Jeanne Moreau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Jeanne Moreau (2009)

Jeanne Moreau (* 23. Januar 1928 in Paris) ist eine französische Schauspielerin, Filmregisseurin und Sängerin, die in über 120 Filmproduktionen mitwirkte. Sie zählte in den 1950er und 1960er Jahren zu den populärsten Filmstars der Nouvelle Vague und gilt als eine der führenden Charakterdarstellerinnen Frankreichs. Ihre wohl berühmteste Rolle spielte Moreau in der melancholischen Dreiecksgeschichte Jules und Jim (1962).

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

Die Tochter einer britischen Tänzerin und eines französischen Gastronomen studierte ab 1946 am Konservatorium in Paris und setzte ihre Ausbildung von 1948 bis 1952 an der Comédie-Française fort, wo sie die hohe Schule des klassischen Theaters kennenlernte. Schon bald bewährte sie sich als feinfühlige, differenzierte Charakterdarstellerin, etwa in El Cid von Pierre Corneille und in Prinz Friedrich von Homburg von Heinrich von Kleist (beide 1951, an der Seite von Gérard Philipe). 1952 wechselte sie ans experimentelle Théâtre National Populaire von Jean Vilar, ab dem folgenden Jahr war sie an verschiedenen Bühnen engagiert und spielte u. a. auch am Broadway. Moreau, die sich in den fünfziger Jahren den Ruf erarbeitete, eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation zu sein, wurde mit zahlreichen Theaterpreisen geehrt. Zu ihren gefeierten Rollen zählen auch die Heldinnen in George Bernard Shaws Pygmalion und Jean Cocteaus Die Höllenmaschine (beide in Inszenierungen von Jean Marais, 1954).

Bereits 1948 debütierte sie im Film. Nach kleineren Rollen wie in Jacques Beckers Wenn es Nacht wird in Paris (an der Seite von Jean Gabin, 1953) hatte sie einen ersten größeren Erfolg mit Louis Malles Fahrstuhl zum Schafott (1957). Mit dem seinerzeit sehr kontrovers aufgenommenen Film Die Liebenden, ebenfalls unter der Regie von Louis Malle, gelang ihr der Durchbruch zum Star. Darauf folgten zahlreiche Hauptrollen in französischen und internationalen Produktionen, u.a. in Filmen von Michelangelo Antonioni (Die Nacht), Orson Welles (Der Prozeß), Luis Buñuel (Tagebuch einer Kammerzofe), François Truffaut (Die Braut trug schwarz), Roger Vadim (Gefährliche Liebschaften), Tony Richardson (Mademoiselle) und Peter Brook (Moderato Cantabile). Ihren ganz großen und anhaltenden Ruhm begründete sie indes vor allem mit der Rolle der Cathérine in dem Kultfilm Jules und Jim von François Truffaut (1962). Mit dem Film Lumière gab sie 1976 zudem ihr Regie-Debüt. Auch die deutschen Regisseure Rainer Werner Fassbinder und Wim Wenders verpflichteten die Moreau für ihre Filme Querelle (1982) und Bis ans Ende der Welt (1991).

Auf die Bühne kehrte die Moreau aber auch immer wieder zurück. So brillierte sie 1973 in der Pariser Inszenierung von Der Ritt über den Bodensee von Peter Handke. Mit dem Monodrama Die Erzählung der Magd Zerline nach einer Novelle von Hermann Broch (in der Inszenierung von Klaus Michael Grüber) feierte sie seit 1986 in Paris und auf zahlreichen Gastspielen während mehrerer Jahre einen geradezu triumphalen Erfolg.

Jeanne Moreau war zweimal verheiratet. Aus ihrer ersten Ehe (1949–1951) mit dem Schauspieler Jean-Louis Richard (1927–2012) stammt Sohn Jérôme, der heute ein erfolgreicher Maler ist. Von 1977 bis 1980 war Moreau mit dem Regisseur William Friedkin verheiratet. Eine Affäre mit dem Regisseur Tony Richardson führte 1967 zur Scheidung Richardsons von seiner Ehefrau Vanessa Redgrave.

In Frankreich ist Jeanne Moreau auch als Sängerin populär und wurde 1964 mit dem Grand Prix du Disque ausgezeichnet.

Ihre deutsche Synchronstimme stammte von Eva Katharina Schultz (1922–2007).

Werke[Bearbeiten]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Kino
  • 1949: Letzte Liebe (Dernier amour)
  • 1950: Klagt mich an! (Meurtres)
  • 1952: Der Mann meines Lebens (L’Homme de ma vie)
  • 1952: Es ist Mitternacht, Dr. Schweitzer (Il est minuit, docteur Schweitzer)
  • 1953: Julietta
  • 1953: Im Schlafsaal der großen Mädchen (Dortoir des grandes)
  • 1954: Wenn es Nacht wird in Paris (Touchez pas au grisbi)
  • 1954: Bartholomäusnacht (La Reine Margot)
  • 1955: Straßensperre (Gas-Oil)
  • 1956: Hinter verschlossenen Türen (Le Salaire du péché)
  • 1957: Polizeiaktion Dynamit (Échec au porteur)
  • 1957: Fahrstuhl zum Schafott (Ascenseur pour l’échafaud)
  • 1958: Die Liebenden (Les Amants)
  • 1959: Opfergang einer Nonne (Les Dialogues des Carmélites)
  • 1959: Sie küßten und sie schlugen ihn (Les Quatre cents coups)
  • 1959: Gefährliche Liebschaften (Les Liaisons dangereuses)
  • 1960: Jovanka und die Anderen (Jovanka e le altre)
  • 1960: Stunden voller Zärtlichkeit (Moderato cantabile)
  • 1961: Die Nacht
  • 1961: Jules und Jim (Jules et Jim)
  • 1962: Der Prozeß (Le Procès)
  • 1962: Die blonde Sünderin (La Baie des anges)
  • 1962: Eva
  • 1963: Die Sieger (The Victors)
  • 1964: Tagebuch einer Kammerzofe (Le Journal d’une femme de chambre)
  • 1964: Der Zug (The Train)
  • 1964: Der gelbe Rolls-Royce (The Yellow Rolls-Royce)
  • 1965: Viva Maria!
  • 1965: Falstaff – Glocken um Mitternacht (Chimes at Midnight/Campanadas a medianoche)
  • 1966: Mademoiselle
  • 1967: Nur eine Frau an Bord (The Sailor from Gibraltar)
  • 1967: Die Braut trug schwarz (La Mariée était en noir)
  • 1968: Die große Katharina (Great Catherine)
  • 1970: Monte Walsh
  • 1971: Der Boß (Comptes à rebours)
  • 1972: Die Affaire (Chère Louise)
Fernsehen

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1963 – Douze chansons de Cyrus Bassiak (LP)
  • 1965 – Viva Maria! (LP)
  • 1966 – Douze nouvelles chansons de Bassiak (LP)
  • 1968 – Les Chansons de Clarisse (LP)
  • 1970 – Jeanne chante Jeanne (LP)
  • 1981 – Jeanne Moreau chante Norge (LP)

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • Jeanne Moreau. Von der Comédie française zur Music Hall: Eine französische Legende. Fernsehdokumentation, Österreich, 1990, 92 Min., Regie: Corinne Pulver
  • Jeanne Moreau – Im Film und ganz privat. Dokumentation, Frankreich, 2007, 90 Min., Regie: Josée Dayan, Pierre-André Boutang, Produktion: arte, Inhaltsangabe von arte

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jeanne Moreau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien