Jean Wendling

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Jean Wendling (* 29. April 1934 in Bischheim) ist ein ehemaliger französischer Fußballspieler.

Die Vereinskarriere[Bearbeiten]

Der kräftig gebaute rechte Verteidiger aus dem Elsass begann seine Karriere bei Sporting Schiltigheim, anschließend bei Racing Strasbourg, wo er in beiden Jahren gegen den Abstieg spielte. 1957 folgte sein Wechsel zu Toulouse FC, das auch nur im Mittelfeld der Division 1 landete. Erst 1959, als das nicht nur in Frankreich dominierende Stade de Reims ihn verpflichtete, wurde er in einer Spitzenmannschaft sofort zum Stammspieler. Reims, anderthalb Jahrzehnte lang für sein offensives Kombinationsspiel und die dafür verantwortlichen "großen Namen" gerühmt (Kopa, Penverne, Bliard, Fontaine, Piantoni, Glovacki, Hidalgo und Vincent, um nur die Bekanntesten zu nennen), brauchte für die Defensive souveräne und zuverlässige Leute – und dazu gehörte ab 1959 auch Jean Wendling, der neben der Reimser Legende Robert Jonquet, Robert Siatka und Bruno Rodzik in den folgenden Jahre dazu beitrug, dass die Rémois weiterhin Titel sammeln konnten.

Aufgrund seiner Schnelligkeit, Auffassungsgabe und Balltechnik war Wendling in der Lage, die gegnerischen Linksaußen mit absolut fairen Mitteln in Schach zu halten; übertriebener Körpereinsatz war trotz seiner Statur nicht seine Sache, was seinen Trainer (das war im Verein und in der Nationalmannschaft Albert Batteux) manches graue Haar gekostet hatte, obwohl der Erfolg Wendlings Spielweise bestätigte. Der Madrilene Gento beispielsweise verzweifelte 1959 förmlich an dem Franzosen, der gerade erst sein drittes Länderspiel absolvierte, aber auf keinen Trick des kleinen spanischen Dribblers hereinfiel. 1960 und 1962 wurde Jean Wendling jeweils Französischer Fußballmeister, außerdem 1963 noch Vizemeister.

Eine Operation im Sommer 1963 und der überraschende Abstieg von Reims im Jahr danach läuteten seinen langsamen Abschied ein, den er nach einem Jahr in der 2. Liga 1965 endgültig vollzog.

Stationen[Bearbeiten]

  • Sporting Club Schiltigheim (1952–1955)
  • Racing Strasbourg (1955–1957)
  • Toulouse FC (1957–1959)
  • Stade de Reims (1959–1965)

Der Nationalspieler[Bearbeiten]

Zwischen November 1959 und April 1963 spielte Jean Wendling insgesamt 26-mal in der Équipe Tricolore. Er war die Zuverlässigkeit in Person, blieb auch von schwereren Verletzungen verschont, so dass er lediglich bei zwei Länderspielen in diesem Zeitraum keine Berücksichtigung fand. Sein Pech auf internationaler Ebene war, dass Les Bleus nach dem dritten Platz bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1958 eine ganz schwache Phase hatten: das enttäuschende Abschneiden bei der EM im eigenen Land (1960) und das Verpassen der Qualifikation für die WM 1962 zählen zu den schwarzen Tagen in Wendlings Biographie. Zudem war er im Juli 1957 mit Frankreich Militärweltmeister geworden.[1]

Leben nach dem Fußball[Bearbeiten]

Nach Ende seiner aktiven Zeit arbeitete er viele Jahre für das Sportartikelunternehmen, das Raymond Kopa mit mehreren weiteren Ex-Reimsern auf dem französischen Markt auf- und ausbaute. In den 1990er Jahren bekleidete er verschiedene Positionen bei Racing Strasbourg (Generalmanager, 1992–1994 Präsident, um 1999 Vorsitzender des Aufsichtsrates).

Palmarès[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Cornu: Les grandes équipes françaises de football. Famot, Genève 1978
  • Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims - une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001 ISBN 2-911698-21-5
  • Michel Hubert/Jacques Pernet: Stade de Reims. Sa légende. Atelier Graphique, Reims 1992 ISBN 2-9506272-2-6
  • L'Équipe (Hg.): Stade de Reims. Un club à la Une. L'Équipe, Issy-les-Moulineaux 2006 ISBN 2-915535-41-8
  • Lucien Perpère/Victor Sinet/Louis Tanguy: Reims de nos amours. 1931/1981 – 50 ans de Stade de Reims. Alphabet Cube, Reims 1981
  • Jacques und Thomas Poncelet: Supporters du Stade de Reims 1935–2005. Eigenverlag, Reims 2005 ISBN 2-9525704-0-X

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Jean-Philippe Rethacker/Jacques Thibert: La fabuleuse histoire du football. Minerva, Genève 1996, 20032 ISBN 978-2-8307-0661-1, S. 275