Jean de Valois, duc de Touraine

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Jean de Valois (* 31. August 1398 in Paris; † 5. April 1417 in Compiègne) war der vierte Sohn des französischen Königs Karl VI. und der Königin Isabeau.

Leben[Bearbeiten]

Jean wurde 1403 zum Baron von Mortagne ernannt,[1] 1407 zum Pair von Frankreich, 1414 zum Herzog von Touraine und 1415 zum Dauphin von Viennois und damit zum Thronfolger, nachdem seine drei älteren Brüder 1386, 1401 und eben 1415 gestorben waren.

Jean wurde im Juni 1406[1] im Alter von nur 7 Jahren mit der erst vier Jahren alten Jakobäa von Bayern, der Gräfin von Holland und Hennegau und Erbtochter des Herzogs Wilhelm II. von Bayern, verlobt. Die Hochzeit fand erst am 6. August 1415 statt, als die Brautleute heiratsfähig waren.[1] Die Ehe des Paares blieb kinderlos. Nach der Verlobunsgzeremonie im Schloss Compiègne lebte Jean im Hennegau in Le Quesnoy am Hofe seines Schwiegervaters Wilhelm II., der mit burgundischen Herzog Johann Ohnefurcht verbündet war. Daher wurde die Berufung Jeans zum Dauphin während der armagnakischen Besetzung von Paris ein Politikum. Wilhelm II. wollte Jean nur in Begleitung des Herzogs von Burgund dorthin reisen lassen. Im September 1416 schrieb Jean an die Königin, seine Mutter, er wolle über seine Rückkehr nach Paris nur mit ihr allein ohne Bernard VII. d’Armagnac verhandeln.

Die Königin Isabeau reiste daher in der Zeit vom 21. Januar bis 25. Februar 1417 nach Senlis, um ihren Sohn auf die Thronfolge vorzubereiten und wegen des Einzuges nach Paris mit Wilhelm zu verhandeln. Nach ihrer Abreise erkrankte der Kronprinz und starb am 5. April an einem „Abszess am Ohr“, vermutlich eine Mittelohrentzündung.[2] Johann Ohnefurcht ließ gezielt das Gerücht verbreiten, Jean und sein älterer Bruder Louis seien vergiftet worden.[3] Eine Vergiftung lässt sich aber bis heute weder beweisen noch belegen. Ein Interesse an der Ausschaltung des burgunderfreundlichen Dauphins hatte der Hof des Herzogs von Anjou, Ludwig II., vertreten durch dessen Frau Jolanthe und Bernhard von Armagnac, die den erst 14-jährigen Bruder und späteren König Karl VII. zum Thron verhelfen wollten, um ein Bündnis Frankreichs mit England zu verhindern.

Der Tod Jeans führte zur kurzzeitigen Verbannung der Königin nach Tours und später – durch den Bund des französischen Königshauses mit Burgund und England – zur dritten Phase des Hundertjährigen Kriegs.

Jean de Valois wurde in Compiègne im Kloster Saint Corneille beigesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marie-Veronique Clin: Isabeau de Baviére. Die verkannte Königin auf Frankreichs Thron. Olzog, München 2001, ISBN 3-7892-8064-X, S. 197–210.
  • Anne Curry: Der Hundertjährige Krieg (1337–1453). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-25469-9, S. 65–76.
  • Joachim Ehlers: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. Stuttgart [u. a.], Kohlhammer, 1987, ISBN 3-17-009801-2, S. 307.
  • Heidrun Kimm: Isabeau de Baviere, reine de France 1370–1435. Beiträge zur Geschichte der bayerischen Herzogstochter und des französischen Königshauses (= Miscellanea Bavarica Monacensia. Dissertationen zur bayerischen Landes- und Münchner Stadtgeschichte. Band 13). Utz, München 1969, ISSN 0581-0124.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Informationen zu Jean de Valois auf der Website der Foundation for Medieval Genealogy, Zugriff am 13. September 2014.
  2. Jean Markale: Isabeau de Bavière. Die Wittelsbacherin auf Frankreichs Thron. Diederichs, München 1994, ISBN 3-424-01207-6, S. 260.
  3. Martin Saller: Königin Isabeau. Die Wittelsbacherin auf dem Lilienthron. Nymphenburger Verlagshandlung, München 1979, ISBN 3-485-00372-7, S. 240.
Vorgänger Amt Nachfolger
französische Krondomäne Graf von Ponthieu
1410–1417
Bonne d’Artois
Ludwig von Orléans Herzog von Touraine
1407–1417
Karl VII.
Ludwig von Guyenne Dauphin von Viennois
1415–1417
Karl VII.
Johann von Berry Herzog von Berry
Graf von Poitou

1416–1417
Karl VII.