Jean-Marie Lehn

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Jean-Marie Lehn (1991)
Jean-Marie Lehn (2012)

Jean-Marie Lehn (* 30. September 1939 in Rosheim, Elsass) ist ein französischer Chemiker. Zusammen mit Donald Cram und Charles Pedersen wurde er 1987 für seine Arbeit im Forschungsfeld der Supramolekularen Chemie mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten]

Jean-Marie Lehn wurde am 30. September 1939 in der Stadt Rosheim (Frankreich) geboren. Sein Vater, Pierre Lehn, arbeitete als Bäcker und besaß eine große Leidenschaft für die Musik. Seine Mutter, Marie Lehn, war Hausfrau und kümmerte sich mit um die Bäckerei. Jean-Marie Lehn hatte vier Brüder von denen er der älteste war. Zusammen mit dem Nächstgeborenen half er oft im Laden aus und unterstützte seine Mutter. Wie sein Vater spielte er Orgel und Klavier, während seine Leidenschaft zu den Naturwissenschaften wuchs. 1950 bis 1957 studierte er Latein, Griechisch, Deutsch, Englisch, französische Literatur, Philosophie und Naturwissenschaften. Im Juli 1957 bekam er seinen Bachelor in Philosophie und im September in Experimentellen Wissenschaften. Er spezialisierte sich weiter im Bereich Physik, Chemie, Naturwissenschaften und wurde 1960 Juniormitglied im Centre National de la Recherche Scientifique. Kurze Zeit darauf (1961) schrieb er seine erste wissenschaftliche Abhandlung über die induzierte Verschiebung von Protonen-NMR-Signalen an Substituenten der Steroidderivate. Anschließend promovierte er 1963 in Chemie in Straßburg und ging danach zum Forschungsaufenthalt an die Harvard University, wo er mit dem Nobelpreisträger Robert B. Woodward zusammen an der Synthese von Vitamin B12 arbeitete. Diese Phase sollte eine der entscheidenden Phasen in seinem Wissenschaftlerleben sein. Er belegte einen Kurs in Quantenmechanik und führte seine ersten Berechnungen zusammen mit Roald Hoffmann durch – dadurch wurde er Zeuge bei der Entstehung der Woodward-Hoffmann-Regeln. 1965 heiratete er seine Frau Sylvie Lederer, mit der er gemeinsam zwei Söhne bekam, David (geb. 1966) und Mathias (geb. 1969). Im Jahre 1966 wurde er Assistenzprofessor und 1970 Professor für Chemie an der Louis Pasteur Universität Straßburg; seit 1979 ist er zusätzlich Professor für molekulare Wechselwirkungen am Collège de France in Paris. Außerdem ist er einer der Direktoren des Instituts für Nanotechnologie in Karlsruhe und Gastprofessor an der ETH Zürich und an den Universitäten Harvard, Cambridge, Barcelona und Frankfurt. Seit 1985 ist Lehn Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und seit 2008 der Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Leistung[Bearbeiten]

Er publizierte mehr als 400 wissenschaftliche Artikel und gehört mit zu den Pionieren der Entstehung des neuen Forschungsfelds der supramolekularen Chemie. Im Gegensatz zur molekularen Chemie, deren Einheiten die Atome sind und die durch kovalente Bindungen zusammengehalten werden, entstehen bei der supramolekularen Chemie durch Assoziationen von mehreren Molekülen komplexe Einheiten, die mit nicht-kovalenten intermolekularen Kräften aneinander gebunden werden. Aus der supramolekularen Chemie entwickelte sich später die Chemie der „selbstorganisierenden“ Prozesse und die adaptive Chemie.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Lehn wurde 1982 mit dem Gay-Lussac-Humboldt-Preis ausgezeichnet. Er erhielt 1987 gemeinsam mit Donald J. Cram und Charles Pedersen den Nobelpreis für Chemie für die Entwicklung und Verwendung von Molekülen mit strukturspezifischer Wechselwirkung von hoher Selektivität und die Untersuchung der polyzyklischen Cryptat-Käfigmoleküle.

2001 wurde er mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse geehrt.

Weitere Preise unter anderem: Paracelsus-Preis, Forschungspreis der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, Karl-Ziegler-Preis, Ettore-Majorana-Preis, Davy-Medaille der Royal Society, Lavoisier-Medaille der Société Française de Chimie.

Ehrendoktorate von über zwanzig Universitäten, sowie Mitgliedschaft in zahlreichen Akademien und wissenschaftlichen Gesellschaften.

Im Jahr 2014 wurde er zum Großoffizier der Ehrenlegion ernannt.[1]

Arbeitsgebiete[Bearbeiten]

Supramolekulare Chemie, molekulare Erkennung und Selbstorganisation, bioorganische Chemie, Nanotechnologie

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • J.-M. Lehn: Supramolecular Chemistry – Concepts and Perspectives, Wiley-VCH, Weinheim 1995, ISBN 978-3-527-29311-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean-Marie Lehn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dernières Nouvelles d'Alsace vom 20. April 2014 : Le prix Nobel Jean-Marie Lehn grand officier de la légion d'honneur, abgerufen am 18. Mai 2014