Jenseits von Eden

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Dieser Artikel betrachtet den 1952 erschienenen Roman Jenseits von Eden von John Steinbeck; für weitere Bedeutungen siehe East of Eden.

Jenseits von Eden (im englischen Original East of Eden) ist ein Roman des US-amerikanischen Schriftstellers und Literatur-Nobelpreisträgers John Steinbeck. Der Roman erschien 1952 im New Yorker Verlag Viking Press.

Der dritte und vierte (letzte) Teil des Buchs wurden 1955 unter gleichem Namen von Elia Kazan mit James Dean (als Cal) in seiner ersten Hauptrolle verfilmt.

Inhalt[Bearbeiten]

Jenseits von Eden ist eine Familiensaga über die Geschichte der Familien Trask und Hamilton, die hauptsächlich in Salinas, Kalifornien, von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkrieges spielt.

Erster Teil[Bearbeiten]

Der erste Teil des Romans handelt von den beiden Brüdern Charles und Adam, die um die Liebe ihres Vaters Cyrus Trask kämpfen.

Cyrus führt ein hartes Regiment auf der Farm in Connecticut. Die Ehefrauen müssen sich unterordnen und widmen sich dem Haushalt. Die Söhne Adam und Charles aus erster und zweiter Ehe erleben eine raue Kindheit. Beide sind von athletischer Statur, Charles immer etwas geschickter und meist der Erste und Schnellste, Adam dafür etwas nachdenklicher und sensibler. Der jüngere und stärkere Charles hält immer seine Hand über seinen Bruder, solange dieser ihm den Vorrang nicht streitig macht. Cyrus war kurze Zeit Soldat, erlitt schon in der ersten Stunde einer Kriegshandlung eine Verletzung und kam mit Holzbein auf die Farm zurück. Er kommandiert die Söhne mit militärischer Strenge. Jedoch möchte er nur Adam zur Armee schicken, da er ihn seinem Bruder Charles vorzieht.

Die Situation auf der Farm eskaliert, als Charles aus Eifersucht in blindem Jähzorn den bevorzugten Bruder Adam zusammenschlägt und ihn mit einer Axt auch ermordet hätte, wenn Adam sich nicht im Gebüsch eines Wassergrabens verkrochen hätte. Kurze Zeit später geht Adam für fünf Jahre zur Armee. Der Vater tritt nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau als Militärberater in den Dienst der Regierung. Charles bleibt allein auf der Farm zurück, bringt diese durch harte Arbeit zum Blühen, wobei der Haushalt allerdings herunterkommt. Alle zwei Wochen vergnügt er sich mit Prostituierten im Saloon.

Adam und Charles bleiben in zunächst regem Briefkontakt, in dem Charles offener über sich erzählt. Da Adam nach der Militärzeit aus Angst vor seinem gewalttätigen Bruder nicht auf die Farm zurückwill, verlängert er um weitere fünf Jahre. Charles vermisst indes Adam und lässt den Haushalt für dessen Rückkehr herrichten. Nach der zweiten Verpflichtung zieht Adam wie ein Landstreicher durch Amerika. Zweimal wird er aufgegriffen und zur Zwangsarbeit für je sechs Monate im Straßenbau von Florida verurteilt. In trostloser Verfassung kehrt Adam auf die Farm zurück.

Charles nimmt ihn freudig auf, allerdings immer noch mit der drängenden Hoffnung, herauszubekommen, wieso der Vater Adam mehr Zuwendung zuteilwerden ließ, während Charles den Vater doch inniger liebte. Beide reden zunächst wie die Katze um den heißen Brei. In einem klärenden Gespräch sagt Adam, dass er den Vater nie liebte. Damit nimmt er dem gewaltbereiten Charles den Wind aus den Segeln: Charles hat den Vater für sich, während Adam nun keine Angst mehr vor Charles hat. Beide überlegen nun, was sie mit dem Vermögen des Vaters machen, der ihnen eine große Summe Geld vermachte, ohne dass geklärt war, woher dieses viele Geld kommt. Charles vermutet, sein Vater habe es veruntreut, Adam jedoch mag dies nicht glauben. Auf jeden Fall können beide von dem Geld ein Leben ohne finanzielle Sorge führen; sie sind reich.

