Jesiden

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Treffen jesidischer Stammesführer mit christlich-chaldäischen Klerikern (spätes 19. Jh.)
Gruppe von Jesiden (um 1920)

Die Jesiden (kurdischئێزیدی‎, Êzîdî; alternative Schreibweisen: Yeziden, Eziden[1]) sind eine religiöse Minderheit bei den Kurden, deren ursprüngliche Hauptsiedlungsgebiete im nördlichen Irak, in Nordsyrien und in der südöstlichen Türkei liegen, die heute aber durch Migration auch in verschiedenen anderen Ländern verbreitet ist. Im Zentrum des jesidischen Glaubens stehen Melek Taus, Scheich ʿAdī ibn Musāfir (gest. 1162/3) und die sogenannten "sieben Mysterien". Das Grab von Scheich ʿAdī in Lalisch bildet das Hauptheiligtum des Jesidentums und ist Ziel einer jährlichen Wallfahrt, die jeweils im Herbst stattfindet.

Das Jesidentum ist keine missionierende Religion. Man kann nur als Jeside geboren werden. Dabei müssen beide Elternteile jesidischer Abstammung sein. Grundsätzlich bedeutet die Heirat eines Jesiden mit einem Andersgläubigen seinen Austritt aus der Religionsgemeinschaft.

Herkunft der Bezeichnung[Bearbeiten]

Die Herkunft der Bezeichnung ist bis heute ungeklärt. Wissenschaftler führen die Bezeichnung Jesidi auf den Kalifen Yazid I. zurück[2]. Unter Jesiden wird die Bezeichnung auf das altiranische Wort Yazata für ‚göttliches Wesen‘ zurückgeführt. Eine weitere etymologische Ableitung benutzt den Bezug zu ez dā (‚Gott schuf‘).[3] Der Religionsgelehrte al-Schahrastani führt den Namen der Jesiden auf den charidschitischen Geistlichen Yazid bin Unaisa zurück, dessen Anhänger sie gewesen seien[4].

Anzahl und Hauptsiedlungsgebiete[Bearbeiten]

Es gibt keine offizielle Zählung der Jesiden. Ihre Zahl wird weltweit auf 800.000 geschätzt.[5] Den Hauptanteil stellen die irakischen Jesiden (160.000-350.000). In Deutschland leben etwa 60.000, im restlichen Europa kommen noch etwa 65.000 hinzu. In den USA und Kanada leben einige Tausende Jesiden, meist aus dem Irak. Im Südkaukasus (Armenien und Georgien), in Russland und im Iran leben einige Zehntausend und in Syrien einige Tausend, in der Türkei nur noch wenige Hundert. Die Jesiden stellen heute also unter den mehrheitlich muslimischen Kurden eine religiöse Minderheit dar.

Muttersprache der Jesiden ist das nordkurdische Kurmandschi, nur in den jesidischen Dörfern Baʿšiqa und Baḥzānē in der Autonomen Region Kurdistan wird Arabisch gesprochen[2].

Die größte Zahl der Jesiden lebt im Nordirak. Die Jesiden verteilen sich hier im Wesentlichen auf zwei Gebiete. Das eine ist die Schaichān-Region nordöstlich von Mosul. Hier befinden sich Lalisch, das religiöse Zentrum der Jesiden, der Ort Baʿadhrā, in dem der Mīr von Schaichān, das weltliche und geistliche Oberhaupt der Jesiden, residiert, sowie die beide Dörfer Baʿschīqa und Bahzānē, die als die Gelehrtenzentren der Jesiden gelten. Das zweite Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden ist der Dschabal Sindschar westlich von Mosul.[6] In der Stadt Mosul selbst leben auch viele Jesiden.

Zählungen und Schätzungen von türkischer, britischer und irakischer Seite aus den 1920er Jahren ergaben einen jesidischen Anteil von 4 % bis 7 % an den irakischen Kurden, was heute bei gleich bleibendem Anteil 160.000 bis 350.000 Personen entspräche. Manche Maximalschätzungen gehen heute von bis zu 550.000 jesidischen Gläubigen aus. Die Jesiden machen schätzungsweise 1 % der irakischen Bevölkerung aus. Seit 1991 ist die jesidische Gemeinschaft im Irak zweigeteilt. 90 % der irakischen Jesiden leben in irakisch verwaltetem und nur etwa 10 % in kurdisch verwaltetem Gebiet.

In Nordsyrien, hier besonders in Afrin, und in Nordost-Syrien, hier besonders in und um die Stadt Qamischli und im Gouvernement Al-Hasaka, leben Jesiden in Syrien – vgl. als Illustration Qîbar. Allerdings ging ihre Zahl beträchtlich zurück, eine Schätzung gibt 12.256 für das Jahr 1990 an, für Ende 2008 nur noch 3.357. Nach anderen Schätzungen liegt ihre Zahl zwischen 35.000 und 50.000. Durch Auswanderung nach Europa geht sie zurück.[7]

In Iran gibt es einige Tausend Jesiden. Sie leben anonym auf dem Land und vor allem in größeren Städten. Die türkischen Jesiden leben überwiegend in Südostanatolien.

In den 1830er Jahren kamen nach dem Ende des Russisch-Türkischen Krieges 1828–1829 die ersten Jesiden aus Anatolien in das zum Russischen Kaiserreich gehörende Ostarmenien. 1855 wurden etwa 340 Jesiden im Distrikt Sardarabad (etwa die heutige Provinz Armawir) gezählt. Mehrere tausend anatolische Jesiden wurden Ende des 19. Jahrhunderts unter anderem in der Provinz Schirak angesiedelt. 1912 lebten über 17.000 Jesiden im Gebiet des heutigen Armenien. Bei der Volkszählung 2001 lag ihre Zahl bei 40.000.[8] Sie stellen mit einem Anteil von 1,26 Prozent an der Gesamtbevölkerung die größte Minderheit des Landes.[9] Ihr kulturelles Zentrum in der Provinz Aragazotn war in der sowjetischen Zeit das Dorf Alagyaz[10].

