Jessica Chastain

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Jessica Chastain auf dem Toronto International Film Festival 2011

Jessica Michelle Chastain (* 24. März 1977 in Sacramento, Kalifornien)[1] ist eine US-amerikanische Theater- und Filmschauspielerin. Neben ihrer Arbeit am Theater trat sie seit Mitte der 2000er-Jahre in mehr als 30 Film- und Fernsehproduktionen in Erscheinung, überwiegend Dramen. Bekanntheit erlangte sie vor allem im Jahr 2011, als sie in gleich sieben Spielfilmen zu sehen war (u. a. in Eine offene Rechnung, Take Shelter – Ein Sturm zieht auf, The Tree of Life und The Help), für die sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Für ihre Hauptrolle in dem Politthriller Zero Dark Thirty (2012) gewann sie u. a. einen Golden Globe Award.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung und erste Fernsehangebote[Bearbeiten]

Die Tochter eines Feuerwehrmanns und einer veganen Chefköchin[2] wurde als Jessica Michelle Howard in Nordkalifornien geboren, wo sie mit vier Geschwistern aufwuchs.[3][4] Als Kind fand sie durch den Besuch einer Theateraufführung von Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat mit David Cassidy Gefallen an der Schauspielerei.[3] Gleichzeitig widmete sie sich dem Tanz und schloss sich mit 13 Jahren einer Tanztruppe an. Später begann sie mit dem Theaterspiel, wobei sie den Geburtsnamen ihrer Mutter als Künstlernamen verwendete und fortan als Jessica Chastain auftrat.[5] Ihre Familie hatte keinerlei Verbindungen zum Showgeschäft und hielt daher Informationen über ihre Karriere bei Film und Fernsehen weitgehend zurück.[3]

1998 erhielt Chastain die weibliche Hauptrolle in einer Inszenierung von William Shakespeares Romeo und Julia im kalifornischen Mountain View.[6] Daraufhin besuchte sie vier Jahre lang die Juilliard School in New York.[7] Das Studium an der renommierten Schauspielschule wurde ihr durch ein von Robin Williams initiiertes Stipendium finanziert.[3] Noch vor Abschluss ihrer Schauspielausbildung im Jahr 2003 wurde Chastain bei einem schulinternen Vorspiel in Los Angeles entdeckt und von dem Fernsehproduzenten John Wells unter Vertrag genommen.[8] Wells vermittelte ihr eine größere Rolle in dem Pilotfilm Dark Shadows (2004) des Fernsehnetzwerks The WB. Die Produktion, die auf der gleichnamigen Fernsehserie aus den 1960er-Jahren basierte, wurde jedoch nie ausgestrahlt. Daraufhin absolvierte Chastain zwischen 2004 und 2006 Gastauftritte in den Warner-Bros.-Fernsehserien Emergency Room – Die Notaufnahme, Veronica Mars, Close to Home und The Evidence, während sie in dem Ableger Law & Order: Trial by Jury (2005–2006) die wiederkehrende Rolle der Staatsanwaltsgehilfin Sigrun Borg übernahm. Häufig wurde die rothaarige Schauspielerin für psychotische oder exzentrische Figuren ausgewählt.[3] 2006 war Chastain außerdem in der weiblichen Hauptrolle neben Angus Macfadyen in dem Fernsehfilm Blackbeard – Piraten der Karibik[9] zu sehen.

Theaterarbeit und erste Kinorollen[Bearbeiten]

Parallel zu ihren Engagements im Fernsehen spielte Chastain weiterhin Theater. So erschien sie auf dem Williamstown Theatre Festival in einer Inszenierung von Anton Tschechows Der Kirschgarten neben Linda Emond und Michelle Williams sowie Off-Broadway als verlobte Tochter im Drama Rodney’s Life (beide 2004). Größere Aufmerksamkeit brachte ihr 2006 die Titelrolle in Oscar Wildes Salome an der Seite von Al Pacino in Los Angeles ein. Regisseurin Estelle Parsons hatte das Theaterstück drei Jahre zuvor mit Marisa Tomei und Pacino am New Yorker Broadway aufgeführt. 2009 wurde Chastain von Peter Sellars für seine Inszenierung von Shakespeares Othello mit John Ortiz und Philip Seymour Hoffman verpflichtet. Die Rolle der Desdemona interpretierte sie auf Bühnen in Wien, Bochum und New York.

