Jens Weißflog

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Jens Weißflog Skispringen
Bundesarchiv Bild 183-1989-0131-038, Jens Weißflog bei DDR-Skimeisterschaften.jpg
Nation Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
DeutschlandDeutschland Deutschland
Geburtstag 21. Juli 1964
Geburtsort Steinheidel-ErlabrunnDDR
Karriere
Verein SC Traktor Oberwiesenthal
Oberwiesenthaler SV 1990
Trainer Joachim Winterlich
Debüt im Weltcup 30. Dezember 1980
Pers. Bestweite 201 m (Kulm 1996)[1]
Status zurückgetreten
Karriereende 15. Juni 1996
Medaillenspiegel
Olympische Medaillen 3 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
WM-Medaillen 3 × Gold 4 × Silber 4 × Bronze
SFWM-Medaillen 0 × Gold 1 × Silber 1 × Bronze
DM-Medaillen 5 × Gold 1 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Winterspiele
Gold 1984 Sarajevo Normalschanze
Silber 1984 Sarajevo Großschanze
Gold 1994 Lillehammer Großschanze
Gold 1994 Lillehammer Großschanze
Team
FIS Nordische Skiweltmeisterschaften
Gold 1984 Sarajevo Normalschanze
Silber 1984 Sarajevo Großschanze
Silber 1984 Engelberg Team
Gold 1985 Seefeld Normalschanze
Bronze 1985 Seefeld Großschanze
Team
Gold 1989 Lahti Normalschanze
Silber 1989 Lahti Großschanze
Bronze 1991 Val di Fiemme Großschanze
Bronze 1991 Val di Fiemme Großschanze
Team
Silber 1995 Thunder Bay Normalschanze
Team
Bronze 1995 Thunder Bay Großschanze
FIS Skiflug-Weltmeisterschaften
Silber 1985 Planica Einzel
Bronze 1990 Vikersund Einzel
Deutscher Skiverband Deutsche Meisterschaften
Silber 1991 Oberstdorf Großschanze
Gold 1991 Oberstdorf Normalschanze
Gold 1993 Oberhof/Oberwiesenthal Großschanze
Gold 1993 Oberhof/Oberwiesenthal Normalschanze
Gold 1994 Oberstdorf Normalschanze
Gold 1995 Schonach/Titisee-Neustadt Großschanze
Platzierungen
 Weltcupsiege 33
 Gesamtweltcup 01. (1983/84)
 Skiflug-Weltcup 08. (1995/96)
 Sprung-Weltcup 04. (1995/96)
 Vierschanzentournee 01. (1983/84, 1984/85,
1990/91, 1995/96)
 Weltcup-/A-Klasse-Podium 1. 2. 3.
 Skispringen 33 18 19
 Skifliegen 0 1 2
 Team 1 3 2
 

Jens Weißflog (* 21. Juli 1964 in Steinheidel-Erlabrunn) ist ein ehemaliger deutscher Skispringer. Er zählt zu den 4 Athleten (neben ihm Espen Bredesen, Thomas Morgenstern und Matti Nykänen), welche die wichtigsten 4 Wettbewerbe im Skisprung-Sport (Olympia, Weltmeisterschaften, Gesamtweltcup und Vierschanzentournee) gewonnen haben. Weißflog ist der einzige Athlet, der sowohl im Parallel-Stil als auch im V-Stil eine Einzelmedaille bei Olympischen Spielen erringen konnte (siehe Skisprungtechnik).

Werdegang[Bearbeiten]

Weißflog 1982 in Oberhof

Jens Weißflog wuchs in Pöhla auf und lebt seit dem Besuch der Kinder- und Jugendsportschule in Oberwiesenthal, wo er dem SC Traktor angehörte. Bereits als 19-Jähriger gewann der – wegen seiner schmächtigen Statur und seines geringen Körpergewichts oft „Floh vom Fichtelberg“ genannte – Skispringer erstmals die Vierschanzentournee. Im selben Winter wurde er Olympiasieger auf der Normalschanze in Sarajevo und gewann den Gesamtweltcup. In den folgenden Jahren dominierte Weißflog zusammen mit dem überragenden Finnen Matti Nykänen die Skisprung-Welt: 1985 und 1989 holte er WM-Gold (insgesamt neun weitere Podiumsplatzierungen), 1984, 1985, 1991 und 1996 gewann er die Vierschanzentournee. Ebenfalls 1991 erhielt er die Holmenkollen-Medaille.

