Jephtha (Händel)

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Jephtha (HWV 70; dt. auch Jephta) ist ein dramatisches Oratorium in drei Teilen von Georg Friedrich Händel.

Entstehung[Bearbeiten]

Händel vermerkte die Daten seiner Arbeit an dem Werk wie üblich in der Kompositionspartitur. Außerdem sieht man an seinen Bemerkungen aber auch, wie dramatisch sich sein Augenleiden in dieser Zeit verschlimmerte. Den ersten Akt komponierte er vom 21. Januar bis 2. Februar 1751. Im zweiten Akt vermerkte er beim Chor „How dark, O Lord, are Thy decrees“ in deutscher Sprache „biß hierher komen den 13 Febr. 1751 verhindert worden wegen so relaxt des gesichts meines linken auges“. Als er die Arbeit wieder aufnahm, notierte er „den 23 dieses (Monats) etwas beßer worden wird angegangen“, und am Schluss des zweiten Aktes „geendiget den 27 dieses Febr. 1751“.

Danach begab er sich zu einer Kur nach Cheltenham und nahm anschließend am 18. Juni die Arbeit am dritten Akt und an der Ausfüllung der Stimmen auf. Am 30. August fügte er seine Schlussformel S(oli). D(eo). G(loria). mit dem Datum an.

Das Werk weist im Vergleich zu Händels Oratorien eine ungewöhnlich hohe Zahl an Entlehnungen von anderen Komponisten auf. Mehrere Sätze enthalten Material aus der 1747 veröffentlichten Sammlung von Messen des böhmischen Komponisten Franz Johann Habermann.

Das Oratorium wurde am 26. Februar 1752 im Theatre Royal in Covent Garden erstmals aufgeführt und wurde zweimal wiederholt. In den Jahren 1752, 1753, 1758 wurde es wiederholt aufgeführt.

Jephtha ist Händels letztes neu geschriebenes Oratorium. Rund fünf Jahre später schuf er noch das englischsprachige Oratorium The Triumph of Time and Truth, das aber zum größten Teil durch eine Umarbeitung des italienischen Il Trionfo entstand.

Libretto[Bearbeiten]

Das Libretto schrieb – wie bei den vorangegangen Oratorien – Reverend Thomas Morell. Die Thematik um das Gelübde des Richters Jephtha und dessen Folgen für seine Tochter ist dem Buch der Richter (Ri 11, 30-40) im Alten Testament der Bibel entnommen.

Im Text lassen sich noch zwei Inspirationsquellen Morells ausmachen: George Buchanan „Jephthes sive votum“ von 1554 (1750 in einer englischen Übersetzung von William Tait veröffentlicht), und Maurice Greens Oratorium Jephtha von 1737.

1. Ouvertüre

1. Akt

2. Zebul: (Ac) So muss es sein, eh' Ammons Tyrannei, die achtzehn Jahre unser Land schon quält, zerschlägt das Volk von Israel. Da Gott sich abkehrt, und mit seinem Wink nicht mehr, wie sonst, den Führer uns bestimmt, so wählet selbst: wo ist ein bessrer Mann, als Gilead's Sohn, mein tapf'rer Bruder Jephtha? Zwar haben wir ihn einst verhöhnt und dann verbannt, als einer Fremden Sohn; ich aber kenn' ihn: sein edler Sinn wird nicht nach Rache streben, wenn sein bedrängtes Volk nach Hilfe ruft. Vielleicht erhört der Himmel unser Fleh'n, wenn wir nun reuevoll um Gnade beten.

3. Zebul: (A) Ruft länger nicht die Götzen an, denn sie sind taub und leer. Entweiht mit lästerlichem Klang des Herrn Altar nicht mehr.

4. Chor: Nicht mehr der Cymbeln Klang erschallt, o Moloch, deiner Schreckgestalt, zu grausem Tanz um deinen Opferherd. Kamos, nicht dir lobsingen wir im heil'gen Liede, das nur Gott verehrt.

