Jess Franco
Jess Franco (* 12. Mai 1930 in Madrid; mit vollem Namen: Jesús Franco Manera) ist ein spanischer Regisseur, Drehbuchautor, Filmemacher und Schauspieler. Franco genießt auf Grund seiner teils um sadomasochistische und surrealistische, in späteren Jahren auch um pornographische Elemente angereicherten Horrorfilme bei bestimmten Cineasten Kultstatus.
Im Juni und Juli 2008 widmete ihm die Cinémathèque française eine große Werkschau. Am 1. Februar 2009 erhielt er in Madrid den Ehren-Goya (das spanische Äquivalent zum Oscar) für sein Lebenswerk.
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[Bearbeiten] Leben
Seit 1952 arbeitet Jess Franco beim Film: Erst als Filmkomponist und Regieassistent, ab 1957 als Regisseur. Meist steuerte er zu seinen Filmen das Drehbuch bei und spielt eine Nebenrolle. Zunächst drehte er allerdings Kurzfilme und sein Film Estampas guipuzcoanas número 2: Pío Baroja erhielt 1960 den Preis für den besten spanischsprachigen Kurzfilm auf dem San Sebastián International Film Festival. Häufig arbeitete er mit den Produzenten Artur Brauner, Erwin Dietrich und Marius Lesoeur zusammen.
Jess Franco ist in allen Bereichen des Genrefilms zuhause. Anfangs drehte er vor allem spekulative Horrorfilme, Psycho-Thriller und Krimis. In den Siebzigerjahren mischte er immer mehr Erotikanteile in seine meist von Obsessionen und psychischen Abgründen bestimmten Stoffe. Diese sowie seine immens hohe Produktionszahl rückten ihn in die Nähe der seinerzeit ebenfalls sehr populären Groschenheftroman-Kultur. Franco griff dabei immer wieder auch auf die erotische und schauerromantische Trivialliteratur des 19. Jahrhunderts zurück. Zumindest den Titeln nach siedeln viele seiner Filme in der Nähe von Oscar Wilde, Leopold von Sacher-Masoch und anderen. Die zunehmend liberale Handhabung von Pornografie gestattete es Franco schließlich auch, entsprechende Szenen in seine Filme einzubauen. In den späten Siebzigerjahren arbeitete er im Splatter-, Zombie- und Pornofilm-Genre, in den Achtzigerjahren folgten damals populäre Actionfilme und reine Hardcore-Pornos.
Bekannt wurde Franco auch durch seine Frauengefängnisfilme. Sein erster Film dieses Genres (Der heiße Tod) war im Frühjahr 1969 insbesondere in den USA ein großer kommerzieller Erfolg und zog eine Reihe filmischer Nachahmer nach sich.
Einige seiner Filme wurden von anderen Regisseuren bearbeitet und unter neuem Titel veröffentlicht: So wurde Christina, princesse de l'érotisme von Jean Rollin um einige Szenen erweitert und in Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies bzw. Zombie 4 umgetitelt. Frauengefängnis 2 (Les Gardiennes du penitencier, 1979) von Alain Deruelle und Julio Pérez Tabernero besteht zum größten Teil aus Szenen von Jess Francos Film Frauengefängnis.
Privat war Franco mit der Schauspielerin Nicole Guettard verheiratet, bis er seine heutige Lebensgefährtin und oftmalige Hauptdarstellerin Lina Romay 1972 kennenlernte; auch sie heiratete er später.
[Bearbeiten] Filmografie
Jess Franco wirkte an über 200 Filmen mit. Die Filmografie ist zweigeteilt in Filme, in denen er Regie führte und Filme mit anderer Beteiligung (als Darsteller, Drehbuchautor etc.). Fremdsprachige Originaltitel stehen in Klammern.
[Bearbeiten] Regie
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[Bearbeiten] Sonstige Mitwirkung
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[Bearbeiten] Pseudonyme
Jess Franco verwendete in seiner Karriere rund 40 Pseudonyme. Einige Pseudonyme sind Namen bereits verstorbener Jazz-Musiker (oder ihnen entlehnt), wie Clifford Brown oder James P. Johnson.