Vom Erscheinungsbild mit Bryce Dallas Howard verglichen,[10] gab die Schauspielerin 2008 ihr Kinodebüt in Dan Irelands Independentfilm Jolene nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von E. L. Doctorow. Die Titelrolle eines 15-jährigen Waisenmädchens, das zehn Jahre lang quer durch die Vereinigten Staaten reist, brachte Chastain erstes Lob vonseiten der Kritik ein sowie den Darstellerpreis des Seattle International Film Festivals. Darauf folgten weitere Filmangebote wie John Maddens Eine offene Rechnung (2010), der seinen offiziellen Kinostart in den Vereinigten Staaten aber erst im August 2011 erleben sollte. In dem Historienthriller spielt Chastain eine Mossad-Agentin, die 1965 in Ost-Berlin einen NS-Kriegsverbrecher aufspüren soll. Die gealterte Figur wurde von Helen Mirren verkörpert. In Vorbereitung auf den Part der Rachel Singer hatte Chastain die Kampfkunst Krav Maga trainiert, Deutschkurse genommen und Literatur über den Holocaust studiert.[11]

Filmerfolg im Jahr 2011[Bearbeiten]

Chastain auf der Berlinale 2011

Den internationalen Durchbruch als Schauspielerin ebnete Chastain das Jahr 2011, als in den US-amerikanischen Kinos neben Eine offene Rechnung sechs weitere Filmproduktionen mit ihr anliefen. In Jeff Nichols' Drama Take Shelter – Ein Sturm zieht auf war sie als langmütige und besorgte Ehefrau des von apokalyptischen Visionen heimgesuchten Michael Shannon zu sehen, während Ralph Fiennes ihr in seiner modernen Shakespeare-Adaption Coriolanus den Part der Virgilia anvertraute. In Terrence Malicks mit der Goldenen Palme der Filmfestspiele von Cannes ausgezeichneten spirituellen und bildgewaltigen Film The Tree of Life spielte sie die sanftmütige, auf Gott vertrauende Ehefrau und Mutter neben Brad Pitt. In Vorbereitung auf die Dreharbeiten las sie Literatur über Themen wie Trost, Grazie und Erkenntlichkeit, Marienbildnisse im New Yorker Metropolitan Museum of Art und sah sich Filme mit Lauren Bacall an,[11] um sich mit der langsameren Sprechweise der 1950er-Jahre vertraut zu machen.[12] Für Tate Taylors an den US-amerikanischen Kinokassen äußerst erfolgreiche Produktion The Help über die Schicksale von schwarzen Hausangestellten im US-amerikanischen Süden der 1960er-Jahre schlüpfte sie in die Nebenrolle der Celia Foote. Der Part der unsicheren und naiven Südstaaten-Ehefrau, die von der gehobenen weißen Gesellschaft ihrer Heimatstadt abgelehnt wird und sich stattdessen mit ihrer schwarzen Haushaltshilfe (gespielt von Octavia Spencer) anfreundet, hatte Chastain nach Marilyn Monroe angelegt. Sie hatte vor den Dreharbeiten zu The Help deren Biografie gelesen und alle ihre Filme in chronologischer Reihenfolge angesehen.[11] Auch hatte sie versucht zuzunehmen und Literatur und Dokumentationen über die Jim-Crow-Ära studiert.[11][3] Der deutsche film-dienst lobte ihr Zusammenspiel mit Octavia Spencer, das dem Film „mit einer tragikomischen Rolle ein Glanzlicht“ aufsetze. Zudem sei ihre Celia die einzige unberechenbare Figur in The Help.[13]

