Jim Rakete

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Jim Rakete, 2009

Jim Rakete (* 1. Januar 1951 in Berlin; eigentlich Günther Rakete) ist ein deutscher Fotograf und Fotojournalist. Bekannt wurde Rakete durch seine meist in Schwarz-Weiß gehaltenen Porträtfotografien von Prominenten.[1]

Leben[Bearbeiten]

Er ist Nachkomme ausgewanderter Hugenotten, deren ursprünglicher Name Raquette war. Ein deutscher Standesbeamter verballhornte später in einem offiziellen Pass den Nachnamen zu Rakete. Der Name wurde von den nachfolgenden Generationen beibehalten. Er ist der Bruder der Berliner Rechtsanwältin Ingeborg Rakete-Dombek.

Früh interessierte sich Rakete für Fotografie und Musik. Schon im Alter von vier Jahren machte er erste Schnappschüsse mit einem Fotoapparat. Jim Rakete habe „immer fasziniert, dass man da eine Box hat, mit der man die Zeit anhalten kann“. Später fotografierte er die Berliner Musikszene. Bereits mit 17 Jahren fotografierte er professionell für Tageszeitungen und Agenturen, unter anderem Jimi Hendrix, Ray Charles, David Bowie und Mick Jagger.

Von 1977 bis 1987 führte er in einer Kreuzberger Fabriketage eine Fotoagentur, genannt die „Fabrik“. In dieser Zeit fotografierte er nicht nur die Cover vieler Musiker der Neuen Deutschen Welle, sondern arbeitete auch als Musikproduzent und Manager. Zu den bekanntesten der von Rakete betreuten Künstler und Bands zählen Nina Hagen, Nena, Spliff, Interzone, Sternhagel, Morgenrot und Die Ärzte. In der Nacht zum 17. Juni 1980 (damals das Datum des Nationalfeiertags Tag der Deutschen Einheit) fotografierte Jim Rakete, wie Heiner Pudelko und andere Musiker der Blues-Rockband Interzone in der Nähe des Potsdamer Platzes einen 50 Meter langen Teil der Berliner Mauer mit dem Bandlogo bemalten und daraufhin von der britischen Militärpolizei verhaftet wurden. Die Aktion wurde jedoch ein großer Promotion-Effekt für die Band und ihren Manager.

Seit 1987 widmet sich Rakete vollständig der Fotografie, seither hat er zahlreiche Größen der deutschen und internationalen Musik- und Filmbranche porträtiert, unter anderem Til Schweiger, Meret Becker, Moritz Bleibtreu, Wolfgang Michels, Jürgen Vogel, die Berliner Philharmoniker und Annett Louisan. Ein besonderes Interesse gilt auch den Nachwuchstalenten aus Film und Musik. Nach längerem Aufenthalt in Hamburg zog er 2001 wieder nach Berlin und hat sein Studio in Kreuzberg.

Im Jahre 2010 war Rakete als Fotograf federführend bei einer Spendenaktion für das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main. Die Aktion, bei der bekannte Persönlichkeiten für den Fotografen posierten, sollte eine Finanzierungslücke beim Umbau des Museums schließen. Dazu entstand eine Ausstellung, die unter dem Titel Stand der Dinge deutschlandweit gezeigt wurde.[2]

Jim Rakete steht der digitalen Fotografie ablehnend gegenüber und hält gegenwärtig weiterhin der klassischen chemisch-analogen Technik die Treue, denn er wolle nicht das handwerkliche Können rund um die Dunkelkammer verlernen. Für ihn habe die Digitalfotografie nichts mit Realität zu tun, sondern mehr mit Konstruktion, wenn am Computer Fotos nachbearbeitet werden. Viele Portraits entstanden mit einer Großformatkamera, weil das (technisch sehr umständliche) Arbeiten damit eine intensive Konzentration erfordert, gleichzeitig aber, wegen der mangelnden Kontrolle im Augenblick des Auslösens, einen spontanen Moment beinhaltet.[3]

Jim Rakete pflegt auch direkte Kontakte zur Politik. Er ist bspw. mit Otto Schily befreundet und war einer der prominenten Unterstützer von Gerhard Schröder im Bundestagswahlkampf 2005.

