Jean Crotti

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Jean-Joseph Crotti (* 24. April 1878 in Bulle bei Freiburg im Üechtland; † 30. Januar 1958 in Paris) war ein schweizerisch-französischer[1] Maler und Graphiker des Dadaismus.

Leben[Bearbeiten]

Jean Crotti war der Sohn des aus dem Tessin stammenden Charles Crotti und jüngerer Bruder des später bekannten Mediziners André Crotti. Ursprünglich sollte er im väterlichen Fassadenmaler- und Gipsereigeschäft in Freiburg mitwirken, nahm aber stattdessen im Wintersemester 1894/95 ein Studium an der Kunstgewerbeschule in München auf, das seinen Erwartungen jedoch nicht entsprach. 1898 war er Praktikant in einem Atelier für Bühnendekoration in Marseille, bevor er 1901 in Paris das Kunststudium an der renommierten Académie Julian aufnahm.[2] Er heiratete 1908 in erster Ehe Yvonne Antoinette Chastel.

Anfänglich vom Impressionismus, später vom Fauvismus, Nabis und vom Jugendstil beeinflusst, begann er um 1910 zu experimentieren und wandte sich über den Kubismus dem Dadaismus zu. Erste Werke konnte er 1907 im Salon d'Automne in Paris und 1908 im Salon des Indépendants ausstellen.

Wegen Ausbruch des Ersten Weltkriegs reiste Crotti mit seiner Frau 1915 nach Amerika, zunächst zu seinem Bruder in Ohio, dann nach New York. In New York lernte er das Kunstsammler-Ehepaar Walter und Louise Arensberg kennen und befreundete sich mit Francis Picabia. Im Herbst und Winter 1915/16 teilte er sich ein Atelier mit Marcel Duchamp, hier lernte er auch dessen Schwester Suzanne kennen.

Im Herbst 1916 trennte Crotti sich von seiner Ehefrau Yvonne Chastel und kehrte nach Paris zurück, wo er im Jahr 1919 gleich nach seiner Scheidung Suzanne Duchamp heiratete. In den darauf folgenden Jahren fertigte er zahlreiche Gemälde an und stellte sie in bedeutenden Galerien in England, Frankreich, Deutschland und in den Vereinigten Staaten aus.

In den späten 1930er Jahren entwickelte Crotti eine Technik der Glasmalerei, die „Gemmail“ genannt wird. Hierbei werden farbige Glasteile auf einer klaren Glasscheibe mit einem Kleber versehen und durch Erhitzung zusammengefügt. Durch eine Beleuchtung des Werks von hinten wird der Anschein von Dreidimensionalität erwirkt. Unter anderem arbeiteten Pablo Picasso und Georges Braque mit dieser Technik.[3]

Jean Crotti starb 1958 im Alter von 79 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts, am gleichen Tag wie sein Bruder André.[4]

Crottis Erben übergaben seine persönlichen Unterlagen wie Briefwechsel, Essays und Fotografien den „Archives of American Art, Smithsonian Institution“.[5]

Frühe Werke[Bearbeiten]

  • 1916
Le Clown, Assemblage
Les Forces mécaniques de l'amour, mouvement, Assemblage
Portrait sur mesure de Marcel Duchamp, Assemblage
Virginité en déplacement, Gemälde
  • 1918
O = T + T + O
  • 1920
Tschuchigniagui
Neurhastenie
Idée en course de procession
Poésie sentimentale
L'Escalier infini
Thomas A. Edison
  • 1921
Laboratoire d'idées
La Mariée dévissée
Mystère acatène

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1907
Salon d'Automne, Paris
  • 1908
Salon des Indépendants, Paris
  • 1921
Tabu : Exposition des oeuvres de Suzanne Duchamp et Jean Crotti, Galerie Montaigne, Paris
  • 1959/60
Rétrospective Jean Crotti. 11. Dezember 1959 - 11. Januar 1960, Musée Galliéra, Paris
  • 1983
Tabu Dada. Jean Crotti & Suzanne Duchamp : 1915–1922, Kunsthalle Bern, Musée national d'art moderne, Paris u. a.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl W. Peters: American scene painter from Rochester to Rockport
  2. Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie
  3. ww.britannica.com: Gemmail, abgerufen am 12. September 2010
  4. Times, 10. Februar 1958 Abgerufen am 24. Juli 2010
  5. Jean Crotti Papers, 1910–1973. Archives of American Art, Smithsonian Institution.