Jena

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Jena in Thüringen; zu weiteren Begriffen siehe Jena (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Jena
Jena
Deutschlandkarte, Position der Stadt Jena hervorgehoben
50.92720555555611.586361111111143Koordinaten: 50° 56′ N, 11° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Höhe: 143 m ü. NHN
Fläche: 114,29 km²
Einwohner: 107.679 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 942 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 07743–07751
Vorwahlen: 03641, 036425 (Krippendorf, Lützeroda, Isserstedt)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: J
Gemeindeschlüssel: 16 0 53 000
Stadtgliederung: 41 Stadtbezirke,
24 Ortschaften
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Anger 15
07743 Jena
Webpräsenz: www.jena.de
Oberbürgermeister: Albrecht Schröter (SPD)
Lage der Stadt Jena in Thüringen
Weimar Eisenach Suhl Gera Jena Landkreis Altenburger Land Landkreis Greiz Tschechien Saale-Holzland-Kreis Freistaat Sachsen Freistaat Bayern Saale-Orla-Kreis Landkreis Sonneberg Niedersachsen Hessen Sachsen-Anhalt Landkreis Eichsfeld Landkreis Saalfeld-Rudolstadt Landkreis Hildburghausen Landkreis Schmalkalden-Meiningen Ilm-Kreis Landkreis Weimarer Land Erfurt Landkreis Gotha Wartburgkreis Landkreis Sömmerda Kyffhäuserkreis Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis NordhausenKarte
Über dieses Bild
Jenaer Innenstadt mit dem Jentower und den Hochhäusern Bau 59, Bau 15 und Bau 36
Jenaer Weihnachtsmarkt
Der Jenaer Stadtteil Lobeda-West

Jena ist eine deutsche Universitätsstadt und kreisfreie Großstadt in Thüringen in der Metropolregion Mitteldeutschland. Sie liegt an der Saale zwischen Muschelkalkhängen der Ilm-Saale-Platte und ist nach der Landeshauptstadt Erfurt die zweitgrößte Stadt Thüringens und eines der drei Oberzentren des Freistaats.

In Jena befindet sich die Friedrich-Schiller-Universität Jena, die 1558 gegründet wurde und nun mit über 20.000 Studenten die größte Universität Thüringens ist. Jena begann sich ab dem Bau der Saalbahn 1874 zu einer Industriestadt zu entwickeln. Sie ist ein Zentrum der deutschen Optik- und Feinmechanikindustrie rund um das Unternehmen von Carl Zeiss. Das Kombinat Carl Zeiss mit etwa 60.000 Mitarbeitern war seinerzeit auch das größte Kombinat der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wandelte sich Jena vom Industrie- zum Bildungs- und Wissenschaftszentrum. In Jena haben zahlreiche Forschungslabors und Institute ihren Sitz. Das 144,5 m (mit Antenne 159,60 m) hohe Bürohochhaus Jentower war zur Zeit seiner Errichtung das höchste Hochhaus Deutschlands.

Am 21. März 2007 verlieh der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft Jena den Titel Stadt der Wissenschaft des Jahres 2008. Die Stadt Jena wirbt für sich auch mit dem Namen „Jena. Lichtstadt.“[2]

Geographie[Bearbeiten]

Blick auf Jena-City vom Landgrafen
Die Saale in der Jenaer Innenstadt.

Jena liegt im mittleren Saaletal zwischen teilweise von Mischwäldern bedeckten Muschelkalk- und Buntsandsteinhängen (geologische Phänomene sind unter anderem die Teufelslöcher und die Studentenrutsche). Auf ihnen, z. B. am direkt an der A 4 gelegenen Leutra-Tal, kommen zahlreiche, zum Teil seltene Orchideenarten vor. Die größte Ausdehnung beträgt von Nord nach Süd 14,7 und von Ost nach West 12,2 Kilometer. Folgende größere Städte liegen in der Nähe von Jena: Weimar (ca. 15 km westlich), Apolda (ca. 15 km nördlich), Rudolstadt (ca. 30 km südlich), Naumburg (Saale) (ca. 33 km nordöstlich), Gera (ca. 35 km östlich), Erfurt (ca. 40 km westlich), Halle (Saale) (ca. 70 km nordöstlich), Leipzig (ca. 75 km nordöstlich), Chemnitz (ca. 94 km östlich) und Dresden (ca. 175 km östlich).

Klima[Bearbeiten]

Jena gehört zu den klimatisch besonders begünstigten Gebieten Deutschlands. Die starke Reflexion der Sonnenstrahlen an den steilen Talhängen und insbesondere die Wärmespeicherung des Muschelkalks erzeugen einen zeitigen und milden Frühling, heißen Sommer, langen und warmen Herbst und milden Winter. Mit einer mittleren Jahrestemperatur von 9,3 °C gehört Jena zu den wärmsten Orten Mitteldeutschlands. Auf den 200 bis 250 m höher liegenden Hochflächen und den im Osten und Süden angrenzenden Gebieten ist die Temperatur im Jahresmittel bereits um 1 bis 1,5 °C niedriger. Hinzu kommt die windgeschützte Lage, denn durch den Talverlauf werden die Winde zumeist in Nord-Süd-Richtung eingelenkt und abgeschwächt. Die das Thüringer Becken umgebenden Mittelgebirge schirmen den Niederschlag ab. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt nur 570 bis 680 Liter pro Quadratmeter, der größte Teil fällt in den Sommermonaten. Durch das warme Mikroklima wird die Region bei Jena auch Thüringer Toskana oder auch Toskana des Ostens genannt.

Klimadiagramm von Jena, Basis: Jahresgang Temperatur und Niederschlag aus den Mittelwerten 1961–1990

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Jena. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden aufgeführt:

Berge und Höhen[Bearbeiten]

Durch die Lage Jenas in den Tälern der Saale und ihrer Zuflüsse, die sich in die umgebende Hochfläche eingeschnitten haben, entstanden zahlreiche markante Kuppen und Bergausformungen, deren Höhen meist über 300 m ü. NN liegen. Einst unbewaldet und kahl, wurden diese Höhen und Hänge im Laufe der letzten beiden Jahrhunderte aufgeforstet.

Markante Berge und Höhen westlich der Saale von Nord nach Süd
Name Höhe ü. NN
Zwischen Rautal und Mühltal
Landgraf 297,9 m
Sonnenberge 323 m
Zwischen Mühltal und Ammerbachtal
Tatzend bzw. Schweizerhöhe mit Bismarckturm 330 m (Stern)
Johannisberg bei Lichtenhain 333,7 m
Lichtenhainer Höhe 321,1 m
Coppanzer Berg 397,6 m
Zwischen Ammerbachtal und Leutratal
Lämmerberg 346,1 m (Holzberg)
Vogelberg 353,1 m
Teufelskrippe oder Mönchsberg 291 m
Jagdberg 288,4 m
Berge und Höhen östlich der Saale
Name Höhe ü. NN
Zwischen Kunitz und Ziegenhainer Tal
Jenzig 385,3 m
Hausberg 349,6 m (Wilhelmshöhe)
Kernberge
Sophienhöhe 366,5 m
Rabensberge 375,2 m (Hummelsberg)
Zwischen Pennickental und Rodatal
Johannisberg 366 m
Schlossberg mit Lobdeburg
Einsiedlerberg 389,2 m

Weitere Berge in der Umgebung sind Windknollen (mit Napoleonstein, 363 m) im Nordwesten; Jägersberg und Plattenberg (345 m) sowie der Große Gleißberg (365 m) mit der Kunitzburg im Norden; der Cospoth (397 m), der Spitzenberg (374 m) bei Maua und die Kuppe (438 m) bei Dürrengleina im Südwesten sowie der Eichberg bei Sulza im Südosten.

Die Ausbildung des Oberflächenreliefs im Stadtgebiet, besonders der Talhänge, ist durch eine differenzierte geologische Situation entstanden, die auf den geologischen Verhältnissen im mittleren Saaletal beruht.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Das Stadtgebiet Jenas ist in 41 statistische Bezirke eingeteilt. Die Verwaltung der Stadt Jena ist nach § 45 der Thüringer Kommunalordnung in 30 Ortsteile unterteilt. Diese Ortsteile wurden durch die Hauptsatzung der Stadt Jena festgelegt. Dabei handelt es sich meist um räumlich getrennte Gebiete bzw. Dörfer, die ehemals selbstständige Gemeinden waren. Für jede Ortschaft gibt es einen in direkter Wahl bei einer Bürgerversammlung gewählten Ortsteilrat. Vorsitzender ist der ebenfalls direkt gewählte Ortsteilbürgermeister. Die 30 Ortsteile der Stadt sind in der Liste der Ortsteile Jenas aufgelistet.

Die statistischen Bezirke der Stadt Jena sind: Ammerbach Ort, Beutenberg/Winzerlaer Straße, Burgau Ort, Closewitz, Cospeda, Drackendorf, Drackendorf/Lobeda-Ost, Göschwitz, Ilmnitz, Isserstedt, Jena-Nord, Jena-Süd, Jena-West, Jena-Zentrum, Jenaprießnitz, Krippendorf, Kunitz, Laasan, Lichtenhain Ort, Leutra, Lobeda-Altstadt, Lobeda-Ost, Lobeda-West, Löbstedt Ort, Lützeroda, Maua, Mühlenstraße, Münchenroda, Nord II, Remderoda, Ringwiese Flur Burgau, Vierzehnheiligen, Wenigenjena/Kernberge, Wenigenjena Ort, Wenigenjena/Schlegelsberg, Winzerla, Wogau, Wöllnitz, Ziegenhain Ort, Ziegenhainer Tal und Zwätzen.

360°-Panorama von Jena

Herkunft des Stadtnamens[Bearbeiten]

Der Ursprung des Namens Jena war seit jeher Streitpunkt und ist auch heute noch nicht vollständig geklärt. Im Laufe der Geschichte wurden zur Erklärung zahlreiche Spekulationen geboten, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhielten, genauso wie ernstzunehmende Vorschläge, die auch heute noch Gegenstand der sprachhistorischen Diskussion sind. Bereits 1858 lehnt Johann Karl Schauer einige Herleitungen ab, darunter das hebräische jain und das griechische oinos für Wein, den Namen Johannes in Bezug auch auf die Johanneskirche, den römischen Gott Janus, das slawische jiny (dt. anders, verschieden) für markierten Terrainwechsel und brüchiges Land, sowie einige deutsche Erklärungsversuche wie das Wort gähnen mit Verweis auf den Schnapphans, der beim Stundenschlag den Mund aufmacht (und dabei gähnt). Schauer selbst (und später auch der Lokalforscher Herbert Koch) sieht die Lösung im Keltischen, insbesondere im Wort gen, das für Mund und im übertragenen Sinne für Mündung steht, wobei auf die mundförmige Gestalt Jenas durch den Talkessel bzw. im Falle Kochs auf einen Zusammenfluss zweier Gewässer, dem Leutra-Bach zusammen mit der Saale, verwiesen wird. Hiergegen wird vor allem eingewandt, dass die Kelten nie im Ostthüringer Raum gelebt haben, und ein erwähnter Zusammenfluss bisher nirgends nachgewiesen werden konnte.

Die neuere Diskussion befasst sich vor allem mit der Frage, ob die Bezeichnung Jani aus dem Slawischen oder aus dem Deutschen entnommen werden kann, da für beide Völker eine Siedlung in der näheren Umgebung nachweisbar ist. Ferdinand Mentz und Rudolf Fischer lehnten eine Herleitung durch die slawische Form Jan von Johannes vor allem mit der Begründung ab, dass die Slawen einerseits Mitte des 9. Jahrhunderts noch nicht christianisiert (also heidnisch) waren, den Namen demnach nicht kennen konnten, und die kontrahierte Form Jan andererseits nicht vor dem 10. Jahrhundert existierte. Weiters möchte Fischer keine urslawische Form ausmachen, auf die sich Jani beziehen könnte. Favorisiert wird somit von vielen Namenskundlern eine germanisch-deutsche Herkunft des Namens. Möglich ist die Ableitung vom althochdeutschen gang mit den Bedeutungen Gang, Weg oder Strecke, oder – wahrscheinlicher – vom landwirtschaftlichen und historisch-winzersprachlichen Ausdruck „Jahn“, der neben Waldstreifen und Wirtschaftsfläche auch eine in einem Gang zu erledigender Teil einer bebauten Fläche oder einen Weinbergsabschnitt bezeichnen kann. Fraglich bleibt, ob der Weinanbau zu dieser Zeit bereits stattgefunden hat. Ebenso sehen einige Autoren kritisch, dass die Bedeutung als Streifen nicht charakteristisch genug für einen Ortsnamen ist, und dass sich der Weinbau in der Gegend vermutlich außerhalb des Stadtkerns entwickelte, wo er keinen Einfluss mehr auf die Namensbildung besaß.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Eine erste Erwähnung der Stadt liegt aus der Zeit von 830 bis 850 vor. Im Hersfelder Zehntverzeichnis erscheint Liutdraha (das in der heutigen Johannisvorstadt aufgegangene Dorf Leutra) neben Iani. Für 1145 und 1182 ist die Form Gene belegt, für 1216 schließlich Iehene und für 1252 Iene. Die Endung auf -a ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts nachweisbar.[3] In lateinischen Texten wird Jena das Athen an der Saale (Athenae ad Salam) genannt.

Die seit dem 12. Jahrhundert als Besitzer von Jena nachzuweisenden Herren von Lobdeburg erhoben um 1230 den Ort zur Stadt, die bald danach ummauert wurde, ihre Selbstverwaltung unter dem 1275 bezeugten Rat ausbaute, im 14. Jahrhundert das Schultheißenamt, 1365 die Niedergerichte und 1429 die Obergerichte an sich brachte. Bei einem Saalehochwasser starben am 23. Juni 1263 35 der etwa 1000 Einwohner.[4] Der schnell aufblühende Weinbau brachte der Bürgerschaft guten Gewinn. 1286 errichteten die Dominikaner ihr Kloster, 1301 entstand bei der Michaeliskirche das Zisterzienserinnenkloster.