5. Zebul: (R) Doch Jephtha kommt, Gott, Herr, steh du uns bei. O Jephtha! Wir bitten dich um Mitleid; schau auf deiner reuevollen Brüder Not. Vergiss, was dir geschah, und rette du das Land, die Freude, aus der Hand des Feindes. Jephtha: Ich will, wenn's Gott gefällt. Dies die Bedingung: Die Macht, die mir im Krieg von euch verlieh'n, soll auch im Frieden, wenn Gott uns siegen lässt, die meine sein. Zebul: So sei's bei unsrem Gott.

6. Jephtha: (A) Tugend erfüll' die Seele mein, Güte nur mach mich groß. Wer baut auf diesen Grund allein, scheut nicht des Schicksals Los.

7. Storgè: (R) Mit Schmerzen werden wir uns trennen, Jephtha, wenn du gewappnet ziehst ins blut'ge Feld. Doch ach, wie nichtig ist doch meine Klage, da unser ganzes Volk am Boden liegt, sehnend nach Freiheit sich und Glück.

8. Storgè: (A) In sanften Lauten stimm' ich ein Klaglied wie die verlass'ne Taube an. Und seufzend wünsch ich dich zurück, in Freiheit und in wahrem Glück.

9. Hamor: (R) O welche Freude, geliebte Iphis, dass ich noch einmal dich nun sehen kann. Dem Monde gleich, der durch die Wolken bricht, leuchtend dem nächt'gen Wanderer, so strahlt auf mich dein Aug', und es vertreibt den Schmerz. Dein holder Blick weckt neu zum Leben mich, wie deines Vaters wachsame Führung dies arme Volk mit neuem Mut beseelt. O eile dich, vollende doch mein Glück!

10. Hamor: (A) Dumpfes Warten lässt den Liebsten sich verzehren voller Qualen, und vergebens harrt er dein. Leuchte mir mit holdem Blicke, täusch mich nicht mit falschem Glücke, quäl mich nicht mit Furcht und Pein.

11. Iphis: (R) Die Liebe schweiget still, wenn Ehre ruft, und dich mit Jephtha in den Krieg nun schickt. Dort zeig als Held dich, und mit Kampfesmut erweise würdig dich, sein Sohn zu sein; empfangen wirst du dann verdienten Lohn.

12. Iphis: (A) Nimm zu deinem liebend Herz meins in die Brust hinein. Dann fühlst du dich doppelt stark, Sieg wird dir sicher sein.

13. Hamor: (R) Wohlan, ich geh. Begeistert durch dein Wort eil' ich zum Kampfe. Mit dem Siegeskranz seh' ich mich schon gekrönt; dann bist du mein, ein Preis, mehr wert als Ehre, Sieg und Ruhm.

14. Iphis und Hamor: (Duett) Nach solcher Müh, wie selig wir, wie glorreich, wie beglückt! Wenn uns des Sieges Kranz und Zier das Fest der Liebe schmückt.

15. Jephtha: (Ac) Was soll dies wirre Spiel in meinem Geist? Bilder des Glücks erscheinen hier vor mir, freundlich zuerst, und schwinden dann in Nacht. Entflammt ist meine Brust: den Arm erfüllt zehnfache Kraft, und der Busch des Helms reckt sich zum Himmel. Sei demutsvoll, mein Herz; es ist der Geist unsres Herrn, ich lege ihm nun mein Gelübde ab.

16. Jephtha: (A) Wenn ich, geführt durch deine mächt'ge Hand Ammon gestürzt und ihn mit seinem Heer aus diesem hart bedrängten Land verjagt, und kehre heim, gekrönt als Siegesheld; so sei das erste, das hier vor mir erscheint, dann dir, o Herr, geweiht, und soll geopfert sein.

17. Jephtha: (R) So sei's. Ihr Führer, hört, und hebet all vereint die Stimme nun empor zu Israels Gott.

18. Chor: O Gott, sieh unsere große Not. Straf' oder Lohn ist dein Gebot. Wend ab den Zorn, sieh gnädig an die Deinen, die dir flehend nah'n.

19. Storgè: (R) Ein hart' Geschick schwebt über uns, und es erklingt manch Klagelied in dieser großen Not. O niemals, niemals hat je mein Herz zuvor geahnt das Leid mit solcher Seelenqual.