Ausstellungen[Bearbeiten]

Wolfgang Michels fotografiert von Jim Rakete
  • 1997: Jim Rakete – Photographien (Museum St. Ingbert)
  • 2002: Bleib so – Fotografien von Jim Rakete und Mathias Bothor (Stiftung Demokratie Saarland 6. November bis 6. Dezember 2002)
  • 2008: Jim Rakete – Photographien (Galerie „Camera Work“ in Berlin 19. Januar bis 1. März 2008)
  • 2008: Jim Rakete – 1/8 sec. – Augen/Blick/Porträts (Deutsches Filmmuseum in Frankfurt/Main, 24. September 2008 bis 4. Januar 2009), dazu die Ausstellung begleitende Podiumsdiskussionen zwischen dem Fotografen und einigen seiner Modelle wie Ulrich Matthes oder Till Brönner
  • 2009: Jim Rakete – 1/8 sec. – Vertraute Fremde in der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen vom 17. Januar 2009 bis 10. Mai 2009
  • 2010: Jim Rakete – Vertraute Fremde in der Galerie Hilaneh von Kories, Hamburg, vom 12. März 2010 bis 6. Mai 2010
  • 2011: Jim Rakete – Stand der Dinge in der Kunsthalle Koidl, Berlin, vom 10. Februar bis 11. März 2011
  • 2011/2012: Jim Rakete – Stand der Dinge: 100 Porträts für das Deutsche Filmmuseum, bis 8. Februar 2012, Deutsches Filmmuseum, Frankfurt am Main
  • 2012: Wir & Ich - Photographien von Jim Rakete, 19. August bis 30. September 2012, Museum Bensheim
  • 2013: Jim Rakete - Vertigo, 13. Februar bis 13. April 2013, Münzing Claassen Galerie, Berlin.
  • 2013: Jim Rakete - Stand der Dinge - 100 Porträts für das deutsche Filmmuseum, An der Kolvenburg 3, 48727 Billerbeck, 24. März bis 9. Juni 2013
  • 2014: Jim Rakete - Stand der Dinge, 27. Februar bis 10. Mai 2014, BTV FO.KU.S, Foto Kunst Stadtforum, Innsbruck

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Januar 2003 wurde eine Zimmer frei Sendung mit Jim Rakete aufgezeichnet. Die Sendung wurde jedoch nie ausgestrahlt. Der WDR lieferte dazu keine Begründung. Bei einem Interview 2011 mit Jörg Thadeusz in der Sendung Thadeusz des RBB bestätigte er dies, wollte die Gründe aber nicht darlegen. Er meinte nur, dass man sich ähnlich wie bei der Zimmer frei Sendung mit Cherno Jobatey über ein Problem aus seiner Vergangenheit zu sehr lustig gemacht habe.

Literatur[Bearbeiten]

Fotografische Arbeiten
  • Rene Lezard (Hrsg.): Jim Rakete. The Complete Key West Session. Lezard, Schwarzach 1986 (ganzseitige Modefotografien)
  • Jim Rakete: Photographien 1970–1997. Schirmer/Mosel, München 1997, ISBN 3-88814-886-3
  • Jim Rakete, Rolf Hosfeld, Rainer Wörtmann: Friedrichstadtpalast Berlin. Europas größtes Revue-Theater. Metz, Hamburg 1999, ISBN 3980556336
  • Jim Rakete. Workbook. Selbstverlag Heidelberger Druckmaschinen, Heidelberg 2000 (People in the Graphic Arts Industry)
  • Moon Suk: Mond und Sterne. 22 poetische Porträts. Wunderlich, Reinbek bei Hamburg 2006, ISBN 978-3-8052-0810-9 (Fotografien von Jim Rakete)
  • Ulf Meyer zu Küingdorf (Autor), Jim Rakete (Fotograf), Mark Gisbourne (Autor): Kunst Station Berlin Knesebeck-Verlag, September 2006, ISBN 978-3896603647
  • Jim Rakete: 1/8 sec./Vertraute Fremde (Gebundene Ausgabe), Schirmer/Mosel, München 2008, ISBN 978-38296-0296-9
  • Jim Rakete: Stand der Dinge: 100 Porträts für das Deutsche Filmmuseum, Schirmer/Mosel, München 2011, ISBN 978-3-8296-0533-5
Interview
  • Gero von Boehm: Jim Rakete. 16. Januar 2008. Interview in: Begegnungen. Menschenbilder aus drei Jahrzehnten. Collection Rolf Heyne, München 2012, ISBN 978-3-89910-443-1, S.577-584

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jim Rakete – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Am Mikrofon - Der Fotograf Jim Rakete, Deutschlandradio am 21. Juni 2014, abgerufen am 4. August 2014
  2. Sonderausstellung - Jim Rakete - Stand der Dinge, Deutsches Filminstitut, abgerufen am 4. August 20124
  3. Fotograf Jim Rakete zur Kodak-Insolvenz - Zu langsam für die digitale Geschwätzigkeit, Süddeutsche Zeitung am 25. Januar 2012, abgerufen am 4. August 2014