Jiftach

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Die Richter Israels
Buch der Richter

1. Buch Samuel

Jephthas Rückkehr, Giovanni Antonio Pellegrini

Jiftach (hebr. יפתח, Bedeutung: „Er wird öffnen“, auch Jeftah, Jephtah oder Jephta) war sechs Jahre lang einer der Richter in Israel, natürlicher Sohn Gileads und einer Dirne, wurde von seinen Stammesgenossen, nachdem er von seinem väterlichen Erbe vertrieben war und ein Freibeuterleben im Lande Tob geführt hatte, zum Anführer gegen die Ammoniter gewählt (Ri 11,1–12,7 EU). Bekannt ist er vor allem durch ein Gelübde, das er gegenüber JHWH, dem Gott Israels, ablegte.

Jephthas Tochter[Bearbeiten]

jepthe obtulit filiam suam (Speculum Humanae Salvationis, Westfalen oder Köln, um 1360)

Als Heerführer gegen die Ammoniter gelobte Jephtha dem Ewigen im Fall des Sieges das zu opfern, was ihm bei der Rückkehr vor seiner Haustür zuerst begegnen würde: „Was zu meiner Haustür heraus mir entgegen gehet, wenn ich mit Frieden wiederkomme von den Kindern Ammon, das soll des HERRN sein, und will's zum Brandopfer opfern“ (11,31). Dies war („mit Pauken und Reigen“) seine eigene Tochter, sein einziges Kind. Die Begegnungsszene (11,35-37) schildert Jephthas herzzerreißende Erklärung gegenüber der Tochter („ich kann's nicht widerrufen“) und deren Einverständnis („so tue mir, wie es aus deinem Mund gegangen ist“). Sie erbittet sich allerdings eine zweimonatige Zeit der Einsamkeit, während derer sie „ihre Jungfrauschaft auf den Bergen beweinen“ wollte. Nach ihrer Rückkehr „tat er ihr, wie er gelobt hatte“ (11,39). Die Passage endet mit der Mitteilung, dass alle Frauen Israels alljährlich die Tochter Jephthas während einer viertägigen Klagezeit betrauern (11,40).

Die Irritation, die von diesem offenkundigen Menschenopfer ausgeht, hat die Auslegungsgeschichte jahrhundertelang geprägt. Viele Versuche wurden unternommen, das Anstößige der Geschichte durch Textverleugnung oder Interpretation abzumildern. Meist beruft man sich dabei auf den Umstand, dass die Opferung selbst nicht ausdrücklich beschrieben wird. Darin kommt jedoch zum Ausdruck, welche Bedenken bereits im biblischen Traditionsprozeß wirksam waren. An dem Faktum als solchem ändert es nichts. Luthers Erklärung ist abschließend: „Manche sind der festen Überzeugung, dass sie nicht geopfert wurde, doch der Text ist zu deutlich, um diese Auslegung zuzugestehen.“.[1]

Der bereits im Text selbst erkennbare Widerstand gegen Jephthas Gelübde ist biblisch verankert in dem Grundsatz des Mosaischen Gesetzes, wonach der Ewige die religiöse Opferung von Menschen als verabscheuungswürdige Tat brandmarkte (vgl. Lev 18,21 LUT; 20,2–5 LUT; Dtn 12,31 LUT). Waren es doch gerade die zahlreichen Menschenopfer der Kanaan bewohnenden Völker, die den Ewigen dazu veranlassten, den Israeliten, seinem auserwählten Volk, bei der Landnahme nach dem Auszug aus Ägypten aufzutragen, diese Nationen zu vernichten. Auch die lobende Erwähnung Jephthas im Brief an die Hebräer (11,32 LUT) steht einem solchen unterstellten Handeln entgegen.

Der Talmud lehrt, Jephtha habe nur den Erlös an Geld für die Tochter zu zahlen brauchen, verdammt aber allgemein ein derartiges gesetzwidriges Gelübde, während neuere Ausleger die „Opferung“ als Weihe der Tochter zu jungfräulichem Leben verstehen wollen und andere einen Mythos in der Erzählung sehen.

Dass sie ihre Jungfräulichkeit beweinte, wird von manchen Bibelauslegern so verstanden, dass sie aufgrund ihrer Verpflichtung für den Tempeldienst in der Stiftshütte niemals heiraten durfte und daher keine eigene Kinder haben konnte. Dies stellte sowohl für sie als auch für ihren Vater ein wirkliches Opfer dar, denn Kinderlosigkeit galt damals als eine Schmach, in diesem Fall sogar eine doppelte Schmach, weil sie Jephthas einziges Kind war.[2]

Von Interesse ist, dass sich nahezu der gleiche Legendenverlauf auch in der griechischen Sage von Idomeneus findet, was möglicherweise auf eine gegenseitige Beeinflussung der jüdischen und griechischen Sagenkultur hinweist.

Kampf gegen die Ephraimiten[Bearbeiten]

Efraim eröffnete den Kampf gegen Gilead und seinen Heerführer Jiftach, da dieser allein gegen die Ammoniter gezogen war (Ri 12,1 EU). Efraim unterlag den Gileaditern und Gilead besetzte daraufhin die Furten des Jordan nach Efraim, so dass die fliehenden Efraimiten nicht nach Hause zurückkehren konnten.

In der Überlieferung des Krieges gegen die Ephraimiten wird die Bedeutung der Parole verdeutlicht. Sie lautete „Schibboleth“. Die flüchtigen Ephraimiten verrieten sich, indem sie dieses hebräische Wort als Sibboleth aussprachen. Dabei wurde die Zahl der Getöteten mit 42.000 beziffert (Ri 12,5–6 EU).

Stoff[Bearbeiten]

Der Stoff bildete die Grundlage sowohl für musikalische als auch für literarische Werke:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jephthah – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weitere Stimmen aus der Auslegungsgeschichte: [1].
  2. Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft (Hrsg.): Einsichten über die Heilige Schrift, Band 1: A-J, Selters/Taunus, 1990, S. 1303–1305
Vorgänger Amt Nachfolger
Jaïr Richter Ibzan