Dann tritt Cathy Ames auf den Plan. Steinbeck beschreibt sie als dämonische Frau mit einer Veranlagung fürs Böse, die für ihren Vorteil alles einsetzt – auch ihren Körper. Als Zehnjährige hat sie zwei Jungen zu sexuellen Handlungen angestiftet. Nicht sie wurde bestraft, sondern die zwei Jungen, die nach extremen Züchtigungen durch ihre Väter in eine Besserungsanstalt kamen. Auf Jungen übt sie eine magische Anziehungskraft aus. Sie erhält Schmuck und Wertgegenstände, von denen sie behauptet, sie gefunden zu haben. Ihr misstrauischer Vater will gar nicht wissen, wofür sie diese Sachen bekommen hat. Nach Auseinandersetzungen mit Vater und Mutter läuft sie davon: Sie setzt das Haus der Eltern in Brand, wobei diese umkommen. Dann plündert sie den Tresor im Geschäft ihres Vaters. Ihr Verschwinden tarnt sie als Entführung durch einen Landstreicher.

Später verdreht Cathy dem Bordellkönig Mr Edwards den Kopf. Der bislang kühl rechnende Geschäftsmann wird regelrecht blind vor Liebe, kauft ihr ein Haus und staffiert sie aus. Dass er sich von ihr ausnehmen lässt, verdrängt er. Als die betrunkene Cathy ihm ihre wahren Gefühle erzählt, zieht er die Reißleine: Er drängt sie aus dem Haus und will sie in eines seiner Bordelle bringen. Doch unterwegs schlägt er sie brutal zusammen und lässt sie halb tot auf der Straße liegen.

Adam und Charles finden Cathy an der Haustüre. Adam pflegt sie und fühlt sich sofort zu ihr hingezogen. Charles hingegen möchte sie möglichst schnell loswerden. Er durchschaut das intrigante Wesen von Cathy. Nachdem Cathy wieder zu Kräften gekommen ist, beginnt sie auch gleich mit ihrem durchtriebenen Spiel: Bevor Charles sie hinauswirft, heiratet sie Adam aus Berechnung, um vorerst eine sichere Zuflucht zu haben. Der erste Teil des Romans endet damit, dass Cathy zu Charles ins Bett steigt, während Adam schläft.

In einem zweiten, rein beschreibenden Erzählstrang stellt Steinbeck die im kalifornischen Salinas lebende Familie Hamilton vor. Samuel Hamilton wanderte um 1870 mit seiner Frau Liza aus Irland in die USA ein und ließ sich im Salinas-Tal auf eher unfruchtbarer Hanglage nieder. Dort zieht der technisch begabte Farmer neun Kinder groß. Die Tochter Olive wird als die Mutter von John Steinbeck vorgestellt.

Zweiter Teil[Bearbeiten]

Im zweiten Teil des Romans zieht Adam Trask mit seiner Frau Cathy nach Kalifornien, wo er sich im Salinas-Tal einen alten spanischen Landsitz kauft. Cathy ist schwanger und hat erfolglos versucht abzutreiben. Adam will den herunter gekommenen Landsitz für sich und seine Familie ausbauen. Samuel Hamilton hilft ihm dabei, Brunnen zu graben. Als Cathys Wehen einsetzen, ruft Adam den neunfachen Vater Samuel zuhilfe. Samuel begleitet die Geburt der Zwillinge. Cathy will die Kinder nicht und würdigt sie keines Blickes. Als sie wieder bei Kräften ist, schickt sie sich an, das Haus, Adam und die Kinder zu verlassen. Adam, den das Verhalten seiner Frau erschüttert, schließt sie in die Kammer ein, doch Cathy schießt ihn in die Schulter und verlässt das Haus, geht davon.

Cathy sucht unter dem Namen Kate ihr Glück in einen Bordell in Salinas. Dort blüht sie förmlich auf und gewinnt schnell das Vertrauen ihrer Kolleginnen und der Puffmutter Faye, der das Etablissement gehört. Faye sieht Kate wie eine Tochter und setzt sie als Alleinerbin in ihrem Testament ein, wovon Kate weiß. Um schneller an das Erbe zu kommen, mischt Kate Medikamente in das Essen und die Getränke für Faye, so dass diese nach längerem Siechtum stirbt.

