Jeremiah Johnson

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Filmdaten
Originaltitel Jeremiah Johnson
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1972[1]
Länge 108 Minuten
Stab
Regie Sydney Pollack
Drehbuch John Milius
Edward Anhalt
Produktion Joe Wizan
John R. Coonan
Mike Moder
Musik John Rubinstein
Tim McIntire
Kamera Duke Callaghan
Schnitt Thomas Stanford
Besetzung

Jeremiah Johnson ist ein US-amerikanischer Westernfilm, der eine Verfilmung des Romans The Mountain Man von Vardis Fisher sowie der Erzählung Crow Killer von Raymond W. Thorp und Robert Bunker darstellt. Beide Werke sind eine freie Adaption der Lebensgeschichte eines legendären und berüchtigten Protagonisten des Wilden Westens, John Jeremiah Johnson, im 19. Jahrhundert.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film spielt um 1850 in den Bergen des heutigen Colorado. Jeremiah Johnson, ein ehemaliger Soldat, beschließt aus nicht genannten Gründen in die Berge zu gehen, um ein einsames Leben als Trapper zu führen. Nach existenziellen Grenzerfahrungen im ersten Winter, macht er die Bekanntschaft des alten Trappers Bear Claw, der zu seinem Lehrer wird und Jeremiah dazu verhilft, ein überlebenstüchtiger Jäger und Fallensteller zu werden. Auf eigenen Füßen stehend macht er weitere Bekanntschaften, die auf die Härte und Gnadenlosigkeit des Lebens in der Wildnis verweisen. Eine Frau, deren Angehörige von Indianern massakriert wurden, war ob des Geschehenen wahnsinnig geworden. Sie vertraut Jeremiah ihren aufgrund des Erlebten verstummten Sohn Caleb an, den neben ihr einzigen Überlebenden. Ein Kollege, Del Gue, wurde von Schwarzfuß-Indianern bis zum Hals in der Erde eingegraben, um ihn einem qualvollen Tod auszusetzen. Nachdem Jeremiah ihn aus dieser misslichen Lage befreien konnte, wird Del Gue zum erbarmungslosen Rächer und Skalpjäger. Eher durch von Del Gue provozierte Missverständnisse und widerwillig heiratet Jeremiah die Flathead-Häuptlingstochter Swan. So kommt er zu einer Familie, für die er ein Haus in der Wildnis baut. Der Zivilisationsflüchtling wird so per Zufall zum Familienmenschen. Die drei ungleichen Lebensgefährten finden zögerlich zueinander, müssen mühsam eine Kommunikationsbasis erlernen. Das neu konstituierte Glück währt jedoch nur einen Winter. Als Jeremiah von einer Militäreinheit als Scout rekrutiert wird, bahnt sich Unheil an. Widerstrebend lässt er sich dazu bewegen, die Einheit durch das Gebiet zu führen, in dem die Crow-Indianer ihre Toten bestatten. Diese rächen sich für die Missachtung ihrer heiligen Stätten, indem sie Swan und Caleb töten und deren Heimstatt zerstören. Nun wird Johnson zum gnadenlosen Rächer. Er tötet alle Crows, deren er habhaft werden kann. Da er auch allen ausgesandten Liquidationskommandos widersteht, wird er von den Indianern zu einer unbesiegbaren Legende, zum Mythos erhoben. Auf dem Weg nach Kanada begegnet er dem Häuptling der Crow, der mit erhobener Hand grüßt und nachdrücklich signalisiert, dass er nicht an einem Kampf interessiert und bereit ist, Frieden zu schließen. Nach kurzem Zögern akzeptiert Johnson und erwidert den Gruß, da sein Rachedurst gestillt ist.