20. Storgè: (A) Schreckensbilder, groß und bleich, steigen aus dem Schattenreich in dem Graun der Nacht herauf. Endlos ist der Sklaven Leid, ohne Trost geht hin die Zeit, freudlos flieht der Stunde Lauf.

21. Iphis: (R) Sag, liebe Mutter, welch furchtbares Schrei'n schreckte, wie gescheuchtes Wild, mich auf aus meiner Ruh? Storgè: Um dich hat Angst mein Herz, von bösem Traum entsetzt in dieser Nacht. Iphis: Beachte nicht den schwarzen Traum der Nacht, der Bilder ruhelosen Schlummers achte nicht, Mein Vater, den ein göttlich Feuer treibt, ihm scheint jetzt der Sieg gewiss zu sein; kein Zweifel. Gott erhöret unser Fleh'n.

22. Iphis: (A) Beglückter Tage Morgenrot streut lächelnd heitres Licht; und froher Hoffnungsstrahl durchbricht die dunkle Nacht der Not. Das ganze Jahr erblüht und lacht in ew'ger Maienpracht.

23. Zebul: (R) Dies, Jephtha, war des stolzen Königs Wort: Nicht Frieden! Nur Verderben, Sklaverei und Tod. Jephtha: Auf denn zum letzten Kampf; so zieht ins Feld, ihr Söhne Israels; stark sei euer Herz, vertrauend auf des Herrn Gewalt und Macht.

24. Chor: Wenn donnernd seine Stimme schallt, zerbricht vor Angst der Flut Gewalt; erzitternd vor der Allmacht Hand; sie rollt umsonst in Sturm und Wut; gebannt durch dessen Faust, durch den sie tobt und braust. Scheu zähmet sie den stolzen Mut, und spottend ihres Zornes lacht der Strand.

2. Akt

25. Hamor: (R) Als Bote großen Glücks, o teure Iphis, komm ich zum Hause Israel und zu dir. Hör', was geschah. Als beide Heere schon zur Schlacht bereit, trat unser Führer vor und bot dem stolzen Ammon Frieden an, gerecht und billig. Da man ihn verwarf, erklang der Schlachtruf nun; doch eh' ein Schwert getaucht in Feindesblut, zerteilte rings im Donner sich der Himmel und ergoss zahllose Scharen Cherubim, und Jephthas Stimme erscholl: "Dies ist ein Zeichen, Herr, ich folge dir und deinem heil'gen Heere." Dann stürzt er sich auf Ammons große Macht und siegt im blut'gen Kampfe und verfolgt den flücht'gen Feind bis in die tiefe Nacht; d'rauf ruhten wir und freuten uns des Sieges.

26. Chor: Cherub und Seraphim, Jehovas Heer, sind Boten des Geschicks, gewärtig seines Blicks; sie stürmen rasch, in Lichtgestalt, mit Blitzes Glutgewalt. Sie fahren sausend im Sturmwind daher.

27. Hamor: (A) Im Gewühl des Kampfes schreitend, um den Preis der Liebe streitend, sucht' ich dich, des Sieges Pfand. Da ich nun mit Glück gesegnet, Süße Freude mir begegnet, acht' ich keinen and'ren Ruhm.

28. Iphis: (R) Wohlan, so eilt, ihr Mädchen, und mit reichem Schmuck bekleidet mich wie eine Braut, um meinen Vater festlich zu empfangen, und wenn umher die Banner fröhlich weh'n,

29. Iphis: (A) Sendet sanften Lautenklang, Flöt' und Harfen mit Gesang zu Gottes Lob empor. Wie in frohem Festeskreis laut besingt Jehovas Preis der heil'ge Tempelchor.

30. Zebul: (R) Nun zeigt sich uns der Himmel wieder gnädig, die Silberschwingen breitet weit der Sieg, die Mühsal endet in des Friedens Ruh'.

31. Zebul: (A) Freiheit ist uns neu gegeben, Friede kehrt in unser Leben mit Siegesfreude ein. Zion wird nicht länger klagen, wird in künft'gen Segenstagen dir, dem Herrn, ein Loblied weih'n.