Frühe Geschichte[Bearbeiten]

Allgemein gilt die Ankunft von Scheich ʿAdī in den kurdischen Bergen Anfang des 12. Jahrhunderts als Initialzündung des Jesidentums. Allerdings gab es schon vor ihm im Kurdengebiet eine Bewegung, die als Yazīdīya bekannt war, und von der zeitgenössische arabische Quellen berichten, dass sie mit dem Umayyaden Yazīd ibn Muʿāwiya sympathisierte. Außerdem geht aus den zeitgenössischen Quellen hervor, dass bei den Kurden religiöse Vorstellungen iranischen Ursprungs verbreitet waren.[11] ʿAdī selbst begründete, nachdem er sich im Tal von Lalisch niedergelassen hatte, einen Sufi-Orden, die sogenannte ʿAdawīya, die sich über den ganzen Nahen Osten, insbesondere nach Syrien und Ägypten, verbreitete.

Während die ʿAdawīya in Syrien und Ägypten auf dem Boden des Islams blieb, nahm der Orden bei den Kurden eine Sonderentwicklung. Unter Scheich al-Hasan ibn ʿAdī, einem Nachfolger und fernen Verwandten von Scheich ʿAdī, der im frühen 13. Jahrhundert lebte, wurde der Ordensgründer immer stärker verehrt, und der Einfluss der bei den Kurden verbreiteten iranischen Vorstellungen auf den Orden nahm zu, so dass sich dieser in eine eigenständige Religionsgemeinschaft transformierte.[12] Um das Jahr 1254 n. Chr. kam es zu einem Konflikt zwischen Scheich Hasan und dem Statthalter von Mosul, Badr al-Din Luʾluʾ. Im Sindschar-Gebiet versammelten sich jesidische Krieger. Nach der Niederlage der Jesiden nahmen Badr al-Dins Männer Scheich Hasan fest und hängten ihn in Mosul am Tor auf. Des Weiteren wurde Lalisch angegriffen. Hasans Sohn Scherfedin sandte den Jesiden in Lalisch eine Botschaft, die zu Zusammenhalt, Verteidigung und Bewahrung der jesidischen Religion aufrief. Er wurde bei dem erneuten Kampf getötet. Seine Botschaft wurde zur religiösen Hymne der Jesiden.

Glaubenslehren[Bearbeiten]

Mündliche und schriftliche Überlieferung[Bearbeiten]

Das Jesidentum beruft sich auf keine heiligen Schriften. Die Vermittlung religiöser Traditionen und Glaubensvorstellungen beruht ausschließlich auf mündlicher Überlieferung. In der Literatur über die Jesiden werden zwei Bücher erwähnt, das Buch der Offenbarung, das Kitêba Cilwe, und die Schwarze Schrift, das Mishefa Reş. Beide Bücher wurden 1911 und 1913 veröffentlicht,[13] wobei wohl nicht alle Glaubensvorstellungen der Jesiden vollständig authentisch wiedergegeben sind. Sie gelten in der Iranistik als Aufzeichnungen durch Nicht-Jesiden, enthalten aber authentisches Material, das unter Jesiden auch schon vorher bekannt war.

Der Glaube wird überwiegend durch Lieder (so genannte Qewals) und Bräuche weitergegeben. Hilmi Abbas veröffentlichte einige der bisher nur mündlich überlieferten altkurdischen Legenden im Jahre 2003 in einer Ausgabe unter dem Titel Das ungeschriebene Buch der Kurden.[14] Das Buch beschreibt die Schöpfungsgeschichte aus jesidischer Sicht und die mythische Wanderung des kurdischen Volkes von Osten in den Westen in das heutige Kurdistan.

Kosmogonie[Bearbeiten]

Die Religion der Jesiden ist monotheistisch. Der allmächtige Gott erschuf die Welt aus einer Perle. Nach einiger Zeit formten sieben heilige Engel aus dieser Perle die Welt mit allen Himmelskörpern. Jesiden führen ihre Abstammung allein auf Adam, nicht auf Eva, zurück und leiten daraus ihre Exklusivität ab. Gott wäre schwach, wenn er noch eine zweite Kraft neben sich dulden würde. Folglich fehlt in der jesidischen Theologie die Personifizierung des Bösen. Jesiden sprechen den Namen des Bösen (arabisch Schaitan) nicht aus, weil das Zweifel an der Allmacht Gottes bedeuten würde. Damit einher geht auch die Vorstellung, dass der Mensch in erster Linie selbst für seine Taten verantwortlich ist. Aus jesidischer Sicht hat Gott dem Menschen die Möglichkeit gegeben, zu sehen, zu hören und zu denken. Er hat ihm den Verstand gegeben und damit die Möglichkeit, für sich den richtigen Weg zu finden. Die Verwandtschaft der kosmogonischen Vorstellungen der Jesiden mit dem Zoroastrismus führt zur Annahme, dass hier eine ursprüngliche Verwandtschaft bestehen könnte.

Mythen und Heilige Figuren[Bearbeiten]

Melek Taus[Bearbeiten]

Eine zentrale Bedeutung in den jesidischen Glaubensvorstellungen hat Melek Taus, der „Engel Pfau“, dessen Symbol ein Pfau ist. Nach der jesidischen Mythologie hat er in besonderer Weise der Allmächtigkeit Gottes gehuldigt und wurde deshalb von Gott zum Oberhaupt der sieben Engel erkoren. Zwar wollte er sich dem Mythos nach selbst einmal zum Gott erheben, fiel deswegen in Ungnade, doch er bereute seine Vermessenheit und büßte dafür in der Hölle.[15] Seine Schuld wurde ihm schließlich vergeben, seither dient er Gott als Wächter der Welt sowie als Mittler und Ansprechpartner zu den Gläubigen. Nach der Schöpfungsgeschichte der Jesiden ist Taus-i Melek, den Gott mit sechs weiteren Engeln aus seinem Licht schuf, an der gesamten Schöpfung, an dem göttlichen Plan, aktiv beteiligt.

