Jean Rédélé

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Jean Rédélé (* 17. Mai 1922 in Dieppe; † 10. August 2007 in Paris) war ein französischer Rennfahrer, Konstrukteur und Autobauer. Er war der Gründer der französischen Sportwagenfirma Alpine.[1]

Inhaltsverzeichnis

Biografie [Bearbeiten]

Rédélé war der Sohn von Emile Rédélé, Renault-Händler aus Dieppe. Jean Rédélé hatte ursprünglich vor, beruflich eigene Wege zu gehen, und strebte, nachdem er 1946 sein Diplom bei der staatlichen Hochschule für Höhere Laufbahnen in Industrie und Handel abgelegt hatte, eine Beamtenlaufbahn an. Sein Vater überzeugte ihn jedoch dazu, die im Krieg zerstörte Renault-Vertretung weiterzuführen. So übernahm Jean Rédélé mit 24 Jahren als jüngster Renault-Vertreter Frankreichs die Werkstatt seines Vaters.

Jean Rédélé interessierte sich schon seit seiner Jugend für den Motorsport und begann die Möglichkeiten zu nutzen, die er durch die eigene Werkstatt hatte. Das erste Rennen fuhr Jean Rédélé im Rahmen einer Wette gegen den ortsansässigen Peugeot-Händler und gewann mit seinem Renault 4CV gegen den Peugeot 203. Das erste offizielle Rennen fährt Jean Rédélé 1951 mit einem Renault 4 CV und gewinnt. 1952 siegt er bei der Tour de France und nimmt am 24-Stunden-Rennen in Le Mans teil. Ab 1952 fährt er zusammen mit Louis Pons auf Renault 4 CV. Es folgen viele weitere Siege und Platzierungen bei Rennen wie der Mille Miglia, Rallye Liege–Rom–Liege, Tour de France etc. Die Mille Miglia gewannen Rédélé und Pons in Serie 1952, 1953 und 1954 mit so großem Vorsprung auf die vorgegebene Fahrzeit, dass die Zuschauertribünen am Ziel noch leer waren, weil noch keiner mit der Ankunft eines Fahrzeugs gerechnet hatte.

Jean Rédélé ist vom Konzept des 4 CV überzeugt, beginnt jedoch mit der Umsetzung seiner Idee, ein eigenes Fahrzeug zu bauen: ein Fahrzeug auf Basis des 4 CV mit Renault-Technik, das für den Renneinsatz wegen einer verbesserten Karosserie und eines getunten Motors noch besser geeignet, noch agiler wäre. Jean Rédélé legt dabei Wert auf Sportlichkeit und eine geringe Größe der Fahrzeuge. Sein Schwiegervater Jean Escoffier, der eine Werkstatt in Paris besitzt, unterstützt ihn. In Paris werden die ersten Prototypen gebaut, die Jean Rédélé erfolgreich in Rennen einsetzt.

Ein Prototyp wird 1954 auf der New Yorker Auto Show gezeigt. 1955 stellt Jean Rédélé im Renault-Stammwerk in Billancourt seinen Sportwagen vor: drei serienreife Alpine A106 Mille Miles in den Farben rot, weiß, blau in Anlehnung an die französische Nationalflagge. Das Design der Karosserie der Alpine A 106 stammte von Giovanni Michelotti, ein Teil der Technik aus der Renault-Großserie, der Motor saß im Heck des Fahrzeugs. Im gleichen Jahr gründet Jean Rédélé seine Firma Alpine. Der Markenname Alpine, den seine Autos erhalten, verwendet Jean Rédélé in Anlehnung an den Sieg beim Criterium des Alpes von 1954 (Alpenpokal).

1956 begann die Serienproduktion der Alpine A106 als Straßenversion. Die Karosserien für die A106 werden bei Chappe et Gressalin gefertigt. Bis 1960 werden 251 Fahrzeuge in Handarbeit zusammengebaut, 40 weitere als Lizenzbau in Belgien. Die Übergänge zum Nachfolgemodell sind fließend und beginnen mit einer veränderten Motorisierung und Änderungen am Heck des Fahrzeugs. Die Alpine A108 löst das Vorgängermodell, die Alpine A106, ab. Die Produktion der Karosserien der A108 übernimmt Jean Rédélé nun selbst. Die Alpine A108 wird als Coupe 2+2 und als Cabrio angeboten. 1960 wird die Karosserie der Fahrzeuge entscheidend verändert, die neue Form prägt 17 Jahre lang das Aussehen der Alpine. Das Heck der Alpine bleibt vorerst noch unverändert. 1960 präsentiert Jean Rédélé auf dem Pariser Autosalon sein neues Modell, eine zweitürige Sportversion der A108: die Alpine A 108 Berlinette. Die Alpine A 108 Berlinette ist ein kompromissloser Sportwagen und etabliert sich schnell im französischen Motorsport.