Adam erholt sich unterdessen langsam von der schweren Schussverletzung an der Schulter. Er verfällt in tiefe Agonie und kümmert sich weder um seine Farm, noch um die Zwillingssöhne. Diese zieht sein chinesischer Diener Lee groß. Als sich nach über einem Jahr die Situation nicht gebessert hat, platzt Samuel Hamilton der Kragen. Er stellt Adam zur Rede, schlägt ihn gar und bringt ihn zur Vernunft. Gemeinsam mit Diener Lee überlegen sie Namen für die Zwillinge. Dabei philosophieren sie über die biblische Geschichte von Kain, der seinen Bruder Abel erschlug, das zentrale Motiv des Buches. Schließlich nennen sie die Zwillinge nach den biblischen Figuren Caleb und Aaron.

Dritter Teil[Bearbeiten]

Im dritten Teil stellt John Steinbeck die Familie Hamilton zunächst weiter vor. Samuel Hamilton (Steinbecks Großvater) ist vom frühen Tod seiner Tochter Una schwer getroffen. Seine anderen Kinder merken, wie er sichtlich altert. Sie beschließen, ihn wechselweise zu sich einzuladen, um sich um ihn zu kümmern. Samuel Hamilton und seine streng gläubige Frau Liza nehmen an. Sein Sohn Tom bleibt allein auf der Farm. Samuel weiß, dass er nicht wieder zurückkehrt und er bald sterben wird. Er verabschiedet sich von Adam, dessen Diener Lee und den mittlerweile elfjährigen Söhnen Cal und Aron.

Die drei Erwachsenen sprechen nochmal über die Interpretation der biblischen Kain-Geschichte. Lee hatte dazu chinesische Gelehrte befragt und mit diesen Hebräisch zum Verständnis des Urtextes gelernt. Seiner Auslegung nach ist der Mensch durch Kains Brudermord nicht zur Sünde verdammt, sondern hat die Wahlfreiheit, gut oder schlecht zu handeln. Dies ermuntert Samuel, Adam von seiner Frau Cathy zu erzählen, die in Salinas eines der verrufensten Bordelle betreibt. Damit stellt er Adam vor die Wahl, Cathy weiter nachzutrauern oder von ihr abzulassen und sich eine neue Frau zu suchen.

Samuel Hamilton stirbt. Nach seinem Begräbnis geht Adam noch durch die Straßen von Salinas und will sich von Cathys Verbleib im Bordell überzeugen. Die Konfrontation mit Cathy ist für ihn eine Befreiung, doch sie lässt ihn nicht ohne eine weitere Gemeinheit gehen: Sie eröffnet ihm, dass auch Adams Bruder Charles der Vater der Zwillinge sein könnte. Dennoch will Adam nach vielen trostlosen Jahren nun ein neues Leben beginnen.

Adam kauft sich ein Auto und kümmert sich mehr um die Kinder. Auch seinem Bruder Charles schreibt er nach über zehn Jahren einen Brief. Doch er erhält nur Nachricht von Charles' Tod. Dieser hinterließ Adam und Cathy je die Hälfte eines beträchtlichen Vermögens. Adam ringt nun mit sich, ob der Anteil für Cathy rechtmäßig ist. Doch schließlich besucht er sie und unterrichtet Cathy von ihrem Erbteil. Diese versteht die Freimütigkeit von Adam allerdings nicht und vermutet dahinter einen bösen Trick.

Die Söhne Cal und Aron wachsen in typisch brüderlicher Konkurrenz, Wettstreit und auch gegenseitiger Zuneigung auf. Gelegentlich fragen sie nach den Verbleib der Mutter. Adam und Diener Lee erzählen immer, sie sei gestorben. Doch die Zwillinge bekommen auch andere Gerüchte mit. Vater Adam ist sich noch unklar, ob er die Lüge aufrecht halten soll. Einmal belauscht Cal eine Unterredung von Adam mit Lee und erfährt, dass Mutter Cathy eine Hure in Salinas ist. Später kauft Adam auf Anraten von Bekannten in Salinas ein Haus, damit die Söhne in der Stadt eine bessere Schule besuchen können.

Vierter Teil[Bearbeiten]

Im vierten Teil des Romans verliert Adam Trask durch eine schlechte Geschäftsidee den Großteil seines Vermögens. Seine Söhne spüren den Spott der Einwohner. Aron möchte nichts lieber als wegziehen. Er schließt die Schule schneller ab und gewinnt dadurch den Respekt seines Vaters. Als er später an der Universität Stanford studiert, hat er jedoch großes Heimweh und führt dort eher ein abgeschiedenes Eremitendasein.