„Wir glauben, dass er ein stolzer Engel ist, der rebellierte und deswegen von Gott in die Hölle verbannt wurde. Er blieb dort 40.000 Jahre, bis seine Tränen das Feuer der Unterwelt auslöschten. Jetzt hat er sich mit Gott versöhnt.“

Halil Savucu, Vorsitzender der „Plattform[16] Ezidischer Celler“[17]

Scheich Adi[Bearbeiten]

Das Grab von Scheich Adi in Lalisch im Irak

Eine zweite wichtige Gestalt für die Jesiden ist der als Reformer geltende Scheich Adi aus dem 11./12. Jahrhundert. Für die Jesiden ist Scheich Adi eine Inkarnation des Taus-i Melek, der kam, um das Jesidentum in einer schwierigen Zeit neu zu beleben. An seinem Grab in Lalisch im Norden des Irak findet jedes Jahr im Herbst das „Fest der Versammlung“ (Jashne Jimaiye) statt. Jesiden aller Gemeinden aus den Siedlungs- und Lebensgebieten kommen zu diesem Fest zusammen, um ihre Gemeinschaft und ihre Verbundenheit zu bekräftigen.

Die "sieben Mysterien"[Bearbeiten]

Als Scheich Adī von Syrien nach Lalisch umsiedelte, soll er dort vier heilige Männer vorgefunden haben, nämlich Scheich Schems ed-Dīn, Scheich Fachr ed-Dīn, Scheich Sadschādīn und Scheich Nāsir ed-Dīn. Sie waren alle Söhne eines Mannes namens Ēzdīna Mīr. Ihnen schloss sich später noch eine fünfte Person an, Scheich Hesen, der von den Jesiden allgemein mit al-Hasan al-Basrī identifiziert wird. Zusammen mit Scheich Adi und Melek Tawus bilden diese fünf Personen die "sieben Mysterien" (Heft Sirr) der Jesiden.[18] Schems ed-Dīn soll der Wesir von Scheich Adi gewesen und neun Kinder gehabt haben.[19]

Die religiös-soziale Organisation[Bearbeiten]

Die traditionelle religiöse Organisationsstruktur der jesidischen Gemeinschaft ist in einem Dokument festgehalten, das die Häupter der jesidischen religiösen Klassen 1931 den britischen und irakischen Autoritäten präsentierten. In diesem Text, der als das Shaykhan Memorial bekannt ist, wird die Verteilung der von den jesidischen Gläubigen gezahlten Almosen unter dem jesidischen Klerus behandelt.[20]

Die drei Kasten[Bearbeiten]

Grundlegend für die religiös-soziale Organisation der Jesiden ist die Gliederung der jesidischen Gesellschaft in drei religiöse Erbklassen oder Kasten, nämlich die Scheiche, die Pīrs (persisch „der Ältere“ oder „der alte, weise Mann“) und die Muriden (Laien). Die Scheiche sind noch einmal in drei endogame Untergruppen aufgeteilt, die Schamsānīs (Nachkommen von Ēzdīna Mīr), die Ādanīs (Nachkommen von Scheich Hesen) und die Qatanīs (Nachkommen von Scheich Adīs Brüdern).[21]

Die Scheichs und Pirs sind religiöse Führungskräfte (Geistliche) und müssen die jesidische Religion unter den Gläubigen aufrechterhalten, Zeremonien (bei Festen, jesidische Taufe bei Neugeborenen und bei Beerdigungen) durchführen, Gläubigen in der Not helfen sowie Streitereien zwischen Jesiden beseitigen.

Obwohl diese Aufgaben die Angehörigen der Scheichs und Pirs wahrnehmen müssen, gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Kasten. Die Scheichs haben in der Gemeinschaft noch eine administrative Aufgabe. Sie müssen bei politisch-sozialen Aufgaben für die Gemeinschaft tätig werden. Sie sind also nach außen und innen Vertreter der Gemeinschaft und müssen Probleme sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Gemeinschaft lösen. Die Scheichs und Pirs sind neben den Mir (Fürst, Oberhaupt der Jesiden), Priesterinnen und Priester von Lalisch, Hüter der Religion und für jeden jesidischen Gläubigen Ansprechpartner.

Die Kaste der Muriden ist die dritte und größte religiöse Klasse. Die Jesiden in dieser Kaste teilen sich in Stämme auf, bei denen die Heirat der Angehörigen untereinander kein Problem ist. Auch diese haben Pflichten, nämlich zur Erhaltung der Religion beizutragen und sich gegenseitig in der Not zu helfen.

Der Mīr von Schaichān und seine Bediensteten[Bearbeiten]

Das religiöse und weltliche Oberhaupt der gesamten jesidischen Gemeinschaft ist der sogenannte Mīr ("Prinz") von Schaichān.[22] Er gilt als der Stellvertreter von Scheich ʿAdī und auch von Melek Tawus und muss immer aus dem Kreis der Qatanī-Scheiche kommen.[23] Das Amt wird derzeit von Mir Tahsin Saied Beg ausgeübt. Kraft seiner Autorität setzt der Mīr folgende Personen in ihre Ämter ein:

  • den Bābā Schaich ("Vater Scheich"), der als das spirituelle Oberhaupt der Jesiden und "Vater der Scheiche" betrachtet wird. Er muss aus der Familie von Scheich Fachr ad-Dīn stammen und hat einen speziellen Sitz am Heiligtum von Lalisch. Er wird auch Echtiyārē Mergehē ("Der Alte vom Heiligtum") genannt.
  • den Peschimām ("Vorsteher"), der zuständig ist für die Eheschließungen und aus dem Kreis der Ādanīs kommen muss.
  • die Kocheks ("Kleine"). Sie sind freiwillige Diener von Scheich Adi, die im Auftrag von Bābā Schaich Brennholz sammeln und schöpfen. Sie müssen keiner bestimmten Kaste angehören.
  • den Tschawūsch. Er ist der Wächter des Heiligtums von Lalisch und muss zölibatär leben.[24]

Jesidische Stämme[Bearbeiten]

Im Jesidentum gibt es viele Stämme. Die Stämme haben Sippencharakter und sind Ergebnisse des Zusammenhalts von Nachfahren bestimmter Gründungsväter und des engen Zusammengehörigkeitsgefühls von Jesiden in bestimmten Gebieten Kurdistans. Die Angehörigen der Stämme sehen sich in der Pflicht, anderen Stammesangehörigen zu helfen. Die Heirat zwischen Angehörigen unterschiedlicher jesidischer Stämme ist erlaubt. Ein bekannter Stamm aus dem Gouvernement Dahuk ist der Stamm Qaidi[25].