1961 schließt Jean Rédélé einen Vertrag mit dem Hersteller Willy’s Overland, der ab 1962 die Alpine A 108 Berlinette in Brasilien in Lizenz montiert. Der Handelsname dieser Fahrzeuge wurde Willys Interlagos. Jean Rédélé knüpft weitere Kontakte in Spanien und lässt ab 1963 auch dort die Alpine A 108 Berlinette, später die Alpine A 110 Berlinette anfertigen.

Bereits 1962 präsentiert Jean Rédélé den Nachfolger der Alpine A 108 Berlinette, die Alpine A 110 Berlinette und ein neues Sportcoupe 2+2, die Alpine GT4 auf dem Automobilsalon in Paris. Die Alpine GT4 war ein 4,05 Meter langes Sportcoupé mit vier Sitzen. Mit 112 gebauten Exemplaren ist es heute eine Rarität. Die bekanntere Alpine, die neue Alpine A 110 Berlinett,e ist äußerlich der Alpine A 108 Berlinette sehr ähnlich, bekommt jedoch ein neues Heck und den Motor vom Renault 8. Erst auf dem Pariser Autosalon von 1966 wird die Alpine A 110 Berlinette mit ihren typischen Zusatzscheinwerfern präsentiert.

1963 baut Jean Rédélé sein erstes Rundstreckfahrzeug, einen Rennwagen-Prototyp Alpine M63, der mit einem Gordini-Motor Typ 55 ausgestattet wird. Ihr Debüt hat die Alpine M63 beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring 1963. Drei weitere Alpine M63 werden für das 24-Stunden-Rennen von Le Mans hergestellt. 1964 starten die drei Alpine M63 in den USA in Sebring. Zwei der Fahrzeuge werden nach dem Rennen verkauft und bleiben in den USA.

1964 kündigt Jean Rédélé seinen Einstieg in die Formel 2 und Formel 3 an. Der erste Renneinsatz des Alpine M64 findet wieder auf dem Nürburgring 1964 statt. 1965 wird ein weiterer Renn-Prototyp, die Alpine M65, präsentiert. 1966 wird ein überarbeiteter Alpine M66, auch Alpine A210 genannt, gebaut. Der Wagen erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h, durch Änderungen am Motor konnte sie noch auf 270 km/h gesteigert werden. 1967 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans wird bei den blauen Rennfahrzeugen erstmals der Schriftzug Alpine-Renault angebracht. Es folgen weitere Renn-Fahrzeuge wie Alpine A211, Alpine A220 etc.

Ab dem Jahr 1965 kann Jean Rédélé seine Serien-Fahrzeuge als Alpine-Renault über das Renault-Händlernetz verkaufen, so dass er noch mehr Kunden erreicht. Im gleichen Jahr erscheint der Renault 8 mit Gordini-Motor auf dem französischen Markt, der dann auch in der Alpine A 110 Berlinette verwendet wird. Nach einem Test lobte die Deutsche Zeitschrift Auto, Motor und Sport von 1967 den Gordini-Motor. Er habe sensationelle Fahrleistungen und eine ausgezeichnete Laufkultur. Bereits 1966 testete die Auto, Motor und Sport ebenfalls eine Alpine A 110 Berlinette, für den Tester damals ungewohntes Neuland. Er beschreibt die Fahrt mit den folgenden Worten: „Kein Zweifel, wir saßen in einem verkappten Rennwagen. […] Der Drehzahlmesser fliegt regelrecht auf 7000/min, und selbst im vierten Gang scheint der Drang nach vorn ungemindert anzuhalten. […] Die Fahrleistungen der Alpine lassen unsere gängigen Sportwagen beinahe wie zweisitzige Attrappen erscheinen. […] Den Alpine Erbauern ging es um die Schaffung einer kompromisslosen Fahrmaschiene, die ein Optimum an Fahrleistungen und Fahreigenschaften verwirklicht. Dieses Ziel wurde erreicht. […] Man muss die Alpine zu den bestliegenden Heckmotorwagen rechnen, die derzeit gebaut werden.“

Jean Rédélé erweitert seine Kontakte stetig und beginnt ab 1968 bis 1973 in Bulgarien die A110 wieder in Lizenzbau unter dem Handelsnamen Bulgaralpine zu verkaufen. Auch in Mexiko gibt es Lizenzbauten, die als Dinalpin auf den Markt kommen.

