Jensen Interceptor

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Jensen
Jensen-Interceptor.jpg
Interceptor
Produktionszeitraum: 1966–1976
Klasse: Sportwagen
Karosserieversionen: Kombicoupé, Coupé, Cabriolet
Motoren: Ottomotoren:
6,3–7,2 Liter
(239–283 kW)
Länge: 4775 mm
Breite: 1750 mm
Höhe: 1350 mm
Radstand: 2670 mm
Leergewicht: 1800 kg
Vorgängermodell: Jensen C-V8
Nachfolgemodell: keines

Der Jensen Interceptor war ein Sportwagen der GT-Klasse, den der britische Automobilhersteller Jensen zwischen 1966 und 1976 baute. Die Bezeichnung Interceptor hatte Jensen bereits 1950 für einen Vorgänger verwendet, der heute meist als „Early Interceptor“ bezeichnet wird.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Jensen Interceptor löste den bis 1966 produzierten C-V8 ab. Seiner Einführung gingen im Werk erhebliche Kontroversen voraus. Der Interceptor gilt als Kind von Kevin Beattie, einem in Südafrika geborenen Ingenieur, der seit 1960 für Jensen arbeitete und zwischenzeitlich zum Technischen Direktor aufgestiegen war.

Der 1962 vorgestellte, von Jensens eigenem Designer Eric Neale gestaltete C-V8 war vor allem durch seine ungewöhnliche Form aufgefallen, die von Beobachtern als veraltet, mitunter auch als hässlich wahrgenommen wurde.[1] 1964 begannen Überlegungen für ein künftiges Jensen-Modell. Eric Neale konzipierte daraufhin zusammen mit Richard Jensen, einem der Gründer des Unternehmens, den Jensen P66, einen zweitürigen Sportwagen, dessen Marktposition unterhalb der des C-V8 angesiedelt war. Weder Beattie noch die Manager der Norcros-Gruppe, zu der Jensen seit 1957 gehörte, hielten den P66 für geeignet, um die Zukunft der Marke zu sichern. Norcros hielt den Wagen für zu klein, und Beattie missfiel unter anderem die nach seiner Ansicht zu traditionell gestaltete Karosserie des Wagens. Stattdessen entschied sich das Norcros-Management dafür, einen unmittelbaren, d.h. im gleichen Marktsegment positionierten Nachfolger des C-V8 zu entwickeln, der ähnlich wie die Konkurrenzmodelle von Aston Martin über eine in Italien entworfene Karosserie verfügen sollte.[2] Beattie ließ schließlich eine Gran-Turismo-Karosserie von Touring entwerfen, die die Zustimmung von Norcros fand. Richard und Alan Jensen, die Gründer des Unternehmens, sowie der langjährige Designchef Eric Neale lehnten Beatties Konzept im Allgemeinen und den Touring-Entwurf im Besonderen dagegen ab. Als sich Norcros für die Produktion des Touring-Modells entschied, verließen die Jensen-Brüder sowie Neale das Unternehmen im Streit.[3]

Technik und Aufbau[Bearbeiten]

Chassis und Antriebstechnik[Bearbeiten]

Der Interceptor übernahm von seinem Vorgänger das Rohrrahmenchassis, das maßgeblich von Kevin Beattie konstruiert worden war, sowie die Grundzüge der Aufhängung. Wie im Fall des Vorgängers waren die Vorderräder an Querlenkern und Schraubenfedern einzeln aufgehängt, hinten verwendete Jensen eine Starrachse mit Blattfedern und Panhardstab.[4] Als Antrieb diente wiederum ein Achtzylindermotor, den Jensen von Chrysler bezog. Im Laufe der Jahre stieg der Hubraum von 6,3 Litern auf 7,2 Liter. Vergleichbare Motoren wurden auch von Jensens Konkurrenten Bristol und Monteverdi verwendet. Die vierte Serie des Interceptor, die ab 1983 von einem Nachfolgeunternehmen in geringen Stückzahlen gefertigt wurde, nutzte einen kleineren Achtzylindermotor mit 5,9 Litern Hubraum.

Karosserie[Bearbeiten]

Die Karosserie des Interceptor hatte demgegenüber keine Ähnlichkeit mit dem C-V8. Während der Aufbau des C-V8 und seines Vorgängers 541 aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigt war, bestand die Karosserie des Interceptor aus Stahl.