Die jesidischen Siedlungsgebiete waren und sind räumlich voneinander getrennt. Aus organisatorischen Gründen hat Scheich Adi festgelegt, dass sich sowohl die Angehörigen der Pirs als auch der Scheichs auf die jesidischen Stämme in Abhängigkeit von deren Größe aufteilen sollen. So bekam jeder Stamm seine Scheichs und Pirs. Dadurch gibt es in jedem Siedlungsraum für jede Gruppe jesidischer Gläubigen eines Stammes die zuständigen Pirs und Scheichs. Bei Problemen können sich die Gläubigen jedoch auch an Pirs und Scheichs wenden, die für andere Stämme zuständig sind.

Religiöse Praktiken[Bearbeiten]

Übergangsriten[Bearbeiten]

Die jesidische Gemeinschaft kennt eine Anzahl von Übergangsriten, die der Einzelne zu durchlaufen hat, um als vollwertiges Mitglied der jesidischen Gemeinschaft akzeptiert zu werden. Hierzu gehören in der Kindheit das Ritual des ersten Haareschneidens (biska pora), die Taufe (mor kirin), die Zirkumzision (sinet) sowie in der Jugend die Wahl eines "Jenseits-Bruders" (birā-yē āchiratē) bzw. einer "Jenseits-Schwester" (chuschk-ā āchiratē) aus einer Scheich-Familie.[26] Das Ritual des Haareschneidens betrifft nur Knaben und findet im siebten oder neunten Monat nach der Geburt statt. Der Scheich des Knaben schneidet hierbei dessen Haar von beiden Seiten ab und nimmt drei Locken (bisk) ab. Zwei davon werden den Eltern gegeben, eine behält der Scheich selbst und widmet es den Vorfahren Scheich ʿAdīs.[27]

Die Verbindung mit dem "Jenseits-Bruder" bzw. der "Jenseits-Schwester" wird bei einer Feier üblicherweise in Lalisch geschlossen, bleibt lebenslang bestehen und verpflichtet zu gegenseitiger Hilfe. Die Jenseitsgeschwister "begleiten" in der Totenzeremonie den Verstorbenen auf dem Weg zur neuen Bestimmung und sollen auch im Jenseits gegenseitig die moralische Mitverantwortung für ihre Taten übernehmen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der jesidische Glaube an die Seelenwanderung: das Leben endet nicht mit dem Tod, sondern geht in einem anderen Körper weiter. Der neue Körper ist abhängig von den Taten im vorherigen Leben. Nach jesidischer Vorstellungen verbinden sich in den verschiedenen Leben allerdings immer wieder dieselben Jenseitsgeschwister.[28]

Die Wallfahrt nach Lalisch[Bearbeiten]

Das Portal zum Grab von Scheich ʿAdī im 19. Jahrhundert, damalige Farbfassung und Inschriften mit archaischen Symbolen

Jedes Jahr im Herbst findet in Lalisch am Grab von Scheich ʿAdī das jesidische Versammlungsfest (Jashne Jimaiye) statt, das sieben Tage andauert und Zielpunkt der jesidischen Wallfahrt ist. Der genaue Festtermin schwankt, manchmal liegt er Ende September, manchmal Anfang Oktober. Häufig erschweren oder verhindern politische Umstände die Pilgerfahrt nach Lalisch, die eine Pflicht für jeden Jesiden ist. Nach jesidischer Vorstellung versammeln sich zu dieser Zeit alle "sieben Mysterien", um wichtige Entscheidungen über das kommende Jahr zu fällen. Jeder Jeside sollte mindestens einmal im Leben an diesem Wallfahrtsfest teilgenommen haben.[29]

Die bunten Tücher im Inneren des Heiligtums von Lalisch, die beim Parī Suwar Kirin rituell gewaschen werden.

Am ersten Tag ziehen die Pilger an das untere Ende des Lalisch-Tales, wo sich die Silat-Brücke (Pira Silat) befindet, die den heiligen vom profanen Bereich trennt. Die Pilger ziehen sich die Schuhe aus, waschen sich drei Mal die Hände in dem Wasser unter der Brücke, überschreiten mit Fackeln drei Mal die Brücke und sprechen dabei "Die Silat-Brücke, auf der einen Seite ist die Hölle, auf der anderen das Paradies". Dann begeben sie sich in den oberen Bereich des Tals und singen religiöse Hymnen. An der Prozession nimmt das gesamte religiöse Personal der Jesiden teil: der Mīr, der Baba Schaich, der Peschimām, der Baba Tschawūsch usw. Am zweiten und dritten Tag werden diese Zeremonien wiederholt. Am vierten Tag wird die Zeremonie des Parī Suwar Kirin vollzogen. Hierbei nehmen der Baba Tschawūsch und seine Helfer die bunten Tücher auf, die den Sarkophag von Scheich ʿAdī und die Säulen des Heiligtums bedecken, auf und bringen sie zur Quelle von Kanīya Spi. Dort werden diese Tücher von einem speziellen Geistlichen, dem serderī von Kanīya Spi, der einer bestimmten Pīr-Familie angehören muss, rituell gewaschen. Am fünften Tag findet die Zeremonie des Qabach statt, das Schlachtopfer eines Bullen. Am sechsten Tag wird die Zeremonie des Berē Shibak vollzogen. Hierbei wird im Andenken daran, dass Scheich ʿAdī nach seinem Tod auf einer Tragbahre transportiert wurde, eine viereckige Tragbahre aus Flechtwerk in die Versammlungshalle gebracht. Am letzten Tag des Festes wird die Tragbahre begleitet von Musik zu einem Becken im Inneren des Heiligtums gebracht und mit Wasser besprengt. Hierzu werden Gebete gesprochen. Anschließend wird sie an ihren Platz im Heiligtum gebracht.[30]

Die jesidischen Pilger bringen aus Lalisch geweihte Erde mit, die mit dem heiligen Wasser der Quelle Zemzem (in Lalisch, nicht mit dem muslimischen Samsam zu verwechseln) zu festen Kügelchen geformt wurde. Sie gelten als „heilige Steine“ (Sing. berat) und spielen bei vielen religiösen Zeremonien eine wichtige Rolle.

