Jens Christian Hauge

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Jens Christian Hauge in 1947.

Jens Christian Hauge (* 15. Mai 1915 in Aker; † 30. Oktober 2006 in Oslo) war ein norwegischer Widerstandskämpfer, Politiker und Minister.

Leben[Bearbeiten]

Hauge absolvierte nach dem Schulbesuch ein Studium der Rechtswissenschaften, das er 1937 mit dem Examen und der Anwaltszulassung im darauf folgenden Jahr abschloss. Nach der Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht am 9. April 1940 befasste er sich in den Jahren 1940 bis 1941 mit Preis- und Rationalisierungspolitik, ehe er selbst als Dozent der Rechtswissenschaften an der Universität Oslo tätig war. 1941 begann er seine Tätigkeit in der Widerstandsbewegung und wurde noch im Herbst desselben Jahres gefangengenommen und für einige Monate inhaftiert. Nach seiner Freilassung 1942 stieg er schnell innerhalb der Widerstandsbewegung auf und wurde binnen eines Jahres Leiter der militärischen Geheimorganisation Milorg. Dabei war er bestrebt, gute Beziehungen zu der vom bisherigen Ministerpräsidenten (Statsminister) Johan Nygaardsvold geleiteten Exilregierung in London zu pflegen, weswegen der eine Reihe von Fahrten nach Stockholm und London unternahm. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges führte er auch mehrfach geheime Gespräche mit Offizieren der Wehrmacht, um dadurch die deutschen Planungen für Norwegen zu ermitteln. Diese Gespräche führten letztlich zu einem geordneten Übergang in den Frieden nach der Kapitulation der Deutschen im Mai 1945.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er zahlreiche politische Ämter ein und war ein führender Politiker der regierenden sozialdemokratischen Arbeiderpartiet. Am 5. November 1945 wurde er von Ministerpräsident Einar Gerhardsen als Nachfolger von Oscar Torp zum Verteidigungsminister[1] in dessen erstes Kabinett berufen und war mit gerade 30 Jahren der jüngste Verteidigungsminister in der Geschichte Norwegens. Dieses Amt behielt er im November 1951 nach Gerhardsens Rücktritt auch im nachfolgenden Kabinett von Oscar Torp bis zum 6. Januar 1952. Als Verteidigungsminister war er die treibende Kraft um Norwegens bisherige Neutralitätspolitik aufzugeben und 1949 der NATO beizutreten.[2] Diese Politikänderung führte bereits unmittelbar nach Kriegsende dazu, dass sich Norwegen mit einem Truppenkontingent (Tysklandbrigade) an der britischen Besatzungstruppe in Deutschland beteiligte.[3][4][5] In seine Amtszeit fielen auch die Gründung des Instituts für Verteidigungsforschung 1945 sowie des Instituts für Atomenergie im Jahr 1948.

Vom 22. Januar 1955 bis zum 1. November 1955 war er dann noch für eine kurze Zeit Justizminister im zweiten Kabinett von Gerhardsen. Danach nahm er seine Tätigkeit als Rechtsanwalt wieder auf und war als solcher auch am Obersten Gericht (Norges Høyesterett) zugelassen.

In den ersten zehn Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte er damit zu den einflussreichsten Politikern Norwegens, wobei es neben Ehrungen auch kritische Äußerungen über sein Schweigen zu wichtigen Ereignissen der Stay-behind-Organisation[6] Milorg gab, wie der Hinrichtung von Kollaborateuren oder auch den merkwürdigen Umständen des Todes des Milorg-Mitgliedes Kai Holst unmittelbar nach Kriegsende am 27. Juni 1945 in Stockholm.

Nach seiner politischen Laufbahn war er für verschiedene Wirtschaftsunternehmen tätig und sorgte 1960 durch seinen Einfluss auf das Außenministerium dafür, dass Norwegen Israel Schweres Wasser lieferte, in dem er erklärte, dass Israel dieses nicht für militärische Zwecke, sondern ausschließlich für das zivile Nuklearprogramm nutzen würde.[7] 1972 war er auch an der Gründung der staatlichen Ölgesellschaft Statoil beteiligt. Daneben war er mehr als 20 Jahre Vorstandsmitglied der Fluggesellschaft SAS.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Norwegian Ministries
  2. Wiggershaus, Norbert/ Heinemann, Winfried: "Nationale Außen- und Bündnispolitik der NATO-Mitgliedstaaten", S. 89, ISBN 3486564897
  3. Bohn, Robert/ Elvert, Jürgen: "Kriegsende im Norden", S. 242, 1995, ISBN 3515067280
  4. Breidlid, Olav: "Die norwegischen Streitkräfte von 1947 bis 1953 in Deutschland: Auftrag, Struktur und Bedeutung"
  5. Jølstad,Anders: "Tyskland som problem i norsk politikk"
  6. Riste, Olav: "With an Eye to History: The Origins and Development of "Stay-Behind" in Norway", THE JOURNAL OF STRATEGIC STUDIES, Dezember 2007
  7. "National hero led double life", AFTENPOSTEN 14. Oktober 2008

Weblinks[Bearbeiten]