Jizchak Jakob Reines

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Isaak Jakob Reines (* 27. Oktober 1839 in Karlin, Pinsk; † 1915 in Lida, heute Weißrussland; vollständiger Name Jizchak Jakob ben Salomon Naphtali Reines, auch: Ya'acov Reines) war russischer Rabbiner, Talmudgelehrter und Mitgründer der Misrachi-Bewegung, der orthodoxen Fraktion der zionistischen Organisation.

Leben[Bearbeiten]

Reines wurde in Karlin geboren und in den Jeschiwot von Eischistok und Woloschin ausgebildet, zusätzlich erhielt er Unterricht von seinem Schwiegervater, Rabbiner Josef Rosen in Hordok.

Reines amtierte als Rabbiner in Litauen, beginnend in Schukian; sein zweites und gleichzeitig auch letztes Rabbinat war in Lida (Gouvernement Wilna), wo er von 1885 bis zu seinem Tod wirkte. Reines war seit ihrer Entstehung ein eifriger Vorkämpfer der Chibbat Zion-Bewegung. Er schloss sich Rabbiner Samuel Mohilever an und schlug Siedlungen vor, in denen Torastudium und körperliche Arbeit miteinander verbunden werden sollten. Reines war auch einer der ersten Rabbiner, die Theodor Herzls Aufruf, ein Teil der zionistischen Bewegung zu werden, Folge leisteten. Reines nahm seit 1897 an fast allen Zionistenkongressen teil.

Während seine meisten ost- und westeuropäischen Rabbinerkollegen Herzls politischem Zionismus ablehnend gegenüberstanden, veröffentlichte Reines 1902 das Buch Or chadasch al Zion („Ein neues Licht auf Zion“), eine Entgegnung auf die Forderungen der antizionistischen Rabbiner. Im selben Jahr organisierte er in Wilna (nach anderen Quellen: in Minsk) eine Konferenz der religiösen Zionisten, auf der basierend die Misrachi-Bewegung schnelle Fortschritte machte (die Misrachi-Föderation war bereits 1901 von ihm gegründet worden). 1903 gab er mit S. Jawitz die erste misrachistische Zeitschrift Hamisrachi heraus. Auf dem 6. Kongress (Basel 1903) gehörte er auch zu den Befürwortern des britischen Uganda-Projektes.

1904, anlässlich des Gründungskongresses der Gesamt-Misrachi in Pressburg (heutiges Bratislava), wurde er als Oberhaupt aller Misrachisten anerkannt. Im selben Jahr erfüllte er sich mit der Errichtung einer schnell berühmt gewordenen Jeschiwa in Lida seinen persönlichen Traum. Dort wurden allgemeine und religiöse Fächer unterrichtet, und im scharfen Gegensatz zur Pilpul-Methode stehend, die die bisherige, vor allem osteuropäische jüdische Gelehrsamkeit charakterisierte, waren seine Methoden damals außergewöhnlich.

Sein Sohn Moses Reines trat als Historiker des russischen Judentums hervor.

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • Edut bi Jehosef, Wilna 1866 (Kommentare zum Werk seines Schwiegervaters)
  • Edut be-Jaakob, Wilna 1872
  • Chotem tochnit, 1880/1881, 2 Bände (Entwicklung des Planes einer neuen Methode des Talmud-Studiums)
  • Scha'are orah, Wilna 1886 (über Haggada und Midrasch)
  • Orim gedolim, 1887 (Halachisches)
  • Nod schel dema'ot, 1891 (Predigten)
  • Or schibath hajomim, Wilna 1896 (Halachisches)
  • Orach wesimcha, Wilna 1898 (über das Purimfest)