Religionsgeschichtliche Einordnung[Bearbeiten]

Während die ältere religionsgeschichtliche Forschung die jesidische Religion zunächst als eine Abspaltung vom Islam oder als eine „iranische“ Religion zu verstehen versuchte, wird in jüngerer Zeit der eigenständige, wenn auch auf einem komplexen Prozess der Adaption von Elementen anderer Religionen beruhende Charakter der jesidischen Religion betont. Weitere Elemente werden auf das orientalische Christentum, besonders die nestorianische Eucharistie, den Mandäismus, den Manichäismus und die Gnosis bezogen. Nach Ansicht der Jesiden soll ihre Religion älter als das Christentum sein und sich aus dem altpersischen Mithras-Kult oder aus den Kulten der Meder entwickelt haben.

Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Jesiden von Außenstehenden teilweise als „Teufelsanbeter“ bezeichnet.[2] Diese Fremdbezeichnung beruht darauf, dass europäische Reisende sich auf die Berichte der Muslime in der Nachbarschaft der Jesiden bezogen. Für die islamische Umgebung waren die Jesiden andersgläubig und es war die Bezeichnung „Teufelsanbeter“ entstanden, da die religiösen Regeln unverstanden blieben.

Verfolgung der Jesiden im Nahen Osten[Bearbeiten]

1837/38 wurden weite Teile des jesidischen Lebensraumes durch die osmanische Armee erobert, bereits 1832 hatte eine Strafexpedition (einige jesidische Stämme waren für Karawanenüberfälle berüchtigt) mehrere jesidische Dörfer niedergebrannt. Im Osmanischen Reich standen die Jesiden außerhalb des Millet-System, waren also nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt und standen damit in der sozialen Hierarchie noch hinter Christen und Juden. Immer wieder kam zu Versuchen, die als „gottlos“ geltenden Jesiden zum Islam zu bekehren. Unter Sultan Abdülhamid II. verschlechterte sich die Lage ab 1876 erheblich. Ein umstrittener Erlass, der auch Jesiden zum Militärdienst verpflichtete, wurde wieder in Kraft gesetzt. Steuerforderungen wurden erhoben, die bei Bekehrung zum Islam zu erlassen seien. 1892 schickte der Sultan einen Sondergesandten mit dem Auftrag, die Jesiden notfalls mit Gewalt zu bekehren. Es kam zu Gefechten und zu Massakern an den Jesiden nach ihrer Niederlage im Jahr 1893. 1894 wurden während den vornehmlich an Armeniern und Christen verübten Massakern der osmanischen Truppen auch Tausende von Jesiden getötet.[31]

Bereits ab dem 17. Jahrhundert siedelten sich Jesiden, vermutlich bedingt durch die Ausdehnung des osmanischen Reiches, im Gebiet des Dschabal Sindschar der heutigen Provinz Ninawa im Nordirak an. Im Zuge der irakischen Arabisierungspolitik ab 1965 kam es immer wieder zu Vertreibungen, die Dörfer und Ackerflächen wurden weitgehend entvölkert. Die ca. 400 jesidischen Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht und die Einwohner zur Umsiedlung gezwungen. Auch in anderen Gebieten des Irak wurde in ähnlicher Weise verfahren und beim Bau der Mosul-Talsperre wurden mehrere jesidische Dörfer zerstört.[32]

In den letzten 30 Jahren haben die Jesiden aufgrund des Türkisch-kurdischen Konflikts in großen Auswanderungswellen die Türkei verlassen. Laut dem Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht liegt seit 2003 keine staatliche Gruppenverfolgung der Jesiden vor.[33]

Nach Angaben des UNHCR verfügen die Jesiden im Irak nicht über eine eigene Interessenvertretung im gegenwärtigen zentralirakischen Regierungsgefüge, nachdem das frühere Ministerium für Religionsangelegenheiten zugunsten dreier neugeschaffener Ressorts für die Angelegenheiten der Schiiten, Sunniten und Christen aufgelöst wurde [34].

Seit dem Ende des Irakkrieges sind die Jesiden gezielt zur Zielscheibe fundamentalistischer Moslems geworden. Sie müssen um ihr Leben fürchten. Das führt dazu, dass die Jesiden aus dem Irak in Massen nach Europa und Nordamerika flüchten. Am 14. August 2007 verübten Terroristen aus dem Umfeld der al-Qaida vier Anschläge in den ausschließlich von Jesiden bewohnten Dörfern El Khatanijah und El Adnanijah. Die Anschläge forderten insgesamt über 500 Todesopfer, Hunderte wurden verletzt.[35] Die Tat gilt als Racheakt für die 15 Tage zuvor verübte Ermordung des 17-jährigen jesidischen Mädchens Du’a Khalil Aswad, das, angeblich wegen eines Übertritts zum Islam, von ihrem eigenen Clan gesteinigt wurde. Die al-Qaida in Mossul hatte darüber hinaus in einer Fatwa verboten, den Jesiden Essen zu geben, wodurch sich die Lebensmittelversorgung in den jesidischen Dörfern dramatisch verschlechterte. Die Zusage der Amerikaner und der kurdischen Regionalregierung, bald Lebensmitteltransporte zu schicken, nutzten Terroristen für einen Anschlag.[36][37] Diese gegen die Jesiden gerichteten Anschläge waren die folgenschwersten seit Beginn des Irakkriegs.[38]

Im Iran sind als Religionen nur der Islam und, mit wesentlichen Einschränkungen, das Christentum, der Zoroastrismus und das Judentum erlaubt. So müssen die Jesiden ihre Religionszugehörigkeit und -ausübung geheim halten.

