Jelenia Góra

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Jelenia Góra
Wappen von Jelenia Góra
Jelenia Góra (Polen)
Jelenia Góra
Jelenia Góra
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 108,40 km²
Geographische Lage: 50° 54′ N, 15° 44′ O50.915.733333333333Koordinaten: 50° 54′ 0″ N, 15° 44′ 0″ O
Höhe: 350 m n.p.m
Einwohner: 81.985
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 58-500 bis 58-588
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DJ
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 65 Szklarska PorębaLegnica
Schienenweg: Jelenia Góra–Szklarska Poręba–Kořenov
Bahnstrecke Zgorzelec–Wałbrzych
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 108,40 km²
Einwohner: 81.985
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 756 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0261011
Verwaltung (Stand: 2011)
Stadtpräsident: Marcin Zawiła
Adresse: pl. Ratuszowy 58
58-500 Jelenia Góra
Webpräsenz: www.jeleniagora.pl

Jelenia Góra?/i [jɛˈlɛɲa ˈgura] (deutsch: Hirschberg, 1927–1945 Hirschberg im Riesengebirge; gebirgsschlesisch Herschbrig oder Herschbrich; tschechisch: Jelení Hora, früher: Hiršperk, auch Hornšperk) ist eine Stadt in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.

Geografie[Bearbeiten]

Rathaus auf dem Marktplatz

Jelenia Góra liegt rund 90 km südwestlich von Breslau und 70 km östlich von Görlitz im Hirschberger Tal am Fuß des Riesengebirges, das die Grenze zu Tschechien bildet. Es gehört zur Euroregion Neiße und ist Sitz des Karkonoski Park Narodowy (Nationalpark Riesengebirge).

Geschichte[Bearbeiten]

Bürgerhäuser am Marktplatz
Marktplatz mit der Stadtpfarrkirche im Hintergrund
Hirschberg im Riesengebirge
Hirschberger Tal
Zabobrze

Hirschberg wurde wahrscheinlich kurz vor 1281 auf herzoglichem Boden gegründet. Es gehörte damals zum Herzogtum Schweidnitz und war Mittelpunkt eines deutschen Rodungsbezirks. Erstmals erwähnt wurde es 1281 als „Hyrzberc“ in einer Urkunde, mit der Herzog Bernhard I. von Löwenberg († 1286) den Johannitern von Striegau einen Grund am Oberlauf des Flusses Zacken verlieh. Eine weitere Erwähnung erfolgte 1288 in einer Urkunde des Herzogs Bolko I., in der dieser „unseren Bürgern von Hyrzberc“ (nostrorum civium Hyrsbergensium) die Errichtung einer Schenke in Warmbrunn erlaubte. Für das Jahr 1299 ist Hirschberg als Stadt (civitas) belegt. Unter Herzog Bolko II. erhielt Hirschberg 1338 das Meilenrecht, 1355 das Salz- und Bergwerksrecht sowie die Freiheit von Abgaben im Handel mit Böhmen, 1361 das Waag- und Münzrecht und 1366 die gegenseitige Zollfreiheit mit Breslau. Nach dem Tod Herzog Bolkos II. 1368 erhielt seine Witwe Agnes von Habsburg zwar ein lebenslanges Nießrecht über das Herzogtum, das jedoch gleichzeitig als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen fiel. 1377 erwarb die Stadt die Vogtei von Herzogin Agnes.

1395–1406 war Hirschberg im Besitz des böhmischen Oberstburggrafen Johann Kruschina von Lichtenburg. Während der Hussitenkriege wurde die seit 1291 belegte Burg am Hausberg auf Geheiß des Landeshauptmanns zerstört. 1502 gewährte der böhmische König Vladislav II. der Stadt das Recht der freien Ratswahl, sein Nachfolger Ludwig II. 1519 die Abhaltung eines Jahrmarkts und Kaiser Ferdinand II. 1532 einen zweiten Markt. Mit der Einführung der Reformation 1524 entwickelte sich Hirschberg zu einem wichtigen evangelischen Zentrum. In der Stadtkirche wurde evangelisch gepredigt und 1566 ein evangelisches Schulhaus errichtet. Während des Dreißigjährigen Kriegs wurde Hirschberg mehrmals belagert und zur Zahlung von Kontributionen verpflichtet. 1658 erfolgte die Gründung einer Kaufmannssozietät. Trotz der verordneten Rekatholisierung konnte aufgrund der Altranstädter Konvention vor den Toren der Stadt 1708–1718 eine evangelische Gnadenkirche errichtet werden, die im Wesentlichen von den Hirschberger Kaufmannsfamilien finanziert wurde.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg fiel Hirschberg wie fast ganz Schlesien an Preußen. Durch die damit verbundene Abtrennung der böhmischen und österreichischen Handelsmärkte kam es nachfolgend zu einem beträchtlichen Einbruch der Leinen- und Schleierweberei, die seit dem 16. Jahrhundert florierte und der Stadt zu einer wirtschaftlichen Blüte und Reichtum verholfen hatte.

