Jeppe Aakjær

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Jeppe Aakjær

Jeppe Aakjær; eigentlich Jeppe Jensen (* 10. September 1866 in Aakjær in der Kirchengemeinde Fly Sogn, in der heutigen Kommune Viborg bei Skive; † 22. April 1930 auf dem Hof Jenle bei Skive) war ein dänischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Aakjær, der Sohn eines armen Heidebauern, fühlte sich von früh auf zur Welt der Bücher hingezogen. Er besuchte die Volkshochschule und nahm 1884 an einem Examenskursus zur mittleren Reife in Kopenhagen teil. Dort wurde er aktives Mitglied der sozialistischen und atheistischen Kreise. Aakjær, eingeschriebenes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei, blieb sein ganzes Leben sozialpolitisch aktiv. Sein literarisches Debüt war kein belletristisches Werk, sondern eine Kampfschrift gegen die Innere Mission.

Schon als junger Mann hielt er agitatorische Vorträge, für die er 1887 für siebzehn Tage ins Zuchthaus musste. Prägend wirkte auf ihn die Lektüre der Werke von Bjørnstjerne Bjørnson, Georg Brandes und Charles Darwin, deren Gedanken Aakjær in seinen Romanen propagierte. Verschiedene kurzfristige Beschäftigungen als Volkshochschullehrer (Entlassung wegen konfessionsübergreifendem Unterricht) und sozialdemokratischer Journalist folgten. 1895 begann er ein Geschichtsstudium in Kopenhagen. 1893 heiratete er die spätere Schriftstellerin Marie Bregendahl (die Ehe wurde 1900 geschieden).

Nach wirtschaftlich schweren Jahren debütierte er 1899 als Lyriker und Prosaist. Seither lebte er als freier Schriftsteller und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten der sogenannten „Volksrealisten“. 1906 reiste Aakjær auf den Spuren von Robert Burns, den er bewunderte, durch Schottland. Ab 1907 bewirtschaftete er zusammen mit seiner zweiten Frau das Gehöft Jenle (jütländisch für „einsam, abgeschieden“), auf dem er das heimatliche Volkstum pflegte und das jährlich bis zu seinem Tode Schauplatz großer jütländischer Volksfeste wurde, wie sie auch sein Vorbild Bjørnstjerne Bjørnson veranstaltete.

Heute ist der Hof Jenle, auf dem Aakjær und seine Frau beerdigt wurden, ein Museum. Seit 1980 wurde Aakjærs Tradition der jährlichen Volksfeste, auf denen es immer auch Reden und musikalische Aufführungen gab, wieder aufgenommen.

Werke[Bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten]

Aakjærs lyrisches Werk ist von zentraler Bedeutung für die dänische Heimatliteratur. Sein Thema ist die Heide und die genügsamen Heidebauern, das einfache, harte, doch auch schöne Leben auf dem Land. Vor den Gedichtband Rugens sange setzte er als Motto ein vielsagendes Zitat aus dem biblischen Buch Amos: Ich bin kein Prophet und keines Propheten Sohn, sondern ich bin ein Hirte und ein Mann, der wilde Maulbeeren sammelt. (7,14) Viele seiner stets singbar gehaltenen Gedichte sind in jütländischem Dialekt geschrieben.

Aakjær begann als sozialistischer Agitator mit Kampfliedern wie Tyendesangen (Gesindelied) und Kommer i snart (Kommt ihr geschwind). Zeit seines Lebens verfasste er immer wieder politische Lyrik, wie etwa das Lied Her kommer fra Dybet den mørke Armé! (Hier kommt aus der Tiefe die dunkle Armee!). Der Großteil seiner Lyrik handelt jedoch von einer durchaus idyllisch gesehenen vorindustriellen Welt, in der der Mensch in Harmonie mit der Natur lebt.

Formal orientiert er sich an der Volksliedtradition und an den Gedichten von Thomas Kingo und Steen Steensen Blicher (über den Aakjær eine Biographie schrieb), aber auch an der Lyrik von Bjørnstjerne Bjørnson, Henrik Ibsen und Holger Drachmann. Besondere Bedeutung hatte für ihn Robert Burns, von dem er Gedichte (u.a. das berühmte Auld Lang Syne) ins Dänische übersetzte. Burns Gedichte waren für Aakjær Vorbild für eine Lyrik, die Naturseligkeit volksnah ausdrückte, aber zugleich offen war für soziale Empörung.

Um zu gewährleisten, dass seine Gedichte immer vertonbar und singbar blieben, benutzte Aakjær eine selbstentwickelte Melodieschablone. Typische stilistische Merkmale sind der Einsatz mehrfacher Wiederholungen und kunstvolle Reimverwendung. Viele seiner Gedichte wurden vertont, etwa von Carl Nielsen. Diese Lieder sicherten Aakjærs Versen Verbreitung in ganz Dänemark. Sie gehören dort bis zum heute zum festen Liedbestand.