Mit Schwächung der Lobdeburger traten die Grafen von Schwarzburg und die Wettiner in Erscheinung. Bis 1331 gelangten die Wettiner in den Vollbesitz der Stadt. 1332 erteilten sie Jena das gothaische Stadtrecht. 1414 entstand das Karmelitenkloster. Städtischer Wohlstand äußerte sich in den Neubauten der Michaeliskirche seit 1380/90 und des Rathauses am Ende des 14. Jahrhunderts. Seit 1423 gehörte Jena zum Kurfürstentum Sachsen, da die Wettiner nach dem Aussterben der Askanier die Kurwürde erhielten. Auch mit der Leipziger Teilung 1485 verblieb Jena im ernestinischen Kurfürstentum Sachsen. Neben dem bereits erwähnten Weinbau (ein Türkensteuerregister aus dem Jahr weist 70 Prozent der steuerpflichtigen Bürger Jenas als Weinbergbesitzer aus) trug der Anbau von Waid, Hopfen und die Bierbrauerei wesentlich dazu bei, dass Jena im ausgehenden Mittelalter zu den wohlhabendsten Städten im heutigen Thüringen zählte.[5] Weiterhin bedeutete die Tuchmacherei eine weitere Quelle des Reichtums der Stadt. Trotz des wirtschaftlichen Aufblühens Jenas stand es stets in Konkurrenz zum benachbarten Weimar, welches sich ab dem Ende des 14. Jahrhunderts zu einer wettinischen Hauptresidenz entwickelte. Vorteilhaft war dabei, dass sich Jena dadurch weitgehend unabhängig vom landesherrlichen Regiment entfalten konnte. Gegen eine Bezahlung von 3000 rheinischen Gulden 1480 seitens Wilhelm III. wurde die Gerichtsbarkeit von der Stadt auf die Stadtflur ausgedehnt.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Plan der Altstadt von Jena
Kupferstich von Jena um 1650, aus der Topographia Germaniae
Das Rathaus von Jena (vor 1755)

Die Reformation begann 1523 mit dem radikalen Theologen Martin Reinhardt, der nach Martin Luthers Eingreifen 1524 vertrieben wurde. 1525 zerstörten Bauern und Teile der Stadtbewohner das Karmeliterkloster und verwüsteten das Dominikanerkloster. 1536 wurden die Juden durch ein judenfeindliches Mandat des Landesherren aus Jena vertrieben (wie auch aus anderen thüringischen Städten) – ausgelöst durch die Reformation und ihrer von Martin Luther verstärkten antisemitischen Ausrichtung.[6][7] Durch die Niederlage im Schmalkaldischen Krieg 1546/47 verloren die Ernestiner die Kurwürde. Jena gehörte von da an zum Herzogtum Sachsen. Infolgedessen wurde als Ersatz für die verloren gegangene Universität Wittenberg im Jahr 1548 die Hohe Schule im Dominikanerkloster in Jena gegründet, aus der 1558 die Universität Jena hervorging.

Mit dieser für die weitere Stadtentwicklung entscheidenden Einrichtung waren seit 1566 der für die Rechtsprechung in ganz Thüringen bedeutsame Schöppenstuhl und ein Hofgericht verbunden.

Jena mit Ortsteil Zwätzen war 1552–1600 von Hexenverfolgung betroffen. Drei Menschen gerieten in Hexenprozesse, eine Frau und ein Mann wurden hingerichtet, ein Mann mit Landesverweis bestraft.[8]

Die Universität blieb auch nach der Landesteilung 1572 unter gesamternestinischer Schirmherrschaft, während die Stadt dem Herzogtum Weimar zufiel. Bei der Thüringer Sintflut Ende Mai 1613 wurden Teile der Stadt überflutet.

In den Jahren 1672 bis 1690 war Jena Hauptstadt des selbständigen Fürstentums Sachsen-Jena, dessen Herzöge im bereits 1471 erwähnten und 1662 erweiterten Schloss wohnten und dessen Zentralbehörden zum Teil bis 1809 in der Stadt arbeiteten. Nach dem Tod des Herzogs von Sachsen-Jena kam die Stadt 1692 an die ernestinische Linie Sachsen-Eisenach und 1741 an Sachsen-Weimar-Eisenach, bei dem es bis 1920 blieb.

In den theologischen Lehrstreitigkeiten des späten 16. Jahrhunderts war die Universität Mittelpunkt der lutherischen Orthodoxie (Matthias Flacius), nach dem Dreißigjährigen Krieg erlebte sie eine Blütezeit und stand mit 1800 Studenten zwischen 1706 und 1720 an der Spitze aller deutschen Universitäten. Die Barockzeit äußerte sich in prächtigen Bürgerbauten. Vom herzoglichen Hof gingen Anregungen auf die Kunst- und Musikpflege aus. 1570 begann das Collegium Musicum zu wirken, das nach der 1769 erfolgten Reorganisation ab 1770 bis ins 20. Jahrhundert die Akademischen Konzerte veranstaltete.

Der Rückgang des Weinbaus, der Studentenzahl und des Buchdrucks verursachte im 18. Jahrhundert einen Niedergang der städtischen Wirtschaft. 1788 wurden die Finanzen der Stadt unter Zwangsverwaltung gestellt. Unter der Regierung des Herzogs Carl August 1775 bis 1828 und seines Ministers Johann Wolfgang Goethe gewann der neue Geist Weimars auch auf Jena Einfluss und führte eine zweite Blütezeit der Universität herbei. Goethe widmete ihr sein amtliches und persönliches Interesse. Hier schloss er 1794 Freundschaft mit Friedrich Schiller, der seit 1789 als Professor wirkte und bis 1799 in Jena wohnte.

1794 wurden Johann Gottlieb Fichte und 1798 Friedrich Wilhelm Joseph Schelling berufen, 1801/07 lehrte Georg Wilhelm Friedrich Hegel hier, so dass Jena ein Hauptort der deutschen idealistischen Philosophie wurde, wo auch die literarische Richtung der älteren Romantik mit August Wilhelm Schlegel, seiner Frau Caroline Böhmer-Schlegel-Schelling, Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck, Clemens Brentano und Friedrich von Hardenberg eine hervorragende Pflegestätte fand. Die 1785 bis 1803 in Jena erscheinende Allgemeine Literatur-Zeitung erhöhte den Ruf der Stadt. Die Universität stand im Ruf besonderer Liberalität, doch sank ihr Ruhm ab 1800 schnell infolge des Weggangs berühmter Lehrer (1799 Entlassung Fichtes).

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Karte der Schlacht bei Jena am 14. Oktober 1806

Am 14. Oktober 1806 bekämpfte Napoleon siegreich die preußischen und sächsischen Armeen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Die Schlacht auf den Höhen vor der Stadt fügte ihr und der Universität schwere Schäden zu. Gegen das napoleonische Joch regte sich in Jena starker Widerstand besonders unter den Studenten, die 1813 in Scharen in das Lützowsche Freikorps eintraten.

Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg 1813, gemalt vom Schweizer Maler Ferdinand Hodler für die Aula der Universität Jena im Jahr 1908

1815 wurde in Jena die Urburschenschaft gegründet, die Pressefreiheit im weimarischen Staat gab Gelegenheit zum Kampf für die nationale Einheit. Das Wartburgfest 1817 ging im Wesentlichen von der Universität Jena aus und erregte das Misstrauen konservativer deutscher Regierungen, denen die Ermordung August von Kotzebues durch Karl Ludwig Sand, einen Jenaer Theologiestudenten, 1819 einen willkommenen Anlass zu verstärktem Druck bot. Die Universität Jena bekam ihn in Gestalt eines 1819 eingesetzten Kurators, durch Einschränkung der Pressefreiheit und Auflösung der Burschenschaft zu spüren.

Als wirtschaftliche Grundlage ist in der Neuzeit vor allem die Universität anzusehen. Daneben brachten Feld-, Wein-, Garten- und Hopfenanbau und der Buchdruck Gewinn. Nach 1800 entstanden kleinere gewerbliche Betriebe, eine 1820 errichtete Kammgarnspinnerei hatte 1840 als einziges Unternehmen mehr als 100 Beschäftigte, sie führte 1864 die Dampfmaschine ein. 1830 zählte Jena 5491 Einwohner. Durch den Bau der Saalbahn von Großheringen nach Saalfeld 1874 und der Linie Gera-Weimar 1876 wurde die Stadt ein Verkehrsknotenpunkt. 1843 wurde eine Pianofortefabrik, 1859 eine Ofenfabrik, 1886 eine Zementfabrik und 1895 eine Messwerkzeugfabrik errichtet.

Aus der von Carl Zeiss 1846 gegründeten optischen Werkstätte, die 1860 erst 20 Mitarbeiter hatte, ging unter maßgeblicher Mitwirkung von Ernst Abbe das seit 1880 in eigenen Fabrikgebäuden arbeitende Unternehmen der Feinmechanik und Optik hervor, das durch Zusammenarbeit mit Otto Schott in dem seit 1884 aufgebauten Glaswerk einen wesentlichen Impuls für ihren Aufstieg erhielt. 1886 wurde das zehntausendste Mikroskop angefertigt, das dem Bakteriologen Robert Koch zum Geschenk gemacht wurde. Die Gewinne der 1889 errichteten Carl-Zeiss-Stiftung kamen in hohem Maße der Universität zugute, die zu jener Zeit in dem Zoologen Ernst Haeckel einen ihrer berühmtesten Lehrer besaß und die 1908 ein an Stelle des ehemaligen Schlosses erbautes neues Hauptgebäude beziehen konnte.

Ein staatliches Postamt am Löbdergraben wurde im Jahr 1858 gebaut und 1862 bezogen. Telegraphenbetrieb und Ortsfernsprechverkehr wurden dann 1876 bzw. 1893 in das Postamt verlegt.

Die Studentenzahl stieg von 500 zwischen 1800 und 1880 auf 2.000 im Jahr 1914. Besonders die naturwissenschaftlichen und medizinischen Institute wurden ausgebaut. Die Verlage Gustav Fischer (1878) und Eugen Diederichs (1896) bereicherten das geistige Leben. 1879 nahm als Nachfolger des 1817 eingerichteten Oberappellationsgerichts das Oberlandesgericht für alle thüringischen Staaten seine Geschäfte auf (Neubau 1880).

1900 bis 1945[Bearbeiten]

Jena um 1900
Jena um 1900 bis 1906
Jena: südwestliche Innenstadt 1920 (vor der Zerstörung 1945)

Am 19. März 1901 wurde das städtische Elektrizitätswerk eröffnet und am 1. April 1901 erfolgte die feierliche Inbetriebnahme der elektrischen Straßenbahn Jena. Mit der Vereinigung der thüringischen Staaten 1920 wurde Jena Teil des Landes Thüringen, die Stadt 1922 kreisfrei. Gleichzeitig entstand der Landkreis Stadtroda, zu dem das Umland gehörte. Innerhalb der Arbeiterschaft der großen Werke Zeiss und Schott fanden die Arbeiterparteien SPD und KPD starken Zulauf, so dass während der Zeit der Weimarer Republik die konservativen Parteien und die NSDAP die schlechtesten Wahlergebnisse in Thüringen erreichten. Demzufolge war auch der spätere Widerstand gegen die Nationalsozialisten erheblich.

Mit der Machtübertragung der Kanzlerschaft an Adolf Hitler begann in der Stadt die Diskriminierung und Verfolgung aller politischen und humanistischen Kräfte. Viele wurden mit Gefängnis- und Zuchthausstrafen belegt oder in das erste KZ Bad Sulza, später in das KZ Buchenwald eingeliefert. Nach dem Berufsbeamtengesetz wurden zahlreiche missliebige Wissenschaftler von ihren Posten vertrieben. Die Universität mutierte mehr und mehr zu einem Ideologie-Produzenten von Rassismus (Lehrstuhl für Sozialanthropologie) und Antisemitismus (Zusammenarbeit mit dem kirchlichen Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben). Am 1. April 1933 wurden jüdische Geschäfte und Einrichtungen boykottiert. Im Oktober 1938 wurden in der „Polenaktion“ zehn jüdische Personen ohne Staatsangehörigkeit nach Polen abgeschoben. Während der Novemberpogrome 1938 kam es in der Stadt zu antijüdischen Ausschreitungen. In der Folgezeit emigrierten bereits zahlreiche jüdische Familien und Einzelpersonen ins Ausland. In den Jahren 1942 bis 1945 wurden die verbliebenen Juden vom Westbahnhof aus in die Gettos und Vernichtungslager des Ostens deportiert und ermordet. Etliche Juden nahmen sich selbst das Leben. In der Chirurgischen Klinik und der Frauenklinik wurden auf der Basis des Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses Zwangssterilisationen in großem Umfang durchgeführt. Später wurden Patienten in Euthanasie-Anstalten ausgeliefert. Dennoch waren Widerstandskräfte am Werk, wurden Verfolgte versteckt, wurde mit Flugblättern und anderen Aktionen gegen Faschismus und Krieg aufgeklärt. Als während des Krieges Tausende Zwangsarbeiter in den Jenaer Rüstungsbetrieben beschäftigt waren, gab es eine Zusammenarbeit zwischen örtlichen Widerstandsgruppen und Zwangsarbeitern. So wurde kurz vor Ende des Krieges ein Sprengstoffanschlag auf das NSDAP-Büro von einer Sabotagegruppe verübt. Zusätzlich mussten in einem Außenlager des KZ Buchenwald bis zu 1000 Häftlinge im anliegenden Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Zwangsarbeit leisten.

Im Zweiten Weltkrieg richteten alliierte Bombenangriffe, besonders im Februar und März 1945, zahlreiche Zerstörungen an. Das schwerste Bombardement erfolgte am 19. März 1945. Insgesamt warf die US Army Air Force bei ihren Angriffen 870 Tonnen Bomben auf Jena ab.[9] Die Bombenangriffe verursachten schwere Schäden und Totalzerstörungen, ein großer Teil des Stadtzentrums wurde völlig vernichtet, die Ruinen der teils historischen Bürgerhäuser wurden später abgetragen. Verloren gingen das Haus am Markt, in dem Goethe und Schiller ihren Freundschaftsbund geschlossen hatten, das Griesbachsche und Bachsteinsche Haus, das Stadtmuseum und der historische Burgkeller. Die Stadtkirche St. Michael erlitt starke Beschädigungen. Die Collegien- oder Universitäts-Kirche wurde zerstört und die Ruine 1956 abgetragen. Ihr Turm wie auch die Collegien-Gebäude wurden beschädigt. Das Rathaus wurde teilzerstört, die Hof- und Rats-Apotheke sowie die Universitäts-Bibliothek wurden zerstört und später abgetragen. Das Abbeanum erlitt schwere Schäden und wurde bis 1951 wieder aufgebaut.[10] Völlig zerstört wurden die Universitätsbibliothek und sechs Universitäts-Institute, teilzerstört mehrere Kliniken in der Bachstraße.[11] 709 Menschen verloren ihr Leben, 2000 wurden schwer verletzt.[12]

Beim Beschuss der Stadt durch US-amerikanische Artillerie am 11. April 1945 starben 40 Menschen. Am 13. April 1945 besetzten US-amerikanische Truppen kampflos die Stadt.

Bei Kriegsende waren große Teile der Stadt zerstört. 1424 Wohnungen und 140 Geschäfts- und Warenhäuser waren total vernichtet, 4743 Wohnungen schwer beschädigt. Jena war nach Nordhausen die am meisten zerstörte Stadt in Thüringen.[13]

Am 1. Juli 1945 zogen Einheiten der Roten Armee in die Stadt ein, Jena wurde Teil der Sowjetischen Besatzungszone.

Entwicklung ab 1945[Bearbeiten]

Im Verlauf des einsetzenden Wiederaufbaus nahm am 15. Oktober 1945 die Universität Jena als erste deutsche Universität den Lehrbetrieb wieder auf. 1946 wurden die Unternehmen Zeiss und Schott zu 94 Prozent demontiert und über 300 Spezialisten aus beiden Werken in die UdSSR gebracht, um die Werke dort neu aufzubauen. Der pharmazeutische Großbetrieb Jenapharm wurde 1950 gegründet. Während der DDR-Zeit gehörte die Stadt von 1952 bis 1990 zum Bezirk Gera.