Die Einzigartigkeit seines Erfolges liegt darin, dass Jens Weißflog sein Niveau über zwölf Jahre behaupten konnte. Weder der Systemwechsel von der DDR in die Bundesrepublik 1990 noch die Umstellung der Skisprungtechnik vom Parallel- auf den V-Stil um 1993 konnten Weißflog längerfristig zurückwerfen. 1994 gewann er – zehn Jahre nach seinem ersten olympischen Triumph – bei den Olympischen Winterspielen in Lillehammer zwei Goldmedaillen auf der Großschanze und mit der Mannschaft.

Im Jahre 1996 krönte er seine Karriere mit dem vierten Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee, danach trat er vom Leistungssport zurück. Im Juni 1996 fand auf der Fichtelbergschanze in Oberwiesenthal eine Abschiedsgala von Jens Weißflog statt, bei der er noch einmal zu einem Mattenspringen antrat und sich als Zweitplatzierter mit Schanzenrekord (102 Meter) hinter Janne Ahonen verabschiedete.[2]

Weißflog ist der erfolgreichste deutsche Skispringer, international konnten nur die Finnen Matti Nykänen und Janne Ahonen sowie der Pole Adam Małysz und der Österreicher Gregor Schlierenzauer mehr Weltcup-Siege erringen. Weißflog gewann drei olympische Goldmedaillen. Des Weiteren ist er viermaliger Sieger der Vierschanzentournee, nur Janne Ahonen hat es auf fünf Siege gebracht.

Nach seinen Olympiasiegen in Lillehammer wurde er am 27. Februar 1994 zum Ehrenbürger von Oberwiesenthal ernannt.[3] Im Jahre 2003 wurde der am 30. November 2000 in der Volkssternwarte Drebach (Erzgebirge) entdeckte Planetoid 2000 WX158 nach Jens Weißflog benannt. Er trägt jetzt die offizielle Bezeichnung (22168) Weissflog und bewegt sich zwischen den Planeten Mars und Jupiter um die Sonne.[4]

Sportliche Erfolge[Bearbeiten]

Olympische Winterspiele[Bearbeiten]

  • 1984 in Sarajevo: 1x Gold (Normalschanze), 1x Silber (Großschanze)
  • 1994 in Lillehammer: 2x Gold (Großschanze, Großschanze Mannschaft)

Weltmeisterschaften[Bearbeiten]

  • 3x Gold (1984, 1985, 1989)
  • 5x Silber (2x 1984, 1985, 1989, 1995)
  • 5x Bronze (1989, 1990, 2x 1991, 1995)

Weltcup[Bearbeiten]

  • 1x Gesamtweltcup-Sieger (1984)
  • 33 Weltcupsiege

Vierschanzentournee[Bearbeiten]

  • 4x Sieger (1984, 1985, 1991, 1996)
  • 4x Zweiter

Deutsche Meisterschaften[Bearbeiten]

  • 5x Gold (1991, 2x 1993, 1994, 1995)
  • 1x Silber (1991)
  • 5x DDR-Meister[5]

Weltcup-Siege[Bearbeiten]