Romane[Bearbeiten]

Auch Aakjærs Romane und Erzählungen handeln von der Welt der Bauern und Landarbeiter. Er schreibt mit oft scharfer sozialagitatorischer Tendenz und verleiht seiner tief empfundenen Empörung über jede Art von Unterdrückung und Entmündigung, ob durch Kirche oder Staat, unüberhörbaren Ausdruck. So zeigt bereits Aakjærs früher, halbautobiographischer Roman Bondens søn das Christentum als Hindernis auf den Weg zur inneren Freiheit.

Aakjærs bedeutendster Roman ist Vredens Børn. In ihm verwirklicht er die Intention des modernen Realismus, der die Formung von Individuen durch ihre soziale Umwelt erklärt, und verbindet sie mit traditioneller Erzählweise, lebendigen Dialogen und überaus plastischer, dokumentarisch-authentischer Darstellung der ländlichen Welt. In keinem anderen Werk der dänischen Literatur werden die unmenschlichen Bedingungen, denen die Dienstboten auf dem Land ausgesetzt waren, so heftig kritisiert. Das Buch hatte enorme politische Wirkung und trug dazu bei, dass weitreichende Reformen in Kraft gesetzt wurden, jedoch gegen erbitterten Widerstand: In mehr als 1000 Leserbriefen und Zeitungsartikeln wurde gegen die Darstellung des Landlebens durch Aakjær protestiert.

Ironischer Weise führte Aakjærs Kampf für Reformen dazu, dass die alte jütländische Welt, die er liebte, unwiderruflich zerstört wurde: Die „Dänische Heidegesellschaft“ unterstützte die armen Häusler darin, die Heide in Ackerland umzuwandeln. In späteren Prosaarbeiten warnte Aakjær vor der Industrialisierung der Landwirtschaft (etwa in Arbejdets glæde).

Werke[Bearbeiten]

  • 1897: Missionen og dens høvding (Kampfschrift)
  • 1899: Bondens søn (Roman)
  • 1899: Derude fra kjærene (Gedichte)
  • 1900: Vadmelsfolk (Erzählungen)
  • 1901: Fjandboer (Erzählungen)
  • 1903f.: Steen Steensen Blichers livstragedie i breve og aktstykker (Biographie in 3 Bänden)
  • 1912: Die Kinder des Zorns (Vredens børn, Roman)
  • 1905: Fri felt (Gedichte)
  • 1906: Rugens sange og andre digte (Gedichte)
  • 1907: Livet på Hegnsgård (Schauspiel)
  • 1908: Hvor Bønder bor (Roman)
  • 1909: Muld og malm (Gedichte)
  • 1909: Ulvens søn (Schauspiel)
  • 1910: Den sommer og den eng (Gedichte)
  • 1911: Når bønder elsker (Schauspiel)
  • 1913: Esper tækki (Gedichte)
  • 1914: Arbejdets glæde (Roman)
  • 1915: Jens Langkniv (Roman)
  • 1915: Hedevandringer (Volkskundliches Sachbuch)
  • 1916: Vejr og vind og folkesind (Gedichte)
  • 1916: Gärende Kräfte (Hvor der er gjærende kræfter, Roman)
  • 1918f.: Samlede værker (Gesammelte Werke in 8 Bänden)
  • 1919: Glimmersand (Gedichte)
  • 1920: En daad (Gedichte)
  • 1921: Hjertegræs og ærenpris (Gedichte)
  • 1921: Pigen fra Limfjorden (Roman)
  • 1924: Hejmdals vandringer (Gedichte)
  • 1926: Jakob og hans Sønner (Gedichte)
  • 1927: Under aftenstjernen (Gedichte)
  • 1928f.: Erindringer (Autobiographie in 3 Bänden)
  • 1930ff.: Studier fra hjemstavnen (Volkskundliche Sachbücher, 6 Bände)
  • 1931: Samlede digte (3 Bände)
  • 1934: Efterladte erindringer (Posthum herausgegebene Autobiographie)
  • 1944: Breve fra Jeppe Aakjær. 1883-1899 (Posthum herausgegebene Briefe)
  • 1956: Udvalgte digte (Posthum herausgegebene Gedichte)
  • 1990: Drøm og drama. Breve mellem Jeppe Aakjær og hans søskende (Posthum herausgegebene Briefe)

Quellen[Bearbeiten]

  • Wilhelm Friese: Nordische Literaturen im 20. Jahrhundert. Stuttgart 1971
  • Kindlers Neues Literatur Lexikon Band 1 A-Az München 1988
  • Lexikon der Weltliteratur Band 1 A-K München 3. Auflage 1988
  • Nordische Literaturgeschichte. Band 2 Von 1860 bis zur Gegenwart. München 1984
  • Hanne Marie Svendsen, Werner Svendsen: Geschichte der dänischen Literatur. Neumünster 1964

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jeppe Aakjær – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Jeppe Aakjær – Quellen und Volltexte