Jean-Jacques Boissard

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Jean Jacques Boissard

Jean-Jacques Boissard (* um 1528 in Besançon; † 30. Oktober 1602 in Metz) war ein französischer Antiquitätensammler und lateinischer Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Jean-Jacques Boissard führte ein bewegtes Leben und war einen großen Teil der Zeit auf Reisen.[1] Seine zunächst aufgenommenen theologischen Studien in Deutschland und den damaligen Niederlanden (Löwen) gab er aus Unzufriedenheit mit seinem strengen Lehrer auf und schloss sich seinem Onkel, dem Humanisten und Privatlehrer Hugues Babet (Hugo Babelus, 1474-1556) an. Nach Durchqueren eines großen Teils von Deutschland kam er nach Italien, wo er mehrere Jahre blieb und öfters in wirtschaftliche Bedrängnis geriet. In Rom verbrachte er beträchtliche Zeit im Gefolge des Kardinals Antonio Carafa[1], entwickelte eine Vorliebe für Altertümer und begann Artefakte aus der antiken Stadt und ihrer Umgebung zu sammeln.[2]

Er besuchte danach die Inseln des griechischen Archipels mit der Absicht, Griechenland zu bereisen, jedoch zwang ihn eine schwere Krankheit zur Rückkehr nach Rom. Hier nahm er seine Lieblingsbeschäftigung mit großem Eifer wieder auf, vervollständigte seine Artefaktensammlung und kehrte nach Frankreich zurück. Da er sich einige Zeit zuvor der Hugenottenkirche anschlossen hatte, ihm aber das öffentliche Bekenntnis seiner Religion nicht gestattet war, ließ er sich wegen der Anfeindungen nach 1560 in Metz nieder.[2] Als Privatlehrer junger Adliger hatte er jedoch weiter Gelegenheit zu weiten Reisen. Unter anderem waren ihm nacheinander die beiden Söhne des calvinistischen Führers Seigneur de Clervant zur Erziehung anvertraut. In diese Periode fällt auch ein Aufenthalt in der Universitätsstadt Padua zur Zeit der Pest im Jahre 1576. Viele Menschen aus seinem Bekanntenkreis starben an der Epidemie, was ihn verständlicherweise tief berührte. Ab dem Jahre 1583 hielt er sich dauerhafter in Metz auf und heiratete im Jahre 1587 Marie Aubry, die Tochter seines bisherigen Druckers und Verlegers Jean Aubry. Später jedoch brachten ihn seine Veröffentlichungen immer mehr in Kontakt deutschen Verlegern und hier vor allem in eine enge Zusammenarbeit mit Theodor de Bry. [1]

Künstlerische Tätigkeit[Bearbeiten]

Boissard hatte auf seinen Reisen viele Gelehrte kennengelernt, deren biographische Fakten und Bilder gesammelt bzw. die Personen auch eigenhändig porträtiert. Mit dem Kupferstecher und Verleger Theodor de Bry gab er in Frankfurt am Main 1597-1598 100 Gelehrtenporträts heraus und bezeichnete sie als Icones virorum illustrium doctrina et eruditione praestantium ad vivum effictae cum eorum vitis. Die Sammlung wuchs innerhalb eines halben Jahrhunderts durch die Söhne de Brys und deren Nachfolger unter dem bekannteren Namen Bibliotheca chalcographica auf über 400 Porträts heran.

Werke[Bearbeiten]

Copernicus-Porträt in Icones Virorum Illustrium

Boissard nutzte für seine emblematischen Texte und Grafiken seine archäologischen und philologischen Kenntnisse der Antike.[3]

  • Ovids Metamorphosen, 1556
  • Poemata, 1574
  • Emblemata cum tetrastichis latinis Metz: Jean Aubry, 1584
  • Emblematum liber 1588, Frankfurt am Main, 1593
  • Icones Virorum Illustrium, 1597
  • Bibliotheca chalcographica, hoc est Virtute et eruditione clarorum Virorum Imagines. Heidelberg: Clemens Ammon, 1669 Onlinezugriff auf die Mateo-Datenbank
  • Vitae et Icones Sultanorum Turcicorum, etc. 1597
  • Theatrum Vitae Humanae Metz: Abraham Faber, 1596
  • Romanae Urbis Topographiae et Antiquitatum, 1597-1602 (online)
  • De Divinatione et Magicis Praestigiis, 1605
  • Habitus Variarum Orbis Gentium, 1581

Literatur[Bearbeiten]

  • Encyclopædia Britannica von 1911: Jean Jacques Boissard Artikel Online englisch, abgerufen 6. Mai 2010
  • Jean Jacques Boissard: Emblemata cum tetrastichis latinis, Wolfgang Harms (Hrsg.), Metz: Jean Aubry 1587, Reprint: Georg Olms Verlag, Hildesheim 2009 in der Reihe: Emblematisches Cabinet, ISBN 978-3-487-13896-1
  • Michael Thimann (Hrsg.): Jean Jacques Boissard: Ovids Metamorphosen 1556. Die Bildhandschrift aus dem Berliner Kupferstichkabinett (= Ikonographische Repertorien zur Rezeption des antiken Mythos in Europa; Beiheft V), Gebr. Mann Verlag, Berlin 2005, ISBN 978-3-7861-2509-9 Buchbesprechung mit Schaffenshintergrund abgerufen 4. Mai 2010
  • Michael Thimann: Erinnerung an das Fremde. Jean-Jacques Boissards Trachenbuch für Johann Jacob Fugger. In: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, Band 32, 2005, S. 117–148
  • Alison Adams: Jean Jacques Boissard's Emblemes, nouvellement mis de latin en françois par Pierre Joly, Abraham Faber, Metz 1595 Werkbesprechung bei French Emblems at Glasgow englisch, abgerufen 6. Mai 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-Jacques Boissard – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c siehe Literatur Alison Adams: Jean Jacques Boissard's Emblemes
  2. a b siehe Literatur Encyclopædia Britannica
  3. Georg Olms Verlag zu Lit Emblemata cum tetrastichis latinis