Jean Charles François de Ladoucette

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Dieser Artikel bezieht sich auf Jean Charles François de Ladoucette. Weitere Bedeutungen unter Ladoucette (Begriffsklärung).
Statue Ladoucettes von Jean Marcellin in Gap

Jean Charles François de Ladoucette (* 4. Oktober 1772 in Nancy; † 10. März 1848 in Paris) war ein französischer Politiker und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Ladoucette wurde am 4. Oktober 1772 in Nancy geboren. Nach seinem Jurastudium an der Fakultät der Rechte von Nancy ging er 1791 mit der Lizenz, im Zivil- und Kirchenrecht zu praktizieren nach Metz, wo seine Familie herstammte. Hier nahm er seine Arbeit als Advokat auf und begann, sich politisch zu engagieren. Ab 1793 wurde er im Auftrag der Republik wiederholt zu außenpolitischen Einsätzen in die Schweiz geschickt, wo er Suzanne Charlotte Gobert kennenlernte, die er um die Jahrhundertwende heiratete. Am 13. April 1802 wurde er zum Präfekten des Departements Hautes-Alpes ernannt. Im Jahre 1804 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen.

1809 verließ er das Departement Hautes-Alpes, weil er am 31. März zum Präfekten des Rurdepartements ernannt wurde. Im selben Jahr erhielt er den Titel Baron des Empire. Auch im Rurdepartement trieb er den Ausbau der Infrastruktur voran und förderte wirtschaftliche und landwirtschaftliche Entwicklung. Für Frankreich war das Rurdepartement wichtig, weil durch die Kontinentalsperre viele Handelsgüter aus England nicht mehr zugänglich waren. Ladoucette blieb bis zur Auflösung des Departements im Jahre 1814 in Aachen. Erst mit der Rückkehr Napoleons im Jahre 1815 erhielt er eine neue Präfektur: das Departement Mosel. Nach der Schlacht von Waterloo musste er diesen Posten wieder räumen. Wegen einer Freundschaft seiner Frau mit der Gräfin von Lavalette wurde er 1815 im Alter von 43 Jahren aus dem Staatsdienst entlassen.

Danach widmete Ladoucette sich verschiedenen Forschungen und literarischen Tätigkeiten. Er überarbeitete seine Aufzeichnungen aus den Departements Hautes-Alpes und Rur und ging an deren Veröffentlichung. Daneben verfasste er ein breites literarisches Werk, das Erzählungen, Theaterstücke, Apologien, Romane und Fabeln umfasst. Seine Werke erlebten mehrere Auflagen. In die Welt der Politik zurückzukehren, gelang ihm erst 1834, als er Deputierter des Departements Mosel wurde. Diesen Posten behielt er bis zu seinem Tod am 10. März 1848 in Paris.

Leistungen[Bearbeiten]

Im Departement Hautes-Alpes veranlasste Ladoucette den zügigen Ausbau der Infrastruktur: Brückenbau, Uferbefestigungen, Kanalisierungen, das Trockenlegen von Sümpfen und schließlich der Bau der Straße nach Genf, für den er 25.000 Francs aus eigener Tasche vorlegte, bedeuteten für das Departement den Anschluss an die restliche Welt. Die Stadt Gap ließ ihm zu Ehren im Jahre 1861 ein Standbild aufstellen. Außerdem ist eine Straße nach ihm benannt. Auch heute noch wird er als Wohltäter Gaps verehrt. In Metz erinnerte eine Büste Ladoucettes von Emmanuel Hannaux an ihn. Ladoucette veröffentlichte über Gap 1806 eine archäologische Studie und 1820 eine Abhandlung über Geschichte, Dialekte und Bräuche der Hochalpen. Das Rurdepartement stellte er in einer Reisebeschreibung in Briefen 1818 detailliert dar. Die Geschichte der Hochalpen wurde erst 1995 wieder aufgelegt und die Reise durch das Land zwischen Maas und Rhein 2009 auf Deutsch. Sein literarisches Werk dagegen ist aus heutiger Sicht eher unbedeutend.

Werke[Bearbeiten]

  • Archéologie de «Mons Seleucus», ville romaine dans le pays des Voconces, aujourd’hui Labatie-Mont-Saléon, préfecture des Hautes-Alpes. Allier, Gap 1806.
  • Histoire, antiquités, usages, dialectes des Hautes-Alpes. Fantin, Paris 1820. Neuausgabe: Lafitte, Marseille 1994, ISBN 2-86276-257-1.
  • Voyage fait en 1813 et 1814 dans le pays entre Meuse et Rhin. Suivi de notes. Avec une carte géographique. Laruelle Fils/Alexis Eyméry, Paris/Aix-la-Chapelle, 1818.
  • Robert et Léontine, ou la Moselle au XVIe siècle. Paris 1843.
  • Fables. Lugan, Paris 1827. Bertrand, Paris 1842.
  • Robert et Léontine, histoire du seizième siècle. I.-III. Paris 1827.
  • Le Troubadour ou Guillaume et Marguerite. Masson, Paris 1824.
  • Novelles, contes, apologues et mélanges. Fantin, Paris 1822.
  •  Jean Charles François Baron de Ladoucette, Birgit Gerlach (Hrsg.): Reise im Jahre 1813 und 1814 durch das Land zwischen Maas und Rhein. 1 Auflage. Antiquariat Am St. Vith, Mönchengladbach 6. November 2009, ISBN 978-3-00-028810-4.

Literatur[Bearbeiten]

  • Émile Duvernoy: Un préfet homme de lettres: Jean-Charles-François de Ladoucette (1772–1848) In: Le Pays Lorraine. Journal de la Société d’Archéologie Lorraine et du Musée Historique Lorrain 1968, 166–172.
  •  Jean Charles François Baron de Ladoucette, Birgit Gerlach (Hrsg.): Reise im Jahre 1813 und 1814 durch das Land zwischen Maas und Rhein. 1 Auflage. Antiquariat Am St. Vith, Mönchengladbach 6. November 2009, ISBN 978-3-00-028810-4.

Weblinks[Bearbeiten]