32. Jephtha: (R) Zebul, du kämpftest tapfer, und auch du, mein Hamor, doch der Ruhm gehört dem Herrn.

33. Jephtha: (A) Der Feinde Mut und stolze Pracht zerschlägt der Herr mit jäher Macht. Sie geh'n zugrunde, als hätt' auf sein Gebot der Sturmwind sie gestürzt in Todesnot.

34. Chor: In Herrlichkeit lenkt er die Welt, bewegt das All, wie's ihm gefällt. Der Feinde Mut und stolze Pracht zerschlägt der Herr mit jäher Macht.

35. Sinfonia

36. Iphis: (R) Heil, großer Siegesheld, teurer Vater, Heil! Sieh, deine Tochter, in der Jungfrau'n Schar, grüßt dich mit Liebe, wie sie dir gebührt.

37. Iphis: (A) Sei gegrüßt wie heit'res Licht, das die dunkle Nacht durchbricht, wie der Lenz, der dieser Welt Frieden schenkt und füllt das Feld. Kein Tageslicht, auch Frühling nicht so reichen Segen bringt, wie Fried', der seine Fahnen schwingt.

38. Chor der Knaben: Heil sei dir, des' Heldentum uns erhob zu Macht und Ruhm! Heil sei dir, den Gott gesandt zum Erretter diesem Land. Du erschienst, die Kraft des Herrn zu verkünden nah und fern.

39. Jephtha: (R) Grauen, Entsetzen! Grässlich tönt dies Lied in mein betäubtes Ohr. Zurück, mein Kind, dein Vater ist vernichtet. Flieh, hinweg, und lass mich in Verzweiflung untergeh'n!

40. Jephtha: (A) Öffne, du dunkles Grab, den Schlund und birg mich, Erd', im schwarzen Grund. Eh' eines Vaters Grausamkeit den Sieg kehrt um in tiefes Leid.

41. Zebul: (R) Warum, mein Bruder, bist du so verstört? Warum verschmähst du deiner Tochter Gruß und stößt sie von dir mit so hartem Sinn? Jephtha: O Zebul! Hamor! und mein teures Weib! hört mich unsel'gen an, der von dem Gipfel stolzer Freuden stürzt nieder zum tiefsten Grund des Elends. So hört: Ich schwor, das Erste, was ich säh' zu opfern dem lebend'gen Gott: die Tochter, o Grau'n! er war die Tochter, und sie stirbt.

42. Storgè: (Ac) Erst falle du, und alle Welt mit dir! Es gab der Himmel dieses einz'ge Pfand der Liebe uns, dies teure Kind, und nun willst du sein Mörder sein? Nein, grausamer Mann! (Arioso) Lass and're Opfer sterben! Mag Himmel, Land und Flut zerbrechen und verderben, eh einer Tochter Blut so rein, so schön, so gut! vergießt des Vaters Wut.

43. Hamor: (R) Bleibt dies dein harter Wille, sieh', dein Freund bietet sich selbst als Opfer frei dir an, um so zu retten dein herrlich Kind.

44. Hamor: (A) Nur mich, in blind verwirrter Wut, mich treffe deine Hand. Denn Gnade ist wohl dort der Tod, wo jede Lebensfreude schwand.

45. Quartett: (Storgè) Schon' mein Kind! (Hamor) Mein Lieb! Nimm deinen Schwur zurück, er bringt uns Fluch. (Zebul) Verschone die Tochter. (Jephtha) Geschworen ist der Eid vor Gottes Thron. (Hamor) Gott will das Opfer nicht, das Molochs Dienern Pflicht! (Jephtha) Ach schweiget doch! Fest steht der Spruch. (Storgè) Tu nicht, was Molochs Dienern Pflicht.

46. Iphis: (Ac) Schnell habe ich gehört den bittern Grund all eures Kummers. Gott nahm des Vaters Schwur in Gnaden auf und schenkte ihm Erfolg. Jephtha ist Sieger, Israel ist frei.

47. Iphis:(R) Für solch ein Heil, wie klein doch ist der Preis nur eines Lebens! O Herr, nimm' gnädig mich als Opfer an, segne stets mein Volk, all meine Freunde und den teuren Vater!

