a. in moderne Formen umzugießen. Zu erwähnen sind noch seine „Leçons d'un père à ses enfants sur la langue française“ (1806, 2 Bde.; dt. unter dem Titel Erinnerungen an Philosophen und Aktricen) und das frivole Gedicht „La Neuvaine de Cythère“ (1820).

Seine gesamten Werke wurden herausgegeben von Verdière (Paris 1818-19, 19 Bde.), von Coste (1819, 18 Bde.), von Villenave (1819-20, 7 Bde.); seine „Œuvres choisies“ von Saint-Surin (1824-27, 12 Bde.).

Grabmal von Jean-François Marmontel in Bort-les-Orgues ( Corrèze)

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Dramen

  • Denys le tyran, Tragödie 1748
  • Aristomène, Tragödie 1749
  • Cléopâtre, Tragödie 1750
  • La Guirlande, acte de ballet, 1751, Musik von Jean-Philippe Rameau
  • Acanthe et Céphise, heroische Pastorale in drei Akten, 1751, Musik von Jean-Philippe Rameau
  • Les Héraclides, Tragödie 1752
  • Égyptus, Tragödie 1753
  • Lysis et Délie, heroische Pastorale in einem Akt, 1753, Musik von Jean-Philippe Rameau
  • Les Sybarites, Ballett 1753, Musik von Jean-Philippe Rameau
  • Hercule mourant, Oper 1761
  • Annette et Lubin (1762)
  • La Bergère des Alpes (1766)
  • Le Huron, Komische Oper 1768, Musik von André Grétry
  • Lucile, Komische Oper 1769, Musik von André Grétry
  • Sylvain, Komische Oper 1770, Musik von André Grétry
  • L’Amie de la maison, Komische Oper 1771, Musik von André Grétry
  • Zémire et Azor, Komische Oper 1771, Musik von André Grétry
  • Céphale et Procris, 1773
  • La Fausse magie, Komische Oper 1775, Musik von André Grétry
  • Didon, opéra, 1783, Musik von Niccolò Vito Piccinni
  • La Fausse Pénélope, Komische Oper 1785, Musik von Niccolò Vito Piccinni
  • Démophon, 1788

Poetik

  • Polymnie, Satire in elf Gesängen
  • L’établissement de l’École militaire, 1751
  • Vers sur la convalescence du Dauphin, 1752
  • La naissance du duc d’Aquitaine, 1753
  • Épître aux poètes, 1760
  • La Neuvaine de Cythère, 1820 ein zügelloses Gedicht

Essais

  • Poétique française, 1763
  • Essai sur les révolutions de la musique en France, 1777
  • De l’Autorité de l’usage sur la langue, 1785
  • Éléments de littérature, 1787
  • Mémoire sur la régence du duc d’Orléans, 1788
  • Apologie de l’Académie française, 1792
  • Mémoires d'un père pour servir à l'instruction de ses enfants, 1805

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-François Marmontel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Jean-François Marmontel – Quellen und Volltexte (französisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frank Arthur Kafker: Notices sur les auteurs des 17 volumes de « discours » de l'Encyclopédie Recherches sur Diderot et sur l'Encyclopédie. Année (1990) Volume 8 Numéro 8, S. 102–103
  2. Genealogie der Familie
  3. Jean-François Marmontel: Mémoires. Mercure de France, 1999, Einführung und Vorwort von Jean-Pierre Guicciardi und Thierriat, S. 754.
  4. Jean-François Marmontel, Correspondance, tome I, 1974 online.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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