Cal hat inzwischen mehr über die Mutter herausbekommen. Er verfolgt sie heimlich, bis er sie in ihrem Bordell zur Rede stellt. Er fühlt sich einerseits abgestoßen von ihrem Wesen und Leben, andererseits spürt er aber auch ähnliche destruktive Wesenszüge in sich. Er ahnt, wenn sein Bruder Aron über die Mutter Bescheid wüsste, würde dieser daran innerlich zerbrechen.

Gemeinsam mit Will Hamilton verfolgt auch Cal eine Geschäftsidee. Den Gewinn will er dem Vater schenken, um – wie er sich selbst eingesteht – sich die Gunst und Liebe des Vaters zu erkaufen. Doch als Cal an Thanksgiving die 15.000 Dollar überreicht, weist dies der Vater zurück. Er möchte kein Geld geschenkt; lieber wären ihm Söhne, die etwas aus ihrem Leben machen. Der gemeine Wesenszug in Cal bricht sich Bahn: Er führt Aron zum Bordell und zeigt ihm lachend die Mutter. Aron rennt davon und lässt sich als angeblich 18-Jähriger (tatsächlich ist er erst 17) zum Militärdienst für den Ersten Weltkrieg einziehen.

Ein zweiter Handlungsstrang schildert das Leben und die Intrigen von Cathy im Bordell und mündet in ihrem Selbstmord. Sie hinterlässt Aron ihr beträchtliches Vermögen. Adam weint als er von Cathys Tod erfährt. Er muss Aron nun aufklären. Doch als er Cal fragt, wo Aron sei, antwortet dieser ähnlich wie Kain in der Bibel: „Muss ich denn auf ihn aufpassen?“ Doch nun hat auch Cal Angst um seinen Bruder.

Aron meldet sich mit einer Postkarte aus dem Militärdienst. Als später die Nachricht vom Tode Arons eintrifft, erleidet Adam einen Schlaganfall, der ihn lähmt und an den Rand des Todes bringt. Auf dem Krankenbett vergibt er seinem Sohn Cal, dass er Aron hinterlistig zu seiner totgeglaubten Mutter führte und ihn unvermittelt damit schockierte, dass diese eine Hure war.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1955: Jenseits von Eden, Spielfilm nach dem dritten und vierten Teil des Romans unter der Regie von Elia Kazan nach einem Drehbuch von Paul Osborn mit James Dean als Cal, Julie Harris als Abra, Raymond Massey als Adam Trask und Jo Van Fleet als Kate. Der Film erhielt vier Oscar-Nominierungen, aber nur die Nebendarstellerin Jo Van Fleet konnte einen für die Rolle der Mutter entgegennehmen.
  • 1981: Jenseits von Eden, sechsteilige Serie unter der Regie von Harvey Hart nach einem Drehbuch von Richard Shapiro mit Jane Seymour als Cathy/Kate, Timothy Bottoms als Adam Trask und Bruce Boxleitner als Charles Trask. Die nächste Generation spielten Karen Allen als Abra, Hart Bochner als Aron Trask und Sam Bottoms als Cal Trask. Die Serie gewann zwei Golden Globes (als beste Mini-Serie und Jane Seymour als beste Schauspielerin in einer Mini-Serie). Sie erhielt außerdem einen Emmy (Outstanding Art Direction) und war für drei weitere nominiert.

Weiteres[Bearbeiten]

Der Titel Jenseits von Eden geht auf ein Zitat aus dem 1. Buch Mose des Alten Testaments zurück. Darin heißt es, dass Kain nach seinem Brudermord „im Lande Nod, jenseits von Eden“, siedelte.

Die biblische Geschichte von Kain und Abel (englisch: Cain and Abel) steht gleich zweimal im Mittelpunkt der Handlung: Im ersten Teil des Romans trachtet Charles seinem Bruder Adam nach dem Leben. Im vierten Teil ist Cal am Tod von Aron indirekt beteiligt. Diese Assoziation wird noch verstärkt durch die Wahl der Namen: Cain-Charles-Cal fangen mit „C“ an, Abel-Adam-Aron mit „A“.

Literatur[Bearbeiten]

John Steinbeck: Jenseits von Eden, 1997, dtv, ISBN 978-3-423-10810-2.

Weblinks[Bearbeiten]