48. Iphis (A) Heil sei euch! Des Lebens Glück lass ich gern bei euch zurück. Ohne Klagen, ohne Weh' ich dem Tod entgegenseh'.

49. Jephtha: (Ac) Tiefer und tiefer nur zerreißt dein Mut, ach, deines Vaters blutend Herz und hemmt auf starrer Zunge mir den Schreckensspruch. O lasst mich flüstern ihn in den wilden Sturm, in öde Wüsten, für ein menschlich Ohr ist er zu schrecklich. Doch hab ich's nicht gelobt? und kann ich hoffen, dass Gott Jehova schläft, wie Kamos, und dergleichen Götzen tun? Weh, nein! Er nahm den Eid und hielt den Bund: es muss gescheh'n! Das ist's, was quälend mir mit tausendfachem Schmerz die Brust zerreißt, mich martert bis zum Wahnsinn! Grauenvoll! Die einz'ge Tochter! mein teu'res Kind! durch mich geopfert! Ja, so war der Schwur, und Gilead besiegte seinen Feind darum, beim Morgenrot, beim Morgenrot… Ich kann nicht mehr.

50. Chor: O Herr, wie dunkel ist für uns doch dein Beschluss, wie tief verborgen unserm Blick. Unsre Lust kehrt sich in Klagen, unser Sieg sich in Verzagen, wie dem Tage folgt die Nacht. Kein sich'res Glück, kein dauernd Heil wird uns auf Erden hier zuteil. Doch im Glauben ergeben, sprecht: Was uns geschieht, ist recht.

3. Akt

51. Jephtha: (A) Birg dein verhasstes Licht, o Sonn', in Nacht, in Nacht und Dunkel, tief wie nur des Vaters Schmerz,

52. Jephtha: (Ac) ... des Vaters, der geweiht sein einzig Kind zum Opferdank für Kampfesruhm und Sieg.

53. Jephtha: (A) Tragt sie, Engel, sanft mit euch auf zu den azur'nen Höh'n. Lasst sie herrlich mit euch geh'n in das ew'ge Himmelreich.

54. Iphis: (R) Ihr heil'gen Priester, die ihr euch nie befleckt mit Menschenblut: was seid ihr so entsetzt und ängstigt euch vor dieser Tat? Dem Ruf des Herrn gehorche ich in Demut und Ergebung.

55. Iphis: (A) Leb' wohl, du klarer Quell' im Hain, du grüner Wald, du Blumenfeld; leb' wohl, unruhevolle Welt, nach kurzer Lust und langer, langer Pein. Besseren Welten eil' ich zu, in dem Reich der Lieb' und Ruh'.

56. Chor der Priester: Bange Furcht und fromme Scheu lässt uns, Herr, hier vor die knien. Gilt des Gesetzes Sinn? oder Eidespflicht und Treu? Herr, nimm unser großes Elend wahr und mach uns deinen Willen klar.

57. Sinfonia

58. Engel: (R) Hör, Jephtha! Und ihr Priester all' lasst ab vom blut'gen Werk! Kein Schwur entkräftet je des Herrn Gesetz; und solche Tat ist nicht sein wahrer Sinn, doch wird der Eid erfüllt. So höre, Jephtha: weihen soll sich nun dein Kind dem Herrn, als Jungfrau ihm stets dienen; denn sie ist nicht bestimmt zum Opfertier, das niedersinkt zu sterben für den Herrn. Der heil'ge Geist verkündet so durch mich den Sinn des Eides und lobet deine Treue.

59. Engel: (A) Selig, Iphis, immerdar, wenn dir nun der Jungfrau'n Schar mit Gesang und Harfen Klang jährlich opfert Preis und Dank. Selig, Iphis, alle Zeit, rein und heilig, engelsgleich, wirst du blüh'n, und ruhmesreich währt dein Lob in Ewigkeit.

60. Jephtha: (Arioso) Auf ewig sei dein Name nun gelobt, Herr Gott von Israel!

61. Chor der Priester: Preis und Dank nur dir gebührt, der du uns gerecht geführt! Deine Gnad' ist immer neu, ewig standhaft, ewig treu.