Beim Volksaufstand des 17. Juni 1953 kam es zu Streiks und Protesten von etwa 30.000 Bürgern der Stadt gegen Maßnahmen der DDR-Regierung. Die Demonstranten forderten freie Wahlen, die deutsche Einheit und den Rücktritt der Regierung. Erstürmt wurden die Gebäude der SED-Kreisleitung, das Gefängnis am Steiger (mit Befreiung von 61 Häftlingen), die Häuser der Massenorganisationen und die Kreisdiensstelle des MfS. Um die Proteste niederzuschlagen, trafen sowjetische Panzer in der Stadt ein. Der Ausnahmezustand wurde verhängt und mehrere 100 Menschen verhaftet. Am 18. Juni 1953 wurde im Gebäude der sowjetischen Kommandantur in Weimar der 1927 in Jena geborene Schlosser Alfred Diener hingerichtet. Er hatte mit zwei Delegierten der Kohlearbeiter im Büro des Ersten Sekretärs der SED-Kreisleitung die Forderungen der Demonstranten vorgetragen. Andere Teilnehmer am Volksaufstand erhielten mehrjährige Haftstrafen.[14]

1957 wurde die Großblockbauweise auch in Jena eingeführt. Zwischen 1965 und 1975 entstand das Neubaugebiet Jena-Lobeda-West. Anlässlich der Neugestaltung des Stadtzentrums ab 1968 wurde die historische Innenstadt um den Eichplatz abgerissen und die 1816 gepflanzte Burschenschaftseiche gefällt. Am Rand des frei geräumten Platzes entstand das stadtbildbeherrschende Hochhaus der Universität. Im selben Jahr erfolgte die Gründung des Jenaer Madrigalkreises, Kammerchor der Jenaer Philharmonie. 1969 erhielt das Sinfonieorchester Jena den Namen Jenaer Philharmonie. Zwischen 1971 und 1983 entstand das Neubaugebiet Jena-Lobeda-Ost.

1975 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch Jena zur 14. Großstadt der DDR wurde. Das Wohngebiet am Rähmen wurde 1986 fertiggestellt. Durch mehrere Arbeitsgruppen entwickelte sich die Stadt ab den 1970er Jahren zu einem der Zentren der DDR-Opposition und in den 1980er bildete sich die Gruppe Weißer Kreis, um organisiert zahlreiche Ausreiseanträge zu stellen.

Während der Wende in der DDR fand 1989 auf dem Platz der Kosmonauten bei einem Bürgerforum mit rund 40.000 Teilnehmern die größte Demonstration in der Geschichte Jenas statt. Bis 1991 war Jena Standort der 79. Panzerdivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Nach der Kreisreform zum 1. Juli 1994 wurde der Landkreis Jena dann Teil des Saale-Holzland-Kreises.

Zwischen 1995 und 1997 ereigneten sich in Jena mehrere Straftaten mit rechtsextremistischen Hintergrund. Im November 2011 stellte sich heraus, dass einige Angehörige der Neonaziszene in Jena als Nationalsozialistischer Untergrund terroristisch aktiv waren und deutschlandweit mehrere Morde und Bombenanschläge verübten.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Erlanger Allee in Jena-Neulobeda
Die A4 bei Lobeda-West mit der Saaletalbrücke
Blick vom Tunnelpark auf Neulobeda
Typischer 5-Etagen-Block nach der alten DDR-Bauweise in Lobeda-West

Seit 1909 wurden zahlreiche Gemeinden und Gemarkungen nach Jena eingemeindet. Im Jahr 1900 umfasste das Stadtgebiet eine Fläche von 1.323,2 Hektar und nach den letzten Eingemeindungen von 1994 aufgrund des § 23 des Neugliederungsgesetzes in Thüringen von 11.421,6 Hektar. Alle eingegliederten Orte waren vorher selbständige Gemeinden und hatten (außer Isserstedt) zuvor schon eine oder mehrere Nachbargemeinden aufgenommen (Cospeda die Gemeinden Lützeroda und Closewitz, Drackendorf die Gemeinde Ilmnitz, Krippendorf die Gemeinde Vierzehnheiligen, Kunitz die Gemeinde Laasan, Münchenroda die Gemeinde Remderoda, Maua die Gemeinde Leutra und Jenaprießnitz die Gemeinde Wogau).

Wüstungen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wüstungen um Jena

Neben den heutigen Ortsteilen gab es auf dem heutigen Stadtgebiet Jenas eine Vielzahl von Orten, die nicht mehr existieren, sogenannte Wüstungen. Diese waren Proschitz und Kötschen bei Zwätzen, Krolip, Schondorf und Ziskau bei Closewitz, Rödel und Schichmannsdorf im Mühltal, Krotendorf, Schetzelsdorf, Nollendorf als alte nördliche Vorstadt, Hodelsdorf/auf dem Sande als östliche Vorstadt, Zweifelbach als alte südliche und Leutra als alte westliche Vorstadt, Nobis im Jenaer Forst, Wüstenwinzerla, Dürrengleina auf dem Kospoth, Niederleutra bei Leutra, Hirschdorf, Selzdorf bei Lobeda, Clöchwitz, Büsitz, Schlendorf am Hausberg, Benndorf, Wenigenkunitz bei Kunitz, Gaberwitz sowie Kalthausen bei Kunitz.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

1975 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Jena die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. 1988 erreichte die Bevölkerungszahl mit 108.010 ihren historischen Höchststand. Nach der Wende in der DDR ist die Einwohnerzahl von Jena bis Ende der 1990er-Jahre gesunken und seither – im Gegensatz zu vielen anderen Städten in Ostdeutschland – im Steigen begriffen und wächst jedes Jahr um etwa 1000 Einwohner, auch wegen der Studenten, die ihren Hauptwohnsitz während der Zeit des Studiums in Jena anmelden. Am 31. Dezember 2012 betrug die Amtliche Einwohnerzahl für Jena nach Fortschreibung des Thüringer Landesamtes für Statistik 106.915 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern) und nähert sich somit dem historischen Höchststand von 1988.

Religionen[Bearbeiten]

Die große Mehrheit (79 Prozent[15]) der Jenaer gehört keiner Religionsgemeinschaft an.

Jena ist Sitz einer Superintendentur der evangelisch Landeskirche innerhalb des Aufsichtsbezirks Ost, dessen Kreiskirchenamt sich in Gera befindet. Die bestehenden evangelisch-lutherischen Pfarrämter Jenas gehören alle zur Superintendentur Jena.[16]

Die katholische Pfarrei betreut auch Gläubige außerhalb Jenas und ist mit etwa 6.400 Mitgliedern eine der größten Pfarreien im Bistum Erfurt und eine der größten Diasporagemeinden in Ostdeutschland.(Quelle: Zensus 2011)

Darüber hinaus gibt es auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter die Adventgemeinde (Siebenten-Tags-Adventisten) in Jena-Nord, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), die Gemeinde der Evangelisch-methodistischen Kirche, die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) und die Christliche Gemeinde Lobeda.

Neben den christlichen Kirchen gibt es eine kleine jüdische Gemeinde. Sie hat etwa 150 Mitglieder und ist durch den Zuzug russischer Juden entstanden. Die Gemeinde ist noch nicht als selbstständig anerkannt worden und wird deshalb von der Erfurter Gemeinde betreut. Sie besitzt ein kleines Gemeindezentrum, aber keine Synagoge.

Religionsgeschichte

Vor der Christianisierung der Gegend um Jena lebten hier im 3. bis 6. Jahrhundert die Thüringer, welche aus mehreren Stämmen zu einem Stammesverband verschmolzen sind. Durch die vielfältigen Kontakte mit Rom und dem Ostgotenreich kam es frühzeitig zu Einflüssen des Christentums, zumindest auf die Adelsgeschlechter. Vorrangig wurde dem arianischen Christentum nachgegangen. In einigen Gebieten lassen sich noch ältere Kulte, die aus dem römischen Reich übernommen wurden, nachweisen (Dianakult usw.). Die Thüringer hingen zunächst nordischen Göttern an. Dieser Glaube war bis ins 8. Jahrhundert vorherrschend für das Gebiet, auf dem später Jena entstand. Hinzu kamen im 7. Jahrhundert die slawischen Einwanderer, die ihre Gottheiten mitbrachten und Tempel errichteten. Erst mit der Mission des Bonifatius wurde schließlich das Christentum in der Gegend eingeführt. Erste Pfarreien sind westlich von Jena im Raum Erfurt/Arnstadt im 8. Jahrhundert nachweisbar. Eine Festigung des römisch-katholischen Glaubens fand aber erst im 10. Jahrhundert statt.

Die Bevölkerung des Gebietes um Jena gehörte ursprünglich in das eigens dafür geschaffene Bistum Erfurt. Dieses hatte allerdings nicht lange Bestand und die Gegend kam zum Bistum Mainz. Dass es vorher ältere Kirchenstrukturen in der Gegend gab, zeigte sich darin, dass die alten Urpfarreien über die neu geschaffenen Bistumsgrenzen hinaus weiterhin eine Reihe von Pfarrrechten unterhielten (zum Beispiel Lobeda, Wenigenjena). Die Stadt war direkt dem Dekanat Oberweimar innerhalb des Archidiakonats Beatae Mariae virginis in Erfurt zugeordnet. Das ab 1909 eingemeindete Gebiet rechts der Saale gehörte zum Bistum Naumburg, obwohl im Mittelalter Jena auch die Pfarrrechte in Wenigenjena und Camsdorf besaß. 1252 wird erstmals ein Geistlicher in Jena erwähnt. 1523 wurde die erste reformatorische Predigt in Jena gehalten. Es kam zu schweren Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Richtungen der reformatorischen Bewegung (Lutheraner, Flacianer usw.). Die Reformation fasste schnell Fuß und Jena wurde zu einem Zentrum des Luthertums als neuer Glaubensrichtung.

Über lange Zeit war Jena eine überwiegend protestantische Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis; Martin Luther weilte mehrmals persönlich in Jena. Anstelle des Papstes hatte der Landesherr die Führung der sogenannten Evangelisch-Lutherischen Landeskirche übernommen. Damit teilte die Kirche die Geschicke der jeweiligen Landesherren. Die Evangelisch-Lutherische Kirche des Großherzogtums Sachsen, zu dem Jena seit dem 18. Jahrhundert gehörte (damals noch Herzogtum Sachsen-Weimar), schloss sich nach 1920 mit den anderen Landeskirchen Thüringens zur Thüringer Evangelischen Kirche zusammen. 1948 benannte sie sich in Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen um.

Katholische Pfarrkirche St. Johann Baptist

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert zogen auch wieder Bürger mit katholischem Bekenntnis in die Stadt. Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist ist die älteste Kirche in Jena. Ihre Ursprünge reichen in das 10. Jh. Bis zur Reformation war sie die Pfarrkirche der Stadt, später nur noch Friedhofskapelle und oft dem Verfall preisgegeben.

Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt schenkte Napoleon die Kirchenruine der kleinen katholischen Gemeinde, die sich um einen französischen Emigranten, den Priester Gabriel Henry, gesammelt hatte.

1813 wurde die Pfarrei wieder aufgelöst und die Seelsorge ab 1817 mit der Pfarrei Weimar verbunden. Die Wiedererrichtung der Pfarrei erfolgte im Jahre 1905. Grundlegende Um- und Ausbauten aus dieser Zeit zeugen von den Erfordernissen lebendigen Gemeindelebens.[17]

Die katholische Pfarrgemeinde Jena gehört zum Bistum Erfurt und umfasst die Stadt Jena und alle umliegenden Orte bis nach Dornburg im Norden, Bürgel im Osten, Rothenstein im Süden und Großschwabhausen im Westen. Erst 1905 wurde eine kanonische Pfarrei errichtet. Die Kirchenruine wurde zur heutigen Pfarrkirche ausgebaut, wobei damals ein Längsschiff in Richtung Westen gebaut und der Altar in eine neue Apsis im Westen verlegt wurde. Durch Vertreibung und Verfolgung waren nach dem Zweiten Weltkrieg mehr als 14.000 Katholiken in Jena. Die Pfarrkirche hatte zum damaligen Zeitpunkt eine so geringe Kapazität, dass trotz acht Sonntagsgottesdiensten und Außenstellen in den umliegenden Dörfern nicht alle Gottesdienstbesucher Platz fanden. Darum baute man 1957–1959 den Altar wieder aus der Apsis im Westen aus und stellte ihn in den damaligen Eingangsbereich im Osten. Dafür zog man in der ehemaligen Apsis eine Empore ein. Die Apsis ist an ihren Chorfenstern zu erkennen. Ab 1821 gehörte die Pfarrgemeinde zum Gebiet des Erzbistum Paderborn.

Mit dem Preußischen Konkordat von 1929 kam die Gemeinde in Jena zum Bistum Fulda. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde in Jena durch einen Generalvikar mit Sitz in Erfurt verwaltet. Mit der 1973 erfolgten Einrichtung des Bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen und der Erhebung zum Bistum Erfurt 1994 wurde der Erfurter Bischof für Jena zuständig. Die Pfarrgemeinde in Jena gehört zum Dekanat Weimar innerhalb des Bistums Erfurt. Da einige später eingemeindete östliche Ortsteile zum Gebiet des Bistums Dresden-Meißen gehören, ist der Pfarrer der Jenaer Gemeinde zusätzlich Kaplan der benachbarten Stadtrodaer Gemeinde, um auch offiziell die Katholiken seelsorgerisch betreuen zu können, die hinter der Bistumsgrenze leben.

Politik[Bearbeiten]

Die Verwaltung der Stadt Jena oblag zunächst den Beamten der Lobdeburgischen Herrschaft. Doch stand bald auch ein Rat an der Spitze der Stadt, der ab 1317 von zwei Ratsmeistern geleitet wurde. Seit dem 14. Jahrhundert war der Rat dreigeteilt. 1540 führte der Kurfürst von Sachsen eine neue Städteordnung ein. Es gab mehrere Bürgermeister, doch ab 1604 nur noch einen Bürgermeister an der Spitze der Stadt. Seit 1892 trägt das Stadtoberhaupt den Titel Oberbürgermeister. Der Rat wurde von der Bevölkerung gewählt. Ab 1933 wurde der Oberbürgermeister von der Partei eingesetzt. In der DDR wurde die Stadtverordnetenversammlung über die Einheitsliste der Nationalen Front „gewählt“, die wiederum den Rat der Stadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze bestimmte. Nach der friedlichen Revolution in der DDR wurde am 6. Mai 1990 die Stadtverordnetenversammlung erstmals wieder frei gewählt. Bei der Wahl des Oberbürgermeisters in der Stadtverordnetenversammlung setzte sich 1990 Peter Röhlinger (FDP) durch. Mit dem Inkrafttreten der Thüringer Kommunalordnung 1994 ist an die Stelle der Stadtverordnetenversammlung der Stadtrat getreten. Vorsitzender dieses Gremiums ist der Stadtratsvorsitzende. Gleichfalls seit 1994 wird der Oberbürgermeister direkt vom Volk gewählt. Dem Oberbürgermeister, derzeit Albrecht Schröter (SPD), stehen drei vom Stadtrat gewählte Dezernenten zur Seite, wovon einer als Bürgermeister auch der Stellvertreter des Oberbürgermeister ist. Derzeit amtieren Frank Schenker (CDU, Familie und Soziales, zugleich Bürgermeister) und Frank Jauch (SPD, Finanzen, Sicherheit und Bürgerservice). Das Dezernat für Stadtentwicklung wird seit 2013 von Dennis Peisker (Bündnis90/Die Grünen) geleitet.

