Jean Eugène Robert-Houdin

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Jean Eugène Robert-Houdin.

Jean Eugène Robert-Houdin (geb. Jean Eugène Robert; * 7. Dezember 1805 in Blois, Frankreich; † 13. Juni 1871) war ein französischer Zauberkünstler und Automatenkonstrukteur.

Leben[Bearbeiten]

Robert-Houdins Vater war Uhrmacher, bei dem er zunächst das Handwerk lernte. Durch seine feinmechanische Ausbildung war er in der Lage, „zauberhafte“ Apparate zu bauen, mit denen er den Nerv der Zeit traf; kurz vorher waren Automaten wie Wolfgang von KempelensSchachtürke“ in aller Munde. So stellte er 1844 auf einer Ausstellung in Paris einen schreibenden Automaten vor.

Vater der modernen Magie[Bearbeiten]

Mitte des 19. Jahrhunderts eröffnete er sein eigenes Theater im alten Palais Royal, wo er das Pariser Publikum bei seinen Soirées Fantastique mit eleganten Kunststücken, optischen Illusionen und Mentalmagie begeisterte. Statt der von Gauklern gewohnten Gewänder favorisierte Robert-Houdin stilsicher zeitgemäße Kleidung und kreierte einen eleganten Stil, der insbesondere intellektuelles Publikum ansprach. Obwohl Robert-Houdin nur elf Jahre als Zauberkünstler tätig war, prägte er das Erscheinungsbild der Zauberkünstler für mehrere Generationen.

Robert-Houdin erfand viele Kunststücke, die zu Klassikern wurden, z. B. eine Flasche, aus der unterschiedliche Getränke fließen, oder den ätherischen Knaben, einen Vorläufer der „Schwebenden Jungfrau“. Viele seiner Illusionen hatten trickreiche mechanische Geheimnisse und beruhten auf Einsatz von Elektrizität. Robert-Houdin zauberte für die Spitzen der Gesellschaft und unternahm Tourneen in Großbritannien und Deutschland. Sein Zaubertheater übernahm später der Trickfilmpionier Georges Méliès, der dort seine ersten Filme zeigte.

Automatenpionier[Bearbeiten]

Robert-Houdin-Museum

Robert-Houdin konstruierte mehrere Uhren mit raffiniert verstecktem Mechanismus, so etwa eine Uhr, deren Zeiger sich aufgrund der Verlagerung des Schwerpunktes bewegt. Zudem baute er allerhand Unterhaltungsautomaten wie einen mechanischen Vogel, einen am Trapez schwingenden Akrobaten und eine singende Büste. Er entwickelte verschiedene elektrische Signalsysteme für den Alltagsgebrauch.

Zu Ehren von Robert-Houdin wurde in Blois gegenüber dem gleichnamigen Château ein Museum eingerichtet, in dem u. a. auch verschiedene der von ihm konstruierten Automaten besichtigt werden können.

Andere Leistungen[Bearbeiten]

Robert-Houdin ist der erste namentlich bekannte Autor eines Buches über das Falschspiel, das sofort in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Seine mit allerhand dichterischer Freiheit verfasste Autobiographie, die ebenfalls in viele Sprachen übersetzt wurde (ins Deutsche erstmals 1969), zählt zur Weltliteratur und inspirierte u. a. Harry Houdini, der von ihm sogar seinen Nachnamen entlehnte, während sich der Vorname auf Harry Kellar bezog. Er erfand neben zahlreichen Geräten für Unterhaltungszwecke und Signaltechnik auch mehrere Instrumente zur Untersuchung der Augen. Hierfür ehrte ihn der internationale Ophthalmologie-Kongress 1867 mit einer Goldmedaille.

Propagandist[Bearbeiten]

In seinen Memoiren berichtet Robert-Houdin über eine im Auftrag der französischen Regierung unternommene Mission im damaligen Algerienkrieg. Um eine Rebellion zu verhindern, sollte er mit seinen Kunststücken um Sympathien in der Bevölkerung werben, aber auch die Überlegenheit der Franzosen verdeutlichen. Robert-Houdin ließ Algerier vergeblich versuchen, einen kleinen Kasten anzuheben, was einem kleinen französischen Mädchen mühelos gelang – da inzwischen ein versteckter Elektromagnet abgeschaltet worden war. Auch führte er das Auffangen von Gewehrkugeln vor, die er anschließend auf eine Mauer schoss, welche darauf hin scheinbar zu bluten begann.

Schriften[Bearbeiten]

  • Confidences d'un prestidigitateur. Une vie d´artiste (1858) - Memoiren
  • Les Tricheries des Grecs dévoilés (1861) - Falschspiel
  • Note sur de noveaux instruments propres à lóbservation de divers organes de oeil (1867) - Geräte zur Augenuntersuchung
  • Les secrets de la Prestidigitation et de la Magie (1868) - Zauberkunst
  • Les Radiations lumineuses (1869) - Augenheilkunde
  • Exploration de la Rétinue (1869) - Augenheilkunde
  • Magie et Physique amusante (1877, posthum) - Zauberkunst und Physik

Ehrungen[Bearbeiten]

Robert-Houdin hat heute einen Platz in der Hall of Fame der Society of American Magicians.

Die Académie des sciences zeichnete ihn elfmal aus. 25 Jahre nach seinem Tod wurde er 1896 in die Société des gens de lettres gewählt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Harry Houdini: The unmasking of Robert-Houdin. In: The Publishers Printing Co. New York 1908 (Online-Version).

Weblinks[Bearbeiten]