1968 legt Renault seine gesamten Aktivitäten im Motorsport in die Hände von Jean Rédélé und Alpine. 1970 bekommt die Alpine A 110 Berlinette den neuen Renault-12-Gordini-Motor, der die knapp 700 kg leichte Alpine auf 215km/h beschleunigt. 1971 gewinnt Alpine mit der Alpine A110 1600 die bekannte Rallye Monte Carlo ebenso wie die französische Rallye-Meisterschaft etc. Die Alpine A 110 Berlinette wird Anfang der 70er Jahre zum unschlagbaren Motorsportwagen bei internationalen Rallyes. Mit 70 Mitarbeitern zählte die Alpine-Equipe zu den größten Teams im Rallye-Motorsport. Die Alpine A110 gewinnt alle großen Titel des Rallyesports. Die blaue Alpine A110 wird 1970 Rallye-Europameister, 1971 mit deutlichem Vorsprung vor den Konkurrenten Saab und Porsche internationaler Markenweltmeister, 1973 wird Alpine überlegen mit 155 Punkten Rallye-Weltmeister vor Fiat (87 Punkte) und Ford (76 Punkte). Insgesamt konnte die Alpine A110 somit zwei Weltmeistertitel im Rallye-Motorsport nach Dieppe holen – ein Erfolg, der Jean Rédélé und seiner Firma Alpine endgültig internationale Anerkennung und Berühmtheit einbrachte. Die extrem flache Alpine A 110 Berlinette ist daher heute das bekannteste Modell, das Jean Rédélé herstellte. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft im Jahr 1973 folgte der Lancia Stratos 1974 der Alpine A110 auf den Olymp des Rallyesports und gewann den begehrten Titel. Die Tour de Corse, die Alpine schon 1970 und 1972 gewann, wird im Jahr 1973 zu einem wahren Alpine-Fest. Vier Alpine treten an und belegen die Plätze 1, 2, 3 und 5. Lediglich Platz 4 geht an Ford.

1971 wird das Automobilwerk von Jean Rédélé im französischen Dieppe in den Renault-Konzern eingegliedert. 1973 übernimmt Renault die Aktienmehrheit bei Alpine. Jean Rédélé nimmt die Führungsposition als President Directeur General ein, die er bis 1978 behält.

Ebenfalls 1971 bringt Jean Rédélé einen neuen Sportwagen auf den Markt, die Alpine A310. Sie wird bis 1977 parallel zur A110 hergestellt, gilt aber als Nachfolgemodell, da sie bis 1984 weiter gebaut wird. Die Front der Alpine A310 ist ein aus dem Windkanal stammender kantiger, futuristischer Entwurf, anfangs ist das Fahrzeug mit Vierzylindermotoren ausgestattet; 1977 wird das Aussehen verändert und der Europa-V6-Motor eingebaut.

1978 gewinnt ein Rennwagen aus Dieppe, die Renault Alpine A442B, das 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

Als Jean Rédélé 1978 Alpine verlässt, übernimmt er die Leitung mehrerer Renault-Vertretungen in Frankreich. 1991 besitzt er noch Autohäuser in Dieppe und Paris. Die restlichen Anteile seiner Firma Alpine verkaufte Jean Rédélé Ende 1978 an Renault, die die Marke bis 1995 weiterführten. Die Rechte der Marke Alpine gehören bis heute dem Renault-Konzern. Das Automobilwerk in Dieppe ist bis heute erhalten und baut jetzt Renault-Fahrzeuge.

Am 10. August 2007 starb Jean Rédélé im Alter von 85 Jahren in Paris.

Nachleben [Bearbeiten]

Am 30. August 2008 wurde in Dieppe zum Gedenken an Jean Rédélé ein Denkmal, das „Monument Jean Rédélé“, in der Avenue de Bréauté eingeweiht. Bei der Einweihungsfeier wurden viele seiner Fahrzeuge ausgestellt. Ein weiteres Denkmal in Frankreich, eine in Bronze gegossene Alpine A110, erinnert an die großen Siege im Motorsport.

Im Jahr 2012 zum 50. Geburtstag der Alpine A110 stellte Renault zu Ehren der Rallyelegende einen Sportwagenprototyp mit dem Namen Alpine A110-50 vor. Das Fahrzeug hat außer seiner blauen Farbe keinerlei Ähnlichkeiten mit seiner Namensgeberin Alpine A110, es wird beim Formel 1 Grand Prix von Monaco vorgestellt. Das Fahrzeug ähnelt stark dem Renault DeZir, einer Studie von 2010. Die Alpine A110-50 war jedoch nicht die erste Studie von Renault, die den Namen Alpine trägt.

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Biographische Daten von Jean Rédélé in: Qui est qui en France, von Jacques Lafitte, Stephen Taylor, J. Lafitte., 1977, Seite 1394