Der kommunale Schuldenstand ist rückläufig und betrug Ende 2012 etwa 69,9 Millionen Euro.[18]

Stadtrat[Bearbeiten]

Parteien und Wählergemeinschaften %
1999
Sitze
1999
%
2004
Sitze
2004
%
2009
Sitze
2009
%
2014
Sitze
2014
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 23,1 10 19,0 9 25,2 11 20,8 10
Die Linke Die Linke 21,4 9 24,2 11 20,2 9 24,0 11
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 24,7 10 22,9 10 19,0 9 22,2 10
FDP Freie Demokratische Partei 13,4 6 9,1 4 11,0 5 4,8 2*
BfJ Bürger für Jena 9,6 4 12,5 6 10,2 5 10,4 5
Bündnis 90/Die Grünen Bündnis 90/Die Grünen 7,9 3 12,2 6 10,1 5 11,4 5
Freie Wähler Thüringen e. V. Freie Wähler Thüringen e. V. 2,4 1*
Partei Die Guten Die Guten 1,8 1* 1,8 1*
Piraten Piratenpartei Deutschland 4,8 2*
Fraktionslos Fraktionslos 1*
Gesamt 100 46 100 46 100 46 100 46
Wahlbeteiligung in % 53,0 43,8 54,5 51,5
* Fraktionsstatus erst ab 2 Mitgliedern bzw. seit November 2013 ab 3 Mitgliedern
Vorsitzende des Stadtrats
  • 1990–1994: Rainer Oloff (CDU, damals noch Stadtverordnetenversammlung)
  • 1999–2004: Gustav-Adolf Biewald (CDU)
  • 2004–2009: Gudrun Lukin (PDS)
  • 2009–2014: Sabine Hemberger (SPD)
  • seit 2014: Jens Thomas (Die Linke)

Erstmals seit der Wende musste am 6. November 2013 eine Stadtratssitzung wegen massiver Proteste anwesender Einwohner abgebrochen werden. Grund war der geplante Neubau eines Campus auf dem Inselplatz und der damit einhergehende Abriss des soziokulturellen Projekts Inselplatz 9a.[19][20]

Oberbürgermeister[Bearbeiten]

Oberbürgermeister der Stadt Jena Albrecht Schröter
Ergebnisse der Wahlen zum Oberbürgermeister der Stadt Jena seit 2000
Name Partei Stimmen
1. Wahlgang
Prozentanteil
1. Wahlgang
Stimmen
Stichwahl
Prozentanteil
Stichwahl
Oberbürgermeisterwahl 2000 am 14. und 28. Mai 2000
Wahlbeteiligung 40,88 % 32,78 %
Peter Röhlinger FDP 11.580 36,40 % 13.476 52,78 %
Albrecht Schröter SPD 8.596 27,02 % 12.053 47,22 %
Johanna Hübscher CDU 5.323 16,73 %
Sabine Hoffmann PDS 4.676 14,70 %
Gerhard Feuerstein BfJ 1.637 5,15 %
Oberbürgermeisterwahl 2006 am 7. und 21. Mai 2006
Wahlbeteiligung 42,47 % 32,14 %
Albrecht Schröter SPD 9.481 26,52 % 14.580 54,42 %
Christoph Schwind CDU 11.119 31,10 % 12.210 45,58 %
Gudrun Lukin Die Linke 8.927 24,97 %
Marco Schrul Grüne 2.163 6,05 %
Heike Seise Einzelbewerberin 1.854 5,19 %
Jürgen Haschke BfJ 1.722 4,82 %
Milutin Michael Nickl Graue 489 1,37 %
Oberbürgermeisterwahl 2012 am 22. April und 6. Mai 2012[21][22]
Wahlbeteiligung 46,05 % 33,55 %
Albrecht Schröter SPD 19.083 48,84 % 20.563 72,89 %
Dietmar Schuchardt CDU 7.000 17,92 % 7.647 27,11 %
Gudrun Lukin Die Linke 5.560 14,23 %
Andreas Mehlich Einzelbewerber 3.522 9,01 %
Denis Peisker Grüne 1.775 4,54 %
Heike Seise AfB 1.188 3,04 %
Thomas Nitzsche FDP 945 2,42 %
Oberbürgermeister seit 1922

Wappen, Flagge und Dienstsiegel[Bearbeiten]

Dienstsiegel mit dem Stadtwappen

Das Wappen der Stadt Jena zeigt in Silber einen silber-blau gekleideten Engel mit langen goldenen Haaren sowie goldenem Nimbus, Harnisch, Helm und Flügel; mit der Rechten einem grünen Drachen eine Lanze in den Rachen stoßend, in der Linken einen goldenen Schild mit aufgerichtetem schwarzen Löwen haltend; der linke Fuß steht auf dem Drachen. Unter dem Drachen ein kleiner silberner Schild mit blauer Weintraube. Die Stadtflagge ist längsgestreift in den Farben Blau-Gelb-Weiß, belegt mit dem Stadtwappen.

Die Wappenfigur stellt den Erzengel Michael dar. Die Weintraube symbolisiert den einst blühenden Weinbau in Jena. Der Löwe wurde als Wappenfigur der Herren von Meißen aufgenommen, als die Stadt an die Landgrafen von Thüringen überging. Die Wappenfiguren wurden aus dem historischen Siegel der Stadt übernommen, das schon sehr alt ist. In seiner heutigen Form wurde das Wappen zuletzt durch die Hauptsatzung der Stadt im Jahr 1999 festgelegt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Zudem ist Jena Gründungsmitglied des Bundes der europäischen Napoleonstädte (seit 2004).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Theaterhaus Jena

In Zusammenarbeit mit dem Theaterhaus Jena verleiht die Stadt alle drei Jahre den Jakob-Michael-Reinhold-Lenz-Preis für Dramatik im Rahmen eines Wettbewerbs für junge Dramatiker.

Es existieren in der Stadt mehrere freie, größtenteils studentische Theatergruppen, die regelmäßig verschiedene kleine Bühnen der Stadt bespielen.

Philharmonie[Bearbeiten]

Die Jenaer Philharmonie wurde 1934 als Konzertorchester gegründet und 1969 auf ihre heutige Größe erweitert. Zu ihr gehören auch drei Chöre: Philharmonischer Chor (gegründet 1970), Knabenchor (1976) und Madrigalkreis (1968).

Museen[Bearbeiten]

Das Stadtmuseum Göhre, das ein Museum zur Geschichte von Jena beheimatet, und das Romantikerhaus, ehemaliges Wohnhaus von Johann Gottlieb Fichte, das literarische Ausstellungen zeigt, sind beides städtische Institutionen.

Im Optischen Museum wird eine Ausstellung über Geschichte und Funktionsweise optischer Geräte wie Brillen oder Mikroskope gezeigt. Das Schott GlasMuseum bietet Einblicke in die Produktion und Verwendung von Glas sowie über den familiären Hintergrund von Otto Schott, dem Begründer des Jenaer Glaswerks und Erfinder des feuerfesten Glases.

Biologische Ausstellungen befinden sich im Phyletischen Museum, der Mineralogischen Sammlung und im Botanischen Garten, die zur Universität gehören. Weiterhin existiert eine Goethe-Gedenkstätte im Botanischen Garten, Schillers Gartenhaus sowie das Ernst-Haeckel-Haus im ehemaligen Wohnhaus des Zoologen. In der Gemeinde Cospeda befindet sich eine Gedenkstätte zur Schlacht bei Jena und Auerstedt (Museum 1806). Die Imaginata im Alten E-Werk ist eine Ausstellung zum Greifen und Begreifen physikalischer Phänomene für Kinder und Jugendliche.

Wanderausstellungen werden im Stadtmuseum Göhre, in der Schott-Villa, im Phyletischen Museum und in der Mineralogischen Sammlung gezeigt. Weitere Galerien sind der Kunsthof Jena und die Galerie pack of patches.

Alle drei Jahre richtet das Romantikerhaus – Museum für Literaturgeschichte der Stadt Jena den Literaturwettbewerb zur Vergabe des Caroline-Schlegel-Preises aus.

Denkmäler[Bearbeiten]

Napoleonstein auf dem ehemaligen Panzerplatz

Der sogenannte Hanfried (Johann Friedrich der Großmüthige) auf dem Markt erinnert an Johann Friedrich I. von Sachsen, den Gründer der Universität.

Das Burschenschaftsdenkmal (1883), welches ursprünglich auf dem Eichplatz und später vor dem Hauptgebäude stand, befindet sich inzwischen infolge eines Farbanschlags durch bislang unbekannte Täter im Depot der Universität. Das Schillerdenkmal steht ebenfalls vor dem Hauptgebäude der Uni.

Zwischen Kunitz und Wenigenjena (bei Schloss Thalstein) wurde das Erlkönigdenkmal für die Ballade Erlkönig (Johann Wolfgang von Goethe) errichtet.

Auf einem der ehemaligen Schlachtfelder der Schlacht bei Jena und Auerstedt zwischen Cospeda und Jena steht der Napoleonstein.

Außerdem gibt es in Jena mehrere Holocaustdenkmäler. An der B 7 sind mehrere Gedenktafeln für die Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald angebracht, deren Todesmarsch am Ende des Zweiten Weltkrieges dort vorbeiführte. Am Westbahnhof hängt eine Gedenktafel an die Juden, Sinti und Roma, da von dort aus die Züge in die Konzentrationslager ausgingen. Ein Steindenkmal an der B 7 zwischen Johanniskirche und Friedenskirche trägt den Spruch „Unseren Toten zum Gedenken, ihren Mördern zur Schande, den Lebenden zur Mahnung“.

Kriegerdenkmäler befinden sich im Nordfriedhof, auf dem Friedensberg und auf dem Landgrafenberg (Blinkerdenkmal).

Das Denkmal auf dem Friedensberg (bis 1949 Hainberg) wurde 1929 „Unseren Gefallenen 1914/18“ (jetzige Widmung) errichtet. Es erinnert an die 1.459 Jenaer Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Es wurde durch den Architekten Emil Högg entworfen. Ein Mauerring von 30 m Durchmesser umschließt einen Ehrenhain mit altarähnlichem Steinblock, der die Namen der Toten enthält.

Einer der vielen Bismarcktürme in Deutschland befindet sich in Jena auf dem Malakoff, einem Teil des Tatzend. Allerdings handelt es sich nicht um einen Malakoff-Turm. Zu DDR-Zeiten wurde er als Turm der Jugend bezeichnet.

Bemerkenswertes[Bearbeiten]

Zur Erinnerung an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden Jenas wurden am 23. Mai 2007 die ersten acht der sogenannten Stolpersteine in einer öffentlichen Aktion des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt. Acht weitere Stolpersteine wurden am 7. Mai 2008 gesetzt. Bis 2011 wurden insgesamt 28 Stolpersteine in Jena gesetzt.

Weiterhin sind an etlichen Jenaer Häusern Tafeln angebracht, auf denen die Lebensdaten bekannter Persönlichkeiten benannt sind, die in diesen Häusern wohnten oder mit denen sie eine bedeutende Verbindung hatten. Auch lediglich lokaler Berühmtheiten wie Friedrich Wilhelm Demelius[24] wird auf diese Weise gedacht.

Sieben Wunder von Jena[Bearbeiten]

In Jena gab es die sogenannten Sieben Wunder, mit denen die Stadt schon im 17. Jahrhundert über ihre Grenzen hinweg warb und von denen vier noch völlig erhalten sind. Der lateinische Merkspruch, den damals ein Student der Jenaer Universität auswendig kennen sollte, lautet: „Ara, caput, draco, mons, pons, vulpecula turris, Weigeliana domus, septem miracula Jenae“. Zu den Wundern gehören:

  • der Altar (ara) der Stadtkirche St. Michael, speziell die Durchfahrt unter diesem;
  • der Kopf (caput) des Schnapphans an der Kunstuhr des Rathauses;
  • der Drache (draco), ein bizarres, mehrköpfiges Fabelwesen aus Knochen, Draht und Pappmaché, das womöglich um 1600 für einen Studentenstreich gebaut worden ist;
  • der Jenzig, ein Berg (mons), dessen weißer Kalkrücken in der Morgen- und Abendsonne rot leuchtet;
  • die alte Camsdorfer Brücke (pons), deren Nachfolgerin heute noch am alten Orte steht;
  • der Fuchsturm (vulpecula turris), Bergfried der ehemaligen Burg Kirchberg auf dem Hausberg;
  • das Weigelsche Haus (Weigeliana domus), ein Haus mit Aufzug und Dachobservatorium aus dem 17. Jahrhundert.

Die Nachbildung des Wunders „draco“ kann im Stadtmuseum besichtigt werden, die Weigeliana domus existiert nicht mehr.

Archive[Bearbeiten]

  • Stadtarchiv
  • Unternehmensarchiv SCHOTT JENAer GLAS GmbH
  • Unternehmensarchiv Carl Zeiss Jena GmbH
  • Archiv der Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Archiv des Ernst Haeckel Hauses Jena (EHH)
  • Thüringer Archiv für Zeitgeschichte Matthias Domaschk

Bauwerke[Bearbeiten]

Das höchste Bürogebäude Ostdeutschlands - der fast 160m hohe Jentower
Blick vom Jentower auf das B-59, rechts sieht man die Kraut- und die Wagnergasse
Am Eichplatz. Auf dem Bild sieht man die "Neue Mitte", dahinter den "Bau59"
Einkaufszentrum Goethe Galerie
Der Holzmarkt in der Jenaer Innenstadt
Stadtmauer zwischen Johannisturm und Pulverturm in Jena.
Der Marktplatz in Jena mit dem Hanfried-Denkmal
Dobermannsches Wohnhaus von 1593

Große Teile des historischen Stadtzentrums wurden am Ende des Zweiten Weltkrieges, von Februar bis April 1945, durch amerikanische Luftangriffe zerstört oder fielen den sozialistischen Umbauplänen zum Opfer, so dass – insbesondere um den neuen Eichplatz – wenig historische Gebäude im Stadtzentrum zu finden sind. Derzeit läuft die Planung für die Bebauung des Eichplatzes, einem Vorhaben, das in der Bevölkerung umstritten ist. Das Zentrum wurde bereits in den letzten Jahrzehnten mit teilweise größeren Gebäudekomplexen ergänzt. Die Architektur im Stadtzentrum entstand somit in verschiedenen Bauzeiten- und Stilen und ist gegenüber anderen Städten in Thüringen modern sowie teilweise auch industriell geprägt.

Das markanteste Gebäude in Jena und Wahrzeichen ist der Jentower (im Volksmund Uniturm oder Keksrolle), das zweithöchste Bürogebäude in den neuen Bundesländern. Dieses wurde von 1969 bis 1972 von Hermann Henselmann, einem der bekanntesten Architekten der DDR, geplant. Das Hochhaus sollte Zeiss-Forschungszentrum werden, erwies sich jedoch dafür als ungeeignet und wurde durch die Universität genutzt. Das Hochhaus sollte ein Fernrohr symbolisieren. Um die Jahrtausendwende wurde das Gebäude saniert, die ursprüngliche Gliederung der Fassaden ging bei dieser „Veredelung“ verloren.