62. Zebul: (R) Ich preise glücklich dich um solches Heil, mein edler Bruder, Richter Israels! Dein Mut, dein Glaube, Treue und Vertrau'n, all' das lebt fort, auch deiner Tochter Ruhm kündet im Lobgesang der Völker Lied.

63. Zebul: (A) Preist sie, laut, ihr Jungfrau'n all, im Gesang mit Jubelschall! Auch du, heil'ge Engelschar, bringe ihr ein Loblied dar; Tugend, die zu euch gehört, Lieb' und Treu' hat sie verklärt.

64. Storgè: (R) O lass dich schließen in der Mutter Arm! und nimm mit Freude auf, was dir geschieht, du bist berufen in des Herren Dienst.

65. Storgè: (A) Süß wie für den, der blind, die Sonnenstrahlen sind, so freu ich mich an dir, gerettet Kind! Du bist nun wieder mein; Gott zeigte gnädig sich, hat uns erlöst von Pein, gesegnet dich.

66. Hamor: (R) Mit Wonne, Iphis, seh' ich dich gerettet, doch klagen lässt mich nun mein hartes Los, hart, auch wenn Jephtha so mich ehren wird, dass er nun Sohn mich nennt.

67. Hamor: (A) Vor Gottes großer Macht verstummt mein tiefer Schmerz; doch bleibt nun Tag und Nacht ein Engel mir im Herz. So strahlt dein Reiz und holde Zier in mehr als ird'schem Glanze mir.

68. Iphis: (R) Mein treuer Hamor! möge der Himmel, der hier verlangt Gehorsam und Ergebung, dir schenken glücklichere Wahl!

69. Iphis: (A) Was in dir mein eigen war, bring' ich Gott zum Opfer dar. Ruhmesglanz und Siegesfreud' krönen dich für alle Zeit. Gottes Segen kam zu mir, sei die Huld noch größer dir!

70. Quintett: (Iphis) Was in dir mein eigen war, bring' ich Gott zum Opfer dar. (Hamor) Was in dir mein eigen war, bring' ich Gott zum Opfer dar. (Iphis und Hamor) Was in dir mein eigen war, bring' ich Gott zum Opfer dar. (Iphis) Gottes Ratschluss folge ich, immer Hamor acht' ich dich. (Hamor) Folgsam seinem Herrscherwort, lieb' ich Iphis ewig fort. (Storgè, Jephtha, Zebul) Ruhmesglanz und Siegesfreud' krönen dich für alle Zeit. (Iphis und Hamor) Was in dir mein eigen war, bring' ich Gott zum Opfer dar. (Hamor) O Iphis! (alle) Ruhmesglanz und Siegesfreud' krönen dich für alle Zeit.

71. Chor: Du Haus von Gilead, neu erbaut, des Segens Fülle preise laut. Nun, da ruht des Krieges Schwert, Friede hat dir Gott geschenkt, Tugend deine Schritte lenkt. So wird belohnt, wer Gott verehrt, Amen. Halleluja.

Abkürzungen

  • (R) Rezitativ
  • (Ac) Accompagnato
  • (A) Arie

Quellen

  • W. Schäfer: Vorwort, in Händel: Jephtha (Klavierauszug), Frankfurt et al. o.J.
  • R. Maschka, H. Glossner, J. Neuhardt, W. Stähr: [1]

Personen[Bearbeiten]

Die Besetzung wurde bei der Uraufführung von folgenden Sängern gesungen:

Literatur[Bearbeiten]

  • Winton Dean: Handel's Dramatic Oratorios and Masques. Clarendon, Oxford 1989, ISBN 0-19-816184-0, (Originalausgabe: Oxford University Press, Oxford 1959), (englisch).
  • Hans Joachim Marx: Händels Oratorien, Oden und Serenaten. Ein Kompendium. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-27815-2.
  • Albert Scheibler, Julia Evdokimova: Georg Friedrich Händel. Oratorien-Führer. Edition Köln, Lohmar 1993, ISBN 3-928010-04-2.

Weblinks[Bearbeiten]