Des Weiteren griff Chastain die Bühnenrolle der Salome in Al Pacinos zwischen Dokumentarfilm und Fiktion angelegter Wilde Salome auf und war als Polizistin in Ami Canaan Manns Thriller Texas Killing Fields – Schreiendes Land neben Sam Worthington und Jeffrey Dean Morgan zu sehen. Sowohl Coriolanus, The Help, Take Shelter, The Tree of Life und Texas Killing Fields als auch Eine offene Rechnung brachten ihr 2011/12 zahlreiche Filmpreise ein, darunter die Auszeichnungen als beste Nebendarstellerin der Kritikervereinigungen von New York, Los Angeles sowie der National Society of Film Critics. Für ihre Leistung in The Help erhielt Chastain eine Oscar- und Golden-Globe-Nominierung, während ihre Omnipräsenz im Kino mit der eines Steve Buscemi verglichen wurde, der in den 1990er-Jahren 40 Filmrollen bekleidet hatte.[14] 2012 sprach sie die Jaguardame Gia in den Animationsfilm Madagascar 3: Flucht durch Europa, war als Objekt der Begierde von Tom Hardy in John Hillcoats Historienfilm Lawless zu sehen und übernahm in Kathryn Bigelows Thriller Zero Dark Thirty die Hauptrolle einer jungen CIA-Analytikerin auf der Jagd nach Osama bin Laden. Für letztgenannten Part wurde sie erneut mit zahlreichen Filmpreisen ausgezeichnet, darunter der National Board of Review Award, der Golden Globe Award und eine weitere Oscar-Nominierung.

Jessica Chastain ist Veganerin. Sie wurde trotz ihrer teilweise umfangreichen Vorbereitungen auf Rollen als Method Actor bezeichnet.[3] Bis 2013 soll sie in drei weiteren Filmen zu sehen sein, darunter die Titelrolle in Ned Bensons Beziehungsdrama The Disappearance of Eleanor Rigby (2013). Darüber hinaus sollte Chastain die britische Prinzessin Diana (1961–1997) in Oliver Hirschbiegels Film Caught in Flight über deren Liebesaffäre mit dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan spielen.[15] Die Verhandlungen scheiterten jedoch und die Rolle wurde mit Naomi Watts besetzt.[16]

Im November 2012 absolvierte Chastain unter der Regie von Moisés Kaufman ihr Broadway-Debüt in der Hauptrolle der Catherine Sloper in The Heiress neben Dan Stevens und David Strathairn.

Theaterstücke[Bearbeiten]

Jahr Theaterstück Rolle Bühne
1998 Romeo and Juliet Juliet Mountain View Center for the Performing Arts (Mountain View)
2004 The Cherry Orchard Anya Williamstown Theater Festival (Williamstown)
2004 Rodney’s Wife Lee Playwrights Horizons (New York)
2006 Salome Salome Wadsworth Theatre (Los Angeles)
2009 Othello Desdemona Wiener Festwochen
Schauspielhaus Bochum
LAByrinth Theater Company (New York)
2012 The Heiress Catherine Sloper Walter Kerr Theatre (New York)