Hintergründe[Bearbeiten]

  • Der Film ist eine freie Verarbeitung der Geschichte einer historischen Figur, des John Jeremiah Johnson (bisweilen auch Johnston), besser bekannt als Liver-Eating-Johnson (Leberfresser-Johnson). Dieser soll, nachdem er durch Crows seine Frau verloren hatte, zum gnadenlosen Rächer avanciert sein, hunderte von Crows getötet und anschließend deren Leber verzehrt haben. Der Film sollte ursprünglich den Titel The Saga of Liver-Eating-Johnson führen, später auch Crow Killer. Drehbuchautor John Milius wollte den kannibalistischen Aspekt hervorheben, konnte sich damit aber nicht gegen Regisseur Pollack durchsetzen.
  • Für das Drehbuch wurde der Roman Mountain Man von Vardis Fisher benutzt, dazu die Erzählung Crow Killer von Raymond W. Thorp und Robert Bunker verwendet.
  • Jeremiah Johnson war der erste Western, der je auf dem Filmfestival von Cannes gezeigt wurde
  • Das Filmbudget betrug 3,5 Millionen $. Sydney Pollack musste aufgrund der teuren Außenaufnahmen sein Haus beleihen, um den Film fertigstellen zu können.[2] Der Film spielte aber letztlich allein in den USA mehr als 44 Millionen US-Dollar ein.

Sonstiges[Bearbeiten]

Laut Herb Fagen (S.228) berichtet Joe Hyams in seinem Buch The Life and times of the great Western movie (Bromley, Kent: Columbus, 1983) von einer kalifornischen Schulklasse, die von der großen Popularität des Films zu Nachforschungen über den historischen Johnson inspiriert wurde. Die Schüler fanden heraus, dass Johnson vor 1900 verstorben war und entgegen seinem erklärten Willen nicht in den Bergen sondern auf einem Veteranenfriedhof in Los Angeles beigesetzt wurde. Johnsons Überreste wurden daraufhin exhumiert und nach Wyoming verbracht, wo er, seinen Wünschen gemäß, zur ewigen Ruhe in den Bergen niedergelegt wurde. Robert Redford, der Hauptdarsteller des Films, nahm an der Neubestattungszeremonie teil.

Kritiken[Bearbeiten]

  • Der Film fand vor allem in seinem Entstehungsland überaus positive Kritik, man pries ihn als wahres Kunstwerk, das zudem ausgezeichnet fotografiert sei. Herb Fagen stellte demgegenüber als Hauptkritikpunkt heraus, dass der Film von einer unnötigen Weitläufigkeit geprägt sei, die ihn vergessen lasse, wann und wo er zu enden habe („much of the films unnecessary ramblings lead to an ending void of finality“).
  • Der Filmkritiker Reinhard Baumgart schrieb in der Süddeutschen Zeitung im Rahmen der Festivalkritik zu Cannes über den Film: „Rousseauscher Zauber, zwischen Fallenstellern, Indianern, Grizzlies, ein Paradies als gerade noch erträgliche Hölle, ohne zivilisatorische Gemeinheit zwar, aber mit der ganzen Gemeinheit der Wildnis, zweideutig. Pollack erzählt hier (…) einen Bildungsroman ohne Bildung.“ (hier zitiert nach Hembus, S. 313)
  • Thomas Jeier (229f) stellte den Film in Kontrast zu dem etwa zeitgleich erschienen Western Das war Roy Bean von John Huston. Während Huston vor allem auf die Zerstörung der Legende aus gewesen sei, zeige Pollack „Respekt vor der Legende und den majestätischen Rocky Mountains“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herb Fagen: The encyclopedia of westerns / Vorwort: Tom Selleck, Einleitung: Dale Robertson. Facts on File, New York 2003 (The Facts on File film reference library), ISBN 0-8160-4456-2 (engl.)
  • Joe Hembus: Western Lexikon. Gen., bearb. Tb.ausg., Heyne, München 1978, ISBN 3-453-00767-0 (Heyne-Buch 7048)
  • Thomas Jeier: Der Western-Film. Heyne, München 1987, ISBN 3-453-86104-3 (Heyne Filmbibliothek; 32/102)
  • Peter Ruckriegl: Jeremiah Johnson in Filmgenres - Western / Hrsg. von B. Kiefer u. N. Grob unter Mitarbeit von M. Stiglegger. Reclam junior, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-018402-9; Ss. 318-322

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Veröffentlichung in den USA und anderen Ländern mcomet.com
  2. Jeremiah Johnson – DVD cduniverse.com