In der Automobilliteratur besteht Einigkeit dahingehend, dass die Form des Interceptor auf einen Entwurf der Mailänder Carrozzeria Touring zurückgeht. Auf der Suche nach einem völlig eigenständigen Design hatte Kevin Beattie neben Touring auch deren Turiner Konkurrenten Vignale und Ghia um Vorschläge gebeten. Tourings Entwurf fand die größte Zustimmung, allerdings flossen auch Detaillösungen von Alfredo Vignale und Eric Neale in die endgültige Form ein. Demgegenüber behauptete der Schweizer Jensen-Importeur und spätere Sportwagenhersteller Peter Monteverdi bis in die 1970er-Jahre hinein, er habe für Touring die Karosserie des Interceptor entworfen. Ein von Monteverdi angestrengter Prozess blieb indes ohne Erfolg.[5]

Anstelle der Carrozzeria Touring, die wirtschaftlich stark angeschlagen war und Ende 1966 aufgelöst wurde,[6] erhielt Vignale den Auftrag zur Fertigung des Prototypen. Bei Vignale entstanden auch die ersten 50 Serienkarosserien. Ab 1967 aber fertigte Jensen in seinem Werk in West Bromwich die kompletten Fahrzeuge selbst.

Karosserievarianten[Bearbeiten]

Saloon (GT)[Bearbeiten]

Jensen Interceptor Mk. 1
Mk. 2, besonderes Merkmal des Saloon: Die gewölbte, komplett zu öffnende Heckscheibe.

Zu Beginn gab es den Interceptor nur als zweitürigen GT. Die moderne Karosserie mit Fließheck schließt mit der charakteristischen großen Heckscheibe ab, die im englischen Sprachraum häufig als „goldfish bowl“ bezeichnet wird.[7] In der Bauzeit von 1966 bis 1976 gab es insgesamt drei Serien. Dem Interceptor der ersten Serie folgten die Modellreihen Interceptor Mk. 2 und Mk. 3. Die Baureihe erfuhr dabei zahlreiche Detailänderungen, die sich sowohl auf die Antriebstechnik als auch die Karosseriegestaltung und den Innenraum bezogen.

Interceptor Mk. 1[Bearbeiten]

Jensen Interceptor Mk. 1

Für die Modelle der ersten Serie verwendete Jensen wie bereits im Vorgänger C-V8 einen 6,3 Liter großen Achtzylindermotor von Chrysler. Er leistete 325 PS (239 kW). Als Kraftübertragung diente serienmäßig ein ebenfalls von Chrysler gebautes dreistufiges Automatikgetriebe vom Typ Torqueflite; 23 Fahrzeuge wurden abweichend davon auf Kundenwunsch mit einem manuell geschalteten Vierganggetriebe ausgestattet. Die Fahrzeuge der ersten Serie waren noch nicht mit Servolenkung ausgerüstet. Äußerlich ist die erste Serie an schmalen, tief liegenden Stoßstangen zu erkennen; die vorderen Blinker waren über der Stoßstange installiert.

Interceptor Mk. 2[Bearbeiten]

Jensen Interceptor Mk. 2

Die zweite, im Oktober 1969 eingeführte Serie erhielt im Hinblick auf amerikanische Sicherheitsbestimmungen höher angesetzte Stoßstangen; die vorderen Blinker befanden sich nun unterhalb der Stoßstange. Der Kühlergrill wurde ebenso überarbeitet wie das Armaturenbrett. Der Motor blieb dagegen unverändert.

Interceptor Mk. 3[Bearbeiten]

Ab Oktober 1971 wurde die dritte Serie des Interceptor produziert. Die Karosserie entsprach weitgehend dem Mk. 2; der Wagen erhielt jedoch serienmäßig Leichtmetallräder sowie eine geänderte Innenausstattung. Ab November 1971 ersetzte Jensen zudem den 6,3 Liter großen Motor durch einen Achtzylindermotor mit 7,2 Liter Hubraum, der weiterhin von Chrysler bezogen wurde. Fahrzeuge mit Rechtslenkung erhielten noch bis Mai 1972 den Motor des Vorgängermodells. Grund für den Wechsel war die durch die amerikanischen Abgasgesetze verringerte Leistung der Motoren.[8] Immer striktere Gesetze erforderten eine niedrigere Verdichtung, was zu einem erheblichen Leistungsverlust führte. Um dies ansatzweise auszugleichen, war Jensen wie andere Kunden Chryslers gezwungen, Motoren mit größerem Hubraum zu verwenden. Doch auch mit dem 7,2-Liter-Motor, der 285 PS (210 kW) lieferte, war der Mk. 3 weniger sportlich als die frühen Mk.-1-Modelle, denn die größeren Motoren waren schwerer und schränkten die Handlichkeit der Fahrzeuge ein.