Nr. Datum Ort Land
1. 6. Januar 1983 Bischofshofen Österreich
2. 1. Januar 1984 Garmisch-Partenkirchen Bundesrep. Dtsch.
3. 4. Januar 1984 Innsbruck Österreich
4. 6. Januar 1984 Bischofshofen Österreich
5. 11. Januar 1984 Cortina d’Ampezzo Italien
6. 15. Januar 1984 Liberec Tschechoslowakei
7. 12. Februar 1984 Sarajevo Jugoslawien
8. 27. März 1984 Planica Jugoslawien
9. 1. Januar 1985 Garmisch-Partenkirchen Bundesrep. Dtsch.
10. 17. Februar 1985 Engelberg Schweiz
11. 6. Dezember 1986 Thunder Bay Kanada
12. 24. Januar 1988 Engelberg Schweiz
13. 22. Januar 1989 Oberhof DDR
14. 5. März 1989 Oslo Norwegen
15. 8. März 1989 Örnsköldsvik Schweden
16. 27. März 1989 Planica Jugoslawien
17. 27. März 1989 Planica Jugoslawien
18. 17. Dezember 1989 Sapporo Japan
19. 1. Januar 1990 Garmisch-Partenkirchen Bundesrep. Dtsch.
20. 17. Januar 1990 Zakopane Polen
21. 30. Dezember 1990 Oberstdorf Deutschland
22. 1. Januar 1991 Garmisch-Partenkirchen Deutschland
23. 12. Dezember 1993 Planica Slowenien
24. 14. Dezember 1993 Predazzo Italien
25. 30.Dezember 1993 Oberstdorf Deutschland
26. 22. Januar 1994 Sapporo Japan
27. 23. Januar 1994 Sapporo Japan
28. 5. März 1994 Lahti Finnland
29. 27. März 1994 Thunder Bay Kanada
30. 29. Januar 1995 Lahti Finnland
31. 6. Januar 1996 Bischofshofen Österreich
32. 20. Januar 1996 Sapporo Japan
33. 17. Februar 1996 Iron Mountain Vereinigte Staaten

Weltcup-Platzierungen[Bearbeiten]

Saison Platz Punkte
1982/83 16 80
1983/84 1 230
1984/85 4 151
1985/86 16 77
1986/87 11 103
1987/88 6 111
1988/89 2 192
1989/90 6 200
1990/91 8 141
1991/92 37 16
1992/93 11 61
1993/94 2 1110
1994/95 6 683
1995/96 4 1028

Privatleben und politische Tätigkeit[Bearbeiten]

Weißflog ist heute als Hotelier in seiner Heimatstadt Oberwiesenthal und als Skisprung-Experte beim ZDF tätig. Er war 17 Jahre verheiratet und hat aus dieser Ehe zwei Söhne. Im Juli 2005 trennte sich das Paar einvernehmlich.[6] Im Oktober 2010 wurde Weißflog Vater einer Tochter.[7]

Zur Volkskammerwahl 1986 wurde Weißflog von der FDJ als Nachfolgekandidat der Volkskammer der DDR nominiert.[8][9]

Bei der Stadtratswahl am 7. Juni 2009 erlangte Weißflog für die Oberwiesenthaler CDU ein Mandat.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jens Weißflog – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rekordy życiowe skoczków narciarskich (Polnisch) skokinarciarskie.pl. 3. Februar 2013. Abgerufen am 3. Februar 2013.
  2. "Ergebnisse", Sport-Bild vom 19. Juni 1996, S.70
  3. Ehrenbürger der Stadt Kurort Oberwiesenthal
  4. JPL Small-Body Database Browser: 22168 Weissflog (2000 WX158). Jet Propulsion Laboratory, 2. Oktober 2003, abgerufen am 14. Juli 2012.
  5. http://www.skispringen.com/archiv/portraits/portraits/weissflog01.htm
  6. Fan Lexikon: Jens Weissflog trennt sich von Ehefrau, abgerufen am 29. Juli 2009
  7. SKIJUMPING.de: Jens Weißflog erneut Vater, abgerufen am 12. Oktober 2010
  8. Die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik: 9. Wahlperiode 1987, ISBN 3-329-00119-4.
  9. Es konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass Weißflog zu irgendeinem Zeitpunkt als Abgeordneter nachrückte.
  10. Freie Presse, Lokalausgabe Annaberg vom 9. Juni 2009: Skisprung-Legende schafft Sprung in die Politik