Daneben gibt es noch den alten, nicht mehr in Betrieb befindlichen Fernsehturm auf dem Landgrafen und die Turmüberreste der alten Stadtmauer. Dazu gehören der 1995 bei Sanierungsarbeiten eingestürzte (aber inzwischen wieder aufgebaute) Rote Turm am südöstlichen Ende, der Anatomieturm, in dem Johann Wolfgang von Goethe mit Justus Christian Loder den Zwischenkieferknochen entdeckte, am südwestlichen Ende und das Johannistor am westlichen Ende des historischen Stadtkerns. Vom Johannistor verläuft ein kurzes Mauerstück, auf dem das so genannte Haus auf der Mauer steht, bis zum ehemaligen Pulverturm im Nordwesten des Stadtkerns.

Innerhalb des Stadtkerns steht das Collegium Jenense, eines der ältesten Universitätsgebäude und Gründungsort der Universität, es wurde in einem ehemaligen Kloster eingerichtet. Am historischen Marktplatz befindet sich neben dem historischen gotischen Rathaus (1377–1413) mit dem Schnapphans auch die Göhre, in der sich das Stadtmuseum befindet. Auf dem Marktplatz steht ein Denkmal Johann Friedrichs I. des Großmütigen, des Begründers der Jenaer Universität. In Jena wird er auch Hanfried genannt. Den Nordosten des alten Stadtzentrums schließt das 1905–1908 erbaute Universitätshauptgebäude ab. An seiner Stelle stand vorher das alte Jenaer Stadtschloss. An das Schloss erinnert nur noch der alte Schlossbrunnen im Innenhof.

Im Norden des Stadtzentrums befindet sich die im Jahr 2001 wiedererbaute Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek (kurz ThULB). Das Gebäude enthält fast alle Bibliotheken der Friedrich-Schiller-Universität sowie eine große Restaurierungs- und Digitalisierungswerkstatt. Westlich der ThULB benachbart, nördlich des Stadtzentrums, befindet sich der Botanische Garten und gleich nördlich davon das am 18. Juli 1926 eröffnete Zeiss-Planetarium der Jenaer Architekten Schreiter und Schlag, das älteste erhaltene Planetariumsgebäude der Welt. Nordwestlich des Planetariums befindet sich das Griesbachsche Gartenhaus, auch Prinzessinnenschlösschen genannt, mit einer großen Gartenanlage, an die sich die von Ernst Neufert errichtete Mensa Philosophenweg anschließt.

Im Westen des Stadtzentrums steht am Ernst-Abbe-Platz mit dem Bau 15 das erste deutsche Hochhaus. Daneben befindet sich auf einem ehemaligen Fabrikgelände des Carl-Zeiss-Kombinates das Einkaufszentrum Goethe Galerie und der Bau 36. Der Bau 59 war das ehemalige Forschungshochhaus des VEB Carl Zeiss Jena. Ebenso sind im Westen der Stadt Zeitzeugnisse des Bauhauses zu bewundern, zwei Wohnhäuser des Architekten Walter Gropius, das Haus Zuckerkandl (1927–1929) und das Haus Auerbach (1924). Beider Häuser wurden nach 1990 denkmalgerecht saniert und sind in Privatbesitz. Besonders bemerkenswert ist die einzige original erhaltene Bauhaus-Küche im Haus Zuckerkandl.

Zwischen Goethe-Galerie, dem Volkshaus und dem alten Klinikgelände Bachstraße wurde ein Denkmal für Ernst Abbe in Form eines Tempels mit einer Dachkonstruktion im Jugendstil errichtet. Architekt des Denkmals war Henry van de Velde. Das Volkshaus enthält Säle für diverse Veranstaltungen, die Probenräume der Jenaer Philharmonie und einen Großteil der Jenaer Stadtbibliothek, die Ernst-Abbe-Bibliothek.

Südwestlich des Stadtzentrums befindet sich das Schillerhaus mit Garten und Theater, von dem nur noch der Bühnenraum steht. Im Schillergässchen befindet sich die Volkssternwarte Urania Jena. Hier werden regelmäßig öffentliche Himmelsbeobachtungen und astronomische Vorträge angeboten. Südlich des Marktes befindet sich ein historischen Kino (seit 2009 nicht mehr in Betrieb) der Jenaer Architekten Schreiter und Schlag. Es wurde im Baustil der 1920er Jahre, beginnende Moderne, errichtet.

Östlich des Stadtkerns befindet sich die Saale mit der Camsdorfer Brücke und das Gasthaus Grüne Tanne (im Besitz einer Burschenschaft), dem Gründungsort der Jenaischen Burschenschaft, die als Urburschenschaft bezeichnet wird. Die schwarz-rot-goldene Fahne, die heute als Deutschlandflagge Anwendung findet, hat hier ihren Ursprung.

Brücken[Bearbeiten]

Mehrere Brücken überqueren im Stadtgebiet die Saale. Die alte Camsdorfer Brücke, welche zu den sieben Stadtwundern gehörte, wurde ab Juli 1912 abgetragen und bis November 1913 durch eine breitere ersetzt, um dem stärker werdenden Verkehr gerecht zu werden. Sie wurde – wie alle anderen Jenaer Brücken – am Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Wehrmacht gesprengt und 1946 mit Hilfe der sowjetischen Armee wieder aufgebaut. Sie war lange Zeit der einzige im Schwerlastverkehr befahrbare Saale-Übergang im Jenaer Stadtgebiet und musste auf Grund schwerwiegender Schäden im Jahr 2005 saniert werden.

Weitere Brücken wurden erst im ausgehenden 19. Jahrhundert erbaut. Die Schützenbrücke (seit 1882) und der Wiesensteg hatten vor allem Bedeutung für den Fußgängerverkehr, insbesondere wegen der regen Bautätigkeit in Obercamsdorf und Wenigenjena. 1927/1928 wurde die Schützenbrücke durch die einige Meter stromaufwärts neu erbaute Paradiesbrücke und der Wiesensteg durch die stromaufwärts gelegene Griesbrücke ersetzt. Zwischen dem Südviertel und der Oberaue befindet sich eine Fußgängerbrücke. Nach Eingemeindung umliegender Dörfer kamen die Brücken zwischen Zwätzen und Kunitz, die Burgauer Brücke und die Mauaer Brücke dazu. In den 1980er Jahren wurde zwischen Neu-Lobeda-West und Göschwitz eine weitere Brücke errichtet. Erst in den 1990er Jahren wurde die Umgehung von Wenigenjena fertiggestellt, die den Jenzigweg im Ostteil von Wenigenjena (häufig Jena-Ost genannt) durch die Wiesenbrücke mit der Löbstedter Straße in Jena-Nord und mit der Innenstadt verbindet.

Die Brücke in Burgau wurde nach ihrem Wiederaufbau für Kraftfahrzeuge gesperrt und entspricht in ihrer Erscheinung dem mittelalterlichen Vorbild. Der Autoverkehr wird über eine Neubaubrücke aus den 1980er Jahren geleitet. Für die Straßenbahn wurde in der Oberaue eine separate Brücke errichtet. Nur in Burgau und mit der Paradiesbrücke wurden vorhandene Brücken aus den 1940er Jahren genutzt.

Wie die Brücke in Burgau wurde auch die Kunitzer Hausbrücke, die Zwätzen und Kunitz verbindet, 1945 gesprengt. Letztere wurde aber im Jahr 2012 wieder aufgebaut und dient jetzt als Fußgängerbrücke über die Saale.

Burgen und Befestigungsanlagen[Bearbeiten]

Lobdeburg bei Jena-Lobeda
Die nächtliche Lobdeburg bei Jena-Lobeda

Von den ehemaligen Burgen von Jena sind nur Ruinen oder kleine Teile vorhanden. Die südlichste Burg ist die obere Lobdeburg. Die untere Lobdeburg ist nicht mehr existent. Sie lag höchstwahrscheinlich am Ende des Marktes. Das weitläufig als untere Lobdeburg bezeichnete Gebäude am Nordostrand der Altstadt ist ein Neubau des 20. Jahrhunderts. Eine weitere Burg der Lobdeburger befand sich in der Ortslage Burgau, eventuell parallel zu einer Befestigungsanlage der Wettiner, die frühzeitig ein Amt danach benannten. Auf dem Johannisberg (zwischen Lobeda und Wöllnitz) befinden sich mehrere Befestigungsanlagen aus der späten Bronzezeit und dem frühen Mittelalter (9./10. Jahrhundert). Östlich des Stadtkerns von Jena befinden sich vier ehemalige Befestigungsanlagen. Der Fuchsturm ist der Rest der Burganlage Kirchberg aus dem 12. Jahrhundert. Von Westen nach Osten erstrecken sich die Reste der Burgen Greifberg, Königspfalz Kirchberg (10. Jahrhundert), Kirchberg (12. Jahrhundert) und Windberg. Weiter nördlich auf dem Jenzig befindet sich eine prähistorische Wallanlage. Im Norden findet man die Ruine Kunitzburg, eigentlich Burg Gleisberg, ein ehemaliger Sitz von Reichsministerialen. Mit Sicherheit gab es innerhalb der eingemeindeten Dörfer eine Reihe von befestigten Adelssitzen, wie beispielsweise in Drackendorf, in Kunitz, in Isserstedt und in Lichtenhain.

In Jena selbst befand sich auf dem Gelände des heutigen Hauptgebäudes der Friedrich-Schiller-Universität das Stadtschloss, 1670 bis 1692 Regierungssitz des Herzogtums Sachsen-Jena. Es musste dem Universitätsneubau weichen, der 1908 anlässlich des 350-jährigen Universitätsjubiläums eingeweiht wurde.

Kirchen[Bearbeiten]

Evangelische Stadtkirche St. Michael im Stadtzentrum

Zum Kirchenkreis Jena gehören viele bedeutende Kirchen.[16] Im Stadtzentrum befindet sich die spätgotische dreischiffige Stadtkirche St. Michael, die evangelische Parochialkirche (Hauptkirche) Jenas. Ihr Vorgängerbau, eine vermutlich im 12. Jahrhundert entstandene altromanische Pfarrkirche, erfuhr mehrere Umbauten, vor allem bei der Errichtung des Zisterziensernonnenklosters 1301, das nicht mehr besteht. Das Langhaus der heutigen Kirche wurde 1380–1506 errichtet, der Turm 1486–1557. Sie gilt als größte Hallenkirche Ostthüringens. Martin Luther hatte hier mehrmals gepredigt. Seine bronzene Grabplatte (aber nicht sein Grab) befindet sich seit 1571 hier. Erwähnenswert ist die restaurierte Renaissance-Einzeigeruhr der Kirche. Der Kirchenradweg Jena – Thalbürgel verbindet die Stadtkirche St. Michael mit der Klosterkirche Thalbürgel und führt an weiteren vier Kirchen des Kirchenkreises Jena vorbei.

Teile der römisch-katholischen Kirche St. Johannes Baptist in der Wagnergasse im Stadtzentrum bestehen bereits seit dem 9. Jahrhundert. Daher gilt die Kirche als eine der ältesten Jenas. Nahe der katholischen Kirche steht die ehemalige Garnisonskirche, jetzt Friedenskirche, eigentlich Johann-Georgs-Kirche. Nachdem Jena 1672 Hauptstadt des Herzogtums Sachsen-Jena geworden war, erbaute man 1686–1693 auf Anraten Johann-Georgs II., Herzog von Sachsen-Eisenach, die Kirche auf dem Gelände des alten Johannisfriedhofs, weil die alte Friedhofskapelle in einem sehr schlechten Zustand war und eine Renovierung höhere Kosten als ein Neubau verursacht hätte und benannte sie nach ihm. Im Jahr 1743 wurde sie von Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar der Jenaer Garnisonsgemeinde zugewiesen, deshalb der Name Garnisonskirche. Im Frühjahr 1938 wurden dort Thüringer evangelische Pfarrer auf Adolf Hitler vereidigt.[25] Im Jahr 1946 wurde sie in Friedenskirche umbenannt.

Eine wichtige Rolle in der Stadtgeschichte spielten weitere Kirchen wie die Kollegienkirche als Universitätskirche des Collegium Jenense, entstanden aus dem ehemaligen Dominikanerkloster am Südwestende der Altstadt. Unweit davon befand sich am Engelplatz das Karmeliterkloster. Für die Reisenden und Kranken war vor allem die Kirche St. Nicolaus, die vor der Stadt im Bereich des heutigen Spittelplatzes stand, ein Ort des Gebetes.

Einer der Vorgängerbauten der Schillerkirche „Unserer lieben Frau“ war nach Meinung einiger Forscher die Kirche des alten Jani, die 937 im Zusammenhang mit der Burg Kirchberg erwähnt wurde. Die ersten Teile wurden im 14./15. Jahrhundert errichtet. Der Bau des Langhauses wurde erst 1557 „provisorisch“ beendet. Hier wurden am 22. Februar 1790 Friedrich Schiller und Charlotte von Lengefeld getraut.

Die Kirche St. Peter im Stadtteil Lobeda ist wahrscheinlich die älteste Kirche in Jena, da es sich hier um eine sogenannte Urpfarrei handelt, die bis zur Reformation Zentrum des Dekanats Lobeda innerhalb des Bistums Naumburg war. Die Dorfkirche St. Marien in Zwätzen war ehemals der Sitz der Deutschordensballei Thüringen. In der Auferstehungskirche in Drackendorf befindet sich die Grabstätte der Familie von Ziegesar, die enge Freunde von Goethe waren. Hier predigte auch der „Vogelpastor“ Christian Ludwig Brehm. Nach neuesten Forschungen entstand aus dem im 9. Jahrhundert erwähnten Liuthraha der Ort Leutra mit der ehemaligen Wehrkirche St. Nikolaus im Leutratal.

Friedhöfe[Bearbeiten]

Den ältesten Friedhof in Jena, der bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht, hat man im Bereich der Kirche Unserer lieben Frauen in Wenigenjena entdeckt. Der Stadtarchäologe Matthias Rupp nimmt deshalb an, dass in Wenigenjena der Ursprung und das erste Siedlungsgebiet Jenas liegt.

Der größte Friedhof ist der Nordfriedhof; der zweitgrößte der 1912 eingeweihte Ostfriedhof. Daneben gibt es noch den historisch bedeutsamen Johannisfriedhof, der wahrscheinlich im Zuge der planmäßigen Stadtanlage Jenas außerhalb der Stadtmauern errichtet und seit dem Mittelalter genutzt wurde. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde er zu klein für die expandierende Stadt, so wurde der Nordfriedhof angelegt. Der Johannisfriedhof wird seit 1978 nur noch als Park genutzt. Auf seinem Gelände befindet sich die Friedenskirche und auch das Grab von Carl Zeiß. Der Johannisfriedhof erstreckte sich früher bis zur katholischen Kirche, jedoch wurde er durch den Bau der heutigen Bundesstraße 7 nach Weimar stark verkleinert.

Die eingemeindeten Dörfer besitzen ebenfalls eigene Friedhöfe.