Convertible (Cabriolet)[Bearbeiten]

Jensen Interceptor Convertible

Der wichtige US-Markt veranlasste Jensen dazu, auch ein Cabriolet ins Modellprogramm aufzunehmen. Der 1974 vorgestellte Interceptor Convertible entsprach technisch dem Saloon Mk. 3. Es gilt als besonders elegant und gehört heute zu den gesuchten, aber auch teuersten Modellen der Marke. Anders als der Saloon wurde das Cabriolet mit seinem Zuschnitt auf den amerikanischen Markt vor allem als Linkslenker verkauft.

Coupé[Bearbeiten]

Die seltenste Version des Interceptor ist das Coupé, das im Oktober 1975, also kurz vor der Insolvenz des Unternehmens, auf der Earls Court Motorshow in London vorgestellt wurde. Anders als der Saloon wies das Coupé ein Stufenheck auf. Es basierte auf der Rohkarosserie des Interceptor Convertible, erhielt jedoch anstelle des Verdecks ein Hardtop. Die Installation des Hardtops erfolgte nicht bei Jensen selbst, sondern bei dem britischen Kleinstserienhersteller Panther Westwinds.

Die seitliche Verglasung des Wagenhecks bestand aus unterschiedlich geformten Scheiben. Die meisten Exemplare wiesen eine breite B-Säule auf, die vielfach mit Vinyl bezogen war. Die verchromte Einfassung der B-Säule setzte sich bei diesen Modellen in der Form eines Überrollbügels über das Dach fort. Einzelne Exemplare hatten statt einer breiten B-Säule ein zusätzliches Seitenfenster. Die Heckscheibe entsprach in allen Fällen der des Jaguar XJ-C, die verchromten Coupé-Schriftzüge an den hinteren Kotflügeln wurden vom Morris Marina übernommen. Bis zum endgültigen Produktionsstopp im Jahr 1976 verließen 46,[9] nach anderen Quellen 47 oder 54 Fahrzeuge das Werk in West Bromwich,[10] von denen heute noch etwa 40 existieren.

Jensen FF[Bearbeiten]

Hauptartikel: Jensen FF

Der Jensen FF war der erste Serien-PKW mit Allradantrieb. Genau genommen ist der FF jedoch kein Interceptor, sondern eine eigene Baureihe. Der Allradantrieb benötigte mehr Platz, sodass der gesamte Vorbau verlängert werden musste. Auch wenn der FF einem Interceptor recht ähnlich sieht, so ist er an der geänderten Frontpartie mit doppelten seitlichen Lüftungsschlitzen gut zu erkennen. Gebaut wurde er bis 1971.

Jensen SP[Bearbeiten]

Als Nachfolger des FF wurde 1971 der Jensen SP vorgestellt. Formal handelte es sich um ein eigenständiges Modell, das auf die Bezeichnung Interceptor verzichtete. SP war die Abkürzung für Six Pack[11] und nahm Bezug auf die besondere Form der Gemischaufbereitung, die bei diesem Modell durch drei Doppelvergaser erfolgte.

Äußerlich und technisch entsprach der SP vollständig dem Interceptor Mk. 3. Der wesentliche Unterschied bestand in einer deutlich leistungsstärkeren Motorisierung. Der SP nutzte zwar den gleichen, 7,2 Liter großen Achtzylindermotor wie der Interceptor Mk. 3, allerdings war der Motor hier mit drei Doppelvergasern von Holley ausgestattet war. Die Leistung wurde mit 385 PS (brutto) bzw. 330 PS (netto) angegeben, das maximale Drehmoment betrug 556 Nm und fiel bei 3.600 Umdrehungen pro Minute an. Ein Test aus dem Jahr 1972 ermittelte eine Höchstgeschwindigkeit von 234 km/h und als Beschleunigung von 0 auf 96 km/h einen Wert von 7,6 Sekunden. Der Durchschnittsverbrauch betrug 28 Liter auf 100 km (10,5 Meilen pro Gallone).[12]

Die meisten Tester lobten die Laufruhe des Motors und die hohe Leistung.[13] Allerdings bedurfte der SP aufmerksamer Wartung. In einigen Publikationen wird behauptet, dass die Vergaser in sehr kurzen Intervallen - gelegentlich wird von nur 500 Meilen gesprochen[14] - neu eingestellt werden mussten.

Der sehr teure SP konnte, da er die amerikanischen Abgasgesetze nicht erfüllte, nicht in die Vereinigten Staaten exportiert werden, sodass er in erster Linie dem britischen Markt vorbehalten blieb. Bis 1973 entstanden 232 Exemplare, die zumeist eine Rechtslenkung erhielten.