Nach der Neugliederung Preußens gehörte Hirschberg seit 1815 zur Provinz Schlesien und war ab 1816 Sitz des Landkreises Hirschberg. Durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden neben der Leinenindustrie Maschinen-, Papier- und Zementfabriken sowie Mehl- und Schneidemühlen. Mit dem Eisenbahnanschluss 1866 nach Görlitz und Berlin und ein Jahr später nach Waldenburg und Breslau entwickelte sich Hirschberg zu einem beliebten Ausflugs- und Touristenort. Im Hirschberger Tal entstanden im 19. Jahrhundert etwa 30 teils große Schlösser, etwa das von Prinz Wilhelm von Preußen in Fischbach (Karpniki), das in Schildau (einst im Besitz von Prinzessin Luise von Preußen).[2]

Seit dem 1. April 1922 bildete die Stadt Hirschberg einen eigenen Stadtkreis. 1924 wurde der Gutsbezirk Hartau, 1928 der Gutsbezirk Schwarzbach aus dem Landkreis in die Stadt eingegliedert. Am 9. Juli 1927 erhielt die Stadt Hirschberg, die bisher auch den Zusatz i. Schles. trug, die neue Bezeichnung Hirschberg im Riesengebirge, wobei sich bald die amtliche Schreibweise Hirschberg i. Rsgb. durchsetzte. 1936 erfolgte die Inbetriebnahme einer Zellwollefabrik.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs fiel Hirschberg 1945 wie fast ganz Schlesien an Polen (damals Volksrepublik Polen) und wurde in Jelenia Góra (Übersetzung des Namens ins Polnische) umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde bis auf wenige Ausnahmen vertrieben. Die neuen Bewohner waren zum Teil Heimatvertriebene aus Ostpolen, das die Sowjetunion annektiert hatte. Die Stadt hatte keine Kriegszerstörungen erlitten, gleichwohl wurden zahlreiche Häuser der Altstadt nach 1945 dem Verfall preisgegeben. Nach 1965 erfolgte eine vereinfachte Rekonstruktion der Ringbebauung. 1975–1998 war Jelenia Góra Hauptstadt der Woiwodschaft Jelenia Góra.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1787: 6.295
  • 1825: 6.184
  • 1905: 19.317
  • 1939: 35.296
  • 1961: 51.471
  • 1970: 55.814

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Panorama des Hirschberger Tals mit Riesengebirge, vor 1930

Die Stadtgemeinde Jelenia Góra umfasst eine Fläche von 109 km², rund 85.000 Einwohner und gliedert sich in folgende Stadtteile (dzielnice):

  • Śródmieście – Innenstadt
  • Cieplice Śląskie-Zdrój, auch Cieplice Zdrój (Bad Warmbrunn)
  • Czarne (Schwarzbach)
  • Goduszyn (Gotschdorf)
  • Grabary (Hartau)
  • Jagniątków (Agnetendorf) – Stadtteil
  • Maciejowa (Maiwaldau)
  • Sobieszów (Hermsdorf unterm Kynast, 1935–1945 Hermsdorf (Kynast))
  • Strupice (Straupitz)
  • Zabobrze
  • Zatorze

sowie die Siedlungen (osiedle): Osiedle Orle, Osiedle Pomorskie, Osiedle Skowronków, Osiedle Widok, Osiedle XX-Lecia, Osiedle Zabobrze I, Osiedle Zabobrze II, Osiedle Zabobrze III und Osiedle Żeromskiego.

Wappenbeschreibung[Bearbeiten]

Wappenbeschreibung: In Silber auf grünem Dreiberg ein roter, schwarzgehufter stehender Zwölfender-Hirsch mit einem grün-goldenen stilisierten Kleeblatt im Maul.

