Jehuda Schenhaw

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Jehuda Schenhaw; ursprünglich Jehuda Schaharabani, heb. יהודה שנהב‎; (* 26. Februar 1952 in Be'er Scheva) ist ein israelischer Soziologe, Vertreter der Kritischen Theorie, Professor an der Universität Tel Aviv und einer der Gründer des Demokratischen Mizrachi-Regenbogens.

Leben[Bearbeiten]

Schenhaws Vater war im israelischen Geheimdienst tätig. Als Jehuda drei Jahre alt war, siedelte die Familie nach Tel-Aviv über, und als er zehn Jahre alt war, nach Petach Tikwa. Er studierte Soziologie an der Universität Tel-Aviv und später an der Stanford University, wo er 1985 den Doktortitel erhielt.

Außer seiner Professur an der Universität Tel-Aviv unterrichtete Schenhaw auch an verschiedenen Universitäten in den USA. Seit 2000 ist er der Herausgeber von Theorie und Kritik[1], und seit 2003 einer der Herausgeber von Organizational studies[2].

Politische Aktivität[Bearbeiten]

Im Jahre 1996 gründete er zusammen mit Wiki Schiran, Jossi Dahan, Pnina Motzafi-Haller und anderen den Demokratischen Mizrachi-Regenbogen. Zwei sehr verschiedene Haltungen halfen dabei: Die einen dachten, dass der israelisch-palästinensische Konflikt zu einem Ende ginge und man jetzt über die anderen gesellschaftlichen Probleme sprechen könne, die andern dachten, dass der israelisch-palästinensische Konflikt im Zentrum steht und man die andern gesellschaftlichen Probleme nicht vernachlässigen dürfe.

In einem Artikel Ende 1996 schrieb er, die aschkenasische intellektuelle Elite habe kein Problem, das Unrecht zu anerkennen, das den Palästinensern angetan wurde, weil es ihre Position innerhalb der israelischen Gesellschaft nicht gefährdet. Wenn jedoch das Unrecht an den Mizrachim anerkannt würde, würde dies die Pyramide der israelischen Gesellschaft ins Wanken bringen[3].

Die Identitätspolitik des Regenbogens wird von verschiedenen Seiten kritisiert.

Soziologie[Bearbeiten]

Rationalität und Bürokratie[Bearbeiten]

Schenhaw widersprach in seinem 1999 in der Oxford University Press erschienenen Buch Manufacturing rationality, der Auffassung von Bürokratie von Max Weber. Er behauptete, dieses System sei nicht unbedingt genau und effizient, sondern kultur-, gesellschafts- und wirtschaftsabhängig. Er zeigte, wie die Ideologie, die Frederick Winslow Taylor entwickelte, dazu geeignet war, die Macht der Geschäftsführer nicht nur gegenüber den Arbeitern, sondern auch gegenüber den Kapitalisten zu vergrößern.

Stratifikation und Ethnie[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 erschien Schenhaws Buch The Arab Jews – A Postcolonial Reading of Nationalism, Religion, and Ethnicity. Darin behandelt Schenhaws die beiden großen Themen der arabischen Juden in Israel und der palästinensischen Flüchtlinge im Zusammenhang, womit er der gängigen Absonderung der beiden Themen entgegenarbeitet. Er analysiert, wie die beiden Themen vonseiten der aschkenasischen Elite voneinander abgeschnitten wurden.

Postkolonialismus und Multikulturalismus[Bearbeiten]

Schenhaw beschreibt die Begegnung der Aschkenasen mit den einheimischen Arabern und den arabischen Juden als eine koloniale Begegnung. Er gab Texte von Frantz Fanon, Homi K. Bhabha und Edward Said heraus. Sein Programm, die israelische Gesellschaft soll eine multikulturelle werden, beinhaltet feministische, postkoloniale und postmoderne Aspekte. Identität ist hier ein fließender und dynamischer Begriff.

Bücher auf Englisch[Bearbeiten]

  • Manufacturing rationality. Oxford, Oxford University Press, 1999
  • The Arab Jews – A Postcolonial Reading of Nationalism, Religion, and Ethnicity. Stanford, Stanford University Press, 2006
  • Beyond the Two-State Solution: A Jewish Political Essay. UK: Polity Press, 2012

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://theory-and-criticism.vanleer.org.il/en/
  2. http://oss.sagepub.com/
  3. http://hakeshet.tripod.com/articles/israeli_left.htm/