Jean de Bodt

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Jean de Bodt, Architekt und General, 1729

Jean de Bodt (* 1670 in Paris; † 3. Januar 1745 in Dresden) war ein Architekt des klassizistischen Barock und preußischer und kurfürstlich sächsischer General .

Leben[Bearbeiten]

Jean de Bodt studierte in Frankreich Architektur bei François Blondel, floh aber 1685 nach Aufhebung des Edikts von Nantes wegen seines evangelischen Glaubens als Hugenotte nach Holland. Als Offizier im Dienste des Prinzen Wilhelm von Oranien fand er Gelegenheit, neben der Teilnahme an verschiedenen Feldzügen seine Studien in den Niederlanden und später – ebenfalls im Gefolge des Prinzen – in England fortzusetzen. In London wurde er Kapitän (Hauptmann) der Infanterie und des Ingenieur-Korps. 1699 folgte er einem Ruf des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. nach Berlin und wurde dem Füsilier-Regiment Nr.20 (Alt-Bornstedt) zugeordnet. In Berlin vollendete er als Leiter des gesamten Bauwesens ab Herbst 1699 das Zeughaus. Zunächst begann er seine Tätigkeit mit umfangreichen Sicherungsmaßnahmen, danach veränderte er schrittweise die alten Pläne und fand neue Formen, die durch die französische Klassik und die englische Architektur des ausgehenden 17. Jahrhunderts beeinflusst waren. Wesentliche Elemente des Zeughauses gehen deshalb auf seine Konzepte zurück. Er entwarf u.a. Teile des Potsdamer Stadtschlosses und sowie das Schloss Schlodien.[1]

Am 9. Mai 1705 wurde beschlossen, dass er Kommandeur des Ingenieurs-Korps werden sollte, zunächst noch ohne Patent. Am 14. September 1706 bekam er sein Patent als Oberst.

Seine Pläne für den Bau des Schlosses Friedrichstein, dem Schloss der Grafenfamilie Dönhoff, setzte in den Jahren 1709–1714 der Architekt John von Collas um, ebenfalls ein Hugenotte mit ähnlichem Lebensweg; Jean de Bodt und John von Collas (Jean de Collas) dürften sich gekannt haben: beide flohen im Gefolge Wilhelms von Oranien zuerst nach Holland, dann mit ihm nach London, und beide kamen um 1700 nach Preußen. Philipp Gerlach begann 1715 in Berlin nach de Bodts Plänen mit dem Bau des Turms der Parochialkirche.

Am 24. Dezember 1715 beförderte ihn König Friedrich Wilhelm I. zum Generalmajor. Am 1. Januar 1722 wurde er Kommandeur der Festung Wesel und baute sie aus. Das Berliner Tor ist sein Werk.

Der Bruch kam, als der König beim Ausbau der Festung Magdeburg Walrawe bevorzugte. De Bodt er erbat darauf hin seinen Abschied. Durch Vermittlung seines Freundes Longuelune trat er 1728 in Sachsen die Nachfolge August Christoph von Wackerbarths als Generalintendant der Zivil- und Militärgebäude sowie als Chef des Ingenieur-Korps an, wofür er den Rang eines Generalleutnants erhielt. Damit war er auch Dienstvorgesetzter des zivilen Oberbauamts. 1741 wurde er zum General der Infanterie ernannt. Allerdings waren diese Dienstgrade kaum mit militärischen Pflichten verbunden, sondern dienten lediglich der Eingruppierung seiner Besoldung als leitender Architekt des Staates. In Dresden leitete er unter anderem den Umbau des Japanischen Palais. Auf Geheiß Friedrich August II. erarbeitete er 1737 den Plan zu einer „besonderen Fachanstalt“ für Ingenieuroffiziere. Im Dezember 1743 nahm diese den Lehrbetrieb als „Ingenieurakademie zu Dresden“ mit zunächst zwei ständigen Lehrern auf. In den Räumen der sowohl als Ritter- als auch als Militärakademie bezeichneten Neustädter Kaserne am Niedergraben wurden Mathematik und ihre Anwendungen, Festungsbau und -krieg, theoretische und praktische Geodäsie, Kartographie, Geographie, Zivilbaukunst, Mechanik einschließlich Hydromechanik und Maschinenkunde gelehrt. Lediglich vom Siebenjährigen Krieg (1756–1763) unterbrochen, wirkte die Ingenieurakademie mit bald fünf Lehrkräften bis in die Zeit der Napoleonischen Kriege hinein.[2]

2005 erwarb die Bibliothek des Winterthur Museum (bei Wilmington (Delaware)) einen reichhaltigen Sammelband mit Ornament-Vorlagen aus dem Besitz de Bodts.[3]

Familie[Bearbeiten]

Jean de Bodt war zweimal verheiratet. Seine zweite Frau heiratete am 23. Februar 17071, es war Magdalena von Persode († 13. April 1733 ). Ihr Bruder war der preußische Generalmajor Johann von Persode (Jean de Persode). Das Paar hatten mehrere Töchter, darunter:

  • Suzanne (* 1708)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schlodien.org
  2. Ingenieurkammer Sachsen: Ingenieurleistungen in Sachsen, 1998, S.11, ISBN 3-00-002735-1
  3. Bericht über den Sammelband-Erwerb

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Joachim Kuke: Jean de Bodt 1670–1745. Architekt und Ingenieur im Zeitalter des Barock, Verlag Werner, Worms 2002, ISBN 3-88462-179-3
  • Klaus-Ludwig Thiel: Staatsbauentwürfe Jean de Bodts für Friedrich I. in Theorie und Praxis, Kleikamp, Köln 1987 (zugl. Univ. Diss. Köln 1985)
  • Günther Meinert: de Bodt, Jan. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 363 (Digitalisat).
  • Winkler: Bodt, Jean de. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 24.
  • Friedrich Nicolai: Beschreibung der königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, Band 2, S: 73, Digitalisat
  • Anton Balthasar König: Biographisches Lexikon aller Helden und Militairpersonen, Band I, S. 151, Digitalisat

Weblinks[Bearbeiten]