Die jesidische Diaspora[Bearbeiten]

Kaukasus[Bearbeiten]

Es gab insgesamt drei Fluchtwellen der Jesiden aus dem Osmanischen Reich in den Kaukasus, nach Georgien und Armenien. Die erste geschah im 18. Jahrhundert. Zur zweiten Fluchtwelle kam es während des Russisch-Türkischen Krieges 1877–1878. Die dritte und größte Fluchtwelle ereignete sich am Anfang des 20. Jahrhunderts, während des Ersten Weltkrieges.[39] Auslöser der Flucht waren die gezielte Verfolgung, Unterdrückung und Massaker an Jesiden und anderen Volksgruppen im osmanischen Reich. Nicht selten unterstützten moslemische Kurden und osmanische Behörden diese Verfolgungen und Massaker. Die Jesiden, die selbst Opfer der Osmanen waren, schützten die Armenier während des Ersten Weltkrieges, indem sie diese in ihren Häusern versteckt hielten. Dieser Schutz der Armenier durch die Jesiden bildete eine Grundlage für das Zusammenleben von Jesiden und Armeniern in Armenien.

Vor dem Zusammenbruch der UdSSR um 1990 lag die Zahl der Jesiden in Georgien bei 22.000, in Armenien bei 60.000. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam es aber zu wachsendem Nationalismus in beiden Staaten und die Situation für die Jesiden und andere Minderheiten verschlechterte sich. Die Zahl der Jesiden ging im Zeitraum zwischen 1989 und 1997 in Georgien auf 1.200 und in Armenien auf 18.000 zurück. Viele Jesiden flüchteten nach Europa und Russland.

In Georgien sind die Gründe der Flucht vielfältig. Die Jesiden beklagen massive Übergriffe durch Polizisten und Beamte, Mordvorwürfe, Körperverletzungen, Falschanschuldigungen, Hass und zu Unrecht negative Berichte der Presse und öffentliche Äußerungen von Politikern. Die Jesiden haben keine Chance auf höhere Posten und Gleichbehandlung bei der Verwaltung und medizinischen Versorgung. Auch haben sie keine Chance auf höhere Bildung und ein höheres Einkommen. Die Flüchtlinge berichten über Erpressung, Bedrohung und Verfolgung durch die Polizei. Den Jesiden in Georgien wird der Bau von jesidischen Gebetshäusern verboten. Sie sind in Georgien weder in Parlament noch Regierung vertreten, so dass ihre Forderungen nach einem normalen Leben kein Gehör finden. Zur Sowjetzeit wurden Garantiemandate an die Jesiden vergeben; nach dem Zusammenbruch der UdSSR wurden sie aber wieder abgeschafft.[39]

In Armenien bilden die Jesiden mit 1,3 % an der Gesamtbevölkerung die größte Minderheit.[40] Da ihnen nach dem Zusammenbruch der UdSSR keine Garantiemandate mehr zustehen, sind sie im Parlament nicht vertreten.

In Russland wurde das Jesidentum erst Ende Juli 2009 offiziell als Religionsgemeinschaft und somit als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt.

Seit 1990 sendet "Radio Jerewan"(=Öffentliches Radio Armeniens)[41] täglich eine halbe Stunde lang die Sendung Stimme der Jesiden in kurdischer Sprache. In der Redaktion der Radiosendung wird die jesidische Wochenzeitung, die ebenfalls Stimme der Jesiden heißt, verfasst. Sie erscheint in armenischer Sprache. In Armenien darf in jesidischen Schulen kurdisch gelehrt werden.

Europa und Amerika[Bearbeiten]

Eine bedeutende Zahl von Jesiden lebt zurzeit in Europa, hauptsächlich in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, in Spanien und besonders in Deutschland. Einige wenige leben in Schweden, Dänemark, Österreich und in außereuropäischen Staaten,[42] wie in den USA, Kanada und Russland.

Deutschland[Bearbeiten]

Jesidisches Gräberfeld auf dem Stadtfriedhof Hannover Lahe mit einem Melek Taus im Schaukasten auf dem Grab

Zunehmende Repressionen trieben Jesiden in den 1980ern vor allem aus der Türkei zur Flucht nach Deutschland. In Deutschland leben schätzungsweise zwischen 45.000 bis 60.000 Jesiden,[43] [44] vorwiegend in den Bundesländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hier bilden sie häufig größere Gemeinden. Bedeutende Gemeinden befinden sich in Bad Zwischenahn, Hannover, Oldenburg, Celle, Kreis Celle, Bielefeld, Halle (Westf.), Wilhelmshaven, Emmerich am Rhein, Rees, Köln, Kalkar und Kleve und zunehmend in Mecklenburg-Vorpommern. 2007 wurde der Zentralrat der Yeziden in Deutschland[45] gegründet, der sich die „Förderung und Pflege religiöser und kultureller Aufgaben der yezidischen Gemeinden“ und „die Vertretung der gemeinsamen politischen Interessen der yezidischen Gemeinschaft“[45] zum Ziel gesetzt hat. Im Februar 2011 entstand die Gesellschaft für Christlich-Ezidische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung.[46][47] 2012 wurde die Gesellschaft Ezidischer AkademikerInnen (GEA) mit Sitz in Essen gegründet, wobei ein „zentrales Ziel des Vereins die grenzüberschreitende und interdisziplinäre wissenschaftliche Zusammenarbeit“ und die „Erforschung der Eziden und des Ezidentum“ ist.[48]

Der mit den Gegebenheiten vor Ort vertraute Orientalist Gernot Wießner der Universität Göttingen erwirkte mit einem Gutachten beim Verwaltungsgericht Stade 1982 die Anerkennung der Jesiden als Flüchtlinge. 1993 hat sich dieser Status vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg allgemein durchgesetzt. Auf politischer Ebene bereitete 1989 Herbert Schnoor in seiner Amtszeit als Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen den Weg für ein Bleiberecht der Jesiden. Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker, bei der Wießner Beiratsmitglied ist, hat sich als Menschenrechtsorganisation für die Jesiden eingesetzt. In den letzten Jahren flohen vermehrt Jesiden aus dem Irak nach Deutschland.[49][50][51]

Feleknas Uca, die von 1999 bis 2009 Die Linke im Europaparlament vertrat, ist Jesidin. Der Jeside Ali Atalan gehörte als Abgeordneter der Fraktion der Linken dem Landtag von Nordrhein-Westfalen an.

Durch die strikten Heiratsvorschriften des jesidischen Glaubens und die modernen Einflüsse in der Diaspora entstehen zunehmend starke Spannungen, insbesondere zwischen jungen Frauen und den älteren Familiengliedern. Der traditionelle Brautpreis, der vor der Hochzeit durch die Familie des Mannes zu entrichten ist, beträgt in den deutschen Diasporagemeinden bis zu 70.000 €.[52] Auch in Deutschland kam es unter Jesiden zu Fällen von Zwangsheirat (bei beiden Geschlechtern). Der Anteil von Jesidinnen an allen Frauen, die sich aufgrund einer bevorstehenden Zwangsheirat an Beratungseinrichtungen wandten, lag in einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bei 9,5 %.[53] Auch Blutrache zwischen verfeindeten Großfamilien und mutmaßliche Ehrenmorde wurden öffentlich. So wurde die Tötung der Jesidin Arzu Özmen im erstinstanzlichen Strafurteil gegen fünf ihrer Geschwister ausdrücklich als „Ehrenmord“ bezeichnet.

Jesiden in literarischen Werken[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Birgül Açıkyıldız: The Yezidis. The History of Community, Culture and Religion. London-New York 2010.
  • Andreas Ackermann: Yeziden in Deutschland. Von der Minderheit zur Diaspora. In: Paideuma – Mitteilungen zur Kulturkunde 49 (2003), S. 157–177 Online als pdf
  • Martin Affolderbach, Ralf Geisler: Die Yeziden, Berlin 2007 (EZW-Texte 192, Schriftenreihe der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Online als pdf)
  • Christine Allison: Artikel Yazidis I (General), in: Encyclopaedia Iranica (2004).
  • Carsten Colpe: Konsens, Diskretion, Rivalität. Aus der Ethnohistorie von Kurden und Yeziden. In: Carsten Borck, Eva Savelsberg, Siamend Hajo (Hrsg.): Ethnizität, Nationalismus, Religion und Politik in Kurdistan, Kurdologie 1, Münster 1997. ISBN 3-8258-3420-4; S. 279–300 Online als pdf
  • Mirza Dinnayi: Yeziden im Irak: Eine bedrohte Minderheit ohne Existenrechte als pdf
  • Johannes Düchting, Nuh Ates: Stirbt der Engel Pfau? Geschichte, Religion und Zukunft der Yezidi-Kurden. Edition KOMKAR. medico international, Köln 1992. ISBN 3-927213-06-3
  • Irene Dulz: Die Yeziden im Irak. Zwischen Modelldorf und Flucht. LIT, Münster, Hamburg, London 2001. ISBN 3-8258-5704-2
  • Nelida Fuccaro: The Other Kurds. Yazidis in Colonial Iraq. London 1999.
  • Chaukeddin Issa: Das Yezidentum – Religion und Leben. Dengê Êzîdiyan, Oldenburg 2007. ISBN 978-3-9810751-4-4
  • Ilhan Kizilhan: Die Yeziden. Eine anthropologische und sozialpsychologische Studie über die kurdische Gemeinschaft. Frankfurt/M.: medico 1997. ISBN 3-923363-25-7
  • Philip G. Kreyenbroek: Yezidism - Its Background, Observances and and Textual Tradition. Lewiston u.a. 1995.
  • Philip G. Kreyenbroek in Collaboration with Z. Kartal, Kh. Omarkhali, and Kh. Jindy Rashow.: Yezidism in Europe: Different Generations Speak about their Religion. Wiesbaden, 2009.
  • Philip G. Kreyenbroek: Art. "Yazīdī" in The Encyclopaedia of Islam. New Edition Bd. XI, 313a-316a.
  • Artur Rodziewicz, Yezidi Eros. Love as The Cosmogonic Factor and Distinctive Feature of The Yezidi Theology in The Light of Some Ancient Cosmogonies, Fritillaria Kurdica, 2014/3,41, pp. 42-105.
  • Artur Rodziewicz, Tawus Protogonos: Parallels between the Yezidi Theology and Some Ancient Greek Cosmogonies, Iran and the Caucasus, 2014/18,1, pp. 27-45.
  • Eszter Spät: Late Antique Motifs in Yezidi Oral Tradition. Gorgias Press, Piscataway, NJ 2010. (= Gorgias Dissertations in Religion; 52.) ISBN 978-1-60724-998-6
  • Ursula Spuler-Stegemann: Der Engel Pfau. Zum Selbstverständnis der Yezidi. In: Zeitschrift für Religionswissenschaft 5 (1997), S. 3–17. (online; PDF; 231 kB)
  • Telim Tolan: Religion und Leben. In: Erhard Franz (Hrsg.): Yeziden. Eine alte Religionsgemeinschaft zwischen Tradition und Moderne. Beiträge der Tagung vom 10.–11. Oktober 2003 in Celle. Mitteilungen des Deutschen Orient-Instituts im Verbund der Stiftung Deutsches Übersee-Institut 71. Deutsches Orient-Institut, Hamburg 2004. ISBN 3-89173-085-3
  • Gernot Wießner: „ … in das tötende Licht einer fremden Welt gewandert” – Geschichte und Religion der Yezidi. In: Robin Schneider (Hrsg.): Die kurdischen Yezidi. Ein Volk auf dem Weg in den Untergang. Pogrom 110. Gesellschaft für Bedrohte Völker, Göttingen 1984. ISBN 3-922197-14-0; S. 31–46 Online als pdf
  • Banu Yalkut-Breddermann: Der Wandel der yezidischen Religion in der Diaspora. In: Gerdien Jonker (Hrsg.): Kern und Rand: Religiöse Minderheiten aus der Türkei in Deutschland. Zentrum Moderner Orient. Studien 11. Das Arabische Buch, Berlin 1999. ISBN 3-86093-227-6; S. 51–63 Online als pdf