Die Grablegen der Pastoren und vornehmen Herren der Stadt befinden sich in St. Michael, in der Kollegienkirche, im Karmeliterkloster, im Hospital und in St. Nicolaus.

Sonstige Bauwerke[Bearbeiten]

Fernmeldeturm bei Cospoth/Oßmaritz
Lobdepark in Lobeda-Ost an einem kalten Januartag

Auf dem Berg Cospoth befindet sich an der Gemarkungsgrenze zu Bucha seit 1992 bei 50°52'49" nördlicher Breite und 11°33'57" östlicher Länge ein 91 Meter hoher Fernmeldeturm des Unternehmens Deutsche Funkturm, Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom AG. Der Turm dient neben dem Richtfunk zur Verbreitung der folgenden Hörfunkprogramme:

Sendername Frequenz
(in MHz)
Leistung
(in kW)
Antenne Thüringen 90,9 1
DLF 104,5 0,32
Landeswelle Thüringen 106,1 1
MDR Thüringen 88,2 1
MDR Figaro 96,4 1
MDR Info 89,5 0,2
MDR JUMP 101,9 1
Radio OKJ 103,4 0,32
Radio Top 40 94,8 0,32

Parks[Bearbeiten]

Blick in den Botanischen Garten, im Hintergrund der JenTower
Paradiespark in der Nähe des Paradiesbahnhofs
Schillers Gartenhaus mit dem davorliegenden Garten von der Gartenzinne aus gesehen
Märchenbrunnen im Paradiespark

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • März/April: Schwarzbiernacht
  • April/Mai: Cellu l'art Kurzfilmfest
  • April/Mai: Jazzfrühling
  • Mai/Juni: Langstreckenwanderung „Horizontale“ rund um Jena
  • Juni: Festival de Colores, Museumsmarkt auf dem Marktplatz
  • Juni/Juli: Camsdorfer Brückenfest
  • Juni/Juli: Karibische Sommernacht
  • Juli bis August: Kulturarena, siebenwöchiges Open-Air-Musikfestival im Zentrum
  • August/September: Thüringer Kammermusiktage (alle zwei Jahre)
  • September: Brunnenfest am Romantikerhaus
  • September/Oktober: Altstadtfest
  • Oktober/November: Jenaer Jazztage
  • Oktober/November: Irische Tage
  • November: Lichtbildarena, dreitägiges Festival mit Dia-Live-Reportagen und Kultur
  • November: Theater in Bewegung, internationales Tanz- und Bewegungstheaterfestival im Theaterhaus (alle zwei Jahre)
  • Dezember: Weihnachtsmarkt

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Haupttribüne des Ernst-Abbe-Sportfeldes

In Jena gibt es mehrere Sportplätze. Der größte ist das Ernst-Abbe-Sportfeld, die Heimspielstätte des FC Carl Zeiss Jena, mit einer Kapazität von 12.630 Zuschauern. Dazu kommen der Post-Sportplatz in Jena-Ost neben dem Ostbad und ein Sportplatz in Jena-Zwätzen. Die Halle mit dem größten Zuschauerpotenzial ist die JenArena, Spielort des Basketball-Pro A-Ligisten Science City Jena. Sie bietet bis zu 3.000 Zuschauern Platz. In Lobeda-West besteht ein Sporthallenkomplex mit einer Zuschauerkapazität von 1.000 Zuschauern. Dazu kommen Sporthallen verschiedener Schulen sowie der Sporthallenkomplex des TuS-Jena gegenüber dem Ernst-Abbe-Sportfeld. Dieser wird auch vom Sportgymnasium genutzt.

Unweit des Stadions befindet sich der Großteil des Universitätssportgeländes Oberaue. Es beherbergt den USV Jena, den größten Sportverein Thüringens. Das Universitätssportzentrum umfasst drei Spielfelder, die multifunktional genutzt werden können. Der Hauptplatz mit Leichtathletikanlage fasst 2000 Zuschauer. Die populärsten Abteilungen des USV Jena sind der FF USV Jena (Frauenfußball der 1. Liga) und die Rugby Union Abteilung Fiddlers Green Rugby Team Jena, welche eine Damenmannschaft in der Regionalliga und eine Herrenmannschaft in der 2. Bundesliga stellt. Der USV unterhält zudem ein Dreifelderhalle unweit des USZ. Für Hunde befindet sich in der Nähe des Landgrafen eine Trainingsanlage.

Auf der Saale wird in der warmen Jahreszeit Wassersport in Form von Kanu-, Kajak- und Ruderbootfahren betrieben. In den vergangenen Jahren wurde die Saale auch im Jenaer Abschnitt für den Wassersport ausgebaut. Die einschlägigen Clubs sind am gegenüberliegenden Saaleufer angesiedelt. Hier ist auch eine Slalomstrecke auf dem Fluss eingerichtet.

Im Stadtteil Münchenroda befindet sich der Golfplatz des Golfclubs Weimar-Jena e. V.

Der Flugsport ist am Flugplatz Jena-Schöngleina angesiedelt. Gelegentlich nutzen Hängegleiter-, Gleitschirm- und Motorschirmflieger die Hänge um Jena zum Starten. Das Paradies wird bei gutem Wetter als Startzone für Heißluftballonfahrten genutzt.

Siehe auch: Jenaer Bäder

Nachtleben[Bearbeiten]

Wagnergasse im Stadtzentrum

Zentrum des Jenaer Nachtlebens ist die Wagnergasse und ihre nähere Umgebung. Hier sind vor allem Kneipen und Cafés angesiedelt. Ältester Studentenclub ist seit 1966 der Rosenkeller in der Johannisstraße. Hier finden unter anderem jede Woche mehrere Konzerte unterschiedlichsten Genres statt.

Unterhalb des Westbahnhofes befindet sich das Zentrum für Jugend- und Soziokultur Kassablanca, in dem seit Anfang der 1990er Jahre viele Künstler auftraten. Jena bietet noch einige andere Nachtclubs in Zentrumsnähe.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Jena gehört zu den drei Oberzentren Thüringens. Nach Jena pendeln mehr Arbeitnehmer ein als von Jena auspendeln. Jena wird neben den Städten Erfurt und Ilmenau als Teil des Thüringer Technologiedreiecks bezeichnet.

Kennzahlen[Bearbeiten]

Das Bruttoinlandsprodukt lag für das Jahr 2008 insgesamt bei 3,512 Milliarden Euro, je Erwerbstätigen 56.074 Euro. Etwa 60 Prozent wurde mit Dienstleistungen erwirtschaftet, weitere 30 Prozent entfielen auf das produzierende Gewerbe. Im Jahr 2007 existierten insgesamt 4207 Betriebe, davon 21 mit mehr als 250 Mitarbeitern. Der Umsatz der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten betrug 2011 1,53 Mrd. Euro. Die Exportquote der Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten beträgt 49 % (2011).[26]

Die Arbeitslosenquote lag mit 6,9 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von 8,2 Prozent und unter dem Durchschnitt der neuen Bundesländer von 10,3 Prozent, aber knapp über dem Bundesdurchschnitt mit 6,8 Prozent (Stand Juli 2012).

In Hotels und andere Unterkünften gab es 2009 insgesamt 303.136 Übernachtungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei zwei Tagen.

Wirtschaftsgeschichte und ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das Zeisswerk um 1910
Jenoptik Technologiezentrum in Göschwitz

Seit dem 19. Jahrhundert ist in Jena die Glas- und Optikindustrie ansässig. Durch Erfindungen, die das Mikroskop revolutionierten, und die Entwicklung des Planetariums sind die einschlägigen Unternehmen weltweit bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Unternehmen Carl Zeiss Jena GmbH und SCHOTT JENAer GLAS GmbH durch emigrierte Wissenschaftler und Angestellte in Westdeutschland neu gegründet. Bis Juli 1945 deportierten die amerikanischen Besatzer einen Großteil des Know-how in Form von Wissenschaftlern und Aufzeichnungen in ihre Besatzungszone. Danach erfolgte unter der sowjetischen Besetzung die Demontage der Industrie und deren Deportation in die Sowjetunion. Anfangs baute die Jenaer Bevölkerung die Städtische Industrie selbst wieder auf, bis auch die sowjetischen Besatzer in der neugegründeten DDR den Wiederaufbau unterstützten, um sie gegenüber der Bundesrepublik Deutschland zu stärken. Später entstand das Kombinat VEB Carl Zeiss Jena. Die Schottwerke wurden ebenfalls in ein Kombinat umgewandelt. Zusätzlich entstand in der DDR-Zeit mit Jenapharm ein pharmazeutisches Unternehmen, das aus dem in den vierziger Jahren gegründeten bakteriologischen Labor des Glaswerkes Schott hervorging.

Nach der Wende wurde das volkseigene Großkombinat Carl Zeiss, in dem fast alle optischen Unternehmen der DDR zusammengeschlossen waren, privatisiert. Carl Zeiss Oberkochen übernahm die Verantwortung für das optische Kerngeschäft. Für den überwiegenden Teil der Jenaer Werke wurde ein Sanierer gesucht und mit Lothar Späth gefunden. In Jena entstand die Carl Zeiss Jena GmbH als Tochterunternehmen von Zeiss Oberkochen und die Jenoptik GmbH als Rechtsnachfolgerin des ehemaligen Kombinats mit Späth an der Spitze. 1998 wagte die Jenoptik als Aktiengesellschaft den Schritt an die Börse.

Fünf börsennotierte Unternehmen haben ihren Hauptsitz in Jena: Jenoptik AG, Carl Zeiss Meditec AG, Analytik Jena AG, Intershop AG und die DEWB AG.

Das Kombinat VEB Jenapharm suchte nach der Wende einen Käufer und fand ihn in der Gehe AG. Später wurde der Betrieb durch die Schering AG übernommen. Das Unternehmen hat sich als Marktführer im Bereich der oralen Kontrazeptiva in Deutschland etabliert und gehört heute zur Bayer Pharma AG. Eine ganze Reihe pharmazeutischer Institute und Unternehmen haben sich im Umfeld angesiedelt.

Die Interessen der Unternehmen und Institute auf dem Gebiet der optischen Technologien werden vom Firmenverbund OptoNet e. V. vertreten. Aus dem Glaswerk wurde der Bereich Glasfaser ausgegliedert und ging im Januar 2007 mehrheitlich in die Leoni AG über.

Wacker Chemie AG und Schott Solar gründeten ein Gemeinschaftsunternehmen, das am 16. April 2008 ein Werk zur Herstellung von Silizium-Wafern für die Solarindustrie in Betrieb nahm. Nach dem Rückzug von Wacker Ende September 2009 beschäftigte SCHOTT Solar etwa 350 Mitarbeiter an dem Standort. Ende März 2012 wurde die Waferproduktion in Jena eingestellt.[27]

Im Rahmen der BioRegio-Initiative mit dem Konzept „Bioinstrumente“[28] wurden zahlreiche Biotechnologieunternehmen gegründet. Unternehmen dieser Branche, die ihren Hauptsitz in Jena haben sind Analytik Jena, Biolitec und CyBio. Seit der Übernahme von Clondiag 2006 ist der Medizintechnikkonzern Alere in der Stadt vertreten. Die WACKER Biotech GmbH produziert therapeutische Proteine mit biotechnologischen Verfahren. Sie wurde 1999 unter dem Namen ProThera GmbH als Ableger des Hans-Knöll-Instituts in Jena gegründet und ist seit 2005 eine vollständige Tochter der Wacker Chemie AG.

Die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG (kurz: DEWB), eine ehemalige Tochtergesellschaft der Jenoptik AG, die sich auf die Finanzierung und Entwicklung junger Unternehmen auf dem Gebiet der optischen Technologien und der Sensorik spezialisierte, hat ihren Hauptsitz in Jena. Die Sparkasse Jena-Saale-Holzland ist das größte Finanzunternehmen mit Sitz in der Stadt.

Jena gilt als eines der Zentren im Bereich des Elektronischer Handels in Deutschland. Intershop Communications entwickelte sich seit Mitte der 1990er Jahre als einer der Vorreiter in der Entwicklung von Onlineshops. Nach dem Platzen des Dotcom-Blase verlor das Unternehmen jedoch wesentlich an Wert. Neben Internetagenturen sind weitere Unternehmen wie ePages mit Hauptsitz in Hamburg, T-Systems Multimedia Solutions und Demandware in der Stadt vertreten.

Im Bereich Sicherheitstechnik hat der US-amerikanische Cross Match Technologies-Konzern seit der Übernahme der britischen Smiths Heimann Biometrics-Gruppe (SHB) im August 2005 eine Zweigstelle in Jena. Zudem ist Jena wichtiger Standort der Rüstungsindustrie, die sich vor allem im Bereich der optischen Betriebe etabliert hat. Schon vor 1990 war Carl Zeiss Jena in diesem Bereich tätig. Zeiss produziert Zielgeräte und andere Militaria.

Jena-Optronik, eine EADS/Astrium-Tochter, die bis 2010 zu Jenoptik gehörte, entwickelt Sensoren für Satelliten und Sonden sowie Instrumente zur Erdbeobachtung und Erkundung des Weltalls.

Unter dem Dach der Holding Stadtwerke Jena GmbH sind mehrere kommunale Betriebe angesiedelt. Strom-, Gas-, und Fernwärmeversorgung sowie weitere Dienstleistungen stellen die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH bereit. Den Straßenbahn- und Busverkehr innerhalb der Stadt betreibt die Jenaer Nahverkehr GmbH. Mehrere Bäder werden von der Jenaer Bäder und Freizeit GmbH betrieben. Der größter Wohnungsanbieter in Jena und Blankenhain mit etwa 14.000 Wohneinheiten, die Jenawohnen GmbH (zuvor SWV GmbH), gehört ebenfalls zum Verbund.

Mit etwa 6200 Wohnungen ist die 1954 gegründete Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss e. G. der zweitgrößte Vermieter in Jena und Umgebung.

Top 10 der größten Unternehmen nach Bilanzsumme(2013)[29]
  • Sparkasse Jena-Saale-Holzland
  • Carl Zeiss Meditec AG
  • JENOPTIK AG
  • jenawohnen GmbH
  • Wohnungsgenossenschaft "Carl Zeiss" eG
  • Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH
  • Stadtwerke Jena GmbH
  • Jenaer Nahverkehr GmbH
  • Analytik Jena AG
  • Carl Zeiss Meditec Asset Management Verwaltungsgesellschaft mbH

Region Erfurt-Weimar-Jena „Die ImPuls- Region“[Bearbeiten]

Die an der „Thüringer Städtekette“ nebeneinander aufgereihten Städte Jena, Weimar und Erfurt arbeiten bei aller Konkurrenz seit der Vorbereitung zum Kulturstadtjahr „Weimar 99“ in ausgewählten Bereichen zusammen. Markantes Ergebnis dieser Kooperation ist u. a. der Verbundtarif, der in (fast allen) Bussen, Straßenbahnen und der DB in der Region einheitlich gilt und durch den mit nur einem Fahrschein all diese öffentlichen Verkehrsmittel genutzt werden können. Die Kooperation wurde 2005 durch gemeinsames Verfassen eines Regionalkonzepts auf neue Beine gestellt und ist seitdem dabei, mehr Bereiche als nur Tourismus und Nahverkehr gesamtregional zu betrachten und zu bearbeiten. So soll vor allem die wirtschaftliche Zusammenarbeit verbessert werden. Diese Prozesse laufen unter der Marke „Erfurt- Weimar- Jena Die ImPuls- Region“ und beinhalten gleichermaßen den die Städte umfassenden Landkreis Weimarer Land.