Liste der Pseudonyme: Joan Almirall, Clifford Brown, Clifford Brown Jr., Juan G. Cabral, Terry De Corsia, Raymond Dubois, Chuck Evans, Dennis Farnon, Jess Franck, Jess Franco, Adolf M. Frank, Anton Martin Frank, Jess Frank, John Frank, Wolfgang Frank, James Gardner, Sam Gardner, Robert Griffin, Lennie Hayden, Frank Hollmann, J. P. Johnson, James Lee Johnson, James P. Johnson, David J. Khune, David Khune, D. Khunne, D. Khunne Jr., David Khunne, David Kuhne, Frank Manera, Jeff Manner, Roland Marceignac, Tawer Nero, Cole Polly, Preston Quaid, Pierre Queret, P. Querut, Lowel Richmond, Dan L. Simon, Jean-Jacques Tarbes, Joan Vincent
Hier noch ein Überblick über Namen, die oft fälschlichweise als Pseudonyme von Jess Franco ausgewiesen werden (mit Angabe ihrer tatsächlichen Zuordnung):
- Rosa María Almirall (= Pseudonym und Geburtsname seiner langjährigen Muse und Partnerin Lina Romay)
- Betty Carter (= Pseudonym für Lina Romay)
- Candy Coster (= Pseudonym für Lina Romay)
- Rick Deconinck oder Richard de Conninck (= Bigotini, Darsteller und Regieassistent)
- Manfred Gregor (= Drehbuch-Pseudonym des Produzenten Erwin C. Dietrich)
- Lulu Laverne (= weiteres Pseudonym für Lina Romay)
- Marius Lesoeur (= Name eines französischen Produzenten)
- A. L. Mariaux (= Pseudonym des Produzenten Marius Lesoeur)
- John O'Hara (= Pseudonym des Regisseurs José Jara)
- Claude Plaut (= Pseudonym des Schauspielers Olivier Mathot, stellte seinen Namen für Franco-Filme von Eurociné zur Verfügung, aus gewerkschaftlichen Gründen - französische Filme sollten von Franzosen sein!)
- Michael Thomas (= Regie-Pseudonym des Produzenten Erwin C. Dietrich)
- Pablo Villa (= Pseudonym des Komponisten Daniel J. White, die Copyrights der Musik ist oftmals jedoch auf Daniel White und Jésus Franco gemeldet)
- Daniel J. White (= Name eines Komponisten, der häufig die Musik zu Francos Filmen schrieb)
[Bearbeiten] Literatur
- Benedikt Eppenberger, Mädchen, Machos und Moneten. Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich. Mit einem Vorwort von Jess Franco. Msw Medien Service Wuppertal, 2006, ISBN 3-033-00960-3
- Andreas Bethmann, Jess Franco Chronicles, Medien P&W GmbH, 1999, ISBN 3-931608-26-3
- Jess Franco, Memorias del tío Jess, 2004, Autobiografie (Spanisch)
- Stéphane du Mesnilot, Jess Franco - Énergies du fantasme, 2004 (Französisch)
- Alain Petit, Manacoa Files (1994-1999, Französisch)
- Lucas Balbo, Peter Blumenstock, Christian Keßler, Tim Lucas, Graf Haufen Obsession - The Films of Jess Franco, 1993. ISBN 3-929234-05-X
- Tim Lucas, How to Read a Franco Film, in Video Watchdog n. 1 (1990)
- Das Buch Immoral Tales: European Sex & Horror Movies 1956-1984, 1994 von Cathal Tohill und Pete Tombs widmet Franko ein eigenes Kapitel.
- Marcus Stiglegger: Sadiconazista. Faschismus und Sexualität im Film Gardez! Verlag , 2000 ISBN 3-89796-009-5
- Marcus Stiglegger: Sadiconazista – Stereotypisierung des Holocaust im Exploitationkino, unter ikonenmagazin.de
[Bearbeiten] Weblinks
- Jess Franco in der deutschen und englischen Version der Internet Movie Database
- Jess-Franco-Diskussionsforum
- Kurze Inhaltsangaben zu den Filmen auf www.geocities.com (Archivversion)
- Interview auf der Website des Terrorverlags.
- Auswahl von Filmkritiken zu Jess Franco Filmen
- Interview auf www.schnitt.de
[Bearbeiten] Publikation
- Benedikt Eppenberger, Daniel Stapfer: Mädchen, Machos und Moneten. Die unglaubliche Geschichte des Schweizer Kinounternehmers Erwin C. Dietrich. Mit einem Vorwort von Jess Franco. Verlag Scharfe Stiefel, 2006.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Franco, Jess |
| ALTERNATIVNAMEN | Franco Manera, Jesús |
| KURZBESCHREIBUNG | spanischer Regisseur, Drehbuchautor, Filmemacher und Schauspieler |
| GEBURTSDATUM | 12. Mai 1930 |
| GEBURTSORT | Madrid |