João Havelange

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João Havelange (2010)

Jean-Marie Faustin Goedefroid de Havelange, kurz João Havelange (* 8. Mai 1916 in Rio de Janeiro), ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballfunktionär und seit 1936 Rechtsanwalt.

Von 1974 bis 1998 war er der 7. Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA und von 1963 bis 2011 war er Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).[1] Zudem war er Ehrenpräsident der FIFA. Unter Havelanges Führung entwickelte sich die FIFA zum größten Sportverband der Welt; ihm gehörten 2005 Sportverbände aus mehr Staaten an, als die Vereinten Nationen Mitglieder haben. Die 24-jährige Amtszeit Havelanges gilt als ein bedeutender Abschnitt in der Geschichte des Fußballs.

Havelange stand wegen seines als autokratisch beschriebenen Führungsstils wiederholt in der Kritik. 2011 bestätigte sich der langjährige Verdacht, dass Havelange während seiner Zeit als FIFA-Präsident Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe entgegengenommen hatte. Er musste daher aus dem Olympischen Komitee zurücktreten.

Leben[Bearbeiten]

Havelanges Vater war ein belgischer Waffenhändler, der nach Brasilien ausgewandert war. Er verstarb, als João Havelange 17 Jahre alt war. Bei den Olympischen Spielen von Berlin 1936 war Havelange als Schwimmer dabei, bei den Spielen von Helsinki 1952 trat er als Wasserball-Spieler an. Havelange hat Jura an der Universidade Federal Fluminense studiert.

Havelange war beim Sieg Uruguays im Maracanã-Stadion 1950 anwesend, genau wie bei zwölf weiteren Fußball-Weltmeisterschafts-Endrunden.

Von 1958 bis 1975 war Havelange Präsident des Brasilianischen Sportbundes, der nicht nur für Fußball, sondern auch für 23 weitere Amateursportarten zuständig war. Doch war der Fußball die alles beherrschende Sportart in Brasilien. Havelange wurde am 11. Juni 1974 Präsident der FIFA und hatte diese Position bis zum 8. Juni 1998 inne. Sein Nachfolger wurde Sepp Blatter.

Seinen Kritikern, die ihn oft als Despot beschimpften, hält er entgegen: „Als ich im FIFA-Hauptquartier in Zürich/Schweiz ankam, da fand ich ein altes Haus vor und ein bisschen Geld in einer Schublade. Als ich 24 Jahre später meinen Posten räumte, besaß die FIFA Verträge und Besitztümer im Wert von über vier Milliarden US-Dollar.“

In seiner Heimatstadt Rio de Janeiro ist das Olympiastadion für die Sommerspiele 2016 nach Havelange benannt, es wurde 2007 fertiggestellt. Auch das Hauptgebäude des CONCACAF (Nord- und Zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation) ist nach ihm benannt.

Ausschluss aus dem IOC, Rücktritt als Ehrenpräsident der FIFA[Bearbeiten]

Im Dezember 2011 wurde Havelange vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zum Rücktritt aufgefordert, sonst wäre er wegen erwiesener Korruption aus dem IOC ausgeschlossen worden.[2] Havelange zählte zu den Hauptbegünstigten des größten bekannten Korruptionssystems der Sportgeschichte: ISL/ISMM ging 2001 in Konkurs; im anschließenden Strafverfahren wurde strafgerichtlich festgestellt, dass die ISL in der Zeit von 1989 bis 1999 insgesamt 138 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld an zahlreiche Sportfunktionäre gezahlt hatte.[3][4] [5][6]

Noch 2012 wurde Havelange für den Friedensnobelpreis für „seinen Einsatz für soziale Gerechtigkeit“ nominiert. Havelange zeigte sich über die Nominierung hocherfreut und beteuerte, „niemals Geld von irgendjemandem genommen zu haben“.[7]

Wegen der Korruptionsvorwürfe gegen ihn trat Havelange am 30. April 2013 vom Amt des Ehrenpräsidenten der FIFA zurück.[8]

Auszeichnungen (Auszug)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: João Havelange – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jens Weinreich: Der unrühmliche Abgang João Havelanges; Artikel in NZZ Online vom 6. Dezember 2011, aufgerufen 6. Dezember 2011
  2. spiegel.de: Milde Strafen für IOC-Top-Funktionäre
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJens Weinreich: Millionenschwerer Schmiergeldskandal: Fifa-Funktionäre kaufen sich frei. Spiegel Online, 25. Juni 2010, abgerufen am 10. März 2011.
  4. Roland Zorn: Joao Havelange: Abtritt des Caudillo; Artikel auf faz.net vom 5. Dezember 2011; aufgerufen am 11. Juli 2012
  5. spiegel.de 11. Juli 2012: Havelange und Teixeira kassierten Schmiergelder. - Wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, haben der ehemalige FIFA-Präsident und sein Schwiegersohn im Rahmen der ISL-Affäre Millionen kassiert. Auch Fifa-Chef Blatter gerät unter Druck.
  6. Originalquelle (PDF-Datei; 187 kB)
  7. Said & Done, Artikel des Observer vom 11. Mai 2013
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Formataha/dpa/sid/rtr: Korruption im Weltfußball: Havelange tritt als Fifa-Ehrenpräsident zurück. Spiegel Online, 30. April 2013, abgerufen am 30. April 2013.
  9. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB)