Jesus Christus Erlöser

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Jesus Christus Erlöser ist eine Rezitation von Klaus Kinski, uraufgeführt im Jahr 1971. Thema ist das Neue Testament, der vorgetragene Text ist von Kinski selbst verfasst. Ein Großteil des Textes ist direkt aus dem Neuen Testament übernommen, insbesondere werden Reden Jesu verwendet. Der Vortrag fängt mit den Worten „Gesucht wird Jesus Christus“ an, aus der Perspektive einer polizeilichen Suche nach Jesus Christus. Kinski wechselt die Perspektive mehrmals und lässt neben Jesus auch andere Personen aus Jesu Umfeld zu Wort kommen. Kritische Passagen behandeln das damalige Establishment, Kirchen, Parteien und den damals viel diskutierten Krieg in Vietnam.

Bekannt ist das Stück durch die kontroverse Uraufführung und indirekt dadurch, dass 1999 eine von den Erben Kinskis nicht genehmigte Veröffentlichung von Tonaufnahmen der Uraufführung verboten wurde. Ausschnitte des Mitschnittes werden im Dokumentarfilm Mein liebster Feind von Werner Herzog gezeigt. Einzelne Zuschauer provozierten Kinski mit Zwischenrufen und störten die Vorstellung. Kinski beschimpfte diese und brach die Veranstaltung ab, um Stunden später noch einmal von vorne anzufangen und vor stark reduziertem Publikum den Monolog komplett vorzutragen.

Aufführung[Bearbeiten]

Jesus Christus Erlöser war als große Tournee durch ganz Deutschland geplant und wurde von Kinski am 20. November 1971 in der Deutschlandhalle in Berlin-Westend uraufgeführt. Vor 3000 bis 5000 Zuschauern trug Kinski den Text als Monolog vor. Der Text umfasst etwa 30 Schreibmaschinenseiten (Kinski erwähnte dies während der Aufführung) und sollte in etwa 90 Minuten vorgetragen werden.[1] Dies wurde durch Zwischenrufe aus dem Publikum („Arschloch“) unterbrochen. Kinski fiel aus der Rolle und beschimpfte die Provokateure („Du dumme Sau!“, „Scheiß Gesindel!“). Er brach ab, um den Text nochmal anzufangen. Weitere Zwischenrufe brachten Kinski wieder aus der Fassung; er drohte, den Vortrag abzubrechen und verließ die Bühne. Zuschauer betraten die Bühne und wandten sich via Mikrofon an das Publikum. Ordner drängten einen Zuschauer von der Bühne; im weiteren Verlauf forderten einige Zuschauer, Kinski solle sich bei dem Zuschauer entschuldigen und skandierten „Kinski ist – ein Faschist“.

Im weiteren Verlauf trug Kinski den Text mit weiteren Unterbrechungen vor (etwa eine Stunde), bis er die Aufführung aufgrund der Zwischenrufe abbrach. Ein Großteil der Zuschauer verließ den Vortrag.

Später, etwa um Mitternacht, erschien Kinski nochmal vor der Bühne im Zuschauerraum, wo etwa 100 bis 200 Personen verblieben waren. Er setzte, mit schwacher Stimme, nochmal von Anfang des Textes an. Er unterbrach wegen störender Geräusche und setzte ein zweites Mal an, diesmal trug er den ganzen Text vor. Etwa zwei Stunden nach Mitternacht war die Aufführung beendet.

Die Pressekritiken der nächsten Tage waren zumeist sehr negativ. Kinski wurde, wie es auch ins übliche Kinski-Klischee passte, als nicht ganz ernst zu nehmender Krawallmacher beurteilt.

Es kam noch zu einer zweiten Aufführung am 27. November in der Düsseldorfer Philipshalle, die offenbar ohne nennenswerte Störungen verlief. Der Rest der Tournee wurde aufgrund der Insolvenz des Konzertveranstalters abgesagt. Dieser zweite Auftritt war Kinskis letzter Bühnenauftritt überhaupt.

Im Film „Mein liebster Feind“ macht Herzog dem Publikum den Vorwurf, es habe kein Interesse an einer reibungslosen Aufführung gehabt, sondern habe Kinski provoziert, um „ihn toben sehen zu wollen“.

Musik[Bearbeiten]

In dem Lied Glaubenskrieg der deutschen Band Feindflug werden Samples verwendet: „Ich bin nicht der offizielle Kirchenjesus, ich bin nicht euer Superstar“. Auch der Frankfurter DJ und Musikproduzent Oliver Lieb nutze für die Single Jesus ist da Samples aus der Aufführung. Luke Haines verwertete 2009 das gleiche Zitat, ebenso die christliche Oi!-Band Jesus Skins für das Lied „Religion“, bei welchem es sich um eine Interpretation des gleichnamigen Liedes von Slime handelt. Rex Joswig verarbeitet die Rezitation in seinem Stück Kinski in Dub. Außerdem wurde 2003 aus den Passagen der Tribute Sampler The Kinski Files produziert. Die mittlerweile aufgelöste deutsche Band daturah, die ihren Stil selbst als „Ambient Noise Rock“ bezeichnet, verwendete Samples auf dem 2008 erschienenen Album reverie. Auch das deutsche Rap-Duo Pimpulsiv verwendete in ihrem Song „Minimal Klaus“ auf dem Album Hepatitis P, aus dem Jahre 2010, Samples.

Hörspiel[Bearbeiten]

Bear Family Records veröffentlichte im Oktober 1999 eine gekürzte Fassung unter der Regie von Volker Kühn als Hörspiel (ISBN 3-89795-662-4).[2] Diese Fassung erschien in einer Auflage von 1000 Stück und wurde im Dezember 1999 wieder zurückgezogen, aufgrund einer Klage der Erben Klaus Kinskis (Minhoï und Nanhoï Nikolai).[2] 2006 wurde der Vortrag erneut als Hörspiel veröffentlicht.

Buch[Bearbeiten]

Peter Geyer, der auch beim späteren Film Regie führte, veröffentlichte 2006 ein Buch über die Ereignisse, das neben von Kinski verfassten Gedichten auch den beim Vortrag in Teilen abgeänderten Originaltext des Monologs enthält.

  • Peter Geyer (Hrsg.): Jesus Christus Erlöser und Fieber – Tagebuch eines Aussätzigen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-45813-2.

Film[Bearbeiten]

Die Aufführung vom 20. November 1971 wurde gefilmt und 2008 als Kinofilm, neu geschnitten, veröffentlicht. Im Film wird das verfügbare Material gekürzt gezeigt. Textpassagen aus Kinskis Autobiographie Ich brauche Liebe (1991) werden eingeblendet, in den Momenten wo Kinski die Bühne verlässt.[1]

  • Deutschland, 84 Minuten Farbe
  • Kinostart: 15. Mai 2008
  • Regie: Peter Geyer
  • Produktion: Kinski Productions, Peter Geyer
  • Executive Producer: Michael Dreher
  • Schnitt: Peter Geyer, Konrad Bohley, Michael Dreher
  • Online: Verena Wütschke
  • Ton: Jürgen Swoboda, Joschi Kaufmann, Stephan Radom, Stefan Kolbe
  • Musik: Florian Käppler, Daniel Requardt

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Presseheft des Filmverleihers (PDF; 299 kB)
  2. a b Homepage über Klaus Kinski

Weblinks[Bearbeiten]