  • Udo Tworuschka/ Helga B. Gundlach: Die Yezidi. In: Handbuch der Religionen. Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften in Deutschland (Loseblattwerk mit jährlich vier Ergänzungslieferungen), Landsberg/München 1997(13. EL 2006, VI-1)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gründung d. christlich-ezidischen Gesellschaft: Renaissance orientalischer Geistesgeschichte im postmodernen Okzident – Zur Gründung der Gesellschaft für Christlich-Ezidische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung In: Ezidische Gemeinde Hessen e. V. Projekte, zuletzt aktualisiert am 26. Januar 2011; abgerufen am 17. Januar 2012
  2. a b c Christine Allison: Artikel Yazidis I (General). In: Encyclopaedia Iranica (2004); dies.: The Yezidi oral tradition in Iraqi Kurdistan. Curzon Press, Richmond Surrey 2001, S. 26, ISBN 0-7007-1397-2.
  3. P. G. Kreyenbroek: YAZĪDĪ. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition.
  4. Irene Dulz, Die Yeziden im Irak: Zwischen „Modelldorf“ und Flucht. Münster 2001, S.18, Google Books
  5. Verwaltungsstreitsache irakischer Staatsangehöriger jesidischer Religionszugehörigkeit, Amnesty International. Abgerufen am 18. November 2009
  6. Vgl. Kreyenbroek in EI² 313b.
  7. Yeziden in Syrien. Zwischen Akzeptanz und Marginalisierung. Kurdwatch, Dezember 2010, S. 5-7
  8. Levon Yepiskoposian, Ashot Margarian, Laris Andonian, Armine Khudoyan, Ashot Harutyunian: Genetic Affinity between the Armenian Yezidis and the Iraqi Kurds. In: Iran and the Caucasus, 14, 2010, S. 37–42, hier S. 38
  9. Yezidi in Armenia through the lenses of the European Charter for Regional or Minority Languages. Public Foundation for European Comparative Minority Research, 2006, S. 15
  10. Hasmik Hovhannisyan: Kurds in Armenia. The cultural center of the Kurds living in Armenia has always been Alagyaz. fravahr.org, 3. November 2007
  11. Vgl. Kreyenbroek 1995, 27f.
  12. Vgl. Kreyenbroek 1995, 31-33.
  13. P. Anastase Marie: La découverte récente des deux livres sacrés des Yézîdis. In: Anthropos 6 (1911), S. 1-39; M. Bittner: Die Heiligen Bücher der Jeziden oder Teufelsanbeter (Kurdisch und Arabisch). Wien 1913. (Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, phil.-hist. Klasse; 55.)
  14. Hilmi Abbas: Das ungeschriebene Buch der Kurden. Mythen und Legenden. Diederichs Verlag, München 2003 ISBN 3-7205-2387-X. Auf die philologische Problematik der Ausgabe hat Martin Zähringer in seiner Rezension in der Neuen Zürcher Zeitung, 19. September 2003 hingewiesen
  15. The Devil worshippers of Iraq. Auf: Daily Telegraph
  16. Eine der größten jesidischen Gemeinschaften außerhalb des Iraks
  17. Daily Telegraph: The Devil worshippers of Iraq.
  18. Vgl. Kreyenbroek 1995, 38.
  19. Vgl. zu ihm Kreyenbroek 1995, 97-99.
  20. Vgl. Fuccaro 22.
  21. Vgl. Kreyenbroek 1995, 38.
  22. Vgl. Kreyenbroek 1995, 126.
  23. Vgl. Açıkyıldız 91.
  24. Vgl. Kreyenbroek 1995, 129.
  25. Christine Allison, The Yezidi Oral Tradition in Iraqi Kurdistan. Richmond, Surrey 2001, S. xviii
  26. Vgl. Açıkyıldız 99.
  27. Vgl. Kizilhan 92.
  28. Vgl. Kreyenbroek 136.
  29. Vgl. Açıkyıldız 104f.
  30. Vgl. Açıkyıldız 106f.
  31. Kai Merten: Untereinander, nicht nebeneinander: Das Zusammenleben religiöser und kultureller Gruppen im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts. LIT Verlag Münster, 2014, S. 237-245
  32. Irene Dulz: Die Yeziden im Irak: zwischen "Modelldorf" und Flucht. Studien zur Zeitgeschichte des Nahen Ostens und Nordafrikas, Band 8, LIT Verlag Münster, 2001, S. 54-57
  33. Gruppenverfolgung für Yeziden, Rechtslupe
  34. amnesty international, abgerufen am 18. November 2009
  35. Die Zeit, Nr. 35/2007 vom 23. August 2007, S. 7
  36. http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/323751/index.do
  37. Focus Irak. Situation der Jeziden in Ninawa und im Gebiet der Kurdischen Regionalregierung (KRG) (PDF; 635 kB).
  38. Schwere Anschlagsserie im Irak (n-tv), 14. August 2007
  39. a b Sarah Reinke: Kurdische Yezidi aus Georgien, Gesellschaft für bedrohte Völker im April 2006. Abgerufen am 14. November 2009
  40. www.cia.gov, abgerufen am 20. November 2009
  41. PDF bei www.adxb-oe.org
  42. Iryedi
  43. [1]
  44. http://www.yeziden.de/yeziden_in_de.0.html
  45. a b Zentrarat der Yeziden: Webseite, gesehen am 9. Dezember 2011
  46. Ezidische Gemeinde Hessen e.V.: Webseite, gesehen am 9. Dezember 2011
  47. Kreisanzeiger vom 26. Februar 2011 gesehen am 9. Dezember 2011
  48. www.gea-ev.net
  49. Bürgermeister mahnt Konzept an. Weser Kurier, 1. Januar 2010
  50. Hilfe für Jesiden gesichert. Neue Westfälische, 18. Januar 2012
  51. PZ-Interview mit der Soziologin Miriam Geoghegan über die Lebensgewohnheiten der yezidischen Flüchtlinge aus dem Irak. Pforzheimer Zeitung, 19. Juli 2011
  52. Philip G. Kreyenbroek: YEZIDISM IN EUROPE: DIFFERENT GENERATIONS SPEAK ABOUT THEIR RELIGION. Göttinger Orientforschungen: Iranica, Bd. 5, Otto Harrassowitz Verlag, 2009, S. 46ff
  53. Mirbach T., Schaak, T., Triebl, K.: Zwangsverheiratung in Deutschland - Anzahl und Analyse von Beratungsfällen (PDF; 1,6 MB). Wissenschaftliche Untersuchung im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. 2011, S. 34/35