Jindřichovice

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Jindřichovice (Begriffsklärung) aufgeführt.
Jindřichovice
Wappen von Jindřichovice
Jindřichovice (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 4439,689[1] ha
Geographische Lage: 50° 17′ N, 12° 37′ O50.28333333333312.624722222222646Koordinaten: 50° 17′ 0″ N, 12° 37′ 29″ O
Höhe: 646 m n.m.
Einwohner: 462 (1. Jan. 2014) [2]
Postleitzahl: 357 04 bis 357 05
Kfz-Kennzeichen: K
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Anna Polívková (Stand: 2007)
Adresse: Jindřichovice 232
358 01 Kraslice
Gemeindenummer: 560413
Website: www.obecjindrichovice.cz
Lageplan
Lage von Jindřichovice im Bezirk Sokolov
Karte

Jindřichovice (deutsch Heinrichsgrün) ist eine ehemalige Bergstadt im westlichen Erzgebirge im Okres Sokolov in Tschechien.

Geografie[Bearbeiten]

Jindřichovice liegt zwischen 640 und 700 m auf einer Hochfläche des Nejdecka vrchovina (deutsch: Neudecker Bergland), das den Südwestteil des Westerzgebirges bildet. Nachbarorte sind im Südwesten Oloví (deutsch Bleistadt), im Nordwesten Rotava (deutsch Rothau) und im Norden Šindelová (deutsch Schindlwald). Im Süden sind die Abraumhalden des Braunkohletagebaus im Falkenauer Becken bei Dolní Nivy etwa fünf Kilometer entfernt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ersterwähnung von Heinrichsgrün erfolgte 1273 in einem Schriftstück von Papst Gregor X. Der Ort gehörte damals zur Grundherrschaft des Klosters Tepl. Von 1434 bis 1672 war Heinrichsgrün im Besitz der Grafen Schlick, unter denen der Ort wie das benachbarte Sankt Joachimsthal zu einer wirtschaftlichen Blüte kam. Zinn, Eisenerz, Blei und Silber wurden abgebaut. Im Jahre 1537 erhielt Heinrichsgrün die Stadtprivilegien, bereits 1518 ein Rathaus, 1537 eine Brauerei und 1592 eine Schule.

Im Jahre 1627 mussten die Schlick den Besitz an Otto von Nostitz verkaufen. Dessen Nachkomme Friedrich Nostitz-Rieneck (1893-1973), verehelicht mit Sophie Nostitz-Rieneck, geborene Fürstin von Hohenberg aus dem Hause Habsburg war bis 1945 Eigentümer des Ortes, sie lebten nach der Vertreibung in Salzburg-Aigen.[3]

Mausoleum der Kriegsgefangenen

Während des Ersten Weltkrieges errichtete 1915 die k.u.k. Monarchie ein Gefangenenlager, hauptsächlich für serbische, russische und italienische Gefangene, in der Nähe von Heinrichsgrün. Etwa 28 000 Gefangene mussten in den Eisen- und Bergbaubetrieben, besonders in Rothau und Chodau, arbeiten. Viele von ihnen starben vor Hunger, Erschöpfung und wegen der schlechten Hygiene auch an Epidemien. Sie wurden zunächst in der Nähe des Lagers, teils in Massengräbern, begraben. Nach Kriegsende ließ die damalige jugoslawische Regierung ein von den Gefangenen gebautes Wasserwerk zu einem Mausoleum umbauen. Die meisten der Gebeine wurden exhumiert und dort beigesetzt. Heute befindet sich dort eine Gedenkstätte.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Jindřichovice besteht aus den Ortsteilen Háj (Silbersgrün) und Jindřichovice (Heinrichsgrün).[4] Grundsiedlungseinheiten sind Háj, Heřmanov (Hermannsgrün), Hradecká (Scheft), Jindřichovice, Loučná (Waitzengrün), Mezihorská (Kührberg), Poušť (Oed), Rác und Stará (Altengrün).[5] Zu Jindřichovice gehört außerdem die Einschicht Smrčina (Kronesberg).

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Háj u Jindřichovic, Heřmanov v Krušných horách, Hradecká, Jindřichovice v Krušných horách, Loučná v Krušných horách, Mezihorská, Poušť und Stará.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick zur St. Martinskirche
  • Schloss, 1672 von Johann Hartwig von Nostitz als Ersatz für die alte Schlick-Festung erbaut. Es wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts pseudogotisch umgebaut und ist Sitz des Bezirksachivs Sokolov (Státní Okresní Archiv Sokolov)
  • Mausoleum für ehemalige Kriegsgefangene des Ersten Weltkrieges. Im Mausoleum ruhen die sterblichen Überreste von 189 Russen und annähernd 7100 Serben.
  • St. Martinskirche, ein Bau aus dem Jahre 1803 mit interessantem achteckigen Turm.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Brandl: Festschrift zur 400 Jahrfeier der Stadt Heinrichsgrün, Heinrichsgrün 1937

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jindřichovice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560413/Jindrichovice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  3. (Josef Weinmann: Egerländer Biographisches Lexikon mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Reg.-Bez. Eger, Band 2, Männedorf/ZH 1987, ISBN 3 922808 12 3, Gesamtherstellung: Druckhaus Bayreuth, Verlagsgesellschaft m.b.H. Bayreuth, Seite 24; Graslitzer Nachrichten 1 (1974))
  4. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560413/Obec-Jindrichovice
  5. http://www.uir.cz/zsj-obec/560413/Obec-Jindrichovice
  6. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560413/Obec-Jindrichovice