Jean de Léry

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Jean de Léry (* um 1536 in „La Margelle terre de St-Seine“, (Lamargelle, Côte-d'Or), Frankreich; † um 1613 in L'Isle, Schweiz) war ein französischer calvinistischer Theologe, Reisender und Schriftsteller.

Er wuchs in Burgund auf und wurde in Genf zum Theologen ausgebildet. Zusammen mit einer Gruppe von Protestanten (Hugenotten) war er von 1556-1558 in Brasilien und gilt als einer der wichtigsten Erforscher der brasilianischen Urbevölkerung. Nach seiner Rückkehr aus Amerika half er der protestantischen Bevölkerung von Sancerre gegen die Belagerung der kaiserlichen Truppen vom März bis August 1573. Dieser Bericht war das erste von ihm veröffentlichte Buch (dt. unter dem Titel Die gedächtniswürdige Historie der Stadt Sancerre). Dabei schildert er die Hungersituation in der Stadt. Seine Erfahrungen aus Brasilien halfen der Bevölkerung, die Belagerung zu überstehen. Léry schildert dabei Fälle von Kannibalismus und vergleicht das Verhalten seiner Zeitgenossen mit seinen Beobachtungen der brasilianischen Urbevölkerung.

Brasilien[Bearbeiten]

1556 begleitete er eine Gruppe von protestantischen (hugenottischen) Geistlichen und Gläubigen nach Brasilien unter dem Schutz von Admiral Gaspard de Coligny (1519-1572), einem Verwandten von Louise de Coligny, der (vierten) Ehefrau von Wilhelm von Oranien (Wilhelm dem Schweiger, dem ersten Statthalter der neu gegründeten Niederländischen Republik), und führender Patron der von Jean Ribault im Jahr 1562 angeführten gescheiterten französischen Kolonie von Fort Caroline in Spanisch-Florida.

Im März 1557 erreichten sie die in der Bucht von Rio de Janeiro gelegene französische Niederlassung Fort Coligny auf der Villegagnon-Insel (France Antarctique). Dort blieb er für acht Monate, suchte dann für weitere zwei Monate das Festland auf, wo er mit dem Stamm der Tupinamba in Berührung kam. Im Januar 1558 trat er die Rückfahrt nach Frankreich an.

Seine berühmte Reiseschilderung Histoire d'un voyage fait en la terre du Brésil, 1563 geschrieben, konnte erst 1578 im Druck erscheinen. Darin beschreibt Léry die Zustände in der französischen Ansiedlung, die merkwürdigsten Tiere und Pflanzen Brasiliens. Den Schwerpunkt seines Werkes bilden die von ihm selbst beobachteten Sitten und Bräuche der kannibalischen Tupinamba.

Einfluss[Bearbeiten]

Sein Einfluss erstreckte sich angefangen von dem Essayisten Michel de Montaigne (sein Des cannibales) im 16. Jahrhundert bis zu dem modernen Anthropologen Claude Levi-Strauss, der in Brasilien mit einem Exemplar von Léry in seiner Tasche ankam und später von dem Buch als dem "Brevier des Ethnographen" sprach.

Werke[Bearbeiten]

  • Histoire mémorable du siège de Sancerre (1574)
  • Histoire d'un voyage fait en la terre du Brésil (1578)

Deutsche Ausgaben[Bearbeiten]

  • Die Gedechtnusswirdige History der Statt Sancerre. Wöllicheinhaltet/ das Fürnemmen/ Belägerung/ Beynahung/ Stürm und andern gebrauchte gewalt: dero so die Statt belägert habend/ Desgleychen den widerstand unnd mannliche gethaten / den strengen hunger / zun die namhafftig entledigung der Belägerten. Die zal der Karthonenschütz durch die tagen und erscheyden/ sampt dem Register / dero so im Krieg umbkommen und verletzt sind worden/ zuend diss Buchs nacheinander gestelt. Alles inn obgemelter Statt getreüwlich auffgezeychnet und zusammen gebracht/ durch Johann von Lery. Jetzund durch Niclausen Manuel zu Bernn/ auf Französischer sprach zu Teütsch transferiert. Bern, Bey Bendicht Ulman/ und Vincentz Im Hoff 1575
  • Des Herrn Johann von Lery Reise in Brasilien. Nach der von dem Herrn Verfasser selbst veranstalteten verbesserten und vermehrten Ausgabe übersetzt. Mit Anmerkungen und Erläuterungen. Münster 1794 (Online: ULB Münster)
  • Unter Menschenfressern am Amazonas. Brasilianisches Tagebuch, 1556-1558. Vorwort von M.-R. Mayeux. Aus d. Franz. übers. von Ernst Bluth u. durchgesehen, hrsg., mit e. Anhang versehen von Karl H. Salzmann. 2. Aufl. Tübingen u.a. : Erdmann, 1977 (Alte abenteuerliche Reise- und Entdeckungsberichte)

Werke online[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jean de Léry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Bibliographie[Bearbeiten]