Mitgliedschaft in der Metropolregion Mitteldeutschland[Bearbeiten]

Jena ist Mitglied in der Metropolregion Mitteldeutschland. Der Oberbürgermeister von Jena. Dr. Albrecht Schröter, ist derzeit Vorsitzender des gemeinsamen Ausschusses der Metropolregion Mitteldeutschland. Die AG Wirtschaft und Wissenschaft und die AG Kultur werden ebenfalls von Jenaer Vertretern geleitet.

Verkehr[Bearbeiten]

Paradiesbahnhof Jena
Straßenbahn an der Haltestelle „Burgau“

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Jena verfügt im Stadtgebiet über drei Bahnhöfe sowie zwei Haltepunkte und ist ein Bahnknotenpunkt. Hier kreuzen sich die Saalbahn und die Mitte-Deutschland-Verbindung.

Alle Züge in Ost-West-Richtung verkehren über den Bahnhof Jena-Göschwitz und den Bahnhof Jena West. Die Verbindungen in Nord-Süd-Richtung führen über den Haltepunkt Jena-Zwätzen, den Saalbahnhof, den Haltepunkt Jena Paradies und ebenfalls den Bahnhof Jena-Göschwitz, wo sich die beiden Bahnstrecken treffen. Im Bereich zwischen Göschwitz und der Ringwiese war in den 1970er und 1980er Jahren ein Hauptbahnhof geplant, der jedoch nie über das Planungsstadium hinaus gedieh.

Bis 2001 wurde der Saalbahnhof als Fernverkehrshalt Jenas genutzt, ehe er vom Haltepunkt Jena Paradies als solcher abgelöst wurde. Am 12. Juni 2005 wurde dort ein neues, modernes Empfangsgebäude eröffnet, das die im Rahmen des Umbaus genutzten provisorischen Holzbahnsteige ablöste. Jena Paradies wird im Stundentakt von ICE auf der Relation von Berlin über Leipzig und Nürnberg nach München angefahren. Diese Züge sollen jedoch nach Fertigstellung der Neubaustrecken Nürnberg–Erfurt und Erfurt–Leipzig/Halle (voraussichtlich 2017) über Ilmenau und Erfurt und somit nicht mehr über Saalfeld und Jena geführt werden.

Im Regionalverkehr sind unter anderem Weimar, Erfurt, Göttingen, Gera, Glauchau, Zwickau, Saalfeld (Saale), Lichtenfels, Pößneck, Rudolstadt, Blankenstein, Großheringen, Naumburg (Saale), Göttingen sowie mittels eines Regionalexpress Bamberg und Nürnberg direkt erreichbar.

Straßen-, Fahrrad- und Fußgängerverkehr[Bearbeiten]

Die Stadtrodaer Straße ist die wichtigste innerstädtische Schnellstraße und verbindet das Zentrum mit Lobeda

Durch das südliche Stadtgebiet führt in West-Ost-Richtung die Bundesautobahn 4 (Frankfurt am Main –) Erfurt – Chemnitz – Dresden – Görlitz. Die Stadt ist über die Anschlussstellen Jena-Göschwitz und Jena-Zentrum erreichbar. Ferner führen die B7 und die B88 durch Jena.

Für das Jahr 2009 erfasste die Polizei 2779 Straßenverkehrsunfälle, davon 362 mit Personenschaden. Der gesamte Kraftfahrzeugbestand betrug 45.920, davon waren 40.782 Personenkraftwagen.

In Jena kreuzen sich zwei Radfernwege – der Saale-Radweg und der Radfernweg Thüringer Städtekette. Beide sind Teil des sogenannten Radnetz Deutschland von 12 Fernradwegen, die im Nationalen Radverkehrsplan 2002–2012 der Bundesregierung ausgewiesen sind. Der Saale-Radweg ist Teil der Ostsee-Oberbayern-Route. Der Radfernweg Thüringer Städtekette ist Teil der Mittelland-Route, die von Aachen (aus Westeuropa kommend) bis Zittau (und weiter nach Osteuropa) führt. Durch Jena führen auch der Thüringer Mühlenradweg und der Kirchenradweg Jena – Thalbürgel.

Der Anteil des Fahrradverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen in der Stadt (Modal Split) liegt über 10 Prozent und soll in den nächsten Jahren 15 Prozent erreichen.[30] Nach den 2009 veröffentlichten Ergebnissen des „Systems der repräsentativen Verkehrsbefragungen“ (SrV) von 2008 hat Jena Deutschland-weit eine Spitzenposition inne im Anteil des Fußverkehrs (39,3 Prozent) mit steigender Tendenz seit 2003, während der motorisierte Individualverkehr (MIV) im Modal Split auf 34,2 Prozent gefallen ist.[31]

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Die Omnibuslinie Apolda–Jena, die am 5. September 1909 den fahrplanmäßigen Verkehr aufnahm, ist die älteste regelmäßige Kraftverkehrsverbindung zwischen zwei Thüringer Städten. Der ÖPNV wird durch Straßenbahn- und Buslinien der Jenaer Nahverkehr GmbH (JeNah) erbracht. Neben dem Spätverkehr auf den meisten dieser Linien wird an allen Wochentagen zwischen ca. 0 Uhr und 4 Uhr ein Nachtverkehr auf einer Straßenbahnlinie im 30- oder 40-Minuten-Takt angeboten. Einige Ortschaften können nur mit Regionalbus-Linien der JES Verkehrsgesellschaft mbH, der Personenverkehrsgesellschaft mbH Apolda (PVG) oder der Omnibusverkehr Saale-Orla-Rudolstadt GmbH (OVS) erreicht werden, was aber oftmals nur montags bis freitags bzw. an Schultagen morgens und nachmittags möglich ist. Ende der 1960er Jahre wurde der Bau einer Alwegbahn geplant, wofür Technik aus der BRD hätte importiert werden müssen. Wegen der Direktive „Störfreimachung vom Westen“ musste der Bau daher 1971 verworfen werden. Die aktuellen ÖPNV-Planungen sind im Verkehrsentwicklungsplan 2002 der Stadt Jena[32] und im Nahverkehrsplan der Stadt Jena 2008–2012[33] enthalten.

Schifffahrt[Bearbeiten]

Aufgrund mehrerer Staustufen ist die Saale bei Jena nicht mehr schiffbar. Früher war hier ein Anlegepunkt für kleinere Transportschiffe und das Holz aus dem Thüringer Holzland wurde durch Jena geflößt.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Tower des Flugplatzes Jena

Östlich der Stadt befindet sich der Verkehrslandeplatz Flugplatz Jena-Schöngleina, der ausschließlich für die Allgemeine Luftfahrt genutzt wird. Der Flugplatz verfügt über eine 1.170 m Asphaltlandebahn und eine querliegende 610 m Grasbahn. Die nächsten Landeplätze mit Linienverkehr sind Leipzig-Altenburg, Leipzig/Halle, Erfurt-Weimar und Nürnberg.

Medien[Bearbeiten]

In Jena gibt es Lokalredaktionen der Tageszeitungen Ostthüringer Zeitung (OTZ, hervorgegangen aus dem Zentralorgan der SED im Bezirk Gera („Volkswacht“)) und der auflagenschwächeren Thüringische Landeszeitung (TLZ). Beide gehören der Zeitungsgruppe Thüringen (WAZ-Konzern) an. Im wöchentlichen Rhythmus wird das werbefinanzierte Anzeigenblatt Allgemeiner Anzeiger herausgegeben, das über eine eigene Redaktion in Jena verfügt. Außerdem erscheinen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena und an einigen Gymnasien die Studentenzeitungen Akrützel, Die Wurzel und Unique. Seit August 2008 erscheint das Stadtmagazin 07.

Weiterhin gibt es den Fernsehsender JenaTV, der seit 1998 Bewegtbildnachrichten in und aus Jena ins lokale Kabelnetz einspeist. Der Offene Kanal Jena, ein Radiosender, sendet seit 1998 auf 103,4 MHz (UKW) und im Kabel auf 107,90 MHz. Im Rahmen des Offenen Kanals sendet seit 2003 das Studentenradio von Universität und FH, das Campusradio Jena. Außerdem gibt es dort stadtweites Radioprogramm von Schülern für Jenaer Schulen.

Im Internet werden Jenaer Lokalnachrichten von jenanews.de (Juli 2007 bis August 2012) und Jenaer Nachrichten[34] (seit Herbst 2011) präsentiert. Tagesaktuelle Nachrichten werden auf jenapolis.de (seit Frühjahr 2009) veröffentlicht.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Justizzentrum

In Jena befindet sich eine Dienststelle des Deutschen Patent- und Markenamts, dessen Hauptsitz sich in München befindet und eine kleine Dienststelle der Bundeswehr,[35] ein sogenanntes Karriereberatungsbüro, im Dienstgebäude des ehemaligen Kreiswehrersatzamtes Jena in der Saalbahnhofstraße 25 c[36] sowie im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit ein Kreisverbindungskommando bestehend aus Reservisten (Offiziere und Unteroffiziere), das künftig im neuen Gefahrenabwehrzentrum beheimatet sein wird.

Neben dem Thüringer Oberlandesgericht, das seit 1993 wieder in Jena angesiedelt wurde, hat die Thüringer Generalstaatsanwaltschaft ihren Sitz in der Stadt. Im Justizzentrum Jena befindet sich ebenfalls das Amtsgericht Jena. Mit Wirkung ab dem 1. Januar 2014 wurde das ehemals eigenständige Arbeitsgericht Jena mit dem Arbeitsgericht Gera zusammengelegt.

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Innenhof des Universitätshauptgebäudes mit Außenbereich der Cafeteria
Thüringer Universitäts und Landesbibliothek: ThULB Jena

Jena ist mit der Friedrich-Schiller-Universität die einzige Stadt im Freistaat Thüringen mit einer Volluniversität. Daneben beherbergt die Saalestadt mit der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena eine weitere wichtige überregionale Bildungseinrichtung. In Jena werden derzeit knapp 26.000 Studenten ausgebildet (Stand Wintersemester 2011/2012). Im Gefolge der Universität und Fachhochschule haben sich mehrere Institute und kleine Optiktechnologie- und Biotechnologieunternehmen angesiedelt, die Grundlagenforschung betreiben oder medizinische Instrumente entwickeln. Viele akademische Institute und Startup-Unternehmen sind am Beutenberg Campus angesiedelt.

Jena gehört zum BioRegio-Verbund und betreibt ein Bioinstrumentezentrum zur Förderung von Biotech-Unternehmen. Mit dem Thema „Zukunft Licht“ gehört Jena zu den zehn deutschen Städten zum Treffpunkt der Wissenschaft im Wissenschaftsjahr 2009.

Forschungseinrichtungen[Bearbeiten]

Hans Knöll entwickelte 1942 im bakteriologischen Labor des Jenaer Glaswerks Schott & Gen das erste labortechnische Verfahren zur Herstellung von Penicillin auf dem europäischen Kontinent. 1953 gründete Hans Knöll das Institut für Mikrobiologie und Experimentelle Therapie, aus dem das Hans-Knöll-Institut (HKI) hervorging, das später in Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut (HKI) umbenannt wurde.

Schulen[Bearbeiten]

Begabtenförderung und Reformpädagogik haben in Jena lange Tradition. Es wurden und werden verschiedenste Ansätze bezüglich naturwissenschaftlicher und geisteswissenschaftlicher Schulen verfolgt.

Mitte des 19. Jahrhunderts wirkte der Pädagoge Karl Volkmar Stoy dort. Im Sommer 1853 zog er mit allen Schülern durch die Landschaft und erfand so den Wandertag. Die von ihm 1844 gegründete Schule war eine der ersten mit angebauter Turnhalle. Die das Berufsschulzentrum Karl-Volkmar-Stoy-Schule trägt inzwischen seinen Namen. Anfang des 20. Jahrhunderts gründete Hermann Pistor eine Fachschule für Augenoptik; der Pädagoge Peter Petersen entwickelte das Jena-Plan-Modell an der Universität und in einer eigenen Universitätsschule.

Die erste deutsche Montessorischule wurde zu Pfingsten 1923 in der ehemaligen Grundschule von Wenigenjena gegründet. Sie bestand bis 1929 und wurde von der nationalsozialistisch geführten Landesregierung von Thüringen geschlossen.

Neben der Jenaplan-Schule, die gleich nach der Wende im Ziegenhainer Tal wiedererstand und 2006 einer der Träger des Deutschen Schulpreises war, gibt es auch wieder eine Montessorischule in Jena. Weiterhin existieren eine Freie Waldorfschule im Süden und eine Europaschule im Stadtteil Alt-Lobeda. Die Integrierte Gesamtschule „Grete Unrein“ Jena entstand 1991 als ein Sondermodell mit der Umwandlung der Erich-Weinert-Schule an der Leutra zur Grundschule.

Das Spezialgymnasium Carl-Zeiss ist ausgerichtet auf Mathematik und Naturwissenschaften. Besonderer Wert wird auf die selbstbewusste und umfassende Auseinandersetzung mit diesen Gebieten gelegt.[37] Die Schule machte durch Erfolge auf nationaler und internationaler Ebene in Naturwissenschafts-Wettbewerben wie zum Beispiel der Mathematikolympiade, dem Bundeswettbewerb Informatik oder der Internationalen Chemieolympiade auf sich aufmerksam.

Das Johann Christoph Friedrich GutsMuths-Gymnasium hat als Schwerpunkt den Bereich Sport. Unter landeskirchlicher Trägerschaft steht das Christliche Gymnasium Jena. Ein weiteres Gymnasium ist das Ernst-Abbe-Gymnasium. Derzeit werden die Realschule Ostschule und das Adolf-Reichwein-Gymnasium im Gebäude des Gymnasiums zu einer Kooperativen Gesamtschule vereint. Grund dafür sind die zurückgehenden Schülerzahlen. Im Gebäude der Ostschule ist seit November 2006 das Angergymnasium untergebracht. Des Weiteren gibt es das Otto-Schott-Gymnasium, welches einen bilingualen Unterricht anbietet, in Lobeda-Ost.

Krankenhäuser und Feuerwehr[Bearbeiten]

Das Universitätsklinikum Jena ist das einzige Universitätsklinikum in Thüringen. In Standorten in Lobeda, an der Bachstraße und im Landgrafengebiet befinden sich 26 Kliniken und Polikliniken mit insgesamt 1.375 Betten. Das Klinikum ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung und gleichzeitig Lehrkrankenhaus der Universität Jena.[38]

Die Feuerwehr Jena gehört zum Amt für Feuerwehr, Rettungswesen und Katastrophenschutz der Stadt.[39] Sie gliedert sich in eine Berufsfeuerwehr mit knapp 120 Mitarbeitern sowie 15 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr und sieben Abteilungen der Jugendfeuerwehr. Gemeinsam bewältigen die aktiven Einheiten rund 2.000 Einsätze im Jahr, wovon etwa 15 Prozent in den Bereich der Brandbekämpfung fallen.[40] Die Berufsfeuerwehr hat zudem auch einen Höhenrettungsdienst.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Ernst Haeckel, Gelehrter 32. Ehrenbürger der Stadt

Neben Politikern und Gelehrten der Universität wurden auch Menschen, die sich um die Stadt verdient gemacht haben, mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Jena ausgezeichnet.

