Jesse Washington

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Postkarte, die den verkohlten Leichnam des Jesse Washington zeigt. – „This is the barbecue we had last night. (…) Your son, Joe.“ („Dies ist das Barbecue, das wir gestern abend hatten. (…) Dein Sohn Joe.“)

Jesse Washington (* 1898 oder 1899 (Washington war zum Zeitpunkt seines Todes 17 Jahre alt); † 15. Mai 1916 in Waco, Texas) war ein Afroamerikaner, der wegen Mordes an einer weißen Frau verurteilt und von einem Mob getötet wurde. Die Lynchjustiz durch Verbrennen bei lebendigem Leib, der zahlreiche Demütigungen vorausgingen, wurde als Waco-Massaker bekannt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Washington war ein geistig zurückgebliebener junger Mann afroamerikanischer Herkunft, der in Waco, Texas (USA) lebte. Texas war zu Beginn des 20. Jahrhunderts wie viele andere südliche US-Bundesstaaten auch regelmäßig Schauplatz brutaler, oft rassistisch motivierter Lynchvorgänge und Rassenkrawalle (vgl. Houston, Texas 1917 oder Rosewood, Florida 1923). Als am 8. Mai 1916 Washington des Mordes an der 53-jährigen Farmersfrau Lucy Fryer aus Robinson, Texas bezichtigt wurde, heizte sich die feindliche Stimmung der weißen Bevölkerung wieder auf und entlud sich endgültig nach Washingtons Gerichtsverhandlung am 15. Mai 1916. Sein Prozess hatte rasch geendet; die (vollständig weiße) Jury hatte nur wenige Minuten gebraucht, um die Schuld des Angeklagten festzustellen. Ohne Rücksicht auf sein jugendliches Alter oder eine mögliche Unzurechnungsfähigkeit auf Grund seiner geistigen Behinderung wurde Washington zum Tode verurteilt.

Vorfall[Bearbeiten]

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Auf dem Weg aus dem Gerichtsgebäude schlug Washington der Zorn der aufgebrachten Menge, die sich dort versammelt hatte, entgegen. 15.000 Menschen säumten den Platz; Washington selbst wurde von 400 Menschen aus dem Hinterhof des Gerichtsgebäudes gedrängt, wo unter einem Baum bereits ein Scheiterhaufen vorbereitet wurde. Washington wurde geschlagen und mit Öl übergossen. Die Menge schrie: „Burn him!“ (engl. „Verbrennt ihn!“); viele Menschen verfolgten das Spektakel von Autodächern oder aus Fenstern umliegender Häuser. Kinder saßen auf den Schultern ihrer Eltern oder wurden von diesen hochgehalten, um das Treiben verfolgen zu können, wie ein Beobachter berichtete.

Nachdem Washington auf den Scheiterhaufen verbracht worden war, wurden ihm die Ohren und die Genitalien abgeschnitten. Der verzweifelt weinende Washington versuchte, den bereits um seinen Hals gelegten Strick zu entfernen, wofür ihm auch die Finger abgetrennt wurden. Dann schließlich wurde Washington an dem über den Scheiterhaufen ragenden Baum aufgehängt und stückweise in die Flammen abgelassen. Die Menge wurde durch seine verzweifelten Schreie und Schmerzen belustigt.

Nachdem Washington grausam gestorben war, wurde sein Leichnam öffentlich vor einer Schmiedewerkstatt aufgehängt, ehe er von dem Schutzmann Les Stagall dort entfernt und zur Beerdigung freigegeben wurde.

Auswirkungen[Bearbeiten]

Der Photograph Fred Gildersleeve machte Aufnahmen des Lynchmords und verkaufte diese als Postkarten.[1] Im Juli 1916 stoppte er den Verkauf, weil ihn Bürger Wacos dazu aufgefordert hätten. Sie fürchteten schlechte Publicity.[2] Die Tat erregte landesweit Entsetzen; die Zeitung The Nation und die New York Times verurteilten den Lynchmord. Die Bürgerrechtsorganisation National Association for the Advancement of Colored People forderte eine öffentliche Untersuchung und Aufklärung des Falles. Die meisten texanischen Zeitungen reagierten hingegen recht verhalten; keiner der Beteiligten aus der schaulustigen Menge – auch keiner derer, die den Scheiterhaufen vorbereitet oder Washington aufgeknüpft hatten – wurde zur Rechenschaft gezogen. Obwohl Lynchjustiz in Texas illegal war, wurden auch die umstehenden Polizisten und Gerichtsdiener nicht belangt.

Die Vereinigten Staaten wurden auch in den Jahren nach dem Washington-Lynchvorfall von rassistisch motivierter Gewalt mit bürgerkriegsähnlichen Ausmaßen heimgesucht, vor allem der Süden mit höherem schwarzen Bevölkerungsanteil.

Rezeption[Bearbeiten]

Nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten fragte der Dokumentarfilmer Carvin Eison nach der Aktualität des gewalttätigen Rassismus in den USA. In seinem Film Lynchmorde in den USA - Die Schatten der Vergangenheit (Shadows of the Lynching Tree, 2008[3]) schildert Eison fortwirkende rassistische Stereotypen vor dem Hintergrund des Falles Jesse Washington. Einstellungen und Erlebnisweisen weißer Rassisten werden mit Zitaten aus James Baldwins Erzählung Des Menschen nackte Haut (Going to Meet the Man, 1965) illustriert, in der sich der (weiße) Protagonist nostalgisch an einen als Initiationserlebnis empfundenen Lynchmord in seiner Kindheit erinnert, der starke Ähnlichkeit mit der Ermordung Washingtons aufweist.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bruce A. Glasrud. The African American experience in Texas: an anthology. 2007, Seiten 189-91
  2. Patricia Bernstein. The First Waco Horror: The Lynching of Jesse Washington and the Rise of the NAACP. 2005, page 159-160
  3. http://shadowsofthelynchingtree.com/

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]