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2008: Darstellerpreis des Seattle International Film Festival für Jolene
  • 2011: Austin Film Critics Award für Take Shelter (Beste Nebendarstellerin) und Nachwuchsdarstellerpreis für Coriolanus, The Help, The Tree of Life, Take Shelter, Texas Killing Fields und Eine offene Rechnung
  • 2011: Chicago Film Critics Association Award für The Tree of Life (Beste Nebendarstellerin)
  • 2011: Hollywood Breakthrough Award für Coriolanus, The Help, The Tree of Life, Take Shelter und Eine offene Rechnung sowie Hollywood Film Award gemeinsam mit dem Schauspielensemble von The Help
  • 2011: Los Angeles Film Critics Association Award für Coriolanus, Eine offene Rechnung, The Help, Take Shelter, Texas Killing Fields und The Tree of Life (Beste Nebendarstellerin)
  • 2011: New York Film Critics Circle Award als für The Tree of Life, The Help und Take Shelter (Beste Nebendarstellerin)
  • 2011: New York Film Critics Online Award als für Coriolanus, Eine offene Rechnung, The Help, Take Shelter, Texas Killing Fields und The Tree of Life (Beste Nachwuchsdarstellerin)
  • 2011: Satellite Award für The Tree of Life (Beste Nebendarstellerin) und Spezialpreis für The Help (gemeinsam mit dem Schauspielensemble)
  • 2011: Southeastern Film Critics Association Award für The Help (gemeinsam mit dem Schauspielensemble)
  • 2011: Spezialpreis der San Diego Film Critics Society für Coriolanus, Eine offene Rechnung, The Tree of Life, Take Shelter, The Help und Texas Killing Fields
  • 2011: Toronto Film Critics Association Award für Take Shelter (Beste Nebendarstellerin)
  • 2012: Broadcast Film Critics Association Award für The Help (gemeinsam mit dem Schauspielensemble)
  • 2012: Detroit Film Critics Society Award für The Tree of Life, The Help und Take Shelter (Beste Nachwuchsdarstellerin)
  • 2012: National Society of Film Critics Award für Take Shelter, The Help und The Tree of Life (Beste Nebendarstellerin)
  • 2012: Online Film Critics Society Award für The Tree of Life (Beste Nebendarstellerin) und The Help, The Tree of Life und Eine offene Rechnung (Beste Nachwuchsdarstellerin)
  • 2012: Nevada Film Critics Society Award für Eine offene Rechnung', The Help, The Tree of Life und Take Shelter (Beste Hauptdarstellerin)
  • 2012: Golden-Globe-Nominierung für The Help (Beste Nebendarstellerin)
  • 2012: BAFTA-Nominierung für The Help (Beste Nebendarstellerin)
  • 2012: Nominierung für den Independent Spirit Award für Take Shelter (Beste Nebendarstellerin)
  • 2012: Oscar-Nominierung für The Help (Beste Nebendarstellerin)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. THE BIRTH OF JESSICA CHASTAIN. In: californiabirthindex.org. California Birth Index, abgerufen am 8. Oktober 2014 (englisch).
  2. Long, Tom: The great unknown. In: 'The Detroit News, 27. Oktober 2011, S. 12.
  3. a b c d e f g Adams, Guy: Red hot: How Jessica Chastain became Hollywood's most wanted bei independent.co.uk, 22. Oktober 2011 (abgerufen am 14. Januar 2012).
  4. Smith, Krista: All is Vanities... Nothing is Fair. In: Vanity Fair 51 (Dezember 2009), Nr. 12, S. 205
  5. Biografie in der Internet Movie Database (englisch; aufgerufen am 19. September 2010)
  6. De La Vina, Mark: Where Art Thou, Romeo; Ireland?. In: San Jose Mercury News, 21. April 1998, S. 10E
  7. Henerson, Evan: Estelle Parsons, Unveiled. In: The Daily News of Los Angeles, 26. April 2006, S. U7
  8. Andreeva, Nellie: TV newcomer Chastain inks deal at JWP. In: The Hollywood Reporter, 21. August 2003 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft)
  9. Blackbeard/Piraten der Karibik
  10. Nelson, Rob: Jolene. In: Variety, 16. – 22. Juni 2008 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft)
  11. a b c d McKittrick, Christ: Jessica Chastain On How She Managed to Appear in Eight Films in 2011 bei dailyactor.com, 14. Oktober 2011 (abgerufen am 14. Januar 2012).
  12. Offizielle Pressemappe (PDF; 306 kB) bei festival-cannes.com, S. 6–7 (englisch; aufgerufen am 13. Juni 2011).
  13. Hinrichsen, Jens: The Help. In: film-dienst 25/2011 (abgerufen via Munzinger Online).
  14. Robey, Tim: The lavish ubiquity of Jessica Chastain bei telegraph.co.uk, 14. Oktober 2011 (abgerufen am 14. Januar 2012).
  15. Hough, Andrew: Jessica Chastain cast as Princess Diana in new film about Dr Hasnat Khan love affair bei telegraph.co.uk, 7. November 2011 (abgerufen am 14. Januar 2012).
  16. Watts oder Theron: Wer ist die bessere Diana? bei abendblatt.de, 10. Februar 2012 (abgerufen am 12. Februar 2012).