Ein älteres Wappen war schräglinks in Silber und Blau gespalten und der Hirsch war laufend mit einem Kleeblatt im Maul.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hirschberger Gnadenkirche
Orthodoxe Kirche in Hirschberg
  • Die katholische Pfarrkirche St. Erasmus und Pankratius wurde erstmals 1288 erwähnt und im 14. Jahrhundert neu errichtet. 1524–1629 diente sie als evangelisches Gotteshaus. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde sie barockisiert. Den Hauptaltar schufen der Bildhauer Thomas Weisfeldt aus Oslo und der Hirschberger Tischler David Hielscher; das Hauptaltargemälde stammt vom Glogauer Maler Johann Kretschmer.
  • Die Mariensäule neben der Kirche stammt vermutlich ebenfalls von Thomas Weisfeldt, die Nepomuk-Statue (Nepomuk war Schutzpatron von Böhmen) vermutlich Joseph Anton Lachel.
  • Die ehemals evangelische Gnadenkirche zum Heiligen Kreuz (Kościół Św. Krzyża) wurde 1709–1718 nach Entwurf des aus Reval stammenden und in Liegnitz ansässigen Architekten Martin Frantz nach dem Vorbild der Stockholmer Katharinenkirche errichtet. Die Wand- und Gewölbemalereien schufen Felix Anton Scheffler und Johann Franz Hoffmann. Um die Kirche befindet sich ein weitläufiger Friedhof, der so genannte Gnadenkirchhof. Er ist von einer Mauer mit 19 Grufthäusern von Patrizierfamiliender 1658 begründeten Hirschberger Kaufmannssozietät umgeben. Alle wertvollen Grabplatten und -monumente im Innenbereich des Friedhofs wurden nach 1945 zerstört. Erhalten und kürzlich restauriert wurden die prachtvollen Epitaphien und Grufthäuser entlang der Innenseite der Friedhofsmauer.
  • Das Rathaus wurde 1361 erstmals urkundlich erwähnt. Der jetzige Barockbau stammt aus den Jahren 1744–1747 und ist noch heute Sitz der Stadtverwaltung. Um 1910 wurde das Rathaus mit den benachbarten „Siebenhäusern“ verbunden.
  • Die Bürgerhäuser am Ring (Plac Ratuszowy) mit gewölbten Laubengängen aus der Barock- und Rokokozeit wurden nach 1945 dem Verfall preisgegeben und nach 1965 vereinfacht rekonstruiert. Hier wohnten die reichsten Bürger der Stadt. Je nach ihrer Bestimmung gab es Kürschner-, Tuch-, Garn-, Seildreher-, Weißgerber-, Korn- und Butterlauben.
  • Der ehemalige Kaiser-Wilhelm-Turm (= Aussichtsturm) von 1911 auf dem Hausberg (375 m), im Jahre 2011 erneuert.
  • Ruine der Burg Chojnik (Kynast) im Ortsteil Sobieszów.

Sender Jelenia Góra[Bearbeiten]

1957 wurde in Jelenia Góra in der ul. Sudecka 55 bei 50°53'51" nördlicher Breite und 15° 44'34" östlicher Länge ein Rundfunksender für Mittelwelle eingerichtet, der als Antennenträger bis 1967 einen 47 Meter hohen Holzturm verwendete. Dieser Turm war möglicherweise der einzige nach 1945 für Rundfunksendezwecke in Polen errichtete Holzturm. 1967 wurde der Holzturm durch einen 72 Meter hohen Stahlmast ersetzt. Seit der Einstellung des Mittelwellensendebetriebs 1994 dient dieser Sendemast zur Verbreitung von UKW-Hörfunkprogrammen.[4]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sagen[Bearbeiten]

In Hirschberg spielt die Rübezahl-Sage Rübezahl als Holzhauer. Nach der Sage lebte im Ort ein geiziger Bäcker, der die Not der ihm Holz liefernden Bauern ausnutzte. Rübezahl bot dem Bäcker an, ihm für eine Hucke Holz, die von einem Bauern gerade erworbene große Menge Holz zu hauen. Der Bäcker willigte ein. Rübezahl nahm daraufhin sein eigenes linkes Bein und hackte das Holz rasend kurz und klein und lud sich schließlich die gesamte Holzmenge auf. Das Holz warf er beim Hof des Bauern ab. Der schockierte Bäcker nutzte fortan die Bauern nicht mehr aus.[14]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jelenia Góra – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Schlesien - Schlösser im Hirschberger Tal. PDF, 62 Seiten, 2007
  3. Autorenkollektiv:Meyers Konversationslexikon., Band 8, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885-1892, S. 567.
  4. Stacje radiowo-telewizyjne na Dolnym Śląsku (Version vom 25. März 2007 im Internet Archive) (polnisch)
  5. August Hirsch: Adolphi, Christian Michael. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 121.
  6. NDB 10 (1974), S. 411 f.: [1]
  7. Artikel auf den Websites der Digital Library of Jelenia Góra
  8. Artikel auf den Websites des dt-.pl. Vereins zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur e. V. (VSK)
  9. Artikel auf den Websites der Forschungsstelle für Personalschriften an der Universität Marburg
  10. NDB 17 (1994), S. 96: [2]
  11. NDB 21 (2003), S. 401-402: [3]
  12. Colmar Grünhagen: Streit, Karl Konrad. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 36, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 564 f.
  13. Winckler, (Friedrich Wilhelm). In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 57, Leipzig 1748, Spalte 502.
  14. E. Berger, Rübezahl und Andere Gebirgssagen, Buchhandlung Gustav Fock, Seite 87 ff.