Erstmals wurde diese Ehre dem Professor der Theologie, Kirchenrat und Superintendent Eduard Schwarz am 1. Februar 1837 zuteil. Der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck erhielt die Auszeichnung Ende Juli 1894, einen Tag vor seinem Besuch in der Stadt.

Die während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland verliehenen Ehrenbürgerwürden, unter anderem an Adolf Hitler und den damaligen thüringischen Gauleiter Fritz Sauckel, wurden später aberkannt.

Am 20. März 1991 wurden sechs Auszeichnungen aus der Zeit vor der Wende in der DDR aberkannt, darunter auch die des langjährigen Kombinatsdirektors des VEB Carl Zeiss Jena, Wolfgang Biermann.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Der Botaniker August Batsch wurde 1761 in Jena geboren

In Jena geborene Personen sind oder waren in vielen Bereichen der Öffentlichkeit, wie Wissenschaft, Kultur, Sport oder Politik in Erscheinung getreten.

1590: Johann Matthäus Meyfart war ein bekannter Kritiker der Hexenverfolgung und Dichter von Kirchenliedern und Theologe.

1735: Johann Karl August Musäus war Schriftsteller und Märchensammler.

1761: August Batsch war ein Botaniker.

1883: Curt Unckel Nimuendajú war ein Ethnologe.

1911: Bernhard zur Lippe-Biesterfeld (1911–2004), heiratete im Januar 1937 die spätere niederländische Königin und ist ein adliger Sohn der Stadt.

1937: Geert Müller-Gerbes war als Journalist und Fernsehmoderator bei mehreren Radio- und Fernsehstationen tätig.

1953: Roland Jahn, der derzeitige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen wurde am 14. Juli 1953 hier geboren.

1969: Sahra Wagenknecht (Politikerin) kam am 16. Juli 1969 auf die Welt und ist Vorstandsmitglied der Partei Die Linke.

1973: Bernd Schneider, langjähriger deutscher Fußballnationalspieler, wuchs in der Saalestadt auf und verbrachte dort seine Jugendzeit.

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Viele Personen, die in Jena eine Zeit ihres Lebens verbrachten, haben die Geschichte der Stadt geprägt und ihr Gesicht spürbar verändert. Nach ihnen sind Straßen und Plätze benannt.

Gelehrte und Studenten der Friedrich-Schiller-Universität trugen mit ihrer Arbeit erheblich zum Ansehen der Stadt bei. In den Jahren 1740/41 studierte der Altertumswissenschaftler Johann Joachim Winckelmann in Jena. Philosophen und Dichter wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Johann Gottlieb Fichte, Novalis, Friedrich Schlegel oder Friedrich Schiller lernten bzw. lehrten und schufen hier ihre Werke. Der Chemiker Johann Wolfgang Döbereiner suchte nach einem Zusammenhang zwischen den Elementen. Karl Volkmar Stoy und Peter Petersen haben sich mit ihrer Arbeit in Jena große Verdienste auf dem Gebiet der Pädagogik erworben.

In der Zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schuf Carl Zeiss zusammen mit Ernst Abbe und Otto Schott die Grundlagen der modernen Optik in Jena. Die von ihnen gegründeten Unternehmen erlangten Weltruhm mit der Herstellung wissenschaftlicher Instrumente. Lothar Späth, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg, leitete dort rund 150 Jahre danach eines der Folgeunternehmen.

Von 1938 bis zu seinem Tod 1960 lebte hier der Kinder- und Jugendbuchautor und Schriftsteller Albert Sixtus, bekannt geworden durch seine zahlreichen Bilderbuchverse („Die Häschenschule“) und Abenteuerromane sowie als Herausgeber von Auerbachs Deutscher Kinderkalender. Von 1971 bis zu seinem Tod 2010 lebte hier Curt Letsche, Autor von Science Fiction-Erzählungen, Schilderungen des antifaschistischen Widerstands und Kriminalromanen; er ist auf dem Nordfriedhof beigesetzt.

Sonstiges[Bearbeiten]

Zeichnung im Apoldaer Tageblatt vom 15. März 1897
10 Mark der Deutschen Notenbank, 1964 (Rückseite)

Mehrere Schiffe der französischen Kriegsmarine trugen zur Erinnerung an die siegreiche Schlacht bei Jena den Namen „Jena“:[41] Eine Korvette (1807–1810), ein 110-Kanonen-Linienschiff (1814–1864), das bis 1915 in Toulon als Hulk diente, und ein Panzerschiff von 1897, das 1907 im Hafen von Toulon explodierte. Danach wurde der Name nicht länger vergeben.

Des Weiteren ist der Asteroid (526) Jena nach der Stadt benannt.

Auf der Rückseite des 10-Mark-Scheins (MDN) der Serie von 1964 befand sich eine Ansicht der Stadt Jena. Ab 1971 trug der 10-Mark-Schein auf der Vorder- und Rückseite andere Abbildungen.

In der geologisch recht interessanten Umgebung der Stadt existieren zwei geologische Lehrpfade.

Der „FarbStrom“, ein Teil der Adern von Jena

Die Adern von Jena sind ein landschaftsarchitektonisches Projekt in Jena-Paradies und offizielles Begleitprojekt der Bundesgartenschau Gera-Ronneburg 2007. Es sind Fernwärmeleitungen, die zu Kunstobjekten umgestaltet wurden.

Am 25. Mai 2009 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Keyser (Hrsg.): Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte Band II Mitteldeutschland. Im Auftrag der Konferenz der landesgeschichtlichen Kommissionen Deutschlands mit der Unterstützung des Deutschen Gemeindetages, Stuttgart 1941.
  • J. H. Schultze: Jena. Werden, Wachstum u. Entwicklungsmöglichkeiten d. Universitäts- u. Industriestadt. Verlag G. Fischer, Jena, 1955 (Detailliertes Werk zur Planung der Stadtentwicklung; nur antiquarisch erhältlich)
  • Herbert Koch: Geschichte der Stadt Jena. Verlag G. Fischer, Stuttgart 1966.
  • Herbert Koch: Geschichte der Stadt Jena. Unveränd. Nachdr. der Ausg. von 1966 / mit einem Nachw. von Jürgen John und einer Bibliogr. zur Jenaer Stadtgeschichte von Reinhard Jonscher. Verlag G. Fischer, Jena [u. a.] 1996. ISBN 3-437-35130-3
  • Jena von seinem Ursprunge bis zur neuesten Zeit. nach Adrian Beier, Wiedeburg, Spangenberg, Faselius, Zenker u. a. von Carl Schreiber, Maler, und Alexander Färber, Museum-Schreiber. Jena 1850 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1850, Neustadt an der Aisch 1996). ISBN 3-7896-0568-9
  • Über Jena. Das Rätsel eines Ortsnamens. Alte und neue Beiträge herausgegeben und kommentiert von Norbert Nail und Joachim Göschel. Stuttgart: Steiner 1999; 134 S. (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte; 104). ISBN 3-515-07504-6
  • Magister Adrian Beiers Jehnische Chronika. Chronologus Jenensis 1600–1672. Herausgegeben von Ilse Traeger. Jena o. J. (Schriftenreihe der Städtischen Museen Jena).
  • Jena, mit Auszug aus der Stadtgeschichte und wichtige Informationen für Bürger und Gäste. Herausgeber: ETRO-Verlag für Wirtschaftswerbung […] Bad Soden-Salmünster in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Jena [um 1993].
  • 750 Jahre Jena. Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gesellschaftswissenschaftliche Reihe. 34. Jahrgang. Heft 5/6, 1985.
  • Stadt und Kultur. Beiträge zur Geschichte Jenas und Thüringens im Feudalismus. Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Gesellschaftswissenschaftliche Reihe. 35. Jahrgang. Heft 3–4, 1986.
  • Rüdiger Stutz (Hrsg.): Macht und Milieu. Jena zwischen Kriegsende und Mauerbau. Rudolstadt 2000. ISBN 3-930215-41-1
  • Wolfgang Gresky (Hrsg.): Jena in alten Ansichtskarten. Frankfurt am Main 1979. ISBN 3-88189-083-1
  • Peter Kaupp (Hrsg.): Jena in alten Ansichten. Europäische Bibliothek – Zaltbommel/Niederlande MCMLXXX. ISBN 90-288-1189-3
  • Jenaische Stadt- und Universitäts-Chronik von Martin Schmeizel. Herausgegeben von Ernst Devrient. Nebst einem Stadtplan vom Jahre 1758. Jena 1908.
  • Bilder von Jena aus der Zeit Goethes und Schillers. Zusammengestellt, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Birgitt Hellmann. Jena 2007. [Stammbuchblätter von Christian Ludwig Heß]. ISBN 978-3-939718-01-7
  • Detlef Ignasiak: Das Literarische Jena. Autoren-Galerien und Dichter-Stätten. Bucha bei Jena 2012. ISBN 978-3-943768-04-6
  • Kurt Zahn: Zur Geschichte von Wenigenjena und Camsdorf von der Ersterwähnung 1257 bis zur Eingemeindung in die Stadt Jena 1909: Familienregister und Häuserbuch. Hanau, 2005.
  • Petra Zippel und Matthias Lerm, Fotos: Michael Miltzow: Architektur in Jena. Deutsch und Englisch. Hrsg. Stadt Jena. Hinstorff-Verlag, Rostock 2010. ISBN 978-3-356-01385-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Jena – Quellen und Volltexte
 Wikinews: Jena – in den Nachrichten
 Wiktionary: Jena – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Jena – Sammlung von Bildern
 Wikivoyage: Jena – Reiseführer
 Wikiquote: Jena – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Jenas „Lichtstadt“-Definition
  3. a b Über Jena. Das Rätsel eines Ortsnamens. Alte und neue Beiträge herausgegeben und kommentiert von Norbert Nail und Joachim Göschel. Stuttgart: Steiner 1999; 134 S. (Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik. Beihefte; 104). ISBN 3-515-07504-6
  4. Thomas Stridde: Gedenktag an 35 Hochwasseropfer in Jena vor 750 Jahren. OTZ, 9. Juni 2013, abgerufen am 9. Juni 2013.
  5.  Gerhard Cosack, Reinhard Jonscher: Von Ammerbach bis Zwätzen. Aus der Geschichte der Jenaer Vororte. Stadtarchiv, Jena 1995, S. 21.
  6. Stefan Litt: Juden in Thüringen in der Frühen Neuzeit (1520–1650), Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Thüringen, Kleine Reihe Band 11, Böhlau, 2003, ISBN 3-412-08503-0, S. 200–215
  7. http://www.lzt-thueringen.de/files/uedische_vergangenheit_buch.pdf, S. 15
  8. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 238 und 495.
  9. Olaf Groehler: Bombenkrieg gegen Deutschland. Akademie-Verlag, Berlin 1990. ISBN 3-05-000612-9, S. 449
  10. Rudolf Zießler: Jena. In: Schicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt. Henschel-Verlag Berlin 1978. Band 2, S. 512–520
  11. Rüdiger Stutz: „Schillerjubiläum und Gleichschaltung“. Thüringische Landeszeitung, 9. Mai 2009
  12. Jena und Umgebung. Tourist Stadtführer, VEB Tourist-Verlag Berlin, Leipzig 1977. S. 33
  13. Jena und Umgebung. VEB Tourist-Verlag Berlin, Leipzig 1977. S. 33 und 34
  14. Der Schrei nach Freiheit. 17. Juni 1953 in Thüringen. Ausstellung der Stiftung Ettersberg im Thüringer Landtag in Erfurt im Juni 2012
  15. Zeitreihen von statistischen Größen für je eine Größe über alle Stadtbezirke
  16. a b Ev.-Luth. Kirchenkreis Jena
  17. Website der Kath. Pfarrgemeinde „St. Johannes Baptist Jena“
  18. Berichtsvorlage Nr. 13/2277-BE Finanzierung von Investitionen durch die Stadt Jena 2013–2017, Anlage
  19. Gäste stürmen Stadtrat, OTZ, 7. November 2013
  20. Rathaussitzung in Jena gestürmt, Antenne Thüringen, 7. November 2013
  21. Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl 2012 in Jena. jena.de. 24. April 2012.
  22. Ergebnisse der Stichwahl zur Oberbürgermeisterwahl 2012 in Jena. jena.de. 8. Mai 2012.
  23. Partnerschaftsvertrag mit Beit Jala wurde unterzeichnet – Kommunaler Beitrag zur Versöhnung und zum Frieden in Nahost
  24. Die „Bierlatte“ erhält ihren Platz im Gedächtnis der Stadt zurück
  25. Heimatklänge 5/1938, S. 3.
  26. JenaWirtschaft, Wirtschaftsförderung der Region Jena (Version vom 5. August 2012 im Internet Archive)
  27. SCHOTT Solar treibt Neuausrichtung des Geschäftsfeldes Photovoltaik weiter voran. Schott Solar, abgerufen am 3. Februar 2012.
  28. Internetauftritt des BioInstrumente Jena e. V
  29. Top 10 der größten Unternehmen. Busni.de. Abgerufen am 27. Februar 2014.
  30. AG Fahrradverkehr
  31. Gerd-Axel Ahrens: „Sonderauswertung zur Verkehrserhebung 'Mobilität in Städten – SrV 2008' Städtevergleich“, TU Dresden, November 2009
  32. Verkehrsentwicklungplan Jena 2002, Stadt Jena Verkehrsplanungs- und Tiefbauamt, Januar 2003. Abgerufen am 15. Februar 2011.
  33. Fortschreibung des Nahverkehrsplanes der Stadt Jena 2008–2012 (PDF; 1,7 MB), Stadt Jena Verkehrsplanungs- und Tiefbauamt, Oktober 2007. Abgerufen am 15. Februar 2011.
  34. jenaer-nachrichten.de
  35. Bundesministerium der Verteidigung: Die Stationierung der Bundeswehr (Oktober 2011). bundeswehr.de, 26. Oktober 2011, S. 133, abgerufen am 22. Oktober 2013 (PDF; 3,4 MB).
  36. Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw): Standortdatenbank Bundeswehr
  37. Carl-Zeiss-Gymnasium: Schulkonzept
  38. Daten zum Klinikum auf der Website des Universitätsklinikums Jena. (Abgerufen am 21. April 2009.)
  39. Amt für Feuerwehr, Rettungswesen und Katastrophenschutz auf der Website der Stadt Jena. (Abgerufen am 21. April 2009.)
  40. Feuerwehren in Jena auf der Website des Stadtfeuerwehrverbands Jena e. V. (Abgerufen am 21. April 2009.)
  41. Philippe Caresse: The Iéna Disaster, 1907. In John Jordan: Warship 2007, Conway, London, S. 121–138. ISBN 1-84486-041-8.
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Dieser Artikel wurde am 17. Oktober 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.