Jim Crow

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Dieser Artikel behandelt den diskriminierenden Stereotyp des US–amerikanischen Schwarzen; zum ebenfalls häufig Jim Crow genannten US–amerikanischen Wissenschaftler siehe James F. Crow
Jim Crow

Der Ausdruck Jim Crow („Jim, die Krähe“) steht in den USA für die Geschichte der Rassendiskriminierung. Jim Crow ist das Stereotyp eines tanzenden, singenden, mit sich und der Welt zufriedenen, aber unterdurchschnittlich intelligenten Schwarzen, ein beliebtes Thema vor allem in den Minstrel Shows im Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Geprägt wurde die Figur des tanzenden Jim Crow von dem Komiker Thomas D. Rice.

Jim Crow Laws[Bearbeiten]

Als Jim Crow Laws (Jim-Crow-Gesetze) werden in den USA Gesetze bezeichnet, die von 1876 bis 1964 eine Rassentrennung (vor allem zwischen Afroamerikanern und Weißen) vorschrieben. Die Zeit, in der diese Gesetze entstanden, wird entsprechend als Jim Crow Period oder Jim Crow Era (dt. Jim-Crow-Periode oder -Ära) bezeichnet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellten das Ende der Sklaverei nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg und die Emanzipationsbestrebungen die allgemein verbreitete Rassendiskriminierung sowie die vor allem in den Südstaaten traditionelle Rassentrennung in Frage. Ab 1876 verabschiedeten daraufhin mehrere Bundesstaaten (vor allem Südstaaten und angrenzende Staaten) Gesetze, welche die Rassentrennung im täglichen Leben rechtlich zementierten. Der Oberste Gerichtshof (Supreme Court) bestätigte die Gesetze 1896 de facto in seiner Entscheidung Plessy v. Ferguson und bestimmte, dass Rassentrennung – im konkreten Fall ging es um getrennte Eisenbahnabteile – zulässig sei, wenn die den Weißen und Schwarzen zustehenden Einrichtungen gleichwertig seien. Dieser Grundsatz wurde als Separate but equal (getrennt, aber gleich) bekannt.

Rosa Parks war eine schwarze US-amerikanische Bürgerrechtlerin, die am 1. Dezember 1955 in der Stadt Montgomery (im amerikanischen Bundesstaat Alabama) verhaftet wurde, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. Ihr ziviler Ungehorsam gegen dieses rassendiskriminierende Rechtsinstitut löste den Busboykott von Montgomery aus, der seither neben den Protesten im Fall Emmett Till als Anfang der schwarzen Bürgerrechtsbewegung gilt.

Die Gesetze zur Rassentrennung und -diskriminierung sowie ihre Umsetzung wurden im Zuge der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung (Civil rights movement) in den 1950er und 1960er Jahren nach und nach abgeschafft bzw. aufgehoben. Der Supreme Court urteilte 1954 im Prozess Brown v. Board of Education, dass Gleichheit bei Rassentrennung in der Praxis unmöglich sei und erklärte die Rassentrennung an staatlich finanzierten Schulen für unzulässig. Der Civil Rights Act von 1964 (Bürgerrechtsgesetz von 1964) hob alle noch bestehenden Jim-Crow-Gesetze auf.

Cornel West spricht von einer neuen Jim-Crow-Gesetzesära, die sich in der heutigen Zeit in den USA ausgebreitet hat; diese äußert sich ihm zufolge nicht durch in Gesetzen als solches manifestierte Rassentrennung, sondern durch die de facto schlechtere Behandlung von Afroamerikanern durch die Polizei oder vor Gericht. Als Beispiele hierfür nennt er unter anderem die prozentual höhere Verurteilungsrate von Afroamerikanern gegenüber Weißen für die gleichen Delikte und die in New York gängige Polizeipraxis des Stop-and-frisk, bei der vor allem dunkelhäutige Afroamerikaner und Latinos ohne speziellen Verdacht auf der Straße angehalten und nach Waffen oder Drogen durchsucht werden.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Minstrel Show; in: Richard Moody (Hg.): Dramas from the American Theatre 1762–1909. New York: Houghton Mifflin, 1966.
  • Franklin, John Hope: An Illustrated History of Black Americans. New York: Time Life Books, 1970. ISBN 0316845965

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Cornel West, die philosophische Stimme Afroamerikas. https://www.youtube.com/watch?v=kXfzpA7gKjI