Die Produktion[Bearbeiten]

Die Produktionszahlen des Jensen Interceptor weichen in verschiedenen Veröffentlichungen teilweise voneinander ab. Die nachstehende Übersicht orientiert sich an den Angaben in einer Modellchronik der Zeitschrift British Classic Cars:

Aufbau Interceptor Mk.1
1966-1969
Interceptor Mk.2
1969-1971
Interceptor Mk.3
1971-1976
Interceptor SP
1971-1972
Saloon 1024 1128 4256 232
Convertible -- -- 508 --
Coupé -- -- 47 --

Wiederbelebung[Bearbeiten]

Jensen Parts and Service, ein Nachfolger von Jensen Motors, produzierte von 1984 bis 1993 eine zweistellige Zahl weiterer Interceptor-Fahrzeuge, die als Interceptor Mark IV bezeichnet wurden und von einem 5,9 Liter großen Chrysler-Achtzylinder angetrieben wurden.

Die heutige Marktlage[Bearbeiten]

Jensen Interceptor sind gesuchte Klassiker. Doch obwohl die Fahrzeuge zu ihrer Zeit ein ähnliches Ansehen genossen wie die Modelle von Aston Martin und teilweise deutlich teurer waren, sind sie als Oldtimer bei Weitem nicht so gefragt, was sich auch in den Preisen ausdrückt. Für einen Jensen Interceptor Mk. 3 in mangelfreiem Zustand wurde 2010 ein Preis von etwa 25.500 Euro veranschlagt; ein Aston Martin V8 in gleichem Zustand ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt mehr als doppelt so teuer. Ein Interceptor Convertible ist deutlich teurer als die geschlossene Version, aber auch er bleibt weit hinter den Preisen für einen Aston Martin V8 Volante zurück.[15] Der Grund für die Preisdifferenz zwischen Jensen und Aston Martin wird in der Literatur zumeist in der Verwendung eines weniger prestigeträchtigen amerikanischen Motors gesehen.[16]

Medien[Bearbeiten]

Im Film Fast & Furious 6 aus dem Jahre 2013 fährt Dominic Torettos Freundin Letty Ortiz einen mattgrauen Jensen Interceptor. In dem Film "Russisches Roulette", einer britisch-kanadischen Produktion (1975), fährt George Segal einen Jensen Interceptor Saloon.

Konkurrenten[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Tipler: Jensen Interceptor. The Complete Story. Crowood Press Ltd., Ramsbury 2004. ISBN 978-1-86126-711-5
  • Car Story: Jensen Interceptor. In: British Classic Cars, Heft 3/1010 (April und Mai 2010), S. 34 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Classic Cars Spezial: Englische Oldtimer, Heft 2/1994, S. 68.
  2. Der Aston Martin DB6 und seine direkten Vorgänger hatten Aufbauten, die von der Mailänder Carrozzeria Touring gestaltet worden waren.
  3. John Tipler: Jensen Interceptor. The Complete Story. Crowood Press Ltd., Ramsbury 2004. ISBN 978-1-86126-711-5, S. 36 und 42.
  4. Oleski, Lehbrink: Seriensportwagen, S. 310.
  5. Roger Gloor, C. L. Wagner: Monteverdi. Werdegang einer Schweizer Automarke, Eigenverlag Monteverdi Automobile, keine ISBN, S. 174.
  6. Eine Kernbelegschaft Tourings firmierte ab 1967 unter dem Namen Carrozzeria Marazzi.
  7. British Car Classic Cars 3/2010, S. 38.
  8. Richard Calver, Jensen History
  9. ww.richardcalver.com: private Internetseite zum Jensen Interceptor (abgerufen am 25. November 2013).
  10. Zum Ganzen vgl. Tipler: Jensen Interceptor, S. 116 ff.
  11. Jensen Motors Katalog 1973
  12. Werte aus: Motor Road Test Nr. 14/72 vom 18. März 1972.
  13. Motor Road Test Nr. 14/72 vom 18. März 1972.
  14. Die Modellchronik in der Zeitschrift British Classic Cars (Heft 3/2010, S. 39) spricht von einem Intervall von nur 500 Kilometern.
  15. Daten nach Zink: Oldtimer Katalog Nr. 19 (2010), S. 38 (Aston Martin) und 167 (Jensen).
  16. British Car Classic Cars 3/2010, S. 39. Dort heißt es: